EinfachIch75
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Mein Mann und ich haben uns kennengelernt, da war ich zarte 19, er 25. Ich bin in meine erste eigene Wohnung eingezogen, er hat dort im Haus gewohnt. Es war auch seine erste eigene Wohnung. Für mich war es liebe auf den ersten Blick. Er wollte mich nur zum knöpern. Das ganze ging ca. 2 Jahre. Als mir das zu wenig wurde und ich dann einen anderen Freund hatte, da hat es ihm die Augen geöffnet, dass er sich wohl doch verliebt hat und mich als feste Freundin möchte. Ich habe mit dem anderen Schluß gemacht und ab da waren Mann und ich fest zusammen.
Ich bin seine erste feste Freundin. Vor mir hatte er nur Bettgeschichten.
Seine Mutter hat mir damals gesagt, dass mein Mann da wohl wie sein Vater ist. Der hatte vor ihr auch keine feste Partnerin. Aber als er sich dann einmal für meine Schwiegermutter entschieden hat, wollte er auch nie wieder eine andere.
Unsere Beziehung war von Anfang an schwierig. Als Hauptursache für alles was bisher bei uns schief gelaufen ist, kann ich eigentlich den Alk. nennen. Dieses Thema begleitet mich mein Leben lang. Mein Vater ist als Alk. gestorben, mein Schwiegervater, mein Onkel. Alk. hat mich mein komplettes Leben begleitet. Es ist zum kotzen.
Während ich nur auf Partys mal was trinke, trinkt mein Mann sein "Feierabendbier" und am Wochenende und im Urlaub mehr.
Aber mal der Reihe nach. Ab dem Tag, an dem wir fest zusammen gekommen sind, waren wir auch zusammen. Entweder in seiner oder meiner Wohnung. Knapp ein Jahr später haben wir zusammen eine Wohnung genommen. Wir wollten auch Kinder, aber uns wurde gesagt, dass wir auf natürlichem Weg keine zusammen bekommen können. Und in der Ecke wo wir gewohnt haben, wollte ich auch kein Kind groß ziehen.
Mein Mann hat damals noch für eine große Hausverwaltung gearbeitet und sich in eine der Wohnungen verliebt. Sehr groß, hell, aber auch sehr teuer. Aber egal. Ich wollte ihm den Traum erfüllen und wir sind umgezogen. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann damals durch Bockmist einen Ar. voll Schulden hatte. Ich habe ihm geholfen da raus zu kommen, indem ich mit Gläubigern Vergleiche geschlossen habe und er mit angepassten Raten dann endlich Licht am Ende des Tunnels gesehen hat.
In der neuen Wohnung wollten wir die Kinderwunschbehandlung angehen und uns wurde gesagt, dass die Kosten dafür nur für verheiratete übernommen werden. Also haben wir geheiratet und die Behandlung dreimal durchgeführt. Leider ohne Erfolg. Es war eine sehr belastende Zeit, durch die ich psychisch nicht unbeschadet gekommen bin. Bei mir ging nichts mehr und ich wurde in der Psychiatrie wieder aufgepäppelt. Meinen Mann habe ich ihn dieser Zeit völlig aus den Augen verloren. Irgendwann war ich wieder Zuhause und auch wieder arbeiten, da bin ich durch einen dummen Zufall dahinter gekommen, dass Mann eine Affäre hat. Für mich war klar, das war es jetzt. Ich habe die Wohnung gekündigt und mich um eine eigene bemüht. Am Abend bevor ich den neuen Mietvertrag unterschreiben wollte, hat Mann vor meinen Augen die Affäre telefonisch beendet und die Affärenfrau gebeten sich nie wieder bei ihm zu melden. Noch am gleichen Abend hat er die Kündigung seiner Arbeit geschrieben, weil sie seine Arbeitskollegin war. Zudem hat er die Simkarte seines Handys vernichtet, damit sie ihn nicht mehr anrufen konnte.
