Agathias
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ich habe mich extra hier registriert, um einen bestimmten Sachverhalt zu schildern, bei dem ich nicht mehr weiter weiß. Ich will damit nicht zu Freunden/Bekannten gehen, weil es mir zu privat ist, da ist die Anonymität im Netz besser.
Zu meiner Person: Ich bin männlich, 30 Jahre alt und seit 7 Jahren mit meiner (mittlerweile) Verlobten zusammen.
Unsere Beziehung war immer geprägt durch Lockerheit, die durch tiefes gegenseitiges Vertrauen und Respekt zustande kam und auch ein gutes, regelmäßiges Sexleben war jetzt sicherlich nicht kontraproduktiv.
Wir sind 2014 zusammengezogen und wohnen mittlerweile in einer Doppelhaushälfte; seit ca. einem Jahr ist sie mit ihrem Studium fertig und hat auch einen guten Job, den sie gerne ausübt (ich persönlich gehe bereits seit 2010 einem Job nach, der uns, trotz ihres Studiums, bis dato ein recht angenehmes Leben finanzierte).
So weit, so gut. Sollte man meinen.
Im Jahr 2015 wurde bei beiden ihrer Elternteile Krebs diagnostiziert. Obwohl die Therapie bei beiden zunächst recht gut anschlug, haben wir im Februar / Juni beide an den Krebs verloren.
Ich denke, der Tod ihres Vaters war für sie einfacher, da er wirklich langsam und dahinsiechend von uns gegangen ist (man hat ihm nachher den Tod gewünscht), ihre Mutter ist aber eines morgens einfach tot umgefallen (sie war noch in Remission und konnte sogar wieder arbeiten gehen).
Es ist natürlich völlig klar, dass ein solcher Schicksalsschlag nicht einfach so zu verpacken ist.
Ich stelle aber langsam fest, dass sie sich sehr seltsam verhält und ich weiß nicht, ob das nur unterdrückte Trauer ist.
Sie ist relativ schnell wieder im Beruf gewesen und auch die gesamte Bürokratie rund um Erbe etc haben wahrscheinlich eine richtige Trauerphase nie zugelassen, ich weiß dennoch nicht ob die folgenden Verhaltensunterschiede wirklich nur daher kommen.
Folgendes ist anders als früher:
- praktisch keine körperliche Zuneigung mehr (der letzte Sex war vor 6 Wochen und das auch nur, weil ich ihn eingeleitet habe), Kuscheln oder Küssen findet durch sie praktisch nicht mehr statt
- sie unternimmt sehr viel mit Freunden (viel mehr als früher, teilweise aber auch mit mir zusammen), manchmal ohne das vorher groß anzukündigen. Wenn ich sie darum bitte, mir wenigstens bescheid zu sagen, wann sie losfährt, passiert das teilweise nicht (das war vorher nie ein Problem)
- sie ist schnell gereizt und wird teilweise ausfallend mir gegenüber
Dieser Zustand hat sich seit dem Tod ihres Vaters eingeschlichen und ist spätestens seit dem Tod der Mutter "festzementiert".
Ich habe mit ihr schon mehrmals darüber gesprochen, weil ich es nicht mehr ertrage.
Ich fühle mich sehr stark zurückgesetzt und ein Stück weit auch "ungebliebt".
Eine Stärke unserer Beziehung war immer, dass offen über Probleme reden konnten, glücklicherweise ist das auch bei diesem Thema so.
Sie sagte mir, dass sich innerlich "leer" fühle und dass es ihr sehr leid tue, wie sie momentan sei.
Sie sieht auch ein, dass es so "nicht weiter gehen kann".
Auf die Frage, ob sie mich noch liebe, konnte sie nicht antworten. Ich habe gesehen, wie schwer ihr das gefallen ist.
Ich habe während des ganzen Gesprächs ziemlich viel geheult, weil mich das alles extrem belastet.
Sie sagte, sie wolle weiter mit mir zusammen sein, aber die Frage nach der "Liebe" könne sie momentan nicht beantworten. Das hat mir extrem weh getan.
Das wirklich seltsame ist, dass sie bei Unternehmungen mit Freunden eigentlich so locker und fröhlich ist, wie immer. Nur mit mir scheint irgendwie alles anders zu sein.
Gibt es Personen mit ähnlichen Erfahrungen?
Bin ich zu aufdringlich bzw ist eine solche Verhaltensänderung normal oder stimmt hier etwas nicht mehr?
Ich weiß irgendwie nicht mehr weiter.
