Moin Anne,
Zitat:>>Im Moment ist alles wie ein schlechter Traum. Man wünscht sich aus diesem aufzuwachen und alles ist wieder gut.<<
Dem kann man entgegenwirken, indem man ganz klar realisiert, welche eigenen Anteile man an dieser Trennung hat. Das ist bei dir relativ leicht, denn DU hast dich getrennt, also hast du den Zustand, in dem du dich jetzt befindest, selber hergestellt. Träume kommen von selber, diese Trennung war gewollt, auch wenn alles in dir wünschen würde, sie wäre nicht nötig gewesen.
Lass es also zu, dass du diesen Mann nicht mehr an deiner Seite wolltest, weil er mehrfach gelogen und betrogen hat, weil er weggelaufen ist, statt die Probleme innerhalb der Ehe zu lösen.
Zitat:>>Ihr fragt, ob es eine Alternative zur Trennung gab? Ich denke, hätte ich es im Urlaub nicht zufällig mitbekommen, wäre das Spielchen weiter gegangen, bis seine Geliebte irgendwann ihn unter Druck gesetzt hätte.<<
Mag sein, aber ob er diesem Druck nachgegeben hätte, ist Spekulation. Keine Spekulation ist, dass er dich betrogen hat und du das nicht akzeptieren kannst.
Zitat:>>Das Schlimme ist auch, dass er sagt, er würde mich auch noch lieben und leidet selbst unter der Trennung.<<
Die hat er ja auch vermutlich nicht gewollt, sondern hat sich der Illusion hingegeben, diese Affäre rechtzeitig beenden zu können, bevor es irreparablen Schaden gab. Also sieht er sich gleich mehrfach als Opfer. Einerseits als Opfer deiner Trennungsankündigung und andererseits als Opfer seiner Verliebtheit, gegen die er sich machtlos fühlt. Schlimmstenfalls auch noch als Opfer der Forderungen durch seine Geliebte.
Zitat:>>Er hat Schuldgefühle gegenüber seiner Geliebten, so sagt er.<<
Das ist ja ganz edel, aber hat er keine Schuldgefühle dir gegenüber? Was hat er dazu gesagt, wie wäre sein Plan gewesen, wenn du nicht entdeckt und getrennt hättest? Hast du ihn danach gefragt?
Zitat:>>Ich habe letztendlich den Schlussstrich gezogen. Ich weiß auch, dass es richtig ist, aber was ist wenn er reumütig zurückkommt?<<
Das ist sehr gut möglich. Denn den Zustand, in dem er jetzt leben muss, wollte er ja vermutlich ursprünglich nicht. Er wurde da hineingeschoben und darum sieht er sich vermutlich auch so gern als Opfer von all dem.
Das Gefühl, alles wieder rückgängig machen zu können, die Affären zu bedauern und dann mit dir noch mal von vorn beginnen zu können, könnte sehr wohl eine große Rolle bei ihm spielen. Willst du wissen, ob das so ist? Und was sagst du ihm, wenn er das bestätigt?
Zitat:>>Ich liebe ihn ja trotzdem. Wir sind seit meinem 15. Lebensjahr zusammen. Ich denke da mache ich mir etwas vor. Mein altes Leben bekomme ich nicht zurück.<<
Nee, das bekommst du nicht zurück und das wäre ja auch nicht erstrebenswert. Denn in deinem alten Leben hat dein Mann es nicht mehr ausgehalten, hat nach Kompensationsmöglichkeiten für seine Unzufriedenheit gesucht und hat sich dann fleißig an anderen Frauen bedient. Das willst du nicht zurück.
Wenn du mit ihm neu anfangen solltest, ist das ja auch nicht das alte Leben, sondern ein neues, aber mit demselben Partner. Ob das gelingen kann, kann ich aus dem wenigen, das ich weiß, nicht beurteilen. Aber es gelingt sowieso nur dann, wenn beide es wollen. Und auch dann längst nicht immer.
Das Gefühl ihn noch zu lieben, muss differenziert gesehen werden. Da ist natürlich noch eine ganze Menge an ihm, das du liebst und gerne lieben würdest. Aber das ist nicht der ganze Mensch. Zum ganzen Menschen gehören auch die Anteile, die feige sind, die Problemen ausweichen und die bereit sind, dich zu betrügen und zu belügen.
Zitat:>> Im Moment ist totales wirrwarr in meinem Kopf.<<
Das macht nichts. Das ist normal und das wird auch wieder besser.