Charlotte
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durch Einsamkeit bin ich auf das Forum gestossen. Ich will hier meine Geschichte erzählen.
Wir kennen uns seit 18 Jahren, seit 10 Jahren sind wir verheiratet. Nun hat er mir vor 6 Wochen erzählt, dass er in eine 19-jährige! verliebt sei.
Ich bin 50 Jahre alt. Für mich ist eine Welt eingestürzt. Mein Mann hatte eine schlechte Kindheit, in mir hat er einen Lebensmittelpunkt gefunden. Wir haben alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchgestanden. Er war für mich da, ich für ihn. Seit 4 Jahren ist er beruflich stark beansprucht, wurde gemoppt, hat Lebenswillen und Mut leicht verloren.
Er war antriebslos, es ging zum Teil nur mit Antidepressiva. Während dieser Zeit ist sein s.uelles Interesse an mir stark abgeflacht. Es war in Ordnung für mich, denn durch meinen Beruf weiß ich um diese Störungen sehr gut Bescheid. Vor 2 Jahren war er schon einmal in eine 18-jährige! verliebt, dies war aber von keiner so weitreichenden Konsequenz. Wir haben darüber geredet, s.uelles Interesse war an ihr auch nicht vorhanden.
Nun erzählte er mir, dass es ihn richtig erwischt hat. Sexuelles Interesse wieder da, gesagt bekam ich, dass er keine emotionalen Gefühle mehr für mich hat, nur noch der GEfühle der absoluten Vertrautheit, der tiefen Freundschaft. Aber mehr nicht.
So ging es dann 2 Wochen, bis er mir sagte, dass es ihn fertig macht. Damit meinte er das Zusammenleben mit mir. Daraufhin zog er erst einmal zu einem Bekannten. Wenn ich arbeiten war, kam er nachmittags in unsere Wohnung, lebte dort 3 Stunden, bevor ich nach Hause kam, verkrümmelte er sich wieder. Das ging wiederum 10 Tage so, bis ich ihm sagte, dass er entweder wieder komplett zurück soll zu mir, oder ganz ausziehen soll. Er wollte ausziehen.
Er packte drei Tage, dann stand alles hier rum. Daraufhin meinte ich zu ihm, dass es mir jetzt reicht und er endlich seine Sachen abholen soll. Er zog also am Montag dieser Woche aus.
Zurück bleiben leere Regale, einige Lücken, vor vorher seine Schränke standen, sein leeres Büro und eine totale Leere in mir. Ich bin verzweifelt, verstehe die Welt nicht mehr.
Ich selbst habe momentan keine leichte Zeit, ich habe meine Eltern als Pflegefälle, gehe halbtags arbeiten, versorge nun unseren Hund alleine, kümmere mich hier um die laufenden Bauprojekte ... und bin am weinen.
Normalerweise bin ich sehr selbständig, aber jetzt! Er fehlt mir, seine Ruhe, seine Wärme, seine Geborgenheit. In mir ist eine Sehnsucht nach Ruhe und Stille, nach ihm, an den ich mich anlehnen kann. Realistisch wie ich nun mal bin, habe ich schweren Herzens die Scheidung eingereicht. Zweimal wurde mein Vertrauen verletzt, ein drittes Mal wäre das Ende für mich.
Meine beste Freundin wohnt 600 km von mir. Meine beiden Kinder - aus erster Ehe - versuchen, so weit es geht, mir zu helfen wo sie können. Es sind wunderbare Kinder. Na ja, eigentlich schon längst Erwachsene.
Wie kann man mit diesem Schmerz umgehen? Ich war noch nie ein Mensch, der leicht auf andere Menschen zugehen kann. Vertrauen kann ich sowieso keinem mehr.
Ich war auch noch nie lange alleine. Das alleinsein, verbunden mit dem fehlen meiner Bezugsperson ist das allerschlimmste.
Ich weiß, dass es anderen hier auch so geht. Vielleicht hilft das.
DANKE
. das ist eine schrecklich traurige geschichte, die Du uns postest! dass Du den weg hier ins forum gefunden hast, kann Dir bestimmt in manch dunkler stunde hilfe und trost sein. ich kann mich noch gut erinnern, als ich hier das erste mal geschrieben habe und völlig überrascht war, dass "da draussen" doch tatsächlich andere menschen es lesen und mit rat und mitgefühl zur seite stehen. ich denke, dass ist ein wunderbares gefühl. gerade wo Du offensichtlich selbst viel anderen hilfst und vermutlich selbst ehr weniger gewöhnt bist, Dir auch einmal helfen zu lassen. aber in so einer dramatischen situation, dass wirst Du schon gemerkt haben, ist man allein manchmal einfach überfordert und freunde
, egal ob real oder virtuell, können trösten und auch helfen neuen lebensmut zu fassen. ich bin schon lange im forum, habe sehr viele, sehr liebe menschen hier getroffen und aus dieser erfahrung heraus kann ich Dir versichern, wie tief die täler auch immer sein mögen, die da kommen, er gibt auch immer ein licht am ende des tunnels. wie es auch immer weitergehen wird, jedes ende birgt auch immer eine chance in sich.
