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Angst zu arbeiten wird immer schlimmer

Wendell93

Wendell93

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Hallo Forummitglieder,

ich weiß, dass dieses Forum meist für Liebeskummer benutzt wird aber ich hoffe, dass ich auch bei diesem Thema irgendwie Tipps oder einen Ratschlag bekommen kann, da mich dieses Thema schon seit einem Jahrzent belastet.
Ich hatte hier auch einmal ein sehr schwieriges Thema zu Liebeskummer aber das hab ich zum Glück zu 100% verarbeitet und heute keine Probleme mehr damit.

Es geht darum, dass ich einfach extreme Probleme mit dem Alltagsleben bzw. mit dem Arbeits oder Ausbildungsleben habe.
Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt, männlich, habe 2015 mein Fachabitur im Sozialen Bereich bestanden und war in der Schule immer so im 2-3er Notenschnitt unterwegs. Ich habe eine eigene Wohnung und ein eigenes Auto.
Nach meinem Fachabitur war ich mir nicht sicher, was als Beruf zu mir passt, also habe ich erst einmal ca 1,5 Jahre nicht gearbeitet und blöd gesagt nur Zuhause rumgehangen.
Danach habe ich 2-3 Jahre Berufe in der Produktion gehabt, um etwas Geld zu verdienen.
2019 habe ich eine Ausbildung zum Bürokaufmann angefangen, die ich aber nach ca 2 Jahren abgebrochen hatte, da ich mit dem Stoff nicht mitkam, Klausuren waren nur noch 5 und auf der Arbeit hat man mich links liegen gelassen, so dass ich meistens von 08-17:00 Uhr nur rumgesessen habe. Gut genug war ich meistens dafür, irgendwas im Lager zu suchen oder das Archiv zu sortieren.
Ich hatte in der Zeit mit meinem zweiten extrem starken Liebeskummer zu kämpfen, was es mir extrem schwierig gemacht hat. Heute weiß ich aber, dass es nicht nur am Liebeskummer lag. Es fing dann wieder an, dass ich häufiger gefehlt habe, ich hatte 34 Fehltage in einem Jahr, da ich jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit fuhr und einfach Panik hatte, dort wieder 8 Stunden rumzusitzen
Ich habe dann während der Ausbildungszeit mich weiter umgeschaut, ob ich nicht nochmal eine neue Ausbildung anfangen kann und bin dann zurück in meinen ursprünglichen Bereich gewechselt, dem Sozialen.
Da ich mein Fachabitur dort absolviert hatte, war ich fest überzeugt, dass ich dort wieder Fuß fassen kann und begann eine praktische Ausbildung zum Erzieher. Das heißt ich habe Blockunterricht, wo ich wochenlang Schule habe und auch Wochen, wo ich mehr arbeite.

Und jetzt zu dem Problem, was ich habe, womit ich schon mein ganzes Leben mit zu kämpfen habe.
Ich hab Riesen Verlustängste und kann mit Veränderungen im Alltag oder im Leben ganz schlecht umgehen.
Das kommt dadurch, dass ich mit 4 meinen Vater verlor und ich es kaum ertragen konnte morgens in den Kindergarten geschweige denn in die Schule zu gehen. Ich hab viel geweint und wollte morgens nie aufstehen und zur Schule etc.
Ich war von 2015 bis Mitte 2021 in Therapie mit über 80 Sitzungen um meine Verlustängste aufzuarbeiten, da ich immer unter starker Verlustangst litt.
Die Angst vor dem Alltag war aber immer da. In der Zeit von ca 2016-2017 wo ich nicht gearbeitet habe, ging es mir am besten, auch wenn sich das jetzt dumm anhört. Ich hatte kaum Geld aber es war mir egal, denn ich musste nicht raus in den Alltag und mich den Problemen des Arbeitsalltags stellen und seitdem ich 2018 wieder in Ausbildungsverhältnissen stecke, ist es wieder schlimmer geworden. Letztes Jahr(MItte Juli 2021) hab ich dann erfahren, dass ich das erste Jahr meiner derzeitigen Ausbildung nicht geschafft habe, da ich wieder oft gefehlt hatte und die Noten dadurch in dem wichtigsten Fach eine 5 war, sodass ich die Wahl hatte zu wiederholen. Ich hatte anschließend viele Gespräche, warum ich denn so oft fehle, ob es eine Vermeidungstaktik ist oder ob ich eine keine Lust auf der Arbeit habe. Ich bekam auch schon positvie Rückmeldungen, dass ich sehr hilfsbereit und nett gegenüber dem Kollegium bin und man mit mir gut reden könne. Das bringt mich leider nur nicht weiter, was die Noten betrifft.
Die Angst morgens aufzustehen und rauszugehen ist so stark, dass ich es nicht geschafft habe aufzustehen und dies ist nicht die typische Morgenmüdigkeit, wo man keine Lust hat. Ein Teil von mir weiß, dass ich es schlimmer mache wenn ich wieder nicht zur Schule/Arbeit gehe aber da mein Kopf sich so extrem dagegen wehrt, morgens in den Alltag zu starten, ist es so, dass ich das Gefühl habe, als würde mich wirklich jemand am Bett festketten.
Ich stehe vor dem Spiegel und habe richtig Angst raus zu gehen, da gerade auch in dieser Ausbildung viel von einem verlangt wird. Ich werde oft gefragt, ob ich denn heute was für die Arbeit vorbereitet hätte, dann kommen Klausuren und Projekte dazu.
Ich habe kurz vor Weihnachten eine Abmahnung erhalten, da ich mal wieder zu oft gefehlt habe und gerade ist es wieder dabei, dass die Noten schlechter werden. Dabei wiederhole ich ja gerade.

