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25 mehr oder weniger verkorkste Jahre

EinfachIch75

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Das wird jetzt ein richtig langer Text, aber ich muss mir nun mal einfach alles von der Seele schreiben.

Mein Mann und ich haben uns kennengelernt, da war ich zarte 19, er 25. Ich bin in meine erste eigene Wohnung eingezogen, er hat dort im Haus gewohnt. Es war auch seine erste eigene Wohnung. Für mich war es liebe auf den ersten Blick. Er wollte mich nur zum knöpern. Das ganze ging ca. 2 Jahre. Als mir das zu wenig wurde und ich dann einen anderen Freund hatte, da hat es ihm die Augen geöffnet, dass er sich wohl doch verliebt hat und mich als feste Freundin möchte. Ich habe mit dem anderen Schluß gemacht und ab da waren Mann und ich fest zusammen.
Ich bin seine erste feste Freundin. Vor mir hatte er nur Bettgeschichten.

Seine Mutter hat mir damals gesagt, dass mein Mann da wohl wie sein Vater ist. Der hatte vor ihr auch keine feste Partnerin. Aber als er sich dann einmal für meine Schwiegermutter entschieden hat, wollte er auch nie wieder eine andere.
Unsere Beziehung war von Anfang an schwierig. Als Hauptursache für alles was bisher bei uns schief gelaufen ist, kann ich eigentlich den Alk. nennen. Dieses Thema begleitet mich mein Leben lang. Mein Vater ist als Alk. gestorben, mein Schwiegervater, mein Onkel. Alk. hat mich mein komplettes Leben begleitet. Es ist zum kotzen.
Während ich nur auf Partys mal was trinke, trinkt mein Mann sein "Feierabendbier" und am Wochenende und im Urlaub mehr.

Aber mal der Reihe nach. Ab dem Tag, an dem wir fest zusammen gekommen sind, waren wir auch zusammen. Entweder in seiner oder meiner Wohnung. Knapp ein Jahr später haben wir zusammen eine Wohnung genommen. Wir wollten auch Kinder, aber uns wurde gesagt, dass wir auf natürlichem Weg keine zusammen bekommen können. Und in der Ecke wo wir gewohnt haben, wollte ich auch kein Kind groß ziehen.

Mein Mann hat damals noch für eine große Hausverwaltung gearbeitet und sich in eine der Wohnungen verliebt. Sehr groß, hell, aber auch sehr teuer. Aber egal. Ich wollte ihm den Traum erfüllen und wir sind umgezogen. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann damals durch Bockmist einen Ar. voll Schulden hatte. Ich habe ihm geholfen da raus zu kommen, indem ich mit Gläubigern Vergleiche geschlossen habe und er mit angepassten Raten dann endlich Licht am Ende des Tunnels gesehen hat.

In der neuen Wohnung wollten wir die Kinderwunschbehandlung angehen und uns wurde gesagt, dass die Kosten dafür nur für verheiratete übernommen werden. Also haben wir geheiratet und die Behandlung dreimal durchgeführt. Leider ohne Erfolg. Es war eine sehr belastende Zeit, durch die ich psychisch nicht unbeschadet gekommen bin. Bei mir ging nichts mehr und ich wurde in der Psychiatrie wieder aufgepäppelt. Meinen Mann habe ich ihn dieser Zeit völlig aus den Augen verloren. Irgendwann war ich wieder Zuhause und auch wieder arbeiten, da bin ich durch einen dummen Zufall dahinter gekommen, dass Mann eine Affäre hat. Für mich war klar, das war es jetzt. Ich habe die Wohnung gekündigt und mich um eine eigene bemüht. Am Abend bevor ich den neuen Mietvertrag unterschreiben wollte, hat Mann vor meinen Augen die Affäre telefonisch beendet und die Affärenfrau gebeten sich nie wieder bei ihm zu melden. Noch am gleichen Abend hat er die Kündigung seiner Arbeit geschrieben, weil sie seine Arbeitskollegin war. Zudem hat er die Simkarte seines Handys vernichtet, damit sie ihn nicht mehr anrufen konnte.
Am nächsten Tag hat er sich krank gemeldet und ist auf Jobsuche gegangen. Da mein Mann Handwerker ist, hatte er ein paar Tage später einen neuen Job und hat seinen alten Arbeitgeber um einen Auflösungsvertrag gebeten. Zum Glück hat dieser mitgespielt und Mann hatte innerhalb von 14 Tagen den ersten Tag im neuen Job.

