Ben
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jetzt hat's auch mich erwischt. Mir ist jetzt mit 47 Jahren die Liebe meines Lebens wieder begegnet. Ich wusste es schon vor 24 Jahren, dass es diese Frau, dass es dieser eine Mensch ist. Unglückliche Umstände ihrerseits haben es seinerzeit verhindert, dass wir zusammen kommen konnten.
Danach habe ich meine Frau kennen gelernt, die ich zwar lieb hatte und habe, zu der ich aber nie dieses tiefe intensive Gefühl aufbauen konnte, dass ich für die andere Frau hatte. Wir haben dann vor 19 Jahren geheiratet und 2 Kinder bekommen, die jetzt 14 und 16 Jahre alt sind. Unseren Umgang miteinander würde ich als routiniert liebevoll bezeichnen. Wir sind beide berufstätig und funktionieren ganz gut im Alltag, leben aber seit Jahren schon nebeneinander her. In s.ueller Hinsicht lief es nie sonderlich gut, da ich nie dieses Begehren in mir gespürt habe, dachte aber dass das so wohl sein müsste. Routiniert eben. Sie trägt daran keine Schuld. Ich konnte es nicht besser, weil ich sie eben körperlich nie wirklich begehrt habe, obwohl sie eine sehr attraktive Frau ist. Ich würde unser Verhältnis eher als freundschaftlich bezeichnen. Eine Liebesbeziehung war es meinem Empfinden nach nie. Im nachhinein ist es fast ein Wunder, dass wir überhaupt Kinder bekommen haben. Es hat eben für mich immer dieses tiefe Gefühl der Liebe gefehlt und ohne Liebe keine Leidenschaft. Man hat sich auf Grund der Kinder irgendwie arrangiert.
Es gibt mit Sicherheit Wesenszüge an ihr, die mir schon am Anfang unserer Beziehung schwierig erschienen. Auf Einzelheiten möchte ich jetzt nicht eingehen, aber mein Unbehagen auf Grund dieser Charaktereigenschaften hat im Laufe der Jahre zugenommen. Die Situation zu Hause hat sich dann in den letzten 2 ½ Jahren zugespitzt, als es schulisch und persönlich bei unserem 16-jähriger Sohn stetig bergab ging und schließlich ADS diagnostiziert wurde. Ein weiteres Zusammenleben mit ihm war auf Grund seines zunehmend renitenten Verhaltens vor allem für meine Frau inzwischen undenkbar geworden. Es gab nur noch Streit zwischen den beiden. Streit um Kleinigkeiten. Der mir aber verdeutlicht hat, dass ich immer weniger mit diesen Charaktereigenschaften meiner Frau umgehen kann und will. Unser Sohn wurde folglich Ende letzten Jahres in einer externen Einrichtung untergebracht und seitdem ist zu Hause nichts mehr, wie es mal war. Ich stellte fest wie weit wir uns voneinander entfernt haben und das was einmal Familie war jetzt nicht mehr ist für mich. Ich habe mich dieser vermeintlichen Notwendigkeit ergeben.
Ich war Anfang des Jahres so unglücklich, wie selten in meinem Leben. All die Routine und liebevolle Fürsorge hat nichts genutzt, um die Familie zusammen zu halten. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt nimmt diese Frau, die ich seinerzeit so geliebt habe wieder Kontakt zu mir auf. Ich hatte immer mal wieder versucht ihre Kontaktdaten über Internet heraus zu finden, war aber nicht fündig geworden und hatte die Suche dann eingestellt. Doch jetzt ist sie wieder da und ich kann an nichts mehr anderes denken als an sie. Ihr geht es genau so. Sie lebt seit 20 Jahren in einer festen kinderlosen Beziehung, die sie aber ebenfalls nicht erfüllt und unglücklich macht. Sie wohnt erstaunlicherweise zudem ganz in meiner Nähe. Es kam wie es kommen musste. Wir haben uns getroffen, gesehen und die Liebe war sofort wieder da. Seitdem telefonieren wir täglich mehrmals, schreiben uns unzählige Mails, treffen uns wöchentlich und wollen eigentlich nur noch Eines: Unser weiteres Leben miteinander verbringen. Es tut weh, das momentan noch nicht leben zu können, denn über das Stadium der Verliebtheit sind wir schon weit hinaus. Wir haben uns gegenseitig wieder Lebensfreude gegeben und empfinden füreinander eine tiefe Liebe, die alles bisherige in unserem Leben sprengt, weil wir uns diesmal wirklich aufeinander einlassen, trotz der persönlichen Umstände. Doch sie hat ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber, kann aber letztendlich auch nicht gegen diese Gefühlsgewalt an.
Natürlich habe ich auch ein schlechtes Gewissen und bin mir sehr wohl darüber im Klaren, dass ich mehreren Menschen sehr weh tun werde. Die größten Bedenken habe ich wegen der Kinder. Aber was soll ich tun? Die Kinder als Beziehungskleber missbrauchen? Ich habe die Liebe meines Lebens wieder gefunden und werde wohl meines Lebens auch nicht mehr froh, wenn ich das nicht leben kann. Zumal der Betrug meinerseits ja schon statt gefunden hat und somit auch keine vertrauensvolle Basis in meiner Ehe mehr vorhanden ist. Schlecht fühle ich mich nur, da ich aus falsch verstandener Rücksichtnahme noch keinen reinen Tisch gemacht habe. Denn meiner Frau ist die Veränderung in meinem Wesen natürlich aufgefallen und sie hat begründete Befürchtungen, dass ich sie verlasse. Was ich aber bisher aus Rücksicht auf ihre derzeit labile Verfassung durch den Weggang unseres Sohnes mich nicht getraut habe zu bestätigen. Und so kurz vor Weihnachten kommt mir das auch besonders gemein vor die Restfamilie zu verlassen. Doch diese Unaufrichtigkeit macht mir zu schaffen und ich komme mir feige vor, so dass eine Trennung unumgänglich wird. Den richtigen Zeitpunkt für so einen Schritt wird es wohl niemals geben.
Ich weiß, einige werden jetzt wieder sagen, “typisch Mann, raus aus dem einen Nest und hinein ins nächste”, oder “die klassiche Midlife-Crisis”, oder “wie kann man(n) nur Frau und Kinder sitzen lassen”, aber ich habe definitiv nicht nach einer Affäre, geschweige denn neuen Liebe gesucht. Ich war immer treu und hatte mich damit abgefunden, dass es zumindest die nächsten 10 Jahre so weiter geht. Und jetzt das! Mir ist so etwas noch nie passiert. Es hat mich komplett aus der eingeschlagenen Bahn geworfen und meinen Lebensplan über den Haufen geworfen. Das Herz hat über den Verstand gesiegt. Gibt es hier Menschen, denen schon mal was Ähnliches passiert ist? Hat jemand von Euch obwohl er in einer festen Beziehung/Ehe war seine große Liebe getroffen und sich deswegen getrennt?
Sorry, für den langen Text.
Gruß,
Ben