Gedankensplitte.
Gast
ich denke, die Entwicklung jetzt hat einen wunden Punkt bei dir getroffen.
Du hast dir ja schon über ein Jahr lang Gedanken gemacht, warum er dich wohl nicht mit in sein Leben nimmt. Vielleicht war unterschwellig bei dir immer schon dieser unangenehme Gedanke dabei: bin ich ihm vielleicht doch zu alt? Aber es lief, wenn ihr beide alleine oder in deiner Welt ward, ganz gut - also blieb der Gedanke unterschwellig. Doch er war nie weg...und mit ihm verbunden war da ein nicht so schönes Gefühl für dich.
Ich persönlich glaube, dass es gesellschaftlich immer noch ein Unterschied ist, ob ein Mann eine wesentlich jüngere Frau an seiner Seite hat, oder ob eine Frau einen wesentlich jüngeren Mann an ihrer Seite hat. Und es gibt nur sehr wenige Menschen, die sich ein Ei darauf pellen, ob ihre Art der Beziehung auf gesellschaftliche Ablehnung stößt oder nicht. Aber das ist einfach menschlich.
Und ich glaube auch, dass es nicht einfach ist, wenn zwei Menschen in so unterschiedlichen Entwicklungsstadien versuchen, mehrere Ebenen zu finden, auf denen sie sich gemeinsam bewegen können.
Wie haben wir mit Mitte 20 gedacht und gefühlt? Wie ist es heute, soviele Jahre später, in denen wir schon sovieles mehr an Erfahrungen sammeln konnten?
Natürlich kommt es auch immer auf das Wesen eines Menschen an. Manche kommen einem schon mit Mitte 20 vor als seien sie 50...und andere wirken mit 50 als seien sie gerade Mitte 20.
Die äußere Erscheinung lasse ich mal ganz außen vor. Zumal es heutzutage ja eher nicht mehr so ist, dass ein älterer Mensch auch unbedingt aussieht wie ein älterer Mensch.
Und ich weiß auch nicht, ob du dich wirklich fallen lassen kannst in eine Beziehung, von der du schreibst, dass ihr darüber gesprochen habt, euch zu trennen, wenn bei ihm der Wunsch nach einer Familie mit Kindern kommt... Stelle es mir schwierig vor. Ist so, als würde ich mich auf etwas einlassen, was von vornherein auf wackeligen Füßen steht, weil es aufgrund seines Alters nicht unwahrscheinlich ist, dass dieser Wunsch in ihm hochkommt...und wächst und wächst.
Hier hat mal eine Frau einen sehr bewegenden Beitrag geschrieben als sie sich von ihrem sehr viel jüngeren Freund trennte. Es war unglaublich traurig - für beide. Aber sie hatte gespürt, wie unwohl ihm manchmal zumute war, wenn sie sich in seinem Kreis bewegten. Und sie wiederum fühlte sich dann auch sehr unwohl. Am wohlsten fühlten sich beide miteinander, wenn sie die Welt außen vor lassen konnten...die Tür hinter sich schließen konnten und es nur sie beide gab. Aber sie wusste, dass man so nicht leben kann - weder er noch sie. Sie konnte ihn und sich zusammen einfach nicht mehr in der Zukunft sehen, ohne dass diese sehr getrübt war von unangenehmen Situationen...draußen vor der Tür.
Ich wünsche dir alles Gute!
Gedankensplitter