Ich habe schon mit vielen Leuten gesprochen aus der Familie und keiner kann mir weiterhelfen, bis aufs Zuhören.
Ein Onkel aus meiner Familie ist selbst Geschäftsführer einer großen Firma, mit ihm habe ich mal gesprochen und er hat gesagt, dass eine Ausbildung einfach nichts für mich wäre und ich mich so nach Jobs umschauen soll, wo man keine Ausbildung für braucht. (In diesen Jobs,wo nicht viel von einem gefordert wird, ging es mir sogar öfter mal besser, da ich nicht außerhab der Arbeitszeit so viele Gedanken um den Beruf hatte, was in dem jetzigen Beruf mit der Schule natürlich nicht so ist)
Ich hatte jetzt 3 Wochen Urlaub und muss wieder in meinen Betrieb und ich hab wieder das Gefühl mich krankschreiben zu lassen, da ich sehr oft, wie jetzt auch, einfach hier liege und schon Herzrasen habe, gleich wieder dahin fahren zu müssen. Ich schlafe dann extrem schlecht, bekomme Durchfall und gegen Mittag in der Pause kann ich mich kaum wachhalten und falle in einen Sekundenschlaf.
Auch wenn es sich krass anhört, aber am liebsten würde ich erstmal eine Pause machen wollen, wo ich 1 Jahr einfach nicht arbeiten muss. oder zumindest die Anforderungen der Ausbildung mir fern bleiben. Ich bin einfach so extrem müde, jeden Tag und die Angst ist jeden Morgen sehr stark einfach nur das Haus zu verlassen.

Dennoch ist ein kleiner Teil in mir, der mir sagt, dass ich mich die nächsten 2 Jahre zusammen reißen muss, um wenigstens die Ausbldildung zu packen, damit ich später Türen offen habe.
Es ist nämlich so, dass ich n gutes Einkommen in der Ausbildung habe, womit ich im Monat ganz gut hinkomme.
Dennoch würde ich auf das Geld verzichten und lieber erst einmal Arbeitslosengeld bekommen wollen, auch wenn es dann weniger ist. Aber es ist wirklich so, dass das Geld mir nicht hilft, morgens diesen Angstzuständen entkommen, denn ich will einfach nur liegen bleiben und mich ausschlafen. In dem Moment wo ich dann angerufen habe um mich krank zu melden, fällt eine enorme Last von mir ab und ich bin für den Moment total glücklich. Leider hält das nicht lange, da ich ja weiß, dass ich verpflichtet bin arbeiten zu gehen und meine Chefin und Kolleginnen wissen, dass ich häufig fehle...

Ich hoffe, jemand von Euch hat bis hierhin mitgelesen und kann mir eventuell Ratschläge geben, was ich am besten tun kann.
Denn ich stehe ganz stark zwischen den Gedanken mache ich ein Jahr Pause und gehe zum Arbeitsamt oder ziehe ich jetzt einfach wieiter durch und sehe nach der Ausbildung weiter.