Wir haben uns dann zusammen eine neue Wohnung gesucht. Da die neue Wohnung auch wesentlich günstiger war als die alte, konnte Mann höhere Raten zahlen und innerhalb eines Jahres waren wir bzw. er schuldenfrei. Dort im Ort konnten wir einen weiteren Traum meines Mannes erfüllen. Wir haben einen Schrebergarten gekauft. Im August haben wir den Garten gekauft und im November war ich ohne ärztliche Hilfe mit 32 Jahren schwanger. Im Juli ist unser Kind geboren.
Eigentlich hätte unser Leben so schön sein können. Gemütliche Wohnung, tolle Jobs, Garten, gesundes Kind, schuldenfrei. Tja, wenn der liebe Alk. nicht wäre. Mein Mann verbringt viel Zeit im Garten. Quasi seine komplette Freizeit. Kind und ich unternehmen fast alles alleine, weil mein Mann selten Geduld aufbringt was mit uns zu unternehmen. Ihn interessiert das halt nicht. Und wenn ich dann zu Hause war, war es immer die große Frage "Wie kommt Mann aus dem Garten?" Nüchtern? Leicht angetrunken? Völlig besoffen?

Als wir noch zu zweit waren, konnte ich damit relativ gut umgehen. Ab und an hat es deswegen gekracht, dann ging es eine Weile wieder. Aber jetzt mit Kind hatte ich das Gefühl, ich muss Kind dringend davor beschützen. Wenn Mann betrunken kam, habe ich verboten nochmal ins Zimmer zu gehen. Da Mann zusätzlich zum trinken auch sehr laut und launisch ist, hat er hier oft rumgeschrien und ich habe dann auch geschrien er soll uns in Ruhe lassen, er soll das Kind nicht anschreien. Oft hatte ich den Wunsch einfach das Kind zu nehmen und zu gehen, aber irgendwie hänge ich trotzdem auch an diesem Mann. Und es war ja auch nicht durchgehend schlecht. Die guten Zeiten haben uns immer wieder gefestigt. Wir hatten tolle Urlaube zu zweit und auch zu dritt. Zuletzt waren wir vorletztes Jahr über Weihnachten und Neujahr auf einer wunderschönen Kreuzfahrt.

2017 habe ich durch ein Hobby einen 15 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Dieser Mann hat dann viel mit Kind und mir unternommen. Es war so toll. Ich kam mir nicht mehr nur wie die Mutter von oder die Frau von vor, sondern ich wurde als ich gesehen. Ich habe Komplimente bekommen, habe tolle Gespräche geführt, Eins kam zum anderen und ich habe eine Affäre begonnen. Die lief eine ganze Weile, aber da ich meinen Mann nicht verlassen, aber auch kein Zweitleben wollte, habe ich die Affäre beendet.

Ich habe ab da aber gemerkt, dass ich so nicht mehr zusammen leben möchte. Es hat auch immer öfter hier Zuhause gekracht. Ich bin unglücklicher geworden, mein Mann aber auch. Bei ihm wurde 2019 Blasenkrebs festgestellt. Er wurde mehrfach operiert und bekommt noch immer Chemo und Spiegelungen. Das geht an meinem Mann natürlich auch nicht spurlos vorbei.

Anfang des Jahres war es mal wieder richtig furchtbar und ich habe gebeten, dass mein Mann auszieht. Er hat das dann auch gewollt. Wir haben dann zusammen eine Wohnung 500m von hier, direkt am Garten gefunden. Den Abend bevor Mann den Mietvertrag unterschreiben sollte kam es hier nochmal zu Tränen und Mann hat mich gebeten, dass wir das nicht machen, aber ich war fest entschlossen diese Chance mit genau dieser Wohnung zu nutzen. Also hat Mann unterschrieben und zum 01.04. war die Wohnung so, dass er dort übernachten konnte. Es war komisch, dass Mann nicht mehr hier war, aber ich habe mein Bett für mich alleine schnell schätzen gelernt. Ich habe die ganze Zeit versucht mit meinem Mann im Gespräch zu bleiben, aber irgendwie wollte er das alles mit sich alleine ausmachen und seine Gedanken sind düsterer geworden als sie müssten und er hat mich zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Das ist dann betrunken vor drei Wochen aus ihm rausgeplatzt. Daraufhin wollte er sich auch scheiden lassen und alles beenden, Ein Drama.

