GASTGASTGAST
Gast
Aus meiner Sicht würde ich ihn so beschreiben: Er ist extrem in allem, was er tut. Er macht alles fünfmal so intensiv, wie es sein müsste. Er ist Perfektionist. Er hat einen Kontrollzwang. Er hat ganz bestimmte Erwartungen an seine Mitmenschen/an seine Partnerin, und wenn diese nicht erfüllt werden, empfindet er dies als Beweis für Mangel an Respekt/Liebe, empfindet seine „Bemühungen, anderen zu helfen, denn er meint es ja nur gut“, als ungewollt/unwillkommen. Er hat ein extremes Fürsorgebedürfnis, was ich wohl als Liebe und Interesse an meiner Person fehlinterpretiert hatte. Sein Ventil ist Sex, und zwar so viel Sex, dass dies von einer „normalen“ Frau nicht zu bewältigen ist. Er ist ununterbrochen am Jammern über Probleme, die da sind, über Probleme, die noch kommen werden, und über die Schmerzen, die er durch all diese Probleme überall in seinem Körper spürt. Er empfand meinen pubertierenden Sohn als extremen Störfaktor in der Beziehung, und ist sehr oft sehr hart mit ihm umgegangen. Auch meine „Unfähigkeit“ in s.ueller Hinsicht waren ein extremer Störfaktor für ihn. Er ist sehr intelligent und wortgewandt, und hat mich oft in den Boden geredet.
All dies ist ihm aber nicht bewusst, denn es ist für ihn „normal“. Denn er konnte auch ganz anders. Und außerhalb solcher Situationen gab es auch unzählige wunderschöne Momente, Tage. Er ist aufmerksam, hilfsbereit, kann Liebe geben, und Partner, Freund, Vater sein. Ich für meinen Teil habe mit diesem Mann zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl „Familie“, „füreinander und miteinander“ gehabt, das hatte ich vorher noch nie. Ich habe auch unheimlich viel Verständnis für ihn gehabt, denn er hat wirklich schlimme Traumata in seinem Leben erlebt, und trotzdem immer versucht, sein Bestes zu geben. Ich war immer der Meinung, wenn wir daran arbeiten, würden wir das schon hinkriegen. Er hat sich auch lange bemüht, und alles in seinen Möglichkeiten stehende versucht.
Jetzt sitze ich hier, weiß nicht, wo „mein Mann“ ist, und gehe kaputt vor Sehnsucht nach ihm. Es tut mir unglaublich weh, und irgendwie ist kein Land in Sicht, mit diesem Schmerz fertig zu werden. Er hat mich einfach weg geschmissen, als hätte es die letzten drei Jahre niemals gegeben…