04.01.2022 06:57 • x 1 #1


Chria

Chria


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Hallo Wendell,

das ist wirklich gar nicht einfach, was du anscheinend schon dein ganzes Leben mitmachst - fühl dich gedrückt. .

Beruflich/finanziell wäre es natürlich besser, wenn du die Ausbildung abschließt - als Erzieher findest du danach definitiv einen Job. Dein Lebenslauf ist ja bis jetzt schon nicht super rosig.

Aber 2 Jahre durchziehen ist eine richtig lange Zeit, wenn man wie du Angst hat, die sich dann auch noch körperlich (übergeben, Bauchweh) bemerkbar macht. Eigentlich kannst du das kaum machen.

Ich befürchte jedoch, dass wenn du dir ein Jahr Pause nimmst, das Jahr zwar für dich schön ist, aber an deiner Situation hat sich nichts geändert - du bist nur ein Jahr älter. Und in Therapie warst du ja auch schon lange, so dass das jetzt auch nicht zu einem mittelbaren Erfolg geführt hat. Und nach dem Jahr hast du dann vlt. gar keine Energie mehr weiter zu machen, weil es ja für dich als Arbeitsloser angenehmer war.

Ich wünschte ich hätte DIE Lösung für dich, aber das ist echt verzwickt. Hattest du schon Gespräche mit Beratungslehrern an der Schule? Eine Freundin, die auch Erzieherin wird, überlegt sich 1 Jahr nicht in die Schule zu gehen und nur in den Kindergarten, weil sie die Schule momentan überfordert. Ob das geht und was das für die Ausbildung bedeutet weiß ich leider nicht... Aber vlt. gibt es hier Lösungen, wenn du an sich als Erzieher gerne arbeitest

04.01.2022 07:11 • x 2 #2



Angst zu arbeiten wird immer schlimmer

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RyanG

RyanG


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Erstmal hi Wendell. Willkommen hier im Forum. Du hast zwar keinen Liebeskummer, aber ich denke, der ein oder andere kann trotzdem was hierzu sagen.

Wie Chria schon sagt... Du kannst Dir das Jahr Auszeit nehmen. Es würde Dir besser gehen. Aber Du trittst auch auf der Stelle. Und die Zeit rinnt davon.
Du bist 27, wirst in einem Jahr 28 sein. Solltest Du die Ausbildung wieder von vorne beginnen müssen, wärest Du dann 31. Verdeutliche auf jeden Fall, dass es Deine Lebenszeit ist, um die es hier geht.

Wie sieht denn Dein Alltag aus, wenn Du nicht arbeiten gehst? Ich vermute, die meiste Zeit verbringst Du dann zuHause? Falls ja, dann lass Dir gesagt sein, dass Du die schönen Seiten vom Leben verpasst... es gibt so vieles zu erleben und Du bist noch so jung.....

Der nächste Aspekt ist Deine finanzielle Zukunft. Gehst Du nicht arbeiten, verhungerst Du nicht. Du hast auch ein Dach über dem Kopf. Aber auf weiter Sicht hast Du keine Möglichkeit, etwas anzusparen. Auch das Rentenkonto füllt sich nicht.

Wenn Du das Jahr Auszeit nehmen solltest, dann wäre extrem wichtig, dass Du weiterhin versuchst, an Deiner Situation etwas zu ändern. Wenn Du bereits 5 Jahre in professionellen Händen warst und sich dahingehend nichts verbessert hat, dann wechsle den Psychologen. Bei Dir muss sich was ändern. Du musst wieder mit Spass und guter Laune raus und einen Dich erfüllenden Job gerne erledigen wollen. Lass die Zeit nicht an Dir vorbeigehen.....

04.01.2022 07:25 • #3


BernhardQXY


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Hallo
Solch eine extreme Angst vor dem Alltag finde ich schon nicht mehr normal im Sinne von handelsüblichen Depressionen Ian der ähnlichem.
Ich glaube nicht, dass dich eine Auszeit weiterbringt. Denn du wirst dort nicht neue Kraft schöpfen, sondern in einem für dich erträglichen Alltag leben.
Zunächst gilt es wohl, die Ursachen zu finden. Ganz offensichtlich ist das noch nicht gelungen.
Es könnten körperliche Ursachen haben. Also lass dich durchchecken. Auch deinen Stoffwechsel und auch deine Hirnchemie.
Psychisch ist meiner Meinung nach auch noch nicht die richtige Diagnose gestellt worden.
Deine Schilderung klingt so, als ob noch nie von vorne und systematisch die Ursache deiner Probleme gesucht wurden.