Nach einer Woche ohne Kontakt ist mein Mann zu seinem langjährigen Hausarzt und hat mit dem ein sehr langes Gespräch gehabt. Daraufhin ist er zu mir gekommen und hat sich entschuldigt und konnte ganz klar äussern, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist. Er konnte tatsächlich meine Sicht der Dinge sehen. Da ist ja eh grundsätzlich nicht die Trennung möchte, haben wir uns wieder mal eine weitere Chance gegeben.

Nun läuft es hier gerade recht harmonisch in den getrennten Wohnungen.
Ich bin glücklich, dass die Zeit zu zweit und zu dritt schön gestaltet ist. Zudem habe ich Zeit für mich und fürs Kind und es ist so ruhig und es läuft.
Mann ist glücklich, dass er uns nicht verliert, aber trotzdem Zeit für sich hat um vieles zu verarbeiten. Den Krebs, seine Kindheit, Dinge die ihm früher widerfahren sind, die er nicht richtig aufgearbeitet hat. Sein Hausarzt hilft ihm dabei, da Mann sich keinem fremden Therapeuten anvertrauen könnte.
Bald Teenie ist glücklich, dass er nicht mehr angeschrien wird und es hier Zuhause so ruhig läuft. Zudem habe ich Zeit für ihn und Geduld. Und sein Vater nimmt sich bewusst Zeit für ihn und freut sich auch auf die Zeit mit ihm, anstatt von ihm genervt zu sein.
In der Woche schläft Mann in seiner Wohnung und wir verabreden uns, wenn wir wirklich miteinander Zeit verbringen möchten. Ich kann aber auch spontan mal auf ein Wasser beim spazieren zum Garten gehen und mir einen Kuss abholen oder Mann kommt nach der Arbeit auf einen Kaffee bevor er in den Garten geht.
Von Freitag bis Sonntag schläft Mann hier und wir kochen auch zusammen.
Als nächstes wird das Kinderzimmer in der Wohnung von meinem Mann ein wenig gerichtet. Vorhänge sind gekauft, die bringt Mann morgen an und dann bestellen wir ein Bett. Mein Mann möchte gerne auch mal Vater-Kind-Wochenenden mit fast Teenie verbringen und der freut sich da auch drauf. Mit seinem Vater darten, Fußball gucken, Chips essen, Cola trinken, Pizza bestellen. So stellt er es sich vor
Alles in allem haben wir gerade unseren Weg gefunden und ich bin sehr gespannt, wie es sich weiter entwickelt. Ich bin froh, dass wir uns dieses Modell mit den getrennten Wohnungen leisten können, ohne dass wir finanziell nun mit dem Rücken zur Wand stehen. Die zweite Wohnung in der Lage mit der Größe zu dem Preis kam wie ein Geschenk des Himmels.

Alk. ist gerade übrigens kein Thema mehr. Wenn Mann hier her kommt, wird nicht getrunken. Wenn ich ihn einfach im Garten überrasche, steht Wasser oder Kaffee auf dem Tisch. Und wenn Mann mit seinen Freunden was trinken möchte, dann ruft er mich an, sagt es mir und schläft dann Zuhause. So z. B. war es gestern. Heute ist hier Feiertag.

Es tat gut, das mal aufzuschreiben. Wenn ihr mögt halte ich euch auf dem Laufenden. Ansonsten weiß ich nun, wo ich meinen Frust und die Lust niederschreiben kann.

03.06.2021 12:08 • x 6 #1


FrauDrachin


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Das klingt doch echt gut, du!
Freut mich für dich! Du hast für deine Liebe gekämpft, und dich selber nicht aus den Augen verloren.
Würde mich schon interessieren, wies mittelfristig bei euch weitergeht!

03.06.2021 12:31 • x 1 #2



25 mehr oder weniger verkorkste Jahre

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Arnika

Arnika


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Find ich super! Mein Mann und ich wohnen auch nicht zusammen und ich kann es nur empfehlen. Ist nicht für jeden was, aber für mich hat es einfach viele Vorteile: Zeit für sich selbst, Qualitätszeit für den Partner, viel Freiheiten (renoviere zB gerade in meiner Wohnung herum, ohne großartig Kompromisse machen zu müssen) und keine Kämpfe im Haushalt, Fernbedienung & Co. Wenn man sich sehen will, freut man sich, wenn nicht, ist man nicht dazu gezwungen. Halt uns auf dem Laufenden! Hört sich aber doch nach einem guten Weg an für alle Beteiligten.

