MrSmith
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ich versuche hier mal kurz meine Lage zu beschreiben.
Ich führe seit knapp 2 Jahren eine Beziehung zu einer tollen Frau. Die Beziehung war immer sehr innig und fest, treu, loyal und ehrlich. Wir haben uns in den letzten 6 Monaten auch viel über eine gemeinsame Zukunftsplanung unterhalten und sind uns eigentlich auch einig, dass uns gemeinsame Ziele & Pläne verbinden, die wir gerne umsetzen möchten.
Wir sind uns als Partner sehr ähnlich, wie spiegeln uns in sehr vielen charakterlichen Bereichen, sind liebevoll, verbindlich, ehrlich und authentisch zusammen.
Allerdings sind wir Beide auch temperamentvolle Sturköpfe, können sehr egozentrisch und verletzend sein und schrammen in unserer Kommunikation gerne mal aneinander vorbei.
Uns begleitet seit ca. 5 Monaten eine Dynamik, die ich kurz zu beschreiben versuche:
Meine Partnerin ist sehr impulsiv und energiegetankt, in guten Zeiten nenne ich sie liebevoll "Klein Pompeji" in schlechten Zeiten verzweifele ich sehr an dieser unbändigen Emotionalität. Dafür ist sie äußerst ehrlich und loyal, wirklich ein sehr liebenswerter Mensch.
Ich bin da eher der Gegenpol, ich bin eher harmoniesuchend, teilweise in meiner eigenen Welt gefangen und brauche immer wieder mal Rückzug um zu analysieren bevor ich in den Dialog gehe.
Bedingt durch negative beruflich Einflüsse meiner Partnerin haben wir Ende des letzten Jahres sehr viel gestritten. Sie war sehr gestresst und ausgelastet und hat ihre ganze schlechte Laune oftmals auf mir abgeladen. Das habe ich eine Zeitlang ertragen, weil ich es gut mit ihr meinte und denke Partner sollten in einer schlechten Phase füreinander da sein. Ab einem gewissen Punkt, fing sie zusätzlich an Abenden an denen wir aus waren an zu viel zu trinken, was bei ihr dazu führt, dass sie komplett ausrastet, ihre Grenzen verliert und mich mehrfach damit verletzt und blossgestellt hat.
Ich habe mich damals viel mit dem Thema beschäftigt ihr meine Sorge um sie kommuniziert, ihr Hilfe angeboten ihr aber auch mitgeteilt, dass ich ihre Verletzungen nicht weiter hinnehmen kann, da sie selbst dafür verantwortlich ist ihre Probleme in den Griff zu bekommen und sie nicht zu 100% auf der Beziehung abladen kann.
Sie hat sich dann auch wirklich gefangen, reflektiert, ist in sich gegangen hat sich dafür entschuldigt und begonnen ihr Trinkverhallten zu ändern und mit dem Gedanken begonnen den Job zu kündigen.
Es gab damals viele Gespräche zwischen uns die positiv waren und zu einem Wandel herbeigeführt haben.
Leider reagiere ich auf Kritik und Verletzungen auch sehr egozentrisch, indem ich mich zurückziehe und meinen Partner aus Selbstschutz und Ignoranz emotional ausschliesse, was dann natürlich zu dem bekannten Nähe - Distanz Problem führt.
Ich habe dann einen Fehler begangen, an einem Abend an dem ich insgeheim noch einen Groll gegen sie hegte. Es war der Klassiker, ich war mit Freunden in einer Bar, hab zu viel getrunken, keine Grenzen gezogen und habe fremdgeknutscht. Meine Freundin fand dies natürlich hinaus und es folgte ein schmerzhaftes Gespräch über mein Fehlverhalten. Sie vergab mir den Fehler zum Glück.
Danach fuhren wir in den Urlaub und der Spiess drehte sich um. Nun war ich in einer Phase in der ich auch noch komplett beruflich gestresst war und unsere wiederkehrenden Konflikte und Vorwürfe sich wiederholten. Ich habe meinen Stress plötzlich auf Ihr abgeladen und sie als Ventil benutzt. Sie wollte kommunizieren, indem sie gegenwärtig alle Emotionen rausliess, ich habe mich davon überfordert gefühlt, weil ich selbst schon bis zum Hals in Stress steckte, habe versucht ihr zu sagen, dass ich das gerade einfach nicht mehr aufnehmen kann und habe sie so aus dem Dialog ausgeschlossen.
Es folgte ein schöner Urlaub, den wir beide aber nicht so richtig geniessen konnten miteinander.
Irgendwie war die Leichtigkeit hin, alle diese Konflikte standen im Raum, ich habe es nicht schaffen können über meinen Schatten zu springen und mich wieder zu öffnen. Sie hat es nicht schaffen können die Ruhe zu finden mir keine weiteren Vorwürfe zu machen, mich auch mal loszulassen und mir ein bisschen Raum zu geben.
Ich fuhr nach unserem Urlaub nochmal 10 Tage alleine für mich weg, um mich aus der ganzen Situation mal rauszunehmen um ein bisschen Abstand zu finden.
Das tat uns auch beiden gut uns es gab nach dem Urlaub ein versöhnendes und klärendes Gespräch indem wir beschlossen weiter zu machen und an uns zu arbeiten.
