Beziehung droht zu zerbrechen - zu wenig Freiraum

eins-zwei-drei

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Hallo zusammen,

ich bin derzeit im Hinblick auf meine Beziehung sehr verzweifelt und benötige dringend Meinungen und Rat von Menschen, welche das Ganze aus objektiver Sicht betrachten können.

Ich (24) bin seit fast einem Jahr mit meinem Freund (25) zusammen. Ich muss dazu sagen, dass wir in der gleichen Firma – aber in unterschiedlichen Abteilungen – arbeiten und uns auch dort kennen und lieben gelernt haben. Ebenfalls wäre es wichtig zu wissen, dass ich von Natur aus ein sehr distanzierter Mensch bin, welcher viel Zeit für sich benötigt.

Und hier ist auch schon mein Problem:

Ich fühle mich in letzter Zeit zunehmend erdrückt und eingeengt von meinem Freund. Dies äußert sich indem ich selbst feststelle, dass ich mich ihm gegenüber immer abweisender und kühler verhalte, kaum noch Lust auf Nähe und Zuneigung verspüre und ihn immer öfter wegen Nichtigkeiten fies anzicke (gerade in diesen Situationen tut mir das sehr Leid weil er wirklich ein herzensguter Mensch ist). Demzufolge verzeichnet sich mittlerweile fast jede Woche ein heftiger Streit + viele Zickereien sowie allgemein schlechte Stimmung.

Derzeit sieht es so aus, dass wir uns täglich in der Arbeit während der Raucherpausen sowie morgens zum Kaffeetrinken ( insg. ca. 20 Minuten/Tag), Mittwochabend nach der Arbeit sowie das komplette Wochenende (sprich: Freitags 14 Uhr bis Montagmorgen) sehen. Zum Wochenende sollte ich eventuell noch erwähnen, dass wir meistens einmal/Wochenende gemeinsam mit meiner Schwester oder einem Kumpel etwas unternehmen und mich bei den monatlichen Familientreffen (jeder erste Sonntag des Monats ca. 3 Stunden) begleitet. Ansonsten habe ich während der Arbeitswoche einen „Abend“ für mich alleine – wobei ich frühestens um 18 Uhr nach Hause komme und gegen 22 Uhr bereits wieder schlafen gehen muss, da mein Wecker um 05:30 Uhr wieder klingelt. An den beiden anderen Abenden treffe ich mich mit meinen zwei besten Kumpels – da ich diese ansonsten kaum noch sehen würde.

Meinem Freund ist dies allerdings viel zu wenig. Er ist von Natur aus ein extrem anhänglicher und kettender Mensch. Wenn es nach ihm ginge, würden wir 24 Stunden nur aufeinandersitzen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass er aufgrund seiner Exfreundin vor 3 Jahren ans andere Ende von Deutschland gezogen ist und demzufolge hier kaum Freunde hat (um genau zu sein: nur die Freunde, welche er durch mich kennt). Mir hingegen ist dies im Moment einfach zu viel. Ich habe das Thema „mehr Freiraum“ schon des Öfteren angesprochen da es mich sehr belastet, doch mein Freund fasst das Ganze jedes Mal komplett falsch auf. Er kann meine Sicht selbst mit Bemühung nicht nachvollziehen und interpretiert somit, ich hätte keine Lust mehr auf ihn, würde ihn nicht mehr „wollen“ und würde lieber ein Singleleben führen. Ebenfalls kontert er jedes Mal mit dem Argument, dass andere Paare sich schließlich auch jeden Tag sehen würden und in unserem Alter größtenteils zusammen wohnen.

Ich weiss wirklich nicht mehr, was ich machen soll SO wird es auf jeden Fall nicht mehr lange gut gehen, da wir uns immer häufiger streiten und ich selbst merke, dass ich ihn immer fieser behandle

Ich benötige nun dringend Tipps, Meinungen oder ganz einfach eure Sichtweise über die Gesamtsituation.

Ganz lieben Dank im Voraus!

