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Betrug - weitermachen

Matrizza

Ich wende mich jetzt einmal quasi von der anderen Seite an euch, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Dazu muss ich allerdings kurz ausholen:

Wir hatten im Frühling eine ziemlich turbulente Zeit. Ich bin schon seit einiger Zeit recht unglücklich mit diversen Dingen in unserer Beziehung bzw an meinem Partner. Irgendwie stand es für mich immer an der Kippe, den richtigen Absprung habe ich aber doch nie so recht geschafft. Jedenfalls habe ich leider eine mehr oder weniger rein s.uelle Affäre begonnen, wobei Affäre wirklich schon viel zu viel gesagt ist (ich hatte da recht strenge "Regeln"). Nachdem ich dann dahintergekommen bin, dass er eine andere trifft/flirtet für die er soweit ich wusste tatsächlich Gefühle hatte, war unsere Beziehung kurzfristig ein totaler Scherbenhaufen. Er beteuerte, nur mich zu wollen usw und das er sich dort nur kurz die Finger verbrannt hatte, aber ohnehin nie weitergegangen wäre.

Schlussendlich traf er sie dann aber doch weiter/schrieb mit ihr/übernachtete bei ihr/etc. Als ich das durch Zufall erfahren hatte, war ich wirklich am Ende. Ich fühlte mich elend. Allerdings spürte ich durch die ganze Situation, wie sehr ich ihn liebte. Ich gestand ihm also auch meine Affäre, um uns eine "faire" Chance zu geben.

Er blieb zwar von Anfang an bei mir, machte mir aber das Leben zur Hölle. War aggressiv, respektlos, usw. Aber gut jeder reagiert anders, das war für mich in den ersten Wochen alles noch erträglich und ich bemühte mich wirklich, ihm zu zeigen, wie sehr ich ihn liebe.

Inzwischen ist es allerdings schon Monate her und er kann einfach nicht damit abschließen. Ich merke, wie ihn das Thema fertig macht. Fast jedes Gespräch endet irgendwie bei diesem Thema. Entweder kann er sich irgendwelche Bemerkungen (auch vor Freunden) nicht verkneifen oder er verhält sich extrem respektlos (das geht von "du *beep*" über mit Sachen herumschmeißen bis zu einer Reaktion die zeigt "das hast du nicht verdient, das bist du mir nicht wert"), aggressiv und rachsüchtig (also Rachegedanken gegenüber meiner Affäre in die er mich einbauen möchte).

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich halte sein Verhalten wirklich nicht mehr lange aus. Ich sehe ja wie er leidet und es tut mir auch schrecklich leid und ich würde alles gerne ungeschehen machen. Auf der anderen Seite leide ich aber auch unter dem was er getan hat und vor allem aber unter all den Problemen, die wir auch schon vorher hatten. Mein Vertrauen in ihn ist auch Null. Irgendwie werde ich die Sorge nicht los, dass er (wie er anfänglich auch angekündigt hat) s.uellen Kontakt zu jemanden suchen wird.
Inzwischen bin ich ja schon froh, wenn wir einen normalen, freundlichen Tag miteinander verbringen, aber da sind wir noch so weit weg von einer Beziehung, wie ich sie mir wünschen würde.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie wurdet ihr/eure Partner mit dem Thema Betrug fertig? Wie wird man seine Aggressionen los? Wie lernt man wieder Respekt gegenüber seinem Partner zu haben? Was hat euch überhaupt diesbezüglich geholfen?

Vielen Dank im Voraus!

20.12.2013 22:13 • #1


mike786


Hallo Matrizzs

Ich lasse jetzt mal die Hosen runter und erzähle dir das ich es schon von beiden Seiten erlebt habe. Ich wurde betrogen und habe betrogen-leider.

Als betrogener muss ich sagen: ich konnte es nicht verarbeiten.
Als Betrüger sage ich: wir konnten es nicht verarbeiten.

Wahrscheinlich gibt es aber so viele Meinungen dazu wie es Betrogene/Betrüger gibt.

Was mir/uns gefehlt hat ist Unterstützung von außen- Paartherapie als Stichwort.
Aber vorweg musst du dir klar sein was du willst, was ihr wollt. Ihr müsst euch ehrlich aufeinander einlassen und klar sein das dieses Thema dann auch abgeschlossen sein muss. Kein böses Wort, keine Gemeinheit sollte euch dazu dann nochmal belasten.

Aber so wie ich eure Geschichte lese und auffasse sieht es (meiner Meinung nach) schlecht aus.
Ihr seid in der Hassspirale- die müsst ihr erstmal durchbrechen.

