Beziehungs-Aus nach 21 Jahren

Janina77

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Hallo Ihr Lieben,

habe mich hier neu angemeldet um meine Geschichte loszuwerden und mich mit Leidensgenoss(inn)en auszutauschen.

Ich lernte meinen Mann vor 21 Jahren im Urlaub kennen, da war ich gerade 16 geworden. Er war 21 und wohnte ca. 400 km entfernt. Wir verliebten uns, obwohl wir auch damals schon sehr unterschiedlich waren, und führten 4 Jahre lang eine Fernbeziehung. Nach meiner Ausbildung zog ich dann zu ihm. Er studierte damals noch. Durch sein Studium und spätere Promotion und Anstellungen zogen wir insgesamt in 10 Jahren 5x quer durch Deutschland um. Wir heirateten 1999 und bekamen 2 Kinder (heute 9 und 12 Jahre alt). Dadurch dass er durch seine Ausbildung die wesentlichen besseren Karrierechancen hatte, habe ich ihm immer jeden nächsten Schritt auf der Karriereleiter gerne ermöglicht und Umzüge und berufliches Zurückstecken im Kauf genommen. Außerdem waren ja die Kinder da, für die ich fast alleine gesorgt habe. Die Arbeit hat ihn immer mehr eingenommen, so dass ich quasi alleinerziehend war und ich dachte, er hat seinen Job geheiratet.

Vor 5 Jaren war der letzte Umzug und er hatte nun eine Festanstellung und wir kauften ein Haus. Der Zufall wollte, dass es tatsächlich sein Elternhaus war, in dem er aufgewachsen ist. Wir waren da angekommen, wovon wir am Anfang unserer Beziehung geträumt hatten. Aber der Job war sehr stressig und beanspruchte viele, viele Stunden, auch am Abend und Wochenende. Er war viel unterwegs, hatte Termine überall im Land und war auch über Nacht und an vielen Wochenenden weg. Mit den Jahren wurde ich mehr und mehr verbittert, weil das nicht das Familienleben war, dass ich mir immer vorgestellt und gewünscht hatte. Ich habe mich dann irgendwann mehr oder weniger damit abgefunden, habe wirklich geglaubt, dass sein Job nun mal sein Leben ist und es mit weniger Einsatz nicht geht. Habe ihn verteidigt, wenn ich zum x-ten Mal von Bekannten und Freunden gesagt bekam, dass das doch nicht sein kann, dass er soviel unterwegs ist... Wir lebten noch schon seit Jahren nebeneinander her.

Im letzten Herbst/Winter fing er dann an, sich ungewöhnlich viel mit seinem Handy zu beschäftigen. Aus dem gewöhnlichen Handy wurde dann ein Smartphone mit WhatsApp, das rege in Gebrauch war. Am 16.02. bekam ich dann zufällig mit, wie eine SMS einging, während sein Handy "an" (es ist sonst immer aus gewesen, wenn er es nicht gerade an sich getragen hat) herumlag. Der Mitteilungstext ließ keinen Raum für Zweifel. Ich habe ihn dann konfrontiert, gesagt, dass ich es weiß und will, dass es einfach nur aufhört. Dass ich ihn verzeihe, wenn es nur aufhört. Dass wir an unseren (schon sehr, sehr lange vorhandene aber ignorierten) Probleme arbeiten können, uns Hilfe in Form von Paartherapie suchen können. Er hat nur gesagt, dass er sie liebt, dass es schon 2,5 Jahre läuft und er mit mir schon vor ca. 7 Jahre abgeschlossen hat, aufgehört hat, mich zu lieben.
Trotzdem stimmte er am nächsten Tag einer Paartherapie zu.

Zwei Tage später dann, stellte ich fest, dass er sein Email-Passwort im PC gespeichert hat und ich somit Zugriff auf sein Email-postfach hatte. So kam es, dass ich von der anderen Frau erfuhr. Es waren sehr tiefgründige, aussagekräftige Texte, die von sehr starken Gefühlen, von Seelenverwandtschaft, tiefstem Vertrauen und Verbundenheit handelten, die die Beiden sich geschrieben hatten. Als ich ihn damit konfrontierte, stritt er es zunächst ab, dann wurde es als "Spiel" deklariert, nichts Ernstes, nur Spaß.

Durch die Paartherapie haben wir uns endlich mit unserer Beziehung und die vielen Probleme die darin bestanden, auseinander gesetzt. Wir mussten feststellen, dass wir eine „Vater-Tochter“-Beziehung geführt haben, nie auf Augenhöhe waren. Er war immer der dominierende, ich habe mich untergeordnet. Allerdings habe ich mich meinerseits gegen diese Position gewehrt, indem ich ihn verbal angegriffen habe, mich nach Auseinandersetzungen einer Aussprache verweigerte und mich auch körperlich verweigerte. Ich habe immer unter einen massiven Minderwertigkeitskomplex gelitten und war grundsätzlich negativ eingestellt und habe immer etwas gesucht und gefunden, über das ich mich verrückt machen kann.