19.07.2012 15:28 • #1


Maggie79


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hallo eins-zwei-drei!
dieses nähe-distanz problem, welches du da bschreibst kenne ich leider selber zu gut, denn daran ist meine beziehung vor 4 monaten kaputt gegangen.
ich war leider auf der klammernden seite, so wie dein freund.
im nachhinein habe ich mein verhalten auch sehr bereut, aber es war dann eben schon zu spät.
wenn ich nun diese beziehung mit ihrem nähe-distanz konflikt im nachhinein reflektiere, komme ich immer wieder an den punkt, das es eben menschen gibt, die sehr viel nähe brauchen, um sich geborgen und sicher zu fühlen, die sich ein stück weit mehr emotional abhängig machen, was ab einem gewissen grad allerdings nicht mehr gesund ist und auf der anderen seite gibt es menschen, wie du und auch mein ex, die eben ein stärkers bedürfnis nach autonomie und freiraum haben und diesen auch brauchen.
das sind tatsachen!
weder der eine noch der andere kann dieses bedürfnis einfach ablegen und sich von heute auf morgen anders verhalten.
wenn beide partner ein ganz unterschiedliches grundbedürfnis nach nähe oder freiraum haben, dann helfen da nur kompromisse und viel verständnis auf beiden seiten, meint, du mußt verstehen, dass dein partner dich nicht einengen oder dich besitzen will, er hat einfach nur ein stärkeres bedürfnis nach nähe , andersherum muß dein partner verstehen, dass es nichts mit ablehnung seiner person zu tun hat, wenn du mal zeit für dich brauchst.
bei solchen und auch anderen konflikten hilft es offen und ehrlich darüber zu sprechen OHNE dem anderen einen vorwurf zu machen und ihm eine böse absicht zu unterstellen.

gehen die bedürfnisse nach nähe oder freiraum aber so weit auseinander, das für beide ein kompromiss schwer erträglich ist, dann muß man vielleicht darüber nachdenken, dass man auf dieser basis schwer eine beziehung führen kann, die beide gleichermaßen glücklich macht.

ich hoffe, ich konnte dir damit ein wenig helfen!

19.07.2012 15:53 • #2


Charly_HH


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Zitat:
ich hätte keine Lust mehr auf ihn, würde ihn nicht mehr „wollen“ und würde lieber ein Singleleben führen


Dies wird daher rühren da ihr beide zwar sagt was ihr denkt und empfindet aber der andere dies nicht versteht. Beide habt ihr Eure Meinung und Gedanken zu diesem Thema und beide möchtet ihr Euch durchsetzen, daher versteht man die jeweils andere Position nicht.

Lösung für Euer Problem könnte sein, durch gemeinsame Aktivitäten ihm ein Umfeld zu schaffen wo er Freunde kennen lernen kann, wodurch dann er eigene Aktivitäten schafft und Du im Grunde dadurch Deinen benötigten Freiraum bekommst. Wenn jetzt jeder von Euch beiden auf seine Meinung pocht wird es unweigerlich schief gehen und dies spürst Du ja schon, diese ständigen Streitereien sind Ausdruck davon das ihr beide Euch so nicht mehr wohl fühlt. Nur kann man so etwas eben nicht erzwingen oder gar auf Teufel komm raus bewerkstelligen da sich hierdurch die Fronten eher verhärten.

Schnapp Dir also Deinen Freund und schaut was ihr in nächster Zeit gemeinsam angehen könntet, wo er eben Kontakt zu anderen Leuten findet. Dies kann z.B. gemeinsamer Sport sein, Feste, Partys, Hobbys usw., klar wirst Du in dem Moment mehr eingebunden aber letztendlich wird er durch neue Leute Freundschaften auch mit denen was unternehmen wollen wodurch Du wieder mehr Freiraum erhälst.

Nur sollte Dir bewusst sein, das Du sein Bedürfniss nach Nähe nie ganz ausschalten können wirst, er ist als Mensch so. Aber man kann diesem auch gerecht werden wenn man sich ein wenig damit auseinandersetzt, z.B. sich ab und an mal melden wenn man unterwegs ist usw. erzeugt auch Nähe und Vertrautheit.

19.07.2012 16:13 • #3




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