begreifen2023
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vorab, ich war hier sehr lange Zeit stille Mitleserin unter einem anderem Namen. Ich habe gelesen, mitgefühlt und hin und
wieder mich gefreut, wenn es Mitgliedern wieder besser ging.
Zu Mir: Ich bin eine normale Frau, mittlerweile 56, stehe eigentlich im Leben, war lange Single nach langer Ehe die aber
gut aufgearbeitet ist. Dann eine 1,5 jährige Fernbeziehung die schon schwierig war und ich verlassen wurde. Danach hab
ich sehr lange gebraucht um wieder klarzukommen, hab mein Leben wieder gelebt, allerdings ohne Partner. Neue
Bekanntschaften, Reisen, Freunde, Familie, alles war gut soweit. Ich wurde geschätzt, als Freundin, Ratgeber.
Mein Selbstwert zwar nicht der beste, aber ich kam klar mit mir.
Irgendwann Ende 2021 traute ich mich doch mal wieder auf Partnersuche zu gehen, online in einer regionalen
Dating App. Nach einiger Zeit traf ich auf Ihn, er war erst kurz angemeldet. Wir kommen aus der selben Gegend,
er aus meiner alten Heimat. Zuerst war ich skeptisch, er war erst kurz getrennt, ich hab mir wirklich Zeit gelassen,
war auch zu unsicher und hatte Angst vor Ablehnung. Nach ca. 3 Monaten schreiben, viel telefonieren, konnte er mich
doch zu einem Treffen überreden. Und dann nahm es seinen Lauf, ab diesem Abend waren wir quasi zusammen.
Er hat wirklich alle Register gezogen, war verbindlich, zuverlässig, es war eine wunderschöne Zeit.
Ganz schnell wurde ich allen vorgestellt, er war so glücklich mit mir. Kein Tag verging ohne Liebesbekundungen, alles
rosarot, so ist es immer, nicht wahr?
So schob ich alle Bedenken weg und genoss dieses neue Glück. Ach was war ich selig, wir sahen uns sehr oft. Schnell
ging es dazu über dass ich einmal in der Woche und jedes Wochenende mit ihm verbracht habe. Spannende Zeiten, neue Leute,
viel Zärtlichkeit, Leichtigkeit, unfassbar viel Nähe.
Aber natürlich auch manchmal kleine Bedenken, er ist so ganz anders. immer viel unter Leuten, ich bin eher ruhig, brauche etwas um mich zu öffnen.
Er ist sehr beliebt, sehr eitel, sehr modebewusst, sehr gutaussehend. Ach was für ein Glück, denn ich halte mich ja eher für
Durchschnitt, kleiner, etwas Übergewicht. Aber er gab mir das Gefühl, dass ich genau diejenige bin, die er nie mehr gehen lassen
wird.
Natürlich hätte ich vorgewarnt sein müssen, hab ja viel hier im Forum gelesen, die sogenannten red flags.
Wollte ich sie wirklich nicht sehen?
Nach einiger Zeit kamen natürlich Vorfälle, die ich anfangs auch ansprach. Sein Trinkverhalten zb. , sein grosses Ego,
sein Umgang mit anderen Menschen, seine wirklich anstrengenden Krankheiten. Seine bisherigen Beziehungen.
Zu Ihm:
Grosser, gutaussehnder Mann, sehr beliebt , Spasskanone immer und überall.
Er hat mich Glück fühlen lassen, sich gekümmert, bekocht, gereist, mir einfach Sicherheit gegeben. So hab ich mich
drauf eingelassen. Jeder beglückwünschte mich .
Dann aber auch seine anderen Seiten, Probleme. er trinkt jeden Abend, nimmt Angstlöser, etliche Medikamente, ist ständig
beim Arzt. Nächtliche Panikattacken, Schreien im Schlaf, in der Zeit einige OP`s, immer wieder Arztbesuche. Teilweise sogar mehrmals täglich.
Sehr kommunikativ, bei Treffen mit Freunden, immer im Mittelpunkt, man kam nicht zu Wort.
Sein Verhalten anderen Frauen gegenüber, sehr Flirty, Touchy,
Aber er ist nun mal so. Und ohne sein grosses Ego gäbe es ihn schon nicht mehr. Er hat einige psychosomatische
Rehamassnahmen hinter sich. All das wurde aber offen kommuniziert und mir wurde versichert, dass ich darunter nicht
zu leiden hätte. Ich hatte Mitleid, ihn unterstützt, in sovielen Dingen. Er brauchte viel Aufmerksamkeit, die er aber auch zurück gab, er brauchte viel körperliche Nähe, das tat mir natürlich gut. Hand in Hand ein Leben lang, so dachte ich.
tja, ihr ahnt was kommt.