04.01.2022 07:32 • x 3 #4


Pinkstar

Pinkstar


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Zitat von Wendell93:
Ich war von 2015 bis Mitte 2021 in Therapie mit über 80 Sitzungen um meine Verlustängste aufzuarbeiten, da ich immer unter starker Verlustangst litt.

Morgen Wendell

Nachdem du weiterhin seelische Probleme mit dir selber hast, trotz der langen ambulanten Therapie, kann ich dir nur raten, mal mit deinem Arzt deines Vertrauen (vielleicht einen Psychiater?) zu sprechen, ob er dir eine psychosomatische Reha verschreibt.

Ambulante Therapien haben meist nicht so das Intensive, wie eine p-somatische Reha. Ich spreche da aus Erfahrung

Also besprich es mit deinem Arzt, dass wenn du dir die Auszeit nimmst, du da auch in eine p-somatische Reha gehst.

Wie gesagt, so eine p-somatische Reha ist bei weitem intensiver, weil du da (mit Verlängerung) fast 5-6 Stunden täglich therapiert wirst, sowohl körperlich, als auch seelisch.

L G Pinkstar

04.01.2022 07:41 • x 3 #5


Khaleesi48


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Hallo Wendell,

als Kind kannte ich jemanden aus dem Bekanntenkreis der Familie, der auch unter verschiedenen Ängsten litt. Ich bekam das aufgrund meines jungen Alters nur am Rande mit und ich weiß auch nicht welche Diagnosen genau der junge Mann hatte. Aber derjenige nahm sich ein Jahr Auszeit und ging ins Ausland WorkTravel. Blieb dann irgendwo in Afrika in der Entwicklungshilfe und war dort viele Jahre tätig. Dort musste er genauso leben und arbeiten, aber die Mentalität dort nahm ihm den Druck. Er sagte wohl einmal, die Menschen dort leben mit einer Leichtigkeit, die uns hier abgeht. Die Arbeit machte ihm Spaß und das Drumherum engte ihn nicht mehr ein.
Ich weiß nicht, ob das etwas für dich wäre. Aber für zuhause sitzen und noch mehr grübeln, weil alle anderen erfolgreicher sind, kann es durchaus eine Alternative sein.

04.01.2022 08:04 • #6


Darlena


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Guten Morgen!
Es ist super, dass du hier schreibst. Hast du dich schon dafür gelobt und abgefeiert? Es ist so ein großer Schritt anderen Menschen zu sagen, dass du Angst hast. Es ist so ein großer Schritt, dass du es dir selbst eingestehst. Das ist fantastisch! Damit hast du einen wesentlichen Schritt tatsächlich schon geschafft.
Und jetzt geht es an die anderen Schritte.

Du hast schon 80 Stunden Therapie gemacht und es klingt so, als wären damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Das stimmt aber gar nicht. Es gibt so viele Therapieformen. Vielleicht hat die damalige einfach nicht gepasst? Hast du verhaltenstherapeutisch gearbeitet? Also wurde real oder in der Vorstellung geübt, wie du mit der jeweiligen Situation umgehen kannst? Das musst du nicht beantworten. Reicht ja, wenn du es für dich feststellst. Verhaltenstherapie wirkt natürlich, aber bei einem recht großen Prozentsatz ist es nicht das Richtige. Wie wäre es mit Gestalttherapie (Kassenleistung) oder tiergestützter Therapie (keine Kassenleistung). Es gibt eine Vielzahl Möglichkeiten. Auf welche hast du denn Lust? Was würde dich ansprechen?

Und dann noch ein konkreter Tipp: Gerade wenn man Angst hat, beschäftigt man sich mit Angst, liest vielleicht ein Buch über Angst, spürt in sich rein, ob sie gerade da ist. Das ist, als wäre das ganze Leben nur voller Angst. Stimmt aber nicht. Das ist nur der Fokus. Beschreiben kinderlose auch, dass sie nur Schwangere sehen. Ist auch nur der Fokus und nicht die Realität. Deshalb lohnt es sich, den Fokus auf Mut zu setzen, auf Lebensfreude, auf Leichtigkeit.
Ein Beispiel: Wie wirken die Sätze:
Raus aus der Angst.
Rein in den Mut.

