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25 jahre verheiratet Scheidung loslassen fällt schwer

Rabbit55

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Hallo Zusammen,
habe in der letzten Zeit immer mal wieder still mitgelesen, und lange überlegt,
aber nun werde ich meine Situation doch gerne mal teilen. Mir geht es auch darum, dass dies auch mal jemand anderes liest. Vielleicht kann ich es ja dann doch besser verarbeiten. Der Text ist recht lange.
Meine EX Frau und ich waren 25 Jahre verheiratet. 9 Monate nach unserem kennen lernen traten wir vor den Altar. Meine Frau hatte danach eine schwere OB, die wir aber zusammen meisterten. Kinder waren geplant, jedoch wurde der Wunsch aus gesundheitlichen Gründen von mir, nicht erfüllt. Aber auch dies haben wir, nach meiner Sicht, gut verkraftet. Auch hatte ich damals nicht den Eindruck, dass meine Frau darunter leiden musste. Wir führten deswegen lange Gespräche, die uns halfen. Aus beruflichen Gründen von meiner Seite aus, zogen wir, vier Jahre nach unserer Heirat in eine Dienstwohnung/Haus, mit viel Platz. Es war einfach nur schön. Ein Hund bereicherte unsere Familie. 1997 verstarb mein Vater, und da bemerkte ich zum ersten Mal, dass meine Frau keinerlei Gefühle zeigte, bzw. nicht zeigen wollte. Es gab keine emotionale Wärme, keine Umarmung, nichts. Damals blendete ich dies aus und machte mir keine großen Sorgen. Dieser Zustand wurde aber immer schlimmer. Umarmungen, zärtliche Berührungen gab es immer weniger. Und falls doch, fühlte es sich nicht echt an. Eher so, ich lass es über mich ergehen, und habe dann wieder eine Zeit lang meine Ruhe. Als ich Sie darauf ansprach, bekam ich als Antwort, ich solle Sie so nehmen, wie Sie ist, oder ich kann ja gehen. Dies war der erste Schlag ins Gesicht. Ich sprach Sie darauf an, dass Sie am Anfang unserer Beziehung doch ganz anders war. Als Antwort bekam ich, das hätte Sie nur getan, um mich zu halten. Gespräche von meiner Seite aus, diesbezüglich wurden schon im Keim erstickt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte ich die Reisleine ziehen müssen, tat ich aber nicht. Ich liebte meine Frau, und wollte nicht einfach alles aufgeben. Dies bezüglich gab es auch immer öfter Streit, richtigstreiten konnten wir uns nie.
Darauf habe ich meiner Frau vorgeschlagen, nein, eigentlich nicht vorgeschlagen, eher gedrängt Sie für eine Zeit lang zu Ihren Eltern zu fahren, damit wir beide wieder zur Ruhe kommen. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich ohne Sie nicht leben kann/möchte. Also flehte ich Sie regelrecht an, wieder zurück zu kommen. Nur mit Widerwillen hat Sie sich dazu bereit erklärt. Es folgte eine Paartherapie, die von mir gewünscht war. Ohne großen Erfolg. Ich versuchte mit allen Mitteln, Ihre Anerkennung zu bekommen. Nach ca. 18 Jahren gab es in unserem Wohnungsumfeld Veränderungen. Meine Frau wollte ausziehen, mit der Ansage, entweder ich würde mit ausziehen, oder Sie würde alleine gehen. Es brach mir das Herz, für mich war dieses Haus mein persönlicher Rückzugsort. Dort konnte ich mich erholen. Es gab keine Möglichkeit mit Ihr darüber zu reden. Auch hatte ich selbst nicht die Möglichkeit, mit anderen darüber zu sprechen. Beim kennen lernen meiner Frau, hatte ich meine damaligen Kontakte alle abgebrochen. Ein großer Fehler, wie sich im nach hinein herausstellte. Freundschaften hatten wir gelegentlich, doch diese zerbrachen alle wieder. Nach unserem ersten Umzug, insgesamt waren es vier, erkrankte ich für ein halbes Jahr, schwere Depression, und hatte auch ein Alk. Problem. Keinerlei emotionale Unterstützung von Seiten meiner Frau. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinen Einfluss auf diesen Zustand. Ich nahm Ihn hin, ohne zu hinterfragen. Ich konnte damals nicht anders. Aus der Depression, sowie dem Alk. bin ich mit eigener Kraft und dank meines guten Therapeuten wieder herausgekommen. Keiner hatte daran geklaubt. Finanziell ging es uns die ganze Zeit mehr schlecht als recht. Dann kam der Tag, der alles veränderte. Eine damalige Freundin meldete sich wieder bei mir. Wir schrieben uns lange, ich wurde nach langer Zeit wieder als Mensch wahrgenommen, es tat so gut. Diese Freundin war auch der Anlass meiner Trennung. Ich fasste allen Mut zusammen und sprach die Trennung aus. Meine Frau nahm dies recht gelassen hin, beim Besuchen meiner Freundin, half Sie mir sogar meine Tasche zu backen. Beim Umzug meiner Frau halfen alle, es gab viel zu lachen, als Außenstehender hätte niemand daran geglaubt, das hier eine Trennung stattfindet. Schon nach 3 Monaten hatte meine EX einen neuen Lebensgefährte. Sprach davon, dass Sie jetzt endlich Ihr Leben leben kann. Sie jetzt endlich den Partner hat, den Sie Ihre Gefühle zeigen kann.
Nun sind 2 Jahre nach der Trennung vorbei, und ich komme mit dieser Situation nicht zurecht. Kann nicht abschließen, und weiß nicht warum. Kann nicht verstehen, was in dem Kopf meiner Frau vorging. Therapeutisch war ich bereits in Behandlung. Die wenigen, die ich meine Geschichte erzählt habe, waren durchgehend der Meinung, ich hätte den richtigen Weg gewählt, nur hätte dies früher erfolgen sollen. Meiner EX konnte ich wohl keinen größeren Gefallen machen, wie mich zu trennen. Sie selbst hätte dies von sich aus wohl nie getan.
Entschuldigung für den langen Text, und Dankeschön fürs durchlesen.
Vielleicht war jemand auch schon in so einer Situation.