Am nächsten Tag hat er sich krank gemeldet und ist auf Jobsuche gegangen. Da mein Mann Handwerker ist, hatte er ein paar Tage später einen neuen Job und hat seinen alten Arbeitgeber um einen Auflösungsvertrag gebeten. Zum Glück hat dieser mitgespielt und Mann hatte innerhalb von 14 Tagen den ersten Tag im neuen Job.
Wir haben uns dann zusammen eine neue Wohnung gesucht. Da die neue Wohnung auch wesentlich günstiger war als die alte, konnte Mann höhere Raten zahlen und innerhalb eines Jahres waren wir bzw. er schuldenfrei. Dort im Ort konnten wir einen weiteren Traum meines Mannes erfüllen. Wir haben einen Schrebergarten gekauft. Im August haben wir den Garten gekauft und im November war ich ohne ärztliche Hilfe mit 32 Jahren schwanger. Im Juli ist unser Kind geboren.
Eigentlich hätte unser Leben so schön sein können. Gemütliche Wohnung, tolle Jobs, Garten, gesundes Kind, schuldenfrei. Tja, wenn der liebe Alk. nicht wäre. Mein Mann verbringt viel Zeit im Garten. Quasi seine komplette Freizeit. Kind und ich unternehmen fast alles alleine, weil mein Mann selten Geduld aufbringt was mit uns zu unternehmen. Ihn interessiert das halt nicht. Und wenn ich dann zu Hause war, war es immer die große Frage "Wie kommt Mann aus dem Garten?" Nüchtern? Leicht angetrunken? Völlig besoffen?
Als wir noch zu zweit waren, konnte ich damit relativ gut umgehen. Ab und an hat es deswegen gekracht, dann ging es eine Weile wieder. Aber jetzt mit Kind hatte ich das Gefühl, ich muss Kind dringend davor beschützen. Wenn Mann betrunken kam, habe ich verboten nochmal ins Zimmer zu gehen. Da Mann zusätzlich zum trinken auch sehr laut und launisch ist, hat er hier oft rumgeschrien und ich habe dann auch geschrien er soll uns in Ruhe lassen, er soll das Kind nicht anschreien. Oft hatte ich den Wunsch einfach das Kind zu nehmen und zu gehen, aber irgendwie hänge ich trotzdem auch an diesem Mann. Und es war ja auch nicht durchgehend schlecht. Die guten Zeiten haben uns immer wieder gefestigt. Wir hatten tolle Urlaube zu zweit und auch zu dritt. Zuletzt waren wir vorletztes Jahr über Weihnachten und Neujahr auf einer wunderschönen Kreuzfahrt.
2017 habe ich durch ein Hobby einen 15 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Dieser Mann hat dann viel mit Kind und mir unternommen. Es war so toll. Ich kam mir nicht mehr nur wie die Mutter von oder die Frau von vor, sondern ich wurde als ich gesehen. Ich habe Komplimente bekommen, habe tolle Gespräche geführt, Eins kam zum anderen und ich habe eine Affäre begonnen. Die lief eine ganze Weile, aber da ich meinen Mann nicht verlassen, aber auch kein Zweitleben wollte, habe ich die Affäre beendet.
Ich habe ab da aber gemerkt, dass ich so nicht mehr zusammen leben möchte. Es hat auch immer öfter hier Zuhause gekracht. Ich bin unglücklicher geworden, mein Mann aber auch. Bei ihm wurde 2019 Blasenkrebs festgestellt. Er wurde mehrfach operiert und bekommt noch immer Chemo und Spiegelungen. Das geht an meinem Mann natürlich auch nicht spurlos vorbei.