Mach das langsam und stetig. Dann hast du immense Chancen. Der erste und schwierigste Schritt ist schon getan. Da kannst du wirklich stolz drauf sein!

04.01.2022 08:18 • x 1 #7


Annika82


Es ist normal, dass man im Alter von Mitte 20 beginnt Panik zu bekommen. In dieser Zeit stellt man die Weichen für sein Leben und vergleicht sich oft mit anderen. Dabei ist oft noch schlimmer, dass man von anderen auf seine Defizite direkt angesprochen wird, und die dann mit anderen, vermeintlich erfolgreicheren Gleichaltrigen vergleichen. Tatsächlich wird aber erst am Ende zusammengezählt.

Ich habe immer wieder erlebt, wie die mir damals als Beispiel vorgehaltenen Pärchen mit Kind und Haus, 10 Jahre im Rosenkrieg geschieden waren, während der Bummelstudent aus unserer Clique von uns heute am meisten als Berater verdient und ein spannendes Leben führt. also, der ganze Druck, den man sich selbst und den andere aufbauen ist schlussendlich Quatsch.

Hast du statt über eine Therapie schon mal über ein Jobcoaching nachgedacht? Das Jobcenter kann da vermitteln. Das wird von systematischen Beratern durchgeführt, die darauf spezialisiert sind, nicht in der Vergangenheit zu stochern, sondern zukunftsorientiert schnell ins Handeln kommen zu lassen. Die Gefahr beim Verweilen in der Lebensgeschichte ist oft, dass man Erklärungen und Entschuldigungen, manchmal sogar Diagnosen erhält. Die helfen dem einen, dem anderen jedoch vermitteln sie, dass die Grundvoraussetzungen für das eigene Leben so schlecht sind, dass man ohnehin nicht mehr aus dem Sumpf kommt.

Kontaktiere doch mal das Jobcenter für ein Jobcoachuing. Dann kannst du heute beginnen, dir ein Poster of Excellence zu machen. Dabei notierst du die Arbeitsstellen, bei denen du gewesen bist und klebst PostIts mit Fähigkeiten, die du dort erlernt hast - bestimmte IT Programme zu benutzen, bestimmte Arbeitsprozesse durchzuführen und auch die Soft Skills. Denn wenn du sowohl in der Produktion, als auch zwei Jahre im Büro gearbeitet hast, dann liegt hier ein Goldstück. Du hast nämlich Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten kennengelernt und kannst auf verschiedenen Ebenen kommunizieren. Das ist etwas, das oft als Verbindung in Betrieben fehlt. Lass das Poster irgendwo an der Wand hängen (oder du erstellst digital eine Mind Map, das geht genauso gut) und ergänzt, sobald dir etwas Neues einfällt. Dabei konzentrierst du dich auf die Dinge, die du kannst und weißt und vergisst mal die vermeintlichen Defizite.

Hat dir die Arbeit in der Produktion eigentlich Spaß gemacht? Wenn ja, ist das ein toller Punkt wieder anzufangen und sich Schritt für Schritt im sicheren Umfeld zu verändern. Du bist eigentlich ein Allrounder und die finden ihren Weg nicht linear, sondern mit Abzweigungen, Was alle anderen sagen, das lass dir egal sein. Such dir einen Job Coach. Viel Glück!

04.01.2022 10:16 • #8


Alexandrina


Hier sind ja schon sehr gute Anregungen geschrieben worden, ich möchte nur noch etwas Praktisches beifügen:
Wie wäre es denn, wenn Du - erstmal - die einfachere Ausbildung zum Erzieherhelfer machst?

Alternative:
Alltagsbegleiter/ Betreuungskraft in der Altenpflege (Heim oder in der häuslichen Pflege) Diese Ausbildung dauert nur 4 Monate. - Und da sind Deine Skills total gefragt : Ich bekam auch schon positvie Rückmeldungen, dass ich sehr hilfsbereit und nett gegenüber dem Kollegium bin und man mit mir gut reden könne.