Ich habe damals leider wieder ein Fehler begangen um mein Ego zu pinseln. Und zwar habe ich während unserer Reise einen Tinderdialog mit einer fremden Frau begonnen. Dieser war einfach nur schön, luftig, phantasievoll und unverbindlich. Es ging um nix s.uelles, nicht um Emotionen auch habe ich in dem Dialog nie meine Freundin erwähnt. Da solch ein Dialog natürlich neugierig macht, habe ich mich nach dem Urlaub 1mal mit dieser Person heimlich getroffen. Aus Neugierde. Wir haben uns unterhalten, 2 B. getrunken und sind getrennten Weges gegangen. Danach habe ich den Kontakt abgebrochen. Gefühle waren keine ihm Spiel.
In den letzten Wochen habe ich nun viel abgewägt wie es mit uns weiter gehen soll. Ich wollte die Beziehung zu meiner Partnerin nicht beenden, weil ich erfahren habe wie gut
wir zusammen harmonieren können, wenn wir es schaffen unsere Egos beiseite zu schieben und in uns in der Liebe bleiben. Daher war meine Taktik noch 3 Wochen zu warten, bis sie ihren Job beendet um dann ein klärendes Gespräch zu führen. Meine Partnerin hat natürlich gespürt, dass ich wieder distanziert bleibe und ist wieder sehr unsicher geworden.
Nun kam es letztes Wochenende wie es bei sowas immer kommen muss.
What goes around comes around.
Meine Partnerin fand heraus, das ich auf Tinder war, weil eine Freundin mich dort gefunden hatte (Ich hatte mit dem Tinderdate nach dem Treffen aber nicht weiter kommuniziert). Sie flippte verständlicherweise komplett aus, beendete die Beziehung lautstark mit den Worten, dass sie jetzt gehen wird um uns zu vergessen. Ich habe gebeten mit ihr über diesen Vetrauensbruch zu reden aber sie hat komplett zugemacht und die Wohnung verlassen.
Ich habe mich natürlich furchtbar gefühlt, weil ich verletzt von ihr sowie beschämt über mein Fehlverhalten war und mir in etwa ausmalen konnte, wie sie den Rest des Abends nun verbringen wird.
Am nächsten Nachmittag ging ich zu ihr um mich aufrichtig für mein Fehlverhalten zu entschuldigen. Sie öffnete mir auch und es folgte ein sehr, sehr langes Gespräch indem ich sie aufrichtig um Verzeihung gebeten habe. Sie wiederrum hat mir gebeichtet, dass sie in dieser Nacht mir 2 Typen geknutscht hat und sich so sehr betrunken hatte, dass sie komplett die Kontrolle über sich verloren hat.
Ich habe ihr gleich erwirdert, dass ich ihr dass verzeihen kann und werde, weil ich ja im Endeffekt der Auslöser für diesen Schmerz bin, da ich ihr vor Wochen verheimlicht habe ein Date gehabt zu haben.
Ich weiss allerdings auch von ihr, dass sie diesbezüglich auch nicht ganz unaktiv in den letzen Wochen war. Immerhin hat sie mir das von Vornerein kommuniziert.
Ich blieb über Nacht, es war sehr innig und vertraut. Wir schliefen zusammen am nächsten Morgen und verbrachten noch Zeit mit vielen, öffnenden Gesprächen bis in den Nachmittag.
Vorgestern holte ich sie von der Arbeit ab, da habe ich mich eher aufgedrängt und es folgte ein 2ter sehr inniger Abend in dem wir alle unsere Kritik- und Verletzungspunkte aneinander offen auf den Tisch gelegt haben. Es war inning, es war offen, es war der schönste Abend den wir seid langer Zeit zusammen verbracht haben.
Es fühlt sich so an, als hätte dieser doppelte Bruch viel zertrümmert aber auch den Raum geschaffen nun über unser Konflikte und Wünsche miteinander und aneinander zu reden.
Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen, schreiben uns aber weiter Nachrichten, die auch wohlwollend sind und vertraut sind. Allerdings spüre ich auch ein Distanz in ihren Worten.
Nun zurück zur Eingangsfrage:
Was passiert hier eigentlich gerade?
Ist es ein guter Prozess den wir hier eingeläutet haben oder ist das der gemeinsame Tanz im Scherbenhaufen?
Ich fühle mich auf der einen Seite sehr befreit, weil wir uns sehr Nahe gekommen sind in den letzten Tagen und festgestellt haben, dass wir gemeinsam Konflikte überwinden können, wenn wir in der Liebe bleiben und Reden, reden, reden.
Auf der anderen Seite fühle ich mich auch furchtbar, weil ich mich schäme für meine eigenen Schandtaten und weil ich gar nicht mehr weiss, ob wir nun noch eine Beziehung haben oder nicht. Das macht mich sehr unsicher und angreifbar.
Zudem frage ich mich, ob es richtig war ihr, ihren Doppelknutscher so schnell zu vergeben.
Wie verhalte ich mich jetzt weiter?
Sie beendet Freitag ihren Job, ich habe ihr dazu Blumen via Fleurop geordert, als Anerkennung für Ihren Prozess.
Sonntag gäbe es einen gemeinsame Feier zu der wir beide Karten haben.
Melde ich mich jetzt weiter bei ihr?
Ziehe ich mich zurück?
Bleibe ich emotional offen oder ziehe ich mich wieder zurück um mich zu schützen?
Kann sich eine Beziehung nach einem solchen Bruch wieder neu entwickeln?
Freue mich auf einen Dialog mit euch.