Wenn ich kritisierte, weil er zb ständig Frauen vor mir anflirtete, ich daneben stand wie vom Donner gerührt.
Dann gab es grosse Streits, Drama, ich bin ja die krankhaft eifersüchtige, soll mir Hilfe holen. Da wäre nichts dabei,
er würde das auch nicht bleiben lassen. Ein paarmal hab ich es dann geschafft, bin mitten in der Nacht weggefahren, voller
Verzweiflung, Angst. und fühlte mich schuldig. Am nächsten Tag wieder Gespräche, ich wollte ihn natürlich nicht verlieren.
Er konnte mich immer wieder überzeugen, dass ich falsch lag, dass er nie Schuld hatte.
Und mit der Zeit? ja, da passt man sich an, denkt vermeintlich es tut zwar weh, aber im Grunde will er ja nur mich.
Alles drehte sich um ihn, er war zwar sehr zuverlässig und auch oft hilfsbereit, wollte aber natürlich immer bewundert werden.
Wenn er zb. kochte, ich geholfen habe, dann konnte ich es ihm nie recht machen. Sein grösstes war für mich und Freunde zu
kochen und sich loben zu lassen. Jeden Tag ein Statusbild seines Essens für seine "Follower".
Leute die ihn kritisiert haben wurden aussortiert.
Er eckte auch mit vielen Menschen an, das musste nur ein Falschparker sein, oder beim Autofahren, ständig gehupt, gebrüllt, sich aufgeregt. Und dann wieder zu vielen zuckersüss. Ach was wurde ich beneidet um ihn.
Ich wusste irgendwann das ich mit reden nicht weiterkam, ich kam nicht gegen ihn an. Also hab ich geschluckt, wurde immer
nervöser, verkrampfter. Und meine Gedanken nur noch bei ihm und seinem Verhalten.
Dann kamen immer wieder kleine Abwertungen hinzu, nie wirklich schlimm, aber ich konnte ihm teilweise nichts mehr recht machen.
Alles konnte richtig, aber auch alles falsch sein. Ich hab oft überlegt, nachgeprüft, wenn ich etwas tat. zb. den Geschirrspüler
richtig einräumen. Immer wieder hies es, warum hast du das so getan, das muss anders sein. bei sovielen Gelegenheiten.
Ich wurde manchmal richtig wirr im Kopf, denn oft , ganz oft, wenn ich mal eine einfach Frage stellte, hiess es , das hätte er
mir schon erzählt, das hat ihn immer masslos aufgeregt. O-Ton: Du bringst mich zur Weißglut. kurz darauf war alles wieder
gut. Ach das ging wirklich ständig so.
Im Sommer ging er dann auf eine 4 wöchige orthopädische Reha. Dort war er der Star, der bestangezogenste Mann dort.
Viele Kontakte, Alk. (auch dort konnte er es nicht lassen). Er wollte gar nicht mehr zurück. Zuhause dachte ich, ich muss ihm Zeit geben, er war noch wie im falschen Film. Hat dort auch gut abgenommen, war da sehr stolz darauf, hat das auch zuhause weitergeführt, viel Bewegung etc. Nur das Trinken blieb. Aber da es ihm ja gut ging jetzt, alle seine Werte passen, war das für ihn ok. Nur ich, ich passte wohl jetzt nicht mehr so. Er war mir zwar treu auf Reha, Gelegenheiten hätte er ja gehabt.
Ich muss sagen, ich hatte letztes Jahr (auch von ihm initiiert) eine Knie Op, leider hab ich schon lange Probleme beim Laufen.
bzw. kann mit ihm nicht "Schritt" halten. Aber auch daran arbeitete ich. Trotzdem war ich ihm immer zu langsam, das brachte
ihn dann wieder zum ausflippen.