Er dagegen war und ist sehr selbstsicher und positiv. Er hat immer versucht, mich aus dem Selbstzerstörungs-Sumpf heraus zu ziehen, hat immer wieder verzweifelt versucht, mir die positiven Dinge im Leben zu zeigen. Er hat sich gewünscht, dass ich meinen eigenen Weg gehe, selbstbestimmt bin. Aber ich konnte es nicht. Durch mein fehlendes Selbstbewusstsein und fehlende Selbstakzeptanz war ich nicht in der Lage ihm seine Bedürfnissen nach u. a. Liebe, Geborgenheit, S. zu erfüllen. Damit habe ich unsere Beziehung über Jahre hinweg Stück für Stück zerstört und das hat letztlich dazu geführt, dass er vor ca. 7 Jahren aufgehört hat, mich zu lieben. Er hat immer und immer wieder appelliert, uns Hilfe zu holen, gesagt, es würde schief gehen, wenn wir nichts unternehmen. Aber ich konnte nicht zustimmen, weil ich das Gefühl hatte, er will nur das ich noch von jemandem anderem gesagt bekommen, was ich alles nicht richtig mache.

Erst als ich vor 3 Monate davon erfuhr, wurde mir klar, welchen Wert unsere Ehe hat und ich habe darum gekämpft. Es hat mir die Augen geöffnet, ich habe seinen Schmerz den ich ihn jahrelang zugefügt habe gespürt und habe riesige Schuldgefühle. Er hat die 2,5 Jährige Beziehung beendet. Doch es ist zu spät für uns. Die Verletzungen waren zu viel, die Wunden zu tief. Er wird jetzt mit einer anderen Frau (die, so musste er ich eingestehen, doch nicht nur ein „Spiel“ sondern die wahre Liebe ist) glücklich sein. Mit einer Frau, die weiß, was sie ist und was sie will.

Es ist wohl wirklich wahr; um richtig lieben und geben zu können, muss man sich selbst lieben und sich über die eigene Bedürfnisse im Klaren sein. Das ist jetzt meine Aufgabe. Nach 21 Jahren muss ich den ersten und einzigen Mann, den ich jemals geliebt habe, loslassen. Und irgendwie mit meinem Schmerz und den Schuldgefühlen fertig werden...

Was die ganze Situation noch schwieriger macht, ist das ich jetzt im seinem Elternhaus zurück bleibe, da er ausziehen wird (die Kinder sollten ihr zuhause nicht verlieren). Am liebsten würde ich zurück in meine „alte Heimat“ (Maastricht, NL, 360 km von hier entfernt), von wo er mich vor 17 Jahren „weggeholt“ hat. Das geht aber nicht, wegen der Kinder (die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind). Ich bleibe also gefangen in seiner Welt. Ich fühle mich wie ausgesetzt…

Es tut mir leid, dass es so lange geworden ist…! Ich hoffe aber trotzdem, dass der Eine oder Andere die Muße hatte, das hier durch zu lesen und mir vielleicht schreiben möchte.

23.05.2014 16:54 • #1


bille79

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Hallo deine Geschichte ist meiner sehr aehnlich.Wir sind such seitdem ich 14 war zusammengewesen.Haben auch 2 Kinder 5 und 11 Jahre.Jetzt hat er eine andere.Aber ohne Chance auf Paartherapie ich wurde einfach abserviert.
Wie nehmen es deine Kinder auf?
Bille

23.05.2014 17:37 • #2


Edison1261

Edison1261

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Hallo Janina,

für mich hört sich das nach "Game over" an!
Immer wieder habe ich ähnliche Beziehungsgeschichten auf diesem Forum gelesen.
Ich selbst habe leider ähnliche Erfahrungen sammeln müssen!
Ihr habt euch in ganz andere Richtungen weiterentwickelt.
Du hast seine Karriere unterstützt und hast dich dafür eingesetzt.
Deine eigene Entwicklung blieb dabei weitestgehend ihm zuliebe auf der Strecke.
Ihr seid euch auch gar nicht mehr auf Augenhöhe begegnet.
Vielmehr warst du für ihn lediglich die Hüterin des Hauses und die Mutter der gemeinsamen Kinder.
Ich vermute auch, dass eure Gespräche nicht mehr so intensiv und spannend waren?
Inhaltlich wohl auch für keine Seite mehr wirklich befriedigend.
Und genau dann ist der Weg schon vorgezeichnet.
Es ist schade, dass solche Entwicklungen immer latent und über einen längeren Zeitraum verlaufen.
Und dann kommt irgendwann der Worst Case via Zufall, sei es das Handy oder eben das Postfach auf dem PC.
Ich denke, dass du einfach einen Weg finden musst, um auf Abstand zu kommen!
Es tut mir so leid, wieder mal so eine Geschichte lesen zu müssen!
Du und deine Kinder sind primär jetzt das wichtigste in deinem Leben!
Natürlich gibt es kein Allheilmittel für solche Situationen, aber du bist jetzt in der Pflicht deinen Weg zu definieren!
Ich weiß, es ist alles leicht daher gesagt, aber die meisten User dieser Plattform haben auch ihre Geschichte...
Deine Entscheidungen triffst du natürlich ganz alleine, aber du bist in deinem Schmerz nicht alleine!
Du findest in diesem Forum auf jeden Fall jeglichen Beistand und auch nützliche Tipps!
Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg...und wir sind da, dich dabei zu unterstützen!
Liebe Grüße...

23.05.2014 17:52 • #3




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