RobertS
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ich habe nach meiner Trennung viel hier im Forum gelesen. Einige der Diskussionen haben mir auch wirklich geholfen. Vor allem zu sehen, dass man nicht alleine mit seinen Problemen und Gedanken ist.
Ich bin mit der Verarbeitung des Ganzen schon ein gutes Stück weitergekommen, zur Zeit aber an einem toten Punkt. Ich wollte aber mal hören was ihr über den Verlauf denkt. Vor allem, weil ich nicht in eine Situation kommen möchte, bei der ich eventuell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte, den Zeitpunkt aber verpasst habe.
Meine Frau hat sich vor einem halben Jahr von mir getrennt. Vor vier Monaten ist sie ausgezogen. Alles ist recht friedlich abgelaufen. Wir wollten und wollen beide, dass es allen gut geht. Besonders das Wohlergehen der drei Kinder (8/5/5) stand im Mittelpunkt.
Wir haben eine Vereinbarung geschlossen, welche die wichtigsten Dinge regelt. Die Kinder wohnen bei mir in unserem Haus. Meine (noch) Frau in ihrer Wohnung. Sie kümmert sich nachmittags im Haus um die Kinder, bis ich nach Hause komme. Dann geht sie in ihre Wohnung. Jedes zweite Wochenende sind die Kinder bei ihr. So haben die Kinder ihre Eltern und wir beide unsere Kinder. Auch wenn das für meine Frau und mich nicht die emotional einfachste Lösung ist, ist es doch die für alle beste Lösung. Die Kinder haben das Ganze fast komplett problemlos akzeptiert. Praktisch ändert sich nicht viel für sie.
Für mich mit Vollzeit Job, 2,5 Stunden Fahrt jeden Tag und Abends die Kinder ist das natürlich schon anstrengend … 5 Uhr aufstehen und bis 9 Abends rotieren. Aber ich möchte und könnte kein Wochenend-Papa sein. Das würde ich nicht verkraften. Eine neue Partnerin zu haben wird so natürlich nicht einfach. Aber da sind mir die Kinder um ein vielfaches wichtiger.
Wir waren seit 18 Jahren zusammen. Seit wir selbst 18 waren. Alleine war ich nie. Daher ist das jetzt eine komplett neue Situation. Ich habe nie gelernt alleine zu sein. Ich war glücklich mit meiner Familie. Kinder, Haus, eine Partnerin als Selenverwandte. So hätte ich das Leben bis ans Ende genießen können. Wir haben hart gearbeitet. Anscheinend zu hart. Wir haben den Draht zueinander verloren.
Ich hatte dann vor anderthalb Jahren eine Krise/Burnout/wie auch immer man es nennen möchte. Auch wenn ich mir selten helfen lasse, habe ich in dem Fall direkt professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Nach ein paar Wochen und Sitzungen war das Ganze überstanden. Die Medikamente (nur leichte) hatte ich gerade fast abgesetzt. Da kam dann der nächste Schlag. Meine Frau hat mir mitgeteilt, dass sie sich trennen möchte.
Die Zeit danach war sehr schwer. Wir waren beide am Boden zerstört. Sie hat versucht möglichst wenig zu Hause zu sein. Ich habe rausgefunden, dass sie Freunde hat, von denen ich noch nicht mal was wusste. Zumindest einer war sehr offensiv dabei sie zu umwerben. Ich glaube inzwischen sind sie auch zusammen. Ich habe mich in der Zeit der Trennung auch seelisch soweit sie es zuließ um sie gekümmert. Und um mich. Aus meiner Krise bin ich zum Glück gestärkt hervorgegangen. Zumindest mit der Fähigkeit auf mich zu hören und meine Gedanken und Gefühle zu beeinflussen.
Einige Zeit ist jetzt seitdem vergangen. Der Alltag hat sich eingependelt. Die anfängliche Hoffnung auf beiden Seiten es könnte sich mit etwas Abstand einrenken hat sich gelegt. Vor einer Woche hat sie gesagt, dass es für sie keinen Weg zurück gibt. Das war nicht leicht zu akzeptieren, aber keine Überraschung. Gestern haben dann die Kinder erzählt wie sie mit ihrem Freund gespielt haben. Das war für die erste Stunde schwer zu ertragen. Aber ich habe noch am selben Abend beschlossen zu akzeptieren, dass sie anscheinend eine Freund hat und, dass ich nicht verhindern kann, dass er mit ihnen spielt. Schlechte Gefühle/Gedanken in der Beziehung helfen keinem.
Soweit „kurz“ zur Vorgeschichte.
Ich habe seit der Trennung stark daran gearbeitet diese zu akzeptieren. Das ist mir glaube ich gut gelungen. Auch wenn ich meine (noch) Frau immer lieben werde (auf eine tiefere, eher spirituellere Art, schließlich haben wir einen guten Teil des Lebens zusammen verbracht und Kinder miteinander), ist genug Distanz zwischen uns um die Trennung und den wahrscheinlich neuen Freund zu akzeptieren. Das mit dem neuen Mann im Leben der Kinder ist schon schwieriger. Mal schauen wie es wird, wenn wir uns scheiden lassen.
Ich denke viel über die Situation nach. Mehr als mir lieb ist. Aber ich bin nicht depressiv. Ich habe viele schöne Zeiten, genieße es, meine Kinder zu haben und gehe wieder tanzen (als Sport). Ich habe mir kurz-, mittel- und langfristige Ziele aufgeschrieben. Etwas, was ich vorher nicht brauchte. Schließlich war ich mit meinem Leben glücklich.
Aber irgendwas ist da, was mich nicht loslässt. Etwas bei dem, wenn es da ist, sich mir der Magen zusammenzieht. Ich weiß nur nicht was.
Das ich noch nicht komplett über die Trennung weg bin ist klar. Auch, dass ich noch nicht komplett gelernt habe Single zu sein. Ich mache mir Gedanken darüber wie es wird, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich komplett alleine bin. Auch wenn das noch mindestens 13 Jahre hin ist.
Ich habe noch keinen neuen Plan bzw. keine Vision für mein Leben.
Sollte ich nach einem halben Jahr weiter sein? Muss ich mir über das Problem, welches ich nicht identifizieren kann Sorgen machen? Wie ist es bei euch gewesen? Habt ihr Tipps?
(alleine das hier geschrieben zu haben tat ganz gut)
Tanz. 