27.01.2019 11:40 • x 1 #1


Luto

Luto


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Zitat von Rabbit55:
Dieser Zustand wurde aber immer schlimmer. Umarmungen, zärtliche Berührungen gab es immer weniger. Und falls doch, fühlte es sich nicht echt an. Eher so, ich lass es über mich ergehen, und habe dann wieder eine Zeit lang meine Ruhe. Als ich Sie darauf ansprach, bekam ich als Antwort, ich solle Sie so nehmen, wie Sie ist, oder ich kann ja gehen. Dies war der erste Schlag ins Gesicht. Ich sprach Sie darauf an, dass Sie am Anfang unserer Beziehung doch ganz anders war. Als Antwort bekam ich, das hätte Sie nur getan, um mich zu halten.

Was gab es denn zu halten?
Wollte sie einfach das Gefühl, einen Mann an der Seite zu haben, wenn auch vollkommen emotionslos?

Zitat von Rabbit55:
Beim kennen lernen meiner Frau, hatte ich meine damaligen Kontakte alle abgebrochen. Ein großer Fehler, wie sich im nach hinein herausstellte. Freundschaften hatten wir gelegentlich, doch diese zerbrachen alle wieder.

und womit habt ihr Euch dann beschäftigt?

Zitat von Rabbit55:
Kann nicht verstehen, was in dem Kopf meiner Frau vorging.

Deine Ex hat sich aus irgendeinem Grund auf eine Ehe eingelassen, ohne ernsthafte Liebe und Leidenschaft zu spüren, und obwohl Du das wusstest, hat Du das Spiel noch 20 Jahre weitergeführt ... was ging da in deinem Kopf vor?
Zitat von Rabbit55:
Sie selbst hätte dies von sich aus wohl nie getan.

Warum nicht?

27.01.2019 12:19 • #2



25 jahre verheiratet Scheidung loslassen fällt schwer

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Rabbit55


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Zitat von Luto:
Du

Warum ich so lange ausgehalten habe, ich habe meine Frau geliebt, war blind, wollte es nicht wahr haben, es fällt mir zur Zeit schwer, die richtigen Worte zu finden. Habe mich seit der Trennung vor zwei Jahren intensiv mit mir und meinen Gefühlen befasst. Sicher spielt auch eine Art der Abhängikeit eine Rolle.

