Kleo-
Mitglied
- Beiträge:
- 1
- Themen:
- 1
- Mitglied seit:
ich bin seit einiger Zeit stiller Mitleser, jetzt dachte ich mir ich trau mich einfach mal selbst mein Problem zu schildern.
Mein Ex und ich waren 6,5 Jahre zusammen. Wir sind sehr jung zusammen gekommen (18 und 20) und er war mein erster Freund. Wir sind schnell zusammen gezogen und haben eine sehr glückliche, vertraute Beziehung geführt. Wir konnten uns immer aufeinander verlassen und über wirklich alles sprechen.
Aufgrund dessen dass wir so jung zusammen kamen und ich ansonsten keinerlei Erfahrungen hatte (er hatte schon 2 Freundinnen vor mir), schlich sich leider irgendwann das Gefühl von "was wäre wenn. " ein. Ich weiß aus Bekanntenkreisen und auch aus diesem Forum hier, dass es vielen Paaren, die sehr früh zusammen gekommen sind und eigentlich für immer zusammen sein wollte so ging, dass sich irgendwann das Gefühl einschlich irgendwo was zu verpassen.
Wir haben uns wirklich sehr geliebt und auch die Zukunft konnten wir uns gut miteinander vorstellen, waren uns da immer einig und freuten uns darauf. Aber ja . so schlecht ich mich mit meinen Gedanken auch fühlte, sie wurden immer mächtiger. Ich wusste, dass ihn das verletzen würde und mir ging es damit ebenfalls schrecklich. Irgendwann sprach ich es an, ob er sich vorstellen könnte, mal eine Zeit lang getrennt voneinander zu sein, um Erfahrungen zu sammeln und daran zu wachsen, was sich auch positiv auf unsere Beziehung auswirken sollte. (Nach 6,5 Jahren war die Luft irgendwie auch ein bisschen raus. Nicht auf die Gefühle bezogen sondern ihr wisst was ich meine. ). Natürlich hatte ich auch wahnsinnig Angst davor.
Wir einigten uns auf eine vorübergehend offene Beziehung mit der klaren Regel, dass jegliche Kontakte die man während dieser Zeit hat hinterher abgebrochen werden. Irgendwo bestätigte auch er, dass es ihn reizen würde, mal andere zu treffen, aber er tat es mehr mir zu liebe.
Ich hatte etwas mit einem Stammgast aus meinem Café - ich weiß dass das total blöd war. Ich kündigte anschließend dort meinen Job, denn wir hatten ja eine klare Regel und mir war wichtig, mich daran zu halten. Er schlief mit seiner besten Freundin. Ihr könnt euch denken, was das auslöste. Er sagte, er war betrunken und verzweifelt und das sei der größte Fehler überhaupt gewesen. Letztendlich brach er aber den Kontakt zu ihr ab, wofür sie ihn zum Teufel jagte und das nicht nachvollziehen konnte.
Wir beendeten die offene Beziehung weil wir merkten, dass uns das alles nur weh tat. Einige Monate vergingen, aber das Bedürfnis von "mal alleine sein" ließ leider nicht nach. Im Nachhinein hätten wir uns diese offene Beziehung schenken sollen, sie hat nur Unheil angerichtet, aber sie war eben ein Versuch, das mit dem "getrennte Wege gehen" irgendwie abzuwenden.