03.06.2021 12:44 • x 1 #3


EinfachIch75


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@Arnika wie lange seid ihr zusammen? Habt ihr schon zusammen gewohnt? Wie alt seid ihr jetzt?

Für uns ist es noch komisch nach fast 25 Jahren das eigene Reich zu haben, aber momentan klappt es halt in einer Wohnung nicht. Es fühlt sich aber von Woche zu Woche besser an. Ich kann schalten und walten wie ich möchte. Mit Kind und mir läuft es sehr harmonisch.
Aber wenn Kind aus dem Haus ist, dann möchte ich gerne auch wieder mit meinem Mann zusammen wohnen.

03.06.2021 13:16 • x 1 #4


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Nun ja, für mich sieht das nicht wirklich nach einer Verarbeitung oder Lösung der Probleme aus. Vielmehr hat "Mann" einfach eine Taktik gefunden, Dich immer wieder rumzukriegen. Immer die selbe Tour, kurz bevor es ernst wird kommt er mit Kullertränen an und versucht Dich umzustimmen. Dazu hat Dein Mann ein Alk., liebe TE, welches sicher nicht von "einem Gespräch mit dem Hausarzt" gelöst wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Ganze nun einfach so verlagert, dass Du es erstmal nicht mitbekommst. Oder nicht sehen willst.
Sein Hobby Bestand darin, sich ausschließlich im Schrebergarten aufzuhalten und dort zu betrinken? Auch hier mal die Frage, was das für ein Leben ist. Sowas kennt man normalerweise von 70-80 Jährigen, aber nicht in Eurem Alter.
Nun habt ihr die räumliche Trennung hergestellt, die ggf. funktionieren kann. Aber man merkt Dir einfach nur, dass Du erleichtert bist, dass "Mann" jetzt nicht mehr jeden Tag zu gegen ist.
Mit dem Teenie stellt er sich jetzt verklärte "Vater-Kind-Wochenenden" vor. Auch schön und gut. Das klappt aber im Regelfall nur mit Kindern bis zur Pubertät. Danach haben Jugendliche ganz andere Interessen, somit sind auch hier Konflikte schon wieder vorprogrammiert.
Aus meiner Sicht weicht ihr derzeit nur Euren Problemen aus. Von den versorgungsrechtlichen Problemen bei Weiterlaufen lassen einer eigentlich gescheiterten Ehe (Versorgungsausgleich) fange ich lieber gar nicht erst an.

03.06.2021 13:21 • x 1 #5


EinfachIch75


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@Gorch_Fock ja, du magst recht haben. Deine Gedanken bin ich auch schon gegangen.

Mann und ich haben beide schon gesagt, dass das jetzt auch der Anfang vom Ende sein kann. Das wird die Zeit zeigen. Aktuell ist es gut, wie es ist.

Wenn das wieder kippt, kann der nächste Schritt gegangen werden.
Zumindest haben wir dann evt. eine gute Ausgangsbasis um es nicht im Krieg enden zu lassen.
Die Konten sind getrennt, die Gelder auch, er zahlt Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle.

Da ich ein gebranntes Kind bin und durchaus das Alk. sehe, schaue ich natürlich schon, wie ich Kind und mich absichern kann. Ich bin dabei mich schlau zu machen, ob ich schon etwas notariell festlegen kann. Trennungsfolgevereinbarung oder so.

03.06.2021 13:31 • x 2 #6


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Einfach, in der Tat solltest Du dich einmal rechtlich beraten lassen. So wie Du es beschreibst, habt ihr rechtlich nun eindeutig eine Trennungssituation mit getrennten Haushalten. Darauf deutet ja auch die Zahlung von KU hin. Eine Trennungsfolgenvereinbarung beim Notar wäre eine sinnvolle Maßnahme, um alle wichtigen rechtlichen Punkte zu regeln. Es gibt hier auch spezielle Formulierungen, die nicht zwingend die Scheidung als nächsten Schritt vorsehen,

03.06.2021 13:36 • x 1 #7


KPeter


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Liebe "EinfachIch".

