vanilleschote2
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nach langer Zeit möchte ich hier mal wieder nach Meinungen fragen. Ich war "früher" viel hier unterwegs, eigentlich passt mein aktuelles Thema so gar nicht zu "Trennungsschmerzen". Aber ich weiß, dass man hier viele Meinungen aus verschiedensten Blickwinkeln bekommt.
Gerade lerne ich einen neuen Mann kennen. Ich 29, er 37. Er ist seit ein paar Monaten bei uns im Unternehmen. Seit Mitte/Ende April unterhalten wir uns auch privat, vor gut 4 Wochen war unser erstes Date. Seither gab es ein paar weitere Dates, viele gemeinsame Mittagspausen, viel privaten Kontakt. Alles im Grunde super. Er ist wahnsinnig lieb, kümmert sich um mich, ist verlässlich, wir haben viele Gemeinsamkeiten, haben immer Gesprächsstoff, können miteinander lachen, ich fühl mich sehr wohl bei und mit ihm. Kurzum – er ist der erste Mann seit 10 Jahren, mit dem es einfach super entspannt, ohne Drama, ohne Probleme läuft und der mir wirklich einfach guttut. Nicht zu viel und nicht zu wenig von allem.
So, nun habe ich vor gut 10 Tagen langsam angefangen ein ungutes Bauchgefühl zu entwickeln. Ich höre sehr genau auf mein Bauchgefühl. Die letzten Jahre hatte ich einige schlechte und schmerzhafte Männererfahrungen und will deshalb gut auf mich aufpassen. Und mein Bauchgefühl liegt auch meist richtig. Ich fing die letzten Tage an zu glauben, er wolle nur Spaß, Freundschaft Plus oder hat vielleicht eine andere. Obwohl das irgendwie gar nicht so zu seiner Art passte. Ich hielt es nun nicht mehr aus und bat ihn gestern um einen Spaziergang, während welchem ich ihm meine Sorgen schilderte.
Ich muss vorwegsagen: bereits an unserem ersten Date sagte er mir, dass er mir einige Dinge von sich aus seiner Vergangenheit erzählen will. Dass ich vermutlich schockiert sein werde, lachen werde, weinen werde, jegliche Gefühle durchmachen werde. Dass er es aber einfach nicht alles auf einmal erzählen könne. An diesem Abend erzählte er mir, dass er vor ein paar Jahren einen Zugunfall hatte. Der Hergang des Unfalls kam mir etwas merkwürdig vor, er muss wohl sehr betrunken gewesen sein, aber er deutete an, dass da noch mehr war. Ich hatte nicht weiter gefragt.
Jedenfalls erzählte er mir gestern, dass er einige Jahre Dro. war. Auslöser war wohl eine Trennung nach langjähriger Beziehung, Parties in den falschen Clubs und Umgang mit den falschen Leuten. Er ist nun seit 3 Jahren komplett clean, will es nicht mehr, hat damit abgeschlossen, kann damit leben, aber ist natürlich auch nicht stolz drauf. Heute, sagt er, lebt er gesünder als vorher, hat viel über sich selbst gelernt und versucht sich zu sagen "alles ist aus irgendeinem Grund so passiert". Er hatte damals eine Gruppentherapie gemacht, stand kurz vor der Privatinsolvenz (da das Zeug natürlich sehr teuer ist) und wurde (und wird, nehme ich an) sehr von seiner Familie unterstützt. Heute geht er auch noch einmal die Woche zu einem Experten – einfach so zum Reden, weil es ihm guttut. Er sagte, er wollte es mir von Tag 1 an erzählen. Er wusste nur nicht wie, er hatte und hat Angst was bei mir falsch zu machen, meine heile Welt zu zerstören, mich zu vergraulen und er will auch einfach auf sich selbst aufpassen. Er klang sehr gefestigt, als er mir das gestern erzählt hat. Er hat mir all meine Fragen in Ruhe beantwortet und gehe wohl auch im engen Freundeskreis und bei der Familie offen mit dem Thema um.
Ich war überraschenderweise gestern erstmal null geschockt, hab nach dem Spaziergang fröhlich weitergearbeitet und mir gar keinen großen Kopf gemacht. Seit ich dann gestern Abend daheim war und meine Ruhe hatte, arbeitet der Kopf nun doch. Ich lese viel im Internet dazu seit gestern, mache mir viele Gedanken und habe natürlich inzwischen auch noch viele weitere Fragen, die ich ihm stellen will und werde. Kann ich ihm dauerhaft vertrauen? Wie ehrlich ist er? Wie groß ist die Gefahr, dass er irgendwann rückfällig wird? Mit welchen Spätfolgen des Konsums ist zu rechnen oder welche hat er bereits? Hat er sich und seine Organe danach jemals komplett durchchecken lassen? Ist er (ja, ich denke darüber nach) zeugungsunfähig? Was hat er so für Dinge im Rausch getan? Mit welchen und wie vielen Frauen war er in der Zeit (vielleicht sogar ungeschützt) intim? Gab es noch andere Suchtmittel oder Abhängigkeiten? Wie anfällig ist er generell noch bei dem Thema Abhängigkeiten? Hat er noch zu abhängigen Leuten Kontakt? Ich mache mir viele Gedanken, weil ich anfing ihm zu vertrauen und mich in ihn zu verlieben in der letzten Zeit. Seit gestern bin ich etwas zurück auf den Boden der Tatsachen geholt worden und merke, wie ich mich etwas zurückziehe. Sicher weil ich erstmal nachdenken muss und weil ich mich natürlich auch schützen will. Und weil es mich verunsichert, dass jemand, der einfach gar nicht danach aussieht oder so wirkt, solch eine Vergangenheit hat. Ich merke, wie ich plötzlich misstrauischer bei ihm bin, als vor einigen Tagen noch. Wenn er mir diese Sache nicht mitgeteilt hätte, würde ich mir über rein gar nichts bei diesem Mann Gedanken machen, weil er mir guttut, ein wahnsinnig anständiger, entspannter Mensch ist und ich mir vorstellen kann, dass es auch langfristig sehr gut mit uns laufen würde.
Ich würde mich einfach mal über eure Meinungen zu dem Thema und vielleicht auch Erfahrungen freuen. Muss ich einfach versuchen, mit seiner Vergangenheit klarzukommen und ihm vertrauen, wenn alles andere so gut passt?
Danke euch schon mal