Ein halbes Jahr später kam es nun also doch zu einer Beziehungspause, die wir ganz klar als solche deklarierten. Er zog aus und anfangs litten wir beide unfassbar und hatten fast täglich Kontakt. Er begann von Anfang an darum zu kämpfen, dass wir wieder zusammen kommen. Das wollte ich aber zunächst nicht, weil ich eben dachte wenn wir das jetzt nach 2 Wochen beenden stehen wir nach einem halben Jahr wieder an diesem Punkt. Ich habe ihm immer vermittelt, dass ich ihn liebe und weiß, dass wir zusammen gehören, aber einfach eben mal Zeit brauche. Während es mir also irgendwann ganz gut damit ging, ging es ihm immer schlechter. Er nahm aus Verzweiflung den Kontakt zu seiner besten Freundin wieder auf. Wir hatten nach wie vor regelmäßig Kontakt und trafen uns auch. Auch während dieser Zeit traf ich mich mit anderen und zwischenzeitlich gebe ich zu, dass mich einer auch etwas aus der Bahn warf. Viele Eigenschaften die mich an meinem Exfreund störten, hatte diese Person nicht und das bewunderte ich. Nach etwa 2,5 Monaten aber bekam ich genau die Erkenntnis, die ich mir von unserer Pause erhofft hatte. Zu merken, dass ich niemanden mehr wollte als meinen Ex. Ihr könnt euch denken was passierte - ab dem Moment als ich ihm sagte, ich wolle die Pause beenden, wollte er nicht mehr zurück. Er hatte zwischenzeitlich ebenfalls jemanden kennen gelernt. Ich weinte, flehte, rannte ihm hinterher und wurde daraufhin 2 Wochen lang komplett blockiert. Dann meldete er sich wieder und wir trafen uns am selben Tag. Wir merkten beide schnell, dass die Gefühle füreinander nach wie vor sehr groß sind und wir um uns kämpfen wollen. Jedoch machten wir so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte: Aus Verzweiflung setzten wir uns gegenseitig die Pistole auf die Brust. Ich erfuhr, dass er den Kontakt zu seiner besten Freundin wieder aufgebaut hatte und auch, dass sie es war die ihm geraten hat, mich zu blockieren. Ich wusste, dass sie einen großen Einfluss auf ihn hat und wie ihr euch denken könnt, kann sie mich nicht mehr ausstehen, weil sie mir die Schuld daran gibt, dass er den Kontakt damals abbrach.
Wir hatten also zwei Wochen intensiven Kontakt, sahen uns fast täglich, konnten wie früher über absolut alles sprechen und waren verrückt nacheinander. Aber wie gesagt - völlig überstürzt und emotional, anstatt uns langsam wieder anzunähern.
Es kam wie es kommen musste zu einem riesigen Knall. Keiner von uns sah mehr einen Ausweg. Er sah nicht ein, den Kontakt zu seiner besten Freundin erneut aufzugeben, ich konnte nicht damit umgehen, dass er sie nun noch intensiver in seinem Leben hat als zuvor und sie ihn so beeinflusst. Er blockierte mich erneut.
Ich verstand, dass wir beide etwas Zeit brauchten, um all das zu verarbeiten und zog mich ebenfalls zurück. 5 Wochen lang herrschte Funkstille, ich war wortlos von einem auf den anderen Tag blockiert. In dieser Zeit machte ich mir viele Gedanken darüber, was alles falsch lief und wie wir es besser machen könnten. Ich kam zu dem Entschluss, dass es kein Zurück sondern nur einen Neuanfang geben könnte. Ohne Bedingungen, sondern dass wir uns auf uns konzentrieren. Mir wurde bewusst, dass diese beste Freundin (sie wohnt nichtmal in der gleichen Stadt) auf Dauer gesehen wahrscheinlich irgendwann keine so große Rolle mehr spielen wird und dass ich, dadurch dass ich das alles ins Rollen gebracht hatte, bereit sein muss, ihm jetzt entgegen zu kommen. Ich meldete mich also nach 5 Wochen der reiflichen Überlegung per Email bei ihm (da ich ja in Whatsapp weiterhin blockiert war) und entschuldigte mich dafür, dass unser letzter Kontakt so ausgeartet ist. Ich schrieb ihm, dass er mir nach wie vor sehr sehr wichtig ist und ich ihm zeigen möchte, dass ich auch noch die Person bin, in die er sich verliebt hatte.
Ich bekam als Antwort, dass er nun seinen Frieden gefunden hätte und wir wirklich sagen könnten, dass wir unsere Beziehung nicht kampflos aufgegeben haben. Ich begriff, dass in den 5 Wochen, in denen ich versuchte einen klaren Kopf zu bekommen und eine Lösung für uns zu finden, er mit uns abschloss. Das riss mir den Boden unter den Füßen weg, weil von uns beiden eigentlich immer klar war, dass wir diese Pause gemeinsam überwinden, egal wie schwer es sei.
Er betonte, wie sehr er sich selbst verloren hätte in unserer Beziehung und dass er meinetwegen Freundschaften vernachlässigt hätte und eben jetzt merkt, wie gut es ihm eigentlich ohne mich geht. Das fand ich sehr verletzend, denn meiner Meinung nach ist es völlig normal, dass Freundschaften eine viel wichtigere Rolle spielen sobald man Single ist und dass sie aber in der nächsten Beziehung (mit wem auch immer die sein wird) wieder etwas in den Hintergrund rücken werden. Einfach weil man eben Zeit mit dem Partner verbringt.
