Coviran
Mitglied
- Beiträge:
- 159
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 312
- