Hallo Ela, Worgu und Nicole,
ziemlich interessant, was bis jetzt so zu diesem Thema geschrieben wurde. Doch jetzt scheint sich die Situation doch ein wenig zuzuspitzen. Muss die Sachlichkeit jetzt wirklich leiden? Oder wollten wir nicht einfach Erfahrungen austauschen und Tipps weitergeben (die wohlgemerkt gewünscht wurden)?
@Ela: Niemand hier muss sich für irgendetwas rechtfertigen. Aber in einem Forum ist alles etwas anders als würde ich mit einem Freund über meine Probleme reden. Klar bestätigt er mir in jedem Punkt, dass ICH recht habe. Erstens ist er mit MIR befreundet und zweitens kennt er den Standpunkt des zweiten Beteiligten nicht. Gut, die kennt im Forum auch niemand, dafür sind aber mehrere an der Diskussion beteiligt, und man ist auch nicht befreundet. Also kein Grund, jemanden in Schutz zu nehmen.
Außerdem schriebst du, das Problem liege „in dir“. Damit sagst du aus, dass du nach Lösungen DEINES Problems suchst. Demnach musst du damit rechnen (du erwartest es ja auch), dass dein Verhalten kritisiert werden könnte.
Wenn du es aber so auffasst, als müsstest du dich rechtfertigen, kann ich nur unterstellen, dass du im Grunde genommen lediglich den Fehler beim Anderen suchst und deine Meinung bestätigt haben möchtest, mehr auch nicht. Wer in ein Forum schreibt, sucht im allgmeinen eine Lösung. Dazu gehört aber auch, dass du offen bist für Anregungen, etwas besser zu machen - egal, ob du oder jemand anders.
Nun zum Thema Beziehungen und Erwartungen:
Was für Erwartungen hast du denn an deinen Partner?
Mögliche Antwort: „Er soll mich und mein Kind akzeptieren. Am besten auch meine Ideale und Vorstellungen. Außerdem soll er noch gut im Bett sein und im Haushalt helfen“. Trifft diese Aussage ungefähr zu? Wenn nicht, korrigiere mich bitte.
Wenn es doch zutrifft: OK, alles in Ordnung! Aber wehe, es geht was davon schief, dann ist die Sache fast schon wieder gegessen.
Für eine solche Beziehung mit Kind muss viel mehr gekämpft werden als in „normalen“ Beziehungen ohne Kinder. Das muss BEIDEN von vornherein klar sein. Wenn man den anderen wirklich liebt, muss man ihn auch unterstützen, auf den richtigen Weg zu kommen (beidseitig). Egal ob man verheiratet ist oder nicht (das steht schließlich nur auf dem Papier): Eine Beziehung bedeutet, eine Bindung einzugehen. Und das bedeutet, alle Höhen und Tiefen zusammen durchzustehen. Ich betone ZUSAMMEN. In GUTEN wie in SCHLECHTEN Zeiten. Schwierig, wenn unter Umständen nur einer in der Beziehung das Gefühl hat, zur Beziehung zu stehen, wenn Probleme auftauchen.
Warum sagt nicht mal ´ne Frau mit Kind „Super, da ist einer, der nicht die Augen verdreht hatte, als ich ihm sagte, ich habe ein Kind!“ oder „Klasse, der will nicht einfach nur pop. und die schönen Dinge des Lebens mit mir teilen! Nein, er ist sogar bereit, diese neue Aufgabe wahrzunehmen!“?
Wenn DAS eine Frau in dieser Situation wenigstens einmal denken würde, wäre das Verständnis sicherlich auch größer.
Ich kriege langsam das Gefühl, dass viele alleinerziehende Mütter (nicht alle) ihr Familienleben so weiterleben möchten und ab und zu kommt der Freund (wenn es denn gerade mal so passt). Du sprichst von Freiraum, den du brauchst. Was ist denn der Grund, dass du dich wie in einem Gefängnis fühlst? Wurdest du deiner Rechte beraubt und versklavt? Oder passt diese Beziehung zeittechnisch nicht mehr in den Terminkalender? „Oh mein Gott, da ist ja auch noch mein Freund, um den ich mich kümmern muss“...
Dass eine Mutter Stress hat, habe ich hier jetzt reichlich lesen dürfen. Sie könnte den Partner ja mal dafür nutzen, den Stress in einen positiven Zustand zu verwandeln. Denn das Wort „Stress“ hat eine negative Bedeutung.
Warum sprichst du eigentlich immer von STRESS? Warum nicht von AUFGABEN? Du beziehst es auch immer auf dich. Warum beziehst du es nicht auf alle Mitglieder? „Alle haben Aufgaben in der Familie und unterstützen sich gegenseitig!“. Das hört sich schon ganz anders an und wird auch anders empfunden.
Aber wer alles negativiert, kann dem ganzen auch nichts Positives abgewinnen. Und noch etwas, was ich daraus interpretiere: Du siehst die Erziehung zu sehr als deine alleinige Aufgabe an. Warum denkst du nicht mal mit „WIR erziehen das Kind“? Wenn man den anderen mit einbezieht, fühlt man sich auch nicht mehr allein mit dieser Aufgabe und nimmt es ebenfalls schon viel leichter.
Komisch, bei „richtigen“ Familien geht das doch auch. Oder denkst du, da sehen die Aufgaben der Eltern anders aus? Nein, sicher nicht. Aber hier stellt keiner einen Fremdkörper gegenüber dem anderen dar. Nur durch den Ausgleich untereinander und die daraus resultierende Harmonie lässt den Zusammenhalt entstehen. Und dann wird ein Schuh draus.
Du schreibst selbst, dass dein Freund gut „einen guten Kontakt“ zu deinem Kind aufgebaut hat. Prima, was erwartest du denn noch? Es gibt immer wieder Reibereien, egal wie gut dieser Kontakt ist. Das ist sogar zwischen den „richtigen“ Vätern und Kindern. Und bei einem neuen Partner braucht es verdammt viel Zeit, damit sich da ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Der richtige Vater braucht so etwas nicht, der kann sich mit dem Kind IDENTIFIZIEREN, weil es sein EIGEN FLEISCH und BLUT ist. Hast du das einmal bedacht?
Wie soll denn der neue Partner einen Bezug zum Kind aufbauen, wenn er das Gefühl hat, dass er am Rande der Familie eigentlich eher nur akzeptiert wird (siehe Zitat von : „Freund sein für das Kind, einen Vater hat es ja schon“). Ein Punkt, über den muss man echt mal nachdenken: Da ist der neue Partner, der eine wichtige Rolle im Familienleben übernehmen soll. Wie sieht die Rolle deiner Meinung nach aus? Wie nennst du diese Rolle überhaupt? Hat sie für dich einen Namen? (Hier erwartet der Verfasser eine ernstgemeinte Antwort!)
Was bedeuten die Wörter „Vater“ oder „Papa“ für dich (aus DEINER Sicht, nicht aus der des Kindes)? Ist der Papa der Erzeuger oder das neue Familienmitglied? Welche Rolle spielt der „Papa“ für dich?
Komisch, der neue Partner soll in die Familie integriert werden. Ihm werden alle Aufgaben seines Vorgängers auferlegt (das ist selbstverständlich). Aber wenn von „Papa“ die Rede ist, meint man den Erzeuger. Oft hat der in der Familie immer noch einen hohen Stellenwert (vor allem aus der Sicht des Kindes). Aber der sieht das Kind nur ab und zu und verbringt eine schöne Zeit mit ihm (und das meistens auch nur deswegen, weil der richtige „Papa“ dafür viel Geld hinblättern muss). Weitere Verantwortlichkeiten trägt dieser nicht.
Dein neuer Partner hat nicht nur eine neue Aufgabe zu bewältigen, sondern er hat sie auch zu VERANTWORTEN. Was ist denn, wenn dein Kind plötzlich überfahren wird, oder es wird belästigt? Und das Ganze ist dann passiert, als dein neuer Partner mit deinem Kind allein unterwegs war? Klar, du machst ihn dafür verantwortlich - wie den richtigen Papa auch. Find mal jemanden, der auch dazu bereit ist, obwohl es nicht sein eigenes Kind ist.