LG,
Mike

21.12.2013 03:06 • #2



Betrug - weitermachen

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Matrizza


Danke für die Antwort. Dass sich das jetzt nicht sehr gut liest, war mir leider ohnehin klar, wobei ich hier natürlich nur auf das Negative eingegangen bin. Wir haben viele Momente wo wir uns trotzdem noch gut verstehen, unterhalten, haben weiterhin S**, Unternehmen auch mit den Kindern und Freunden etwas usw.

In Paartherapie sind wir schon, allerdings bringt uns das nicht weiter bisher. Aber vielleicht braucht das noch mehr Zeit? Mein Partner ist aber auch nicht wirklich offen für Dinge, die mehr in die Tiefe gehen, er bleibt da sehr an der Oberfläche.

Grundsätzlich hatte ich mich damit abgefunden, dass sich da jetzt einfach mal durch muss und Zeit Vergehen muss, aber inzwischen verliere ich die Hoffnung! dass sich wirklich etwas ändert und es fällt mir immer schwerer mir das alles nicht zu nahe treten zu lassen. Ich kann und will jetzt aber auch nicht aufgeben. Ich finde dieser Schritt sollte von ihm kommen, wenn er nicht bereit ist bzw es schafft, mir zu vergeben (

21.12.2013 10:31 • #3


NeuerAnfang


Ich kenne auch beide Seiten. Meine Nochfrau hat mich schon vor der Ehe betrogen, erfahren habe ich erst nach dem Standesamt. Meine Liebe war sowieso nicht so groß, nachdem ich das erfahren hatte, war sie aber ganz weg und der Respekt ebenfalls. Aus den üblichen Gründen - Kind, Frau, die sich ernähren lassen wollte, ländliche Umgebung - bin ich trotzdem noch geblieben. Kurz nach der Hochzeit habe ich eine faszinierende Frau kennengelernt und wir haben uns ineinander verliebt. Die Gefühle wurden immer zwingender und ich habe versucht, meine Frau zu verlassen, die mir daraufhin gedroht hat, mich zu ruinieren - das wäre ihr auch gelungen. So habe ich die Frau, die ich geliebt habe, verloren. Sie ist mit einem anderen Mann glücklich geworden. Zehn Jahre später hat es mich noch mehr erwischt und ich habe meiner Nochfrau gesagt, dass Schluss ist. Meine Nochfrau hat alle Register gezogen - vom Einzug in das schon lange verlassene gemeinsame Schlafzimmer über körperliche Belästigungen, Vortäuschen einer Suizidgefahr über die alte Leier, mich zu ruinieren und dem Vorwurf, dem fast erwachsenen Kind zu schaden. Der Respekt war meinerseits wegen ihrer würdelosen Art dahin, ihr Respekt, weil sie mir zwar zugemutet hatte, mit ihr trotz einer s.uellen Beziehung mit einem anderen Mann weiterzumachen, ihrerseits aber nicht damit klargekommen ist, dass ich eine andere Frau geliebt habe. Ich kann jedem und jeder nur raten, sofort die Beziehung zu beenden, wenn ein Dritter im Spiel ist oder war. Das ist das sicherste Zeichen dafür, dass die Liebe nicht mehr vorhanden ist. Wenn es nicht einmal eine Ehe ist und deshalb keiner von beiden wirtschaftlich seinen Hals riskiert: nur weg. Es wird niemals besser, sondern immer schlimmer und treu wird keiner von beiden nochmal, eventuell aber noch vorsichtiger und verlogener.

23.12.2013 07:23 • #4


Matrizza


Ich weiß nicht, ob es wirklich einen Weg gibt bzw ob wir es schaffen werden, unsere Beziehung wieder zu retten, aber ich bin einfach nicht bereit, jetzt aufzugeben. Ich bin mir auch ganz sicher, dass von beiden Seiten viel Liebe da ist, denn sonst wären wir beide längst gegangen.

Meine Frage geht weniger in die Richtung, ob es noch Sinn macht, sondern wie man mit diesem Thema umgehen kann. Heilt es die Zeit? Habt ihr es einfach totgeschwiegen bzw totgeredet?

24.12.2013 01:30 • #5


mike786


Hallo Matrizza-

ich denke diese Entscheidung kann nur jeder für sich selbst (oder wenn möglich mit dem Partner) treffen. Es gibt da sicherlich nicht so etwas wie eine "Leitlline".
Von mir kann ich nur sagen: ich war zu schwach um es als Betrogener zu verarbeiten, und als Betrüger konnte ich mir nicht mehr in den Spiegel schauen.

