Daniel1980
Gast
ich versuche mal komprimiert meine Situation wiederzugeben. Ich (38) habe vor etwa 3 Jahren eine Frau (29) kennengelernt über Freunde.
Wir haben uns über Gespräche kennengelernt. Wir interessieren uns beide für ähnliche Dinge, auch wenn wir nicht wirklich die gleichen Hobbys teilen. Ich bin eher Einzelkämpfertyp, sie eher der Vereinstyp. War aber nie wirklich Thema (bisher).
Sie ist die erste Frau, der ich vollkommen vertrauen kann, der ich alles erzählen kann und von der ich mich wirklich verstanden fühle.
Nüchtern betrachtet fingen die Probleme bereits sehr früh an. Als wir uns kennenlernten wohnte sie noch bei ihrem Freund, mit dem eigentlich schon länger Schluss war. Unsere Treffen beschränkten sich also auf Trinken gehen, Essen gehen, irgendwo unterwegs sein. Ich fand das damals nicht so schlimm. Sie studierte damals noch, so wirklich wusste ich nicht, wann sie fertig sein würde. Ich stehe bereits seit vielen Jahren im Job.
Als wir zusammen kamen dann wohnte sie wieder bei ihren Eltern. Unsere Wohnorte liegen nicht so wahnsinnig weit weg von einander, aber sind schlecht mit einander verbunden, Bus oder Bahn geht, aber man ist halt umständlich lange unterwegs. Hinzu kommt, sie hat keinen Führerschein, ich bin mobil und wohne alleine.
Treffen liefen daher anfangs so ab, dass ich sie stets holen musste und wieder nach hause fahren musste, Fahrtzeit rund eine Stunde hin und zurück. Das nervte mich schon ziemlich früh. Daher trafen wir uns immer seltener.
Irgendwie war ihr das zu wenig, mir zu viel. Denn ich muss auch am Wochenende arbeiten, sie jobbt nur ab und an. Treffen bei ihr ist quasi nicht möglich gewesen.
Seit nun mehr über einem Jahr hat sich die Lage noch einmal verändert, sie zog in eine Studenten WG, ihr Studium wird sich wohl noch mal um weitere mind. 3 Jahre verlängern. Meine Lage ist unverändert, bis auf die Tatsache, dass ich mehr arbeiten muss und mich auch wieder mehr auf meine Hobbys am Wochenende konzentriert habe.
Sich sehen bedeutet, sie muss zu mir kommen, bei ihr ist es quasi unmöglich sich zu treffen. Sich sehen bedeutet auch, ich muss sie holen und wieder bringen.
Gedanklich habe ich vieles durchgespielt, dass sie zu mir zieht - ist ausgeschlossen, da sie von hier nicht mehr in die Uni kommt ohne Führerschein bzw. Auto. Ich kann auch nicht zu ihr ziehen - StudentenWG.
Es ist nicht so, dass wir darüber nicht offen und ehrlich sprechen im Gegenteil, wir sprechen fast wöchentlich darüber, es nervt mich schon extrem. Denn die Diskussionen sind fruchtlos, denn die Dinge sind wie sie sind und verändern kann sich nichts, solange die Situation (ihre Situation) so ist wie sie eben ist.
Ich habe mich innerlich, emotional nach und nach zurück gezogen, das ist deutlich. Zwar sehen wir uns noch alle 1-2 Wochen am Wochenende für einen Tag, aber unternehmen meist etwas, wo ich halt in ihren Ort fahre und dann wieder heim fahre.
Ich fühle mich schwach, ausgelaugt und bin chronisch kaputt, weil ich meine Wochenenden nicht mehr erholen kann, ich stehe dauerhaft unter Strom, da ich das Gefühl habe, es hängt einfach alles an mir, ich fühle mich wie ein allein erziehender Vater, der irgendwie die Besuchszeiten seiner Tochter unter einen Hut mit einem anstrengenden Job kriegen muss und sich dann in der Situation auf diese kaum freuen kann, weil er müde ist.
Ich fühle zwar nicht Torschlusspanik, aber ich fühle, dass diese Zeit mir davon läuft, dass das jetzt jahre genau so weitergeht, sie hatte schon erwähnt, evtl. den Master noch dran zu hängen, dann hieße das noch mal weitere 3 Jahre (so in etwa) diese Situation. Ich frage mich je länger es geht, ob es das wirklich wert ist.
Aber - sonst würde ich nicht schreiben - ich frage mich andererseits, wieso ich das so lange schon mit mache und irgendwie den Komprimiss, sei er noch so faul versuche aufrecht zu erhalten. Wenn wir telefonieren oder schreiben fühle ich mich nicht einsam, sie gibt mir viel, was ich sicher in dieser Form nie wieder in einer anderen Frau finden werde.
Andererseits fühle ich mich je länger diese zermürbende Lage läuft, immer weniger emotional und s.uell zu ihr hingezogen, weil so vieles abflacht, so wie als wenn ein innerer Mechanismus mich abgelöst hätte. Und dennoch kann ich mich nicht von ihr lösen.
Ich möchte herausfinden, was es ist, Liebe, Gefühl, Gewohnheit, innerlich doch noch eine Perspektive, die ich sehe.
Ich bin hin und her gerissen zwischen: Zieh es durch bis sich die Lage ändert und "beende es, es ändert sich nichts".
Kennt jemand ähnliche Situationen? In meinen bisherigen Beziehungen war die Sache immer klar, man verstand sich nicht oder hatte unterschiedliche Ziele oder es war keinerlei Vertrauen mehr da. Aber das alles hier ist anders und nicht der Fall.