Ich bin sehr beeindruckt und voller Hochachtung vor dem, was du über dich schreibst. Aber auch deinem Mann möchte ich gern attestieren, dass er, sobald er genug Leidensdruck spürt, in der Lage ist, das Notwendige zu tun, auch wenn es scheinbar außerhalb seiner Möglichkeiten liegt. Das macht auch ihn zu einem besonderen Menschen. Denn wer sich seinen Schwächen stellt und etwas dagegen tut, ist besonders. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn er sich noch mehr seiner Sucht bewusst würde und sich davon befreien könnte. Dabei geht es vor allem um den Kontrollverlust, den er anscheinend jedes Mal hat und der ja auch im Unbewussten ein Grund für das Trinken ist. Denn wenn er betrunken ist, darf er außer Kontrolle sein, so signalisiert ihm das Unbewusste. Dem muss er ins Auge schauen, und möglicherweise macht er das ja auch bereits, wie deine Anmerkungen vermuten lassen.

Zu dem Titel deines Fadens:
Zitat:
>>25 mehr oder weniger verkorkste Jahre<<


würde ich dir wünschen, dass du lernen könntest das anders zu sehen. Es waren sehr schwierige Jahre, ihr wart mehrfach an der äußersten Bewältigungsgrenze. Aber so, wie es sich mir darstellt, kann das dazu beitragen, das, was ich BEWÄLTIGUNGSGEWISSHEIT nenne, erheblich zu stärken. Man kann also das, was ihr durchlebt hat, negativ beurteilen, dann sieht es so aus, als wäre es besser gewesen, diese Jahre nicht zu durchleben. Man kann sie aber auch positiv beurteilen, weil ihr all das bewältigt habt. Ihr seid zwar zwischenzeitlich beide ausgebrochen in eure Affären, aber ihr habt beide äußerst konsequent eine harte Entscheidung jeweils FÜR EUCH getroffen. Und das stärkt sowohl die Beziehung als auch euch als Individuen.

Zitat:

>>Unsere Beziehung war von Anfang an schwierig. Als Hauptursache für alles was bisher bei uns schief gelaufen ist, kann ich eigentlich den Alk. nennen. Dieses Thema begleitet mich mein Leben lang. Mein Vater ist als Alk. gestorben, mein Schwiegervater, mein Onkel. Alk. hat mich mein komplettes Leben begleitet. <<


Das legt die Vermutung nahe, dass du das, was du bei deinem Vater an Negativen erlebt hattest, bei deinem Mann "heilen" wolltest. Der Umgang mit einem Alk. schien dir vertraut und die Fehler, die deine Mutter dabei möglicherweise gemacht hatte, wolltest du nicht mehr machen und ich sozusagen "gesund lieben". Das ist unmöglich, aber gerade mit der neusten Entwicklung hast du das Optimale erreicht, was man unter diesen Vorzeichen überhaupt erreichen kann. Daran scheint aber der Hausarzt deines Mannes großen Anteil zu haben.
Ich würde euch wünschen, dass ihr diese ungewöhnliche Lebensform aus voller Überzeugung leben und auch nach außen vertreten könntet. Distanz kann unglaublich heilsam sein, wenn auf der anderen Seite soviel Nähe erzeugt werden kann, dass die Liebe nicht verloren geht.

Würdest du denn bestätigen, dass es zwischen euch noch LIEBE gibt?

Zitat:
>>Wir haben uns dann zusammen eine neue Wohnung gesucht. Da die neue Wohnung auch wesentlich günstiger war als die alte, konnte Mann höhere Raten zahlen und innerhalb eines Jahres waren wir bzw. er schuldenfrei. Dort im Ort konnten wir einen weiteren Traum meines Mannes erfüllen. Wir haben einen Schrebergarten gekauft. Im August haben wir den Garten gekauft und im November war ich ohne ärztliche Hilfe mit 32 Jahren schwanger. Im Juli ist unser Kind geboren.<<


Hier habt ihr (möglicherweise ohne euch dessen bewusst zu sein) etwas außerordentlich Heilsames für die Beziehung getan. Ihr habt euch als Team bewiesen und gemeinsame PROJEKTE erfolgreich angepackt und durchgezogen. Das hat eure "partnerschaftliche Liebe" und damit eure Bewältigungsgewissheit als Paar gestärkt. Einzig die Sucht deines Mannes blieb davon unberührt und hat dann auch wieder seine volle Wucht entfalten können.