Meine persönliche Meinung: wenn man betrügt passt ja ohnehin etwas nicht in der Beziehung.

LG,
Mike

26.12.2013 15:19 • #6


diskret1962


Hallo,
ich bin auch ein betrogener 51-jähriger Mann..........seit 32 Jahren verheiratet. Ich muss gestehen, dass es sehr schwer ist diese seelische Verletzung zu verarbeiten. Ich weiss davon jetzt 8 Monate. Die ersten Wochen war ich wie blind vor Wut und Schmerz.....es istdann besser geworden-aber mein Leben ist jetzt ein anderes geworden.....ich habe im Zeitraffer dazugelernt, warum solche Sachen passieren,auch durch das Lesen in diesem Forum hier.....es war auch für mich mein persönliches Wake-up, um zu erkennen was wirkich wichtig ist........wir lieben uns beide noch und machen auch eine Ehetherapie, damit es nicht nochmal passiert. Aber auch heute habe ich immer noch schmerzhafte Flashbacks, ich mache dann Sport oder auch psychologische Übungen um die Wut rauszulassen bzw. abzuleiten-Ausserdem schreibe ich noch Tagebuch um meine Gedanken zu ordnen, oft tue ich genau das Gegenteil, wenn ich ärgerlich bin nehme ich meine Frau in den Arm, suche bewusst Ihre Nähe, damit ich vom Kopf zum Herz komme. Es ist wohl ein langer schmerzhafter Prozess , bis man vor allem vom Kopf her vergeben hat.
Habt Geduld, die Zeit und die Liebe ist unser Verbündeter.

26.12.2013 18:57 • x 1 #7


StarfishMü


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den Spruch "einmal Betrüger, immer Betrüger" fand ich bisher immer flach.

Leider weiß ich inzwischen, dass er ganz genau zutrifft. Also, das ist meine Erfahrung. Du kannst deine eigene machen. Ich befürchte nur, dass der "Spruch" stimmt.

26.12.2013 20:54 • #8


gast2244


matrizza,
mich würde interessieren, ob eine mehr oder weniger s.affäre mit strickten regeln für dich weniger schlimm als eine affäre mit gefühlen ist?
eure ehe ist doch richtig i a !
beide gehen fremd, bleiben zusammen mit bißel drama, können nicht loslassen, warum auch immer. hassliebe wie in einem schlechten roman.

26.12.2013 21:39 • #9


Matrizza


@diskret1962: Danke, das waren einmal ein paar konkrete Anhaltspunkte. Im Endeffekt muss er aber den Willen haben, seine Aggressionen bzw Emotionen wieder in den Griff zu bekommen.

zu einmal Betrüger, immer Betrüger: Das mag ja vielleicht in vielen Fällen stimmen, aber in vielen auch wieder nicht. Ich würde (aus jetziger Sicht) unter gar keinen Umständen jemals wieder betrügen. Das mag vielleicht naiv klingen, aber mir war tatsächlich nicht bewusst wie weh es tut, wie sehr man damit seinen Partner zerstört und selbst zerstört wird. Ich sehe auch keinen Vorteil darin für irgendjemanden. Wenn ich tatsächlich wieder in so eine Situation gerate, dann beende ich vorher die Beziehung, aber ein zweites mal mache ich das nicht mehr durch.

27.12.2013 16:40 • #10


Matrizza


gast2244: auch, wenn ich dieses Urteil recht anmaßend finde, hast du sicherlich auch zum Teil recht. Unsere Beziehung war und ist nicht in Ordnung. Klar ist aber, dass wir uns trotz allem lieben. Ich habe keine Ahnung, ob das schlussendlich ausreicht um uns aus dieser Spirale rauszuholen, aber mMn ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Aber klar, ewig kann es nicht so weitergehen.

und zu "S.Affäre" mit Regeln: Ja war in meinen Augen damals weit weniger schlimm als wirklich einen Geliebten zu haben. Mit ihm täglich zu kommunizieren, Privates auszutauschen, sich im Arm zu halten, kuscheln, etc all die tollen Dinge, die man eben am Anfang einer Beziehung noch erlebt, das hätte ich damals nicht vertreten können. Weil da ist es klar, dass der immer gleiche, schon seit Jahren bekannte Partner nicht wirklich mithalten kann. Mag sich vielleicht verkehrt anhören, aber hier lagen eben meine Grenzen. Inzwischen kenne ich den anderen Standpunkt auch und verstehe deshalb auch mehr, warum vielleicht auch gerade das "wenn ja eh keine Gefühle dabei waren" auch oder sogar noch mehr verletzt.

27.12.2013 16:47 • #11



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