27.01.2019 12:57 • #3


Luto

Luto


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Zitat von Rabbit55:
war blind, wollte es nicht wahr haben

das stimmt ja nicht so ganz. sie hatte es ja deutlich gesagt, und Dich täglich spüren lassen.
Das war schon eine bewusste Entscheidung von Dir, bei einer Frau zu bleiben, die mit Dir keine Emotionen spürte.
Ging denn die ganzen Jahre noch etwas in der Kiste?

27.01.2019 13:23 • #4


Elvisett

Elvisett


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Hallo Rabbit55
Ich vermute mal dir geht es - zwar au etwas anderen Gründen aber doch ähnlich wie mir.
Einen Partner zu verlieren der so wenig greifbar ist ist schwer- da ist kein echtes Gegenüber mit dem man sich auseinandersetzen kann. Und auch Erinnerung an gute Zeiten sind plötzlich mit einem Riesen Fragezeichen versehen.
Wie man das komplett beendet und für sich anschließend klären kann weiß ich nicht - aber immerhin weiß ich schon: es geht nicht darum dass du diese Person liebst - du liebst die Vorstellung die du von ihr hättest.
Mach dir immer bewusst deine Vorstellungen und die reale Person sind nicht das selbe.

27.01.2019 13:34 • #5


Fallingdown


Zitat von Elvisett:
Hallo Rabbit55
Ich vermute mal dir geht es - zwar au etwas anderen Gründen aber doch ähnlich wie mir.
Einen Partner zu verlieren der so wenig greifbar ist ist schwer- da ist kein echtes Gegenüber mit dem man sich auseinandersetzen kann. Und auch Erinnerung an gute Zeiten sind plötzlich mit einem Riesen Fragezeichen versehen.
Wie man das komplett beendet und für sich anschließend klären kann weiß ich nicht - aber immerhin weiß ich schon: es geht nicht darum dass du diese Person liebst - du liebst die Vorstellung die du von ihr hättest.
Mach dir immer bewusst deine Vorstellungen und die reale Person sind nicht das selbe.


Moin @Elvisett
In mir regt sich der Wunsch nach Widerspruch.
Die Person ist real. Nur der eigene Blick ist durch die Vergangenheit massiv gefärbt.
Wären wir in der Lage die Person im hier und jetzt, nur die Taten zu sehen... wir würden nicht mehr lieben. Nicht mehr vermissen. Wir würden uns der Realität stellen. Für mich der Weg ist, die alten Erinnerungen zu überschreiben. Bewusst die gemeinsamen Orte neu aufzusuchen. Mich ganz bewusst immer wieder dem Schmerz auszusetzen. Funktioniert es? Mehr schlecht als recht. Aber es wird. Langsam.

27.01.2019 13:41 • x 1 #6


Elvisett

Elvisett


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@Fallingdown es kommt wohl immer darauf an - für mich ist es ein bisschen als wäre mein Mann gestorben aber ich seh noch regelmäßig seinen eineiigen Zwilling... Das ist nicht (mehr) die Person die man liebt weil diese Person nicht (mehr) existiert

27.01.2019 13:43 • x 1 #7


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Rabbit, hast Du dich schon mal intensiver mit psychologischen Problemen beschäftigst? Das was Du von Deiner Ex beschreibst könnte darauf hindeuten. Natürlich kann das immer nur "Laien-Meinung" bleiben. Es kann aber ggf. auch einiges erklären. Insb. die starken Abhängigkeiten die dann auf die Partner wirken. Und Du beschreibst ja Deine psychologischen Probleme auch recht deutlich. Sehr oft ergänzen sich hier ja die Probleme (Schlüssel-Schloss).

27.01.2019 13:49 • x 2 #8


Fallingdown


Zitat von Elvisett:
@Fallingdown es kommt wohl immer darauf an - für mich ist es ein bisschen als wäre mein Mann gestorben aber ich seh noch regelmäßig seinen eineiigen Zwilling... Das ist nicht (mehr) die Person die man liebt weil diese Person nicht (mehr) existiert


Ich finde es sogar schlimmer als die Trauer um einen Verblichenen. Denn in der Regel wollte der nicht gehen. Der abrupte Abbruch dessen, was mal gemeinsames Glück war - ich werd nie verstehen wieso man lieber geht, als sich zu bvemühen. Zu kämpfen. Aber das ist wohl meine Schwäche... nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird.

