Blanca
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„Wir führen eine Affaire. Mindestens einer von uns beiden ist längst anderweitig gebunden und findet auch ständig Gründe, warum er daran bis auf weiteres nichts ändern "kann" und wird.“
Und dann wird aufgelistet, warum man dennoch wie ein Paar sei bzw. die Affaire angeblich ehegleich:
01. man begehrt sich leidenschaftlich;
02. man bleibt regelmässig in Kontakt, vor allem textlich;
03. man erlebt schöne Events, je nach Ausstattung vom gemeinsamen Dinner bis zum Yachturlaub;
04. der AM teilt Informationen, die er nicht mal seiner Hauptbeziehung zur Verfügung stellt;
05. der AM redet über die Hauptbeziehung, als sei sie ein alter Hund, der nur noch Gnadenbrot bekommt;
06. der AM redet davon, daß er noch nie (inkl. Hauptbeziehung) so eine Nähe zu jemand erfahren durfte;
07. man selbst hat sich auch noch nie jemand so nah gefühlt;
08. man ist ein fester Bestandteil im Leben des AM (also in seinem Kalender) geworden, genau wie die Hauptbeziehung;
09. der AM schleicht sich womöglich sogar Weihnachten, Ostern oder an Geburtstagen ans Telefon, um sich zu melden – er ist also selbst an solchen Tagen immer irgendwie „bei einem“
10. alle anderen – außer der betrogene(n) Hauptbeziehung(en) – wissen davon (Beispiel: Katherin Hepburn, Spencer Tracy);
11. der AM hat einen sogar den eigenen Eltern und Geschwistern vorgetellt, aber auch die hüten das Geheimnis gegenüber der EF fleissig mit;
12. man ist schwanger vom AM oder hat heimlich Kinder mit ihm, die man jahrelang in einer Scheinehe versteckt (Beispiel: Liz Mohn);
13. man wird nicht vom AM verlassen, obwohl die Sache aufgeflogen ist und seine Hauptbeziehung das eingefordert hat (Beispiel: Camilla Parker-Bowles);
14. der AM hat heimlich eine Lebensversicherung abgeschlossen, die einen für den Todesfall begünstigt, oder zumindest die mit ihm gezeugten Kinder absichern wird; (Beispiel: familienrecht-allgaeu.de/de/lebensversicherung-bezugsrecht.html)
15. etc.
Die Reihenfolge orientiert sich am „Verbindlichkeitsfaktor“. Die meisten Affairen, über die hier im Forum berichtet wird, kommen über die ersten 8-9 Punkte gar nicht erst hinaus, aber anlässlich des Beispiels Hepburn/Tracy fiel im Thread nebenan das Wort „ehegleich“ (wie-komm-ich-davon-weg-ne-beziehung-zu-wollen-t34909-s15.html#p824314 ), nachdem die TE in Beitrag #1 zuvor schon von "wie ein Paar" geschrieben hatte - und da wurde ich wach.
Spontan erinnerte ich mich an eine Filmszene aus "Mistress" (1987), wo der AM seiner AF – passenderweise im Bett – ein paar Familienfotos präsentiert. O.k.: fiktiv. Aber das Teilen der Fotos und ihre Bemerkungen dazu fand ich schon damals (ich sah den Film vor ca. 20-25 Jahren) als irritierend bis befremdlich: . Warum wichen beide hier so vom Grundgebot der Abgeschiedenheit so ab? Welchem Zweck sollte das dienen - von seiner Warte aus (Zeigen der Fotos) ebenso wie aus ihrer, die sie über die Kinder mit einem "Stolz" sprach, als seien es ihre eigenen? Die AF rutschte in dieser Szene unwillkürlich in die - für meine Begriffe aberwitzig anmutende - Rolle einer großherzigen "Gönnerin", die eben diese Familie stabilisieren hilft. Aber war sie das wirklich? Bzw. wollte sie das tatsächlich?
Das Zugehörigkeits-Kopfkino der AF wurde jäh unterbrochen, als ihr das erste Foto vom AM mit der EF in die Hände fiel – der AM hatte offenbar vergessen, es auszusortieren und entschudigte sich dafür (daß die AF ihn eng umschlungen mit der EF präsentiert bekam...).
Und schon lief folgendes Programm ab:
Prompt verzog sich ihr Gesicht;
prompt sprach sie aus, daß sie der EF zwar nichts Böses wolle, aber selbst unter der Situation leide;
prompt verstieg der verheiratete AM sich dazu, ihr die Ehe anzubieten;
prompt fing die AF von ihrem Kinderwunsch an.
Hätte jemand der AF jetzt bei Programmende danach gefragt, so wäre wohl auch von ihr die Aussage gekommen, ihre Affaire sei "ehegleich" bzw. sie und ihr AF seien "wie ein Paar" - wer würde es bezweifeln? Wo er ihr doch sogar einen "Heiratsantrag" gemacht und die Gründung einer neuen Familie mit ihr "geplant" hatte. Das Ganze übrigens im Brustton der Überzeugung - wie kann ich da nur so gemein sein, an der Echtheit seiner "Liebe" zur AF auch nur den leisesten Zweifel zu hegen - bzw. gar offen zu äußern?
Öhm... hallo? Was konkret stimmt an diesem Bild denn nicht?
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß ich die Inhaltsangabe des Films vor dem ersten Anschauen nicht gesehen und somit auch keine Ahnung hatte, wie er weiterging. Doch selbst heute, soviel Jahre später, erinnere ich noch lebhaft, wie merkwürdig berührt ich mich beim Anblick dieser Szene fühlte - sie fühlte sich "falsch" an - "künstlich" - und das lag sicher nicht an den beiden Schauspielern, denn die machten ihren Job einfach Klasse...
--- zweiter Teil folgt als Antwort auf diesen hier -----