Zitat:
>>Eigentlich hätte unser Leben so schön sein können. Gemütliche Wohnung, tolle Jobs, Garten, gesundes Kind, schuldenfrei. Tja, wenn der liebe Alk. nicht wäre.<<


Das sollte ihm bewusst bleiben und es wäre grandios, wenn seine Einsicht dazu beitragen könnte, sich von dieser unendlichen Last durch einen Entzug ganz zu befreien. Das ist allerdings relativ unwahrscheinlich, weil er ja offensichtlich einen Zwischenweg gefunden hat.

Hast du Angst davor, dass er wieder außer Kontrolle geraten könnte? Und könntest du dir vorstellen, dann konsequent zu handeln?

Zitat:
>>Nach einer Woche ohne Kontakt ist mein Mann zu seinem langjährigen Hausarzt und hat mit dem ein sehr langes Gespräch gehabt. Daraufhin ist er zu mir gekommen und hat sich entschuldigt und konnte ganz klar äussern, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist. Er konnte tatsächlich meine Sicht der Dinge sehen.<<


Das könnte eine Art Katharsis gewesen sein, eine Schlüsselsituation, in der er mit der Hilfe eines kompetenten Gesprächspartners dir die Last "Staatsfeind Nr.1" zu sein, nehmen konnte. Das ist fragil, aber je offener ihr (auch jetzt noch) darüber sprechen könnt, wie und warum er zu dieser Einsicht gelangt ist, desto stabiler könnte es werden.

Könnt ihr denn offen über seine Einsicht (und die Konsequenz daraus) reden, oder war das ein einmaliges Ereignis?


Zitat:
>> Nun läuft es hier gerade recht harmonisch in den getrennten Wohnungen.
Ich bin glücklich, dass die Zeit zu zweit und zu dritt schön gestaltet ist. Zudem habe ich Zeit für mich und fürs Kind und es ist so ruhig und es läuft. Mann ist glücklich, dass er uns nicht verliert, aber trotzdem Zeit für sich hat um vieles zu verarbeiten. Den Krebs, seine Kindheit, Dinge die ihm früher widerfahren sind, die er nicht richtig aufgearbeitet hat. Sein Hausarzt hilft ihm dabei, da Mann sich keinem fremden Therapeuten anvertrauen könnte.<<


In meinen Augen ist entscheidend, wie er mit dem Arzt an seiner Seite willens und in der Lage ist, sich seinen Anteilen zu stellen, sich dann aber auch zu vergeben und dich um Vergebung zu bitten für das, was er dir zugemutet hat. Im Gegenzug kannst du ihn um Vergebung bitten für das, was deine Anteile daran waren (und die kennst du besser als wir hier).

Zitat:
>>Alles in allem haben wir gerade unseren Weg gefunden und ich bin sehr gespannt, wie es sich weiter entwickelt. Ich bin froh, dass wir uns dieses Modell mit den getrennten Wohnungen leisten können, ohne dass wir finanziell nun mit dem Rücken zur Wand stehen. Die zweite Wohnung in der Lage mit der Größe zu dem Preis kam wie ein Geschenk des Himmels.<<


Ja, mag sein, dass andere Kräfte dabei mitwirken. Aber die Schwerstarbeit bei der Bewältigung dieses Dilemmas habt ihr beiden geleistet. Und wenn es aktuell so ist, dass das WIR im Mittelpunkt eurer gemeinsamen Überlegungen steht, dann seid dankbar dafür aber auch stolz darauf. Das schaffen nur wenige.

Euch wurde nichts geschenkt und euch wird sicher auch in Zukunft nichts geschenkt. Aber ich habe den Eindruck, dass du dazu in der Lage bist, mit den Herausforderungen fertig zu werden, die vor dir liegen könnten.

Ich wünsche dir und euch viel Kraft für die vor euch liegenden Herausforderungen

03.06.2021 13:40 • x 3 #8


Arnika

Arnika


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@EinfachIch75 Ich bin jetzt Anfang 40, mein Mann deutlich älter. Wir haben uns von Anfang an dagegen entschieden, er hat eine Eigentumswohnung, die wär aber für zwei zu klein. Ich liebe ebenfalls meine Wohnung, aber da würde es auch etwas eng. Dazu kommen teils unterschiedliche Tagesrhythmen. Manchmal sehen wir uns jeden Tag, manchmal nur am Woe, wie es grad halt so ist. Und wir wohnen aber auch nur einen Spaziergang auseinander. Ich finde, es soll jeder so halten, wie er möchte. Aber das traditionelle Bild, dass nur unterm selben Dach eine wirkliche Beziehung möglich ist, würd ich mal sehr in Frage stellen. Im Gegenteil, genau wegen des schnöden permanenten Arrangieren müssen driften ja viele auseinander.