04.01.2022 11:13 • x 1 #9


Annika82


Das ist der tatsächliche Pluspunkt. Du kannst sowohl im pädagogischen oder pflegenden Bereich beginnen oder in der Produktion. Das kannst du nach Einkommensmöglichkeiten, Entwicklungschancen oder einfach nach Neigung entscheiden. Viele mittelalte und ältere Menschen machen immer noch Druck mit nicht mehr stimmigen Aussagen wie, wenn man mit 30 noch nicht fest im Beruf steht, dann wird das nichts mehr mit dem Leben. Man muss die Meilensteine ABC bis (Datum) erreicht haben, sonst ist man ein Loser. Das ist aber Quatsch. Der Arbeitsmarkt hat sich extrem verändert und viele Positionen werden zunächst durch Zeitarbeiter gefüllt, bevor Firmen fest übernehmen. Dazu zählt heute ein durchgehaltenes Arbeitsleben mit vielen unterschiedlichen Stationen sehr viel mehr als eine Richtung mit wenig Entwicklung im Job. Fang mit einem festen Tagesablauf an, such dir einen Job, der dir Spaß macht und der dich nicht überfordert.

04.01.2022 11:23 • #10


Kreyalla


Ich verstehe dich gut, mir ging es in meiner Jugend ähnlich, ich hatte extreme Schulangst, vor anderen zu reden etc. Kann es sein, dass du eine Sozialphobie hast, also große Probleme mit anderen Menschen zu interagieren oder um Hilfe zu bitten? Dann ist es klar, dass dich der Alltag stresst und ängstigt, speziell das Arbeitsleben. Mir ist es nach meiner Ausbildung so gegangen, bei Vorstellungsgesprächen und wenn ich irgendwo anfangen musste. Hab leider auch ungute Sachen erlebt. So was verstärkt die Ängste natürlich. Heute bin ich in einem Job, wo ich mich wohl fühle, mein
Vorgesetzter und die Kollegen nett sind und ich ohne Ängste zur Arbeit gehe, aber auch im
Alltag bin ich lockerer geworden. Das kommt automatisch mit dem Alter. Deshalb bin ich überzeugt, dass auch du deinen Weg finden wirst. Therapie ist aber sicher gut und wichtig, eventuell auch in der Gruppe mit Gleichgesinnten. Alles Gute.

04.01.2022 16:18 • #11


thegirlnextdoor


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Hallo Wendell, mal eine andere Frage:

Geht es um die Institution und die Leute oder um die Arbeit selbst...?

Was, wenn du dir einen Beruf aussuchen würdest, der sich vom Home Office aus machen lässt?

Oder halt allgemein selbständig - ohne Chef, Kollegen etc?

Mir liegt das auch besser und ich bin damit seit dem Studienabschluss sehr gut gefahren (Einkommen passt auch sehr gut.)
Großraumbüro, Hierarchien... liegt mir nicht so. Ich treffe lieber meine eigenen Entscheidungen und arbeite eigenverantwortlich, dafür auch ohne Mobbing und den Stress, mich vor jemand anderem verantworten zu müssen als mir selbst.

(Geld vom Staat habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht bezogen. Nicht einen einzigen Cent.)

Aber wie gesagt, hängt halt sehr stark davon ab, wo das eigentliche Problem sitzt: ist es der Alltag/die Arbeit an sich oder eben der Stress in eine Einrichtung zu müssen?

Andere Frage... ADHS schon mal abgeklärt..?
Das äußert sich im Erwachsenenalter u.U. sehr anders als im Kindesalter, ein Hauptmerkmal ist aber auch, dass die Betroffenen mit der Organisation des Alltags, Arbeit etc. überfordert sind.

Da schaltet das Gehirn ab sobald etwas gefordert wird.

(Komme darauf, weil dein Onkel meinte du solltest vielleicht einen Job ohne Anforderungen machen.)

In jedem Fall solltest du weiterhin nach den Ursachen für die Problematik suchen.
Mir scheint genauso wie den anderen, dass sie noch nicht gefunden wurden.

Lass den Kopf nicht hängen und geh noch einmal in dich, ich denke es wäre hilfreich wenn du es schaffen würdest etwas genauer zu benennen wo das Problem sitzt.

Also - Angst vor den Kollegen? Vorm Job? Vorm Chef? Vor potentiellem Versagen? Oder vor etwas ganz anderem?

Andere Frage - PTBS... abgeklärt?
(Tod deines Vaters, danach der Horror, in den Kindergarten zu müssen, etc..?

Wurdest du da gehänselt? Waren die anderen Kinder gemein zu dir, oder auch die Betreuer?)

04.01.2022 16:37 • #12



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