Anfang des Jahres war es mal wieder richtig furchtbar und ich habe gebeten, dass mein Mann auszieht. Er hat das dann auch gewollt. Wir haben dann zusammen eine Wohnung 500m von hier, direkt am Garten gefunden. Den Abend bevor Mann den Mietvertrag unterschreiben sollte kam es hier nochmal zu Tränen und Mann hat mich gebeten, dass wir das nicht machen, aber ich war fest entschlossen diese Chance mit genau dieser Wohnung zu nutzen. Also hat Mann unterschrieben und zum 01.04. war die Wohnung so, dass er dort übernachten konnte. Es war komisch, dass Mann nicht mehr hier war, aber ich habe mein Bett für mich alleine schnell schätzen gelernt. Ich habe die ganze Zeit versucht mit meinem Mann im Gespräch zu bleiben, aber irgendwie wollte er das alles mit sich alleine ausmachen und seine Gedanken sind düsterer geworden als sie müssten und er hat mich zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Das ist dann betrunken vor drei Wochen aus ihm rausgeplatzt. Daraufhin wollte er sich auch scheiden lassen und alles beenden, Ein Drama.
Nach einer Woche ohne Kontakt ist mein Mann zu seinem langjährigen Hausarzt und hat mit dem ein sehr langes Gespräch gehabt. Daraufhin ist er zu mir gekommen und hat sich entschuldigt und konnte ganz klar äussern, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist. Er konnte tatsächlich meine Sicht der Dinge sehen. Da ist ja eh grundsätzlich nicht die Trennung möchte, haben wir uns wieder mal eine weitere Chance gegeben.
Nun läuft es hier gerade recht harmonisch in den getrennten Wohnungen.
Ich bin glücklich, dass die Zeit zu zweit und zu dritt schön gestaltet ist. Zudem habe ich Zeit für mich und fürs Kind und es ist so ruhig und es läuft.
Mann ist glücklich, dass er uns nicht verliert, aber trotzdem Zeit für sich hat um vieles zu verarbeiten. Den Krebs, seine Kindheit, Dinge die ihm früher widerfahren sind, die er nicht richtig aufgearbeitet hat. Sein Hausarzt hilft ihm dabei, da Mann sich keinem fremden Therapeuten anvertrauen könnte.
Bald Teenie ist glücklich, dass er nicht mehr angeschrien wird und es hier Zuhause so ruhig läuft. Zudem habe ich Zeit für ihn und Geduld. Und sein Vater nimmt sich bewusst Zeit für ihn und freut sich auch auf die Zeit mit ihm, anstatt von ihm genervt zu sein.
In der Woche schläft Mann in seiner Wohnung und wir verabreden uns, wenn wir wirklich miteinander Zeit verbringen möchten. Ich kann aber auch spontan mal auf ein Wasser beim spazieren zum Garten gehen und mir einen Kuss abholen oder Mann kommt nach der Arbeit auf einen Kaffee bevor er in den Garten geht.
Von Freitag bis Sonntag schläft Mann hier und wir kochen auch zusammen.
Als nächstes wird das Kinderzimmer in der Wohnung von meinem Mann ein wenig gerichtet. Vorhänge sind gekauft, die bringt Mann morgen an und dann bestellen wir ein Bett. Mein Mann möchte gerne auch mal Vater-Kind-Wochenenden mit fast Teenie verbringen und der freut sich da auch drauf. Mit seinem Vater darten, Fußball gucken, Chips essen, Cola trinken, Pizza bestellen. So stellt er es sich vor
Alles in allem haben wir gerade unseren Weg gefunden und ich bin sehr gespannt, wie es sich weiter entwickelt. Ich bin froh, dass wir uns dieses Modell mit den getrennten Wohnungen leisten können, ohne dass wir finanziell nun mit dem Rücken zur Wand stehen. Die zweite Wohnung in der Lage mit der Größe zu dem Preis kam wie ein Geschenk des Himmels.
Alk. ist gerade übrigens kein Thema mehr. Wenn Mann hier her kommt, wird nicht getrunken. Wenn ich ihn einfach im Garten überrasche, steht Wasser oder Kaffee auf dem Tisch. Und wenn Mann mit seinen Freunden was trinken möchte, dann ruft er mich an, sagt es mir und schläft dann Zuhause. So z. B. war es gestern. Heute ist hier Feiertag.
Es tat gut, das mal aufzuschreiben. Wenn ihr mögt halte ich euch auf dem Laufenden. Ansonsten weiß ich nun, wo ich meinen Frust und die Lust niederschreiben kann.