Mein exmann war/ist depressiv, auch dadurch verändern sich Persönlichkeiten.
Auch ich habe jahrelang gedacht:
Neee, das wird wieder.
Stell dich nicht so an, andere haben auch schwere Zeiten und stehen das durch.
Man muss zusammenhalten, grade wenn es schwierig ist.
Ich kann noch ein bisschen.
Ich warte noch bis dies oder das geschieht oder bis zu diesem oder jenem Zeitpunkt.
Er war ganz anders als wir uns kennenlernten, irgendwo da drin ist bestinmt noch der alte.
Er hat ja nach wir vor auch gute Seiten und es gibt ja auch immer noch mal schöne Momente.
Er wird abstürzen, wenn ich ihn verlasse.
Er ist meinetwegen weggezogen von den Eltern etc. - das kann ich ihm nicht antun (auch mein Ex meinte in der Paarberatung dann mal, dass er tief drinen schon der Meinung sei, ich würde ihm was dafür schulden).
Er hat ja niemanden außer mir.
Ich kann ihn nicht ändern, nur mich selbst - ich könnte nachsichtiger mit ihm sein und es einfach akzeptieren.
Ich muss mir mehr Mühe geben und nochmal richtig was reinstecken, auch gefühlsmäßig.
Aber egal wie man es dreht und wendet: am Ende steht da ein: Ich bin schon lange nicht mehr zufrieden und gut aufgehoben in dieser Beziehung.
Ich bin zu einer Einzeltherapie gegangen und habe mich dann getrennt.
Das ganze war ein Prozess, der fast 3 Jahre in Anspruch genommen hat (allerdings mit Haus und Kindern).
Fakt ist: nachdem er sich jahrelang geweigert hat, hat er nun, rund ein Jahr nach der Trennung, eine Therapie begonnen und sich ärztliche Hilfe gesucht.
Fakt ist: ich habe meine persönlichen Grenzen so oft verschoben, dass ich am Ende gar nicht mehr richtig wusste, wer ich eigentlich bin, was ok für mich ist und was nicht, was ich mir wünsche usw. Nie habe ich auf den Tisch gehauen und gesagt: Schluss jetzt. Das konnte ich tatsächlich erst mit der Unterstützung durch die Beratung.
Fakt ist auch: ich habe die Entscheidung, so schwierig und langwierig sie war, bis dato nicht für mich bereut.
Ich fühle mich besser und wieder stärker es ist gut, eigene Entscheidungen zu treffen und mein Leben wieder so gestalten zu können, dass es mir Freude macht und ich auch wieder Freude an mir selbst habe (von Freunden mal ganz abgesehen, von denen nach der Beziehung kaum welche übrig waren).
Ich habe mich noch nie in meinem Leben im Streit o.ä. von anderen Menschen abgewandt (habe mich allerdings auch nie so schlimm gestritten), auch zu meinem Ex pflege ich jetzt ein gutes Verhältnis, würde ich sagen. Bin da auch mehr der Typ: bis zum Ende durchhalten...-aber vielleicht auch, weil ich mir heimlich in der Rolle gefalle (?): die Jeanne d'Arc der Beziehungen, die auch am letzten Aschehäufchen noch beharrlich steht und heldenhaft aushält für die Liebe/Freundschaft/wasauchimmer. Oder weil ich Angst habe zu versagen und abgelehnt zu werden? Dass es am Ende sein kann, dass jemand mich dann nicht mehr mag - und ich damit nicht umgehen müssen will?
Vielleicht von beidem etwas?
Da lohnt sich manchmal auch ein kritischer Blick drauf, WARUM das eigentlich so wichtig für einen ist.
Zitat von Balu85: Da du dir selber nicht sicher bist ob du ihn noch liebst, oder einfach an der Erinnerung an den Menschen von früher festhältst würde ich sagen das du reinen Tisch machen solltest.
Das denke ich auch.