Es kommt mir also ein bisschen so vor, als dämonisierte er die letzten 1,5 Jahre unserer gemeinsame Zeit und sieht alles, was mit mir zu tun hat nur noch schwarz,
Trotzdem schrieb er auch, ich sei der tollste Mensch, den er je getroffen habe und er werde mich wohl auch in 10 Jahren noch lieben, aber eben niemals mehr so wie er es einmal tat. Autsch.
Ich weiß, einige denken sich jetzt vielleicht "Du bist ja selbst Schuld". Ich bin mir bewusst, dass ich ihn verletzt habe, kann aber definitiv sagen, dass auch er sich mittlerweile einiges verletzendes geleistet hat, worüber ich bereit wäre gemeinsam hinweg zu kommen. Ich habe diese Pause niemals als ein "Mal sehen ob es was besseres gibt" oder als leichteren Weg der endgültigen Trennung gesehen. Mir war immer bewusst und das sagte ich ihm auch, dass ich dieses "Nicht seit ich 18 bin bis zum Tod in einer Beziehung stecken"-Gefühl ein für alle mal aus der Welt schaffen wollte und ich erzählte ihm offen und ehrlich davon, eben weil ich ihn liebe und nicht wollte, dass es irgendwann zu einem Vertrauensbruch kommt.
Ich hatte in letzter Zeit auch Kontakt zu einer Psychologin die mir erklärte, dass das ein normaler Prozess des Erwachsenwerdens sei. Ich möchte keinesfalls behaupten, dass es normal sein sollte, sich irgendwann mal vorübergehend zu trennen, aber in meinem Fall war es so - ich brauchte das, um ein Stück weit mehr zu mir selbst zu finden, da ich von meinem Elternhaus direkt in diese Beziehung gezogen bin. Ich sage auch nicht, dass ich diesen Schritt bereue. Wir machten ihn, um unsere Beziehung zu retten bzw. eine Voraussetzung zu schaffen, obwohl wir sehr jung zusammen kamen für immer zusammen bleiben zu können. Dass das vielleicht nicht funktioniert, dessen war ich mir bewusst, aber ich war eben überzeugt, dass wir uns so sehr lieben, dass wir es hinbekommen.
Ich finde es einfach unfassbar schade, dass jetzt wo wir beide diese wirklich schwierige, aufreibende Zeit hinter uns haben und zumindest versuchen könnten, einen Neustart zu wagen, er völlig abblockt. Ich bekomme keine Chance mehr, ihn persönlich zu sehen. Ich bekam nur nach 5 Wochen Ghosting diese Email als Antwort und wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Natürlich ist es sein Recht nicht mehr zu wollen und ich würde ihn niemals versuchen zu zwingen oder zu überreden. Aber hätte ich mich nicht überwunden ihn zu kontaktieren, wäre ich wahrscheinlich bis heute wortlos blockiert. Das finde ich nach einer so langen, intensiven Zeit wirklich hart.
Ich hoffe ich konnte unsere Situation objektiv beschreiben denn mir ist klar, dass Tipps in solchen Foren immer nur auf die subjektive Meinung des Verfassers gegeben werden können .
Aber hier meine Fragen:
- Seht ihr noch irgendeine Chance, dass er im Moment einfach nur noch zu verletzt ist? Er hat mir ja definitiv geschildert, dass er mich noch immer liebt, auch wenn das natürlich aktuell nicht mehr auf die Weise ist, wie während wir eine glückliche Beziehung hatten
- Soll ich ihn einfach komplett in Ruhe lassen ab jetzt? Ich denke, jeder weitere Versuch der Kontaktaufnahme meinerseits ist wahrscheinlich kontraproduktiv und er würde sich bedrängt / so als ob ich seine Entscheidung nicht respektiere fühlen.
- hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Gerade mit dem "Angst, etwas zu verpassen. "
- was denkt ihr, wie viel Einfluss seine Freunde (gerade seine beste Freundin) auf ihn haben? Wir haben einen sehr sehr guten gemeinsamen Freund, bei dem er sich anfangs stundenlang täglich ausweinte. Ich weiß, dass dieser gemeinsame Freund, der wirklich alles mitbekommen hat ihm nach wie vor dazu raten würde, uns noch eine Chance zu geben. Aber genau diesen Freund meidet er jetzt komplett (so viel zum Thema Freundschaften vernachlässigen)
Ich bin dankbar für jeden gut gemeinten Rat