Es ist nicht einfach, die Rolle des Partners und des „Papas“ richtig zu definieren. Es soll auch nicht so sein, dass man beispielsweise vom Kind verlangt, den neuen Partner mit „Papa“ anzusprechen. Das meine ich damit nicht. Aber es wäre wichtig, dass sich der neue Partner als Papa fühlt und nicht nur als ein guter Freund des Kindes. Dahin zu kommen, muss die Mutter gefühlvoll vorgehen und es dem neuen Partner spüren lassen. Er selbst kann es alleine nicht erreichen.
Und was ist mit dir und deinen Erwartungen? Sind sie in deiner letzten Beziehung erfüllt worden? Ich kann nicht so richtig aus deinem Beitrag ersehen, wo dein Problem ist, was letztenendes zur Trennung geführt hat.
Schade, wenn dann die Gefühle auf der Strecke bleiben, wie du dich ausdrückst. Wenn das so ist, gibt es nur zwei Gründe dafür: Entweder war die Liebe nur eingebildet oder man ist nicht bereit, sich der Situation anzupassen (das bezieht sich immer auf beide Seiten, ist also nicht als Vorwurf gegen dich zu verstehen).
Praktisch sieht es doch immer so aus: Die Aufgaben überfordern einen, bis die Liebe vergangen ist. Theoretisch wird umgekehrt erst ein Schuh daraus: Die Liebe hilft, die Aufgaben besser zu bewältigen.
Da unsere Gesellschaft aber mehr und mehr dazu erzogen wird, egoistisch zu sein, kann man Rücksichtnahme und Toleranz schlecht lernen. „Jeder muss selbst mit allem fertig werden.“ „Mir hilft ja auch keiner.“ „Nach mir die Sintflut.“ Das Wort „Familie“ wird nur noch zweckentfremdet, weil im Prinzip keiner mehr so richtig weiß, was es eigentlich bedeutet. Schaut euch mal andere Völker an, wie z.B. die Türken (die leben mit mehreren Generationen in EINEM Haus). Oder die Griechen (der Vater baut seiner Tochter ein Haus, was nach Jahren dann auch mal fertig sein wird, wenn sie heiratet). Es gibt noch viele andere Beispiele aus anderen Völkern, wo das Wort „Familie“ noch wörtlich genommen und auch gelebt wird. Und der Zusammenhalt ist so unendlich groß, dass es uns als Einwohner eines Industriestaates der westlichen Welt schon so vorkommt, als lebten diese Völker auf einem anderen Planeten. Heute ist es ja so einfach, sich wieder zu trennen. „Hm, der tanzt nicht nach meiner Pfeife! Ich gehe!“ oder „Ihh, sie will nicht mehr mit mir schlafen! Soll sie doch wieder alleine klar kommen!“
Familie, Anpassen, Zusammenhalt, Kompromisse schließen - eigentlich nur noch Begriffe, die jeder ausspricht, aber keiner mehr versteht. Und auch nicht danach leben kann. Fast keiner kommt mehr auf die Idee, dass man dafür sehr viel tun muss, um diese Eigenschaften zu erreichen. Stattdessen bewegen wir uns immer weiter davon weg. Fragt euch doch mal, warum es mittlerweile bald mehr Singles als Paare gibt.
Sorry für meine (als Partner von einer alleinerziehenden Mutter) etwas einseitige Darstellung. Ich kann aber nur mal aus dieser Perspektive meinen Senf dazu geben, da ich noch nie alleinerziehende Mutter war

. Trotzdem möchte ich deinen Standpunkt gerne besser verstehen. Und auch die Gründe.
In diesem Sinne allen einen schönen Sonntag!
Tutangus
Das Leben ist manchmal wie ein Karussell: Man dreht sich im Kreis und kotzt sich dann aus.