Der lang geplante Urlaub stand an, mit vielen Ausflügen zu Fuss. Das brachte mich an Grenzen, aber ich war meiner Meinung
sehr tapfer und bin alles trotz Schmerzen mitgelaufen. Jeden Tag fiese Bemerkungen, weil er natürlich gemerkt hat, das ich
einfach nicht so mithalten kann. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Der Urlaub war wirklich sehr umentspannt. Immer wieder
Abwertung, nicht mehr viel Nähe, Gleichgültigkeit. Ich hab gemerkt, da verändert sich etwas. war bemüht , wurde immer unsicherer, letze verzweifelte Versuche, es sollte doch auch mal mich verstehen auf mich eingehen, nicht immer so mit mir sprechen. ein paar Beispiele: ich bin ihm zu langsam die Treppe hintergelaufen, da bekam ich einen (aus Spass) Tritt in den Hintern. Im Urlaub als ich dachte ich hätte meinen Ausweis verloren, ein genervter Schlag auf dem Arm, an den er sich aber
nicht erinnern kann. und dann auf Heimreise bei einem Stop, hab ich beim Kaffee holen einen falschen knopf gedrückt, da hat er mich mit den Worten : Schätzelein du bringst mich aber auch immer zur Weissglut, am Ohr zu sich gezogen . Dann schnell mich wieder geküsst.
Nach dem Urlaub hat es sich meiner meinung nach wieder normalisiert, sprich es ging weiter. Zweifel blieben, aber ich wolle
ihn ja nicht verlieren. Und sein tägliches Melden mehrmals gab mir ja auch Sicherheit.
Letztes Wochenende war ich ihm wieder zu langsam beim Spazierengehen, wieder Vorwürfe, was er ja alles nicht mit mir machen kann. Wieder dieses sogenannte Gaslighting weil er mir wohl schon was erzählt hatte, woran ich mich nicht erinnern kann.
Ich konnte wieder mal nichts recht machen. Gar nichts. Bin dann nachhause, am nächsten Tag dann von ihm eine Nachricht,
das er zeit zum nachdenken braucht, er über sich selbst ja erschrocken ist, wie aggressiv ihn meine Äusserungen machen und
dass es ihn zerstört. und später noch, dass ich mal über unsere sportlichen Aktivitäten nachdenken soll, wie es ihm dabei geht.
Am nächsten Tag dann dass er (wir waren eigentlich verabredet) seine Ruhe braucht. Ich hab ihm die gegeben, bin zum Arzt
und bin jetzt krankgeschrieben, pflanzliche Tropfen und ein Beruhigungsmittel für die nacht. Und eine Liste mit Psychologen ,
denn ich habe verstanden, dass ich mir Hilfe holen muss. Nur wie?
Gestern Abend dann das finale Telefongespräch, oh er war gut vorbereitet. in Plauderlaune, verständnisvoll, supernett,
ich hab ihm gesagt dass ich das so nicht mehr kann, dass ich mir Hilfe hole für mich, dass es jetzt gerade nur noch um mich geht.
Seine einzige Sorge war, wie er jetzt da steht, nicht dass einer denkt, er hätte mich zum Psychiater getrieben. Und ich muss ihm
glauben, er wäre in seinen vorherigen Beziehungen nie so gewesen. Ihm gehts nicht gut, hätte wieder alle möglichen Symptome.
Aber ich müsste doch verstehen, dass das mit dem laufen halt schon ein Problem ist, er hätte ja immer wieder versucht Rücksicht zu nehmen. Er hat die Tage genutzt um eine Pro und Contra Liste zu machen und natürlich hatten wir schöne Zeiten und wenn
wir jünger wären, dann könnte man es nochmal probieren, aber wir sind jetzt halt schön älter und da hat man nicht mehr unbegrenzt Zeit einen neuen Partner zu finden. Deswegen Trennung, aber bitte doch einvernehmlich. Das kann er doch jetzt
so seinen Leuten sagen, dass wir uns im Guten getrennt haben. Das war ihm das wichtigste an dem Gespräch. Ich hab versucht
ruhig zu bleiben. Ich denke er hat sich nach dem Gespräch selbst auf die Schulter geklopft, das er das Gespräch so gut hinbekommen hat. Ich kann mich jederzeit melden, wegen den Sachen die ich noch bei ihm habe. Er würde mich auch jederzeit
mal wieder bekochen. Und natürlich wünscht er mir alles Gute. später kam noch eine Nachricht, dass ihn das sehr schmerzt, dass es mir so schlecht geht. die hat er aber wieder gelöscht.
Und nun? War es das denn wirklich? Ich steh noch unter Schock, sollte froh sein, hab aber alles noch nicht begriffen.
Wie soll ich denn die nächste Zeit überstehen? Ich kenn mich, ich werde leiden wie verrückt, meine Verlustangst greift so sehr.
Ihr kennt alle solche Ängste, deswegen hab ich mich jetzt getraut zu schreiben. Viel zu lange ist es geworden, Danke für jeden der sich das antut zu lesen. War diese Beziehung toxisch? Man liest ja auch viel von Narzisst, Abhängigkeiten. bitte helft mir zu begreifen. Und natürlich loszukommen. Bitte!