03.06.2021 14:00 • x 1 #9


EinfachIch75


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@Gorch_Fock müssen dafür beide zum Notar oder kann ich das aufsetzen lassen und Mann bekommt es nur zur Unterschrift zugeschickt?

Im Grunde sind wir uns einig
- er möchte nichts mehr hier aus der Wohnung und Auto bleibt meins
- ich verzichte auf alles was im Garten ist und auf den Garten an sich
- Sparguthaben wurde geteilt 2/3 er, 1/3 ich, damit er sich Sachen für die Wohnung holen konnte
- Kind kann er sehen wenn beide es möchten
- Unterhalt zahlt er nach Düsseldorfer Tabelle
- Trennung beim Finanzamt ist gemeldet
- Kind bleibt bei mir, ab Januar bin ich in Stkl. 2
- ich möchte nichts aus seiner privaten Altersvorsorge
- er möchte nichts aus meiner privaten Altersvorsorge
- ich möchte seine vermögenswirksamen Leistungen nicht, ich seine nicht

Mehr ist bei uns nicht. Zumindest nicht, dass ich es wüsste.

03.06.2021 14:17 • #10


Serious


Mag nicht Alles kommentieren, ...

Aber ich kann sagen das man sich, siehe Beziehung, oft unbewusst da bekannte Verhaltensmuster sucht die man zb. siehe Kindheit erlebt und erworben hat.

Nicht weil es gut, sondern weil es schlicht vertraut und bekannt ist.

Toxische Beziehungen nicht immer die "Schuld" des Anderen sind und deswegen manche Sachen hier auch nur unwichtig weil sie genau darauf abzielen, dem Anderen Versagen zu unterstellen. Oft selbst verkorkst ist und ein falsches Beuteschema/Beziehungsmuster besitzt.

Trennt Euch gut und fertig, Nachtreten ist billig.

Kommst aus einer "Trinkerfamilie", dann selbst eine Trinkerfamilie hattest, fertig ... nachdenken ...

03.06.2021 16:52 • #11


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Einfach, da der Notar neutral ist und es dann eine amtliche Urkunde wird, muss er auf jeden Fall beim Beurkundungstermin anwesend sein. Deine Punkte klingen aber gut.
Du kannst so vorgehen, dass Du erstmal alleine einen Beratungstermin beim Notar vereinbarst und deine Punkte dort angibst. Sehr oft geht das auch, wenn Du mit den Sachbearbeitern im Notariat sprichst, dass Du dann diese Punkte z.B. bei E-Mail an das Notariat schickst. Dann wird ein erster Entwurf für Dich entworfen. Sobald alles stimmig ist, wird auch dein Ex eine Ausfertigung zur Prüfung bekommen. Seid ihr beide einverstanden, geht es für Euch beide zum Beurkundungstermin. Vorteil ist (auch aus meiner eigenen Scheidungserfahrung) dass diese Urkunden Bindungswirkung vor Gericht haben. Heißt, ihr braucht nachher eigentlich nur noch einen Anwalt der mit dieser Trennungs- / Scheidungsfolgenvereinbarung die Scheidung bei Gericht beantragt. Ihr seid dann in 15 Minuten geschieden, da alles rechtliche in der Urkunde schon geklärt ist. Kann ich nur empfehlen. Man braucht allerdings ein Restvertrauen zwischen beiden Partnern, da Notar halt Trennung auf Augenhöhe bedeutet, ohne das eine Seite bevorteilt wird.
Für manche Punkte (z.B. die Gütertrennung) ist ein Notar auch zwingend notwendig, wenn diese sofort wirken soll. Bei schwierigen Fällen kann im Vorfeld z.B. auch der eigene Rechtsanwalt beauftragt werden, den Entwurf zusammen mit dem Notar auszuarbeiten. Lohnt sich aber meist nur bei sehr schwierigen Sachverhalten (Immobilien, etc. ). Dieser Weg ist auch deutlich teurer, da auch die Anwaltskosten zusätzlich zur Gebührenordnung des Notars dazukommen. Beim Notar ist alles "inklusive", egal wie komplex der Sachverhalt ist. Auch dieser Kostenvorteil ist ein Grund mehr, solche unstrittigen Punkte dort Regeln zu lassen.

03.06.2021 21:10 • x 1 #12



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