@rabbit
Rabbit: Buchtipp - Ich lieb Dich nicht wenn Du mich liebst. Nähe und Distanz in Liebesbeziehungen von Cassandra Phillips, Dean C. Delis

27.01.2019 13:50 • #9


Elvisett

Elvisett


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Zitat von Fallingdown:

Ich finde es sogar schlimmer als die Trauer um einen Verblichenen. Denn in der Regel wollte der nicht gehen.

Will er in meinem Fall ja auch nicht - deswegen meint ich ja kommt wohl immer darauf an...

27.01.2019 13:57 • x 1 #10


Rabbit55


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Hallo Gorch Fock, kenne michnochnicht so recht mit der Handhabung des Forums aus,
hoffe mal diesmal klappts.
Durch meine damalige Erkrankung habe ich intensiv mit der Psyche befasst. Schonaus dem Grund weil ich einfach begreifen wollte. diese Erkrankung kam durch die Zurückweisung von meiner Frau. Da ich diese nie akzeptieren wollte, gab mir mein Köper darüber zu verstehen, so geht es nicht mehr. Sicherhat dies auch meineEX gestört, was ja auch verständlich war. Dennoch hab ich meine Depression und das ALk Problem in den Griff bekommen, und es funktioniert auch noch weiterhin. Ich liebte meine Frau, und tue es wohl in einer gewissen Weiße immer noch. Dennoch hatte ich erkannt, es geht so nicht mehr, egal was ich machte, egal was ich getan habe, Sie wird sich wohl nie ändern.

27.01.2019 16:17 • #11


Rabbit55


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Hallo Luto,
es ist sicher schwer zu verstehen, wieso ich das alles so lange mitgemacht habe. Ich habe meine Frau geliebt, habe immer wieder gedacht, das wird schon wieder. Zärtlichkeiten, Berührungen, gab es schon lange nicht mehr. Ich konnte einfach nicht begreifen, wie ein Mensch sich in dieser Art und Weise ändern kann. In der Zeit nach der Trennung habe ich viel nachgedacht. Manchmal kommt die Frage auf, hat Sie mich überhaupt geliebt? Waren da jemals Gefühle vorhanden,
möchte es so gerne verstehen.

28.01.2019 09:32 • #12


Malina84


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Hallo, ich denke es war wohl mehr abhängigkeit als Liebe. Wenn deine Frau dir keinerlei Gefühl gibt und du nicht glücklich bist dann war es der richtige Weg zu gehen. Habt ihr denn mal darüber gesprochen warum das so gekommen ist? Hat sie dir denn mal gesagt ob sie dich noch liebt oder ob ihre Gefühle weg sind? Manchmal kann man sich nicht trennen weil man abhängig ist von einer Person egal ob man glücklich ist oder nicht. Ihr wart bestimmt beide nicht mehr glücklich wenn es keine Zärtlichkeiten mehr gegeben hatte. Ein klärendes gespräch kann manchmal gut sein um es zu verstehen. Manchmal lebt man sich auseinander oder die Gefühle verschwinden aber man möchte es sich nicht eingestehen. Einen Menschen los zu lassen mit dem man Jahrelang zusammen war ist sehr schwer. Es ist ja nicht nur die Liebe die geht sondern ein Teil des Lebens was sich verändert. Ein Mensch der einem im Herzen ist gehen zu lassen dauert. Die erinnerungen bleiben im Herzen aber das Leben geht weiter und man muss versuchen nach vorne zu schauen.

28.01.2019 10:01 • #13


abteilungmann


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Depression , Alk. uvm. Das ist anstrengend auch fuer den Partner.

28.01.2019 10:08 • #14


Rabbit55


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@Malina84
Hallo, das Gespräch habe ich mehrmals gesucht, als Antwort bekam ich immer, nehme mich so wie ich bin, oder gar nicht. Ich kam einfach nicht an meine Frau heran, wusste nicht, wie ich mit dieser Situation ungehen soll. Da liebt man einen Menschen, spürt die Abneigung, die es vorher nicht gab. Möchte es verstehen, begreifen, und es geht einfach nicht.

28.01.2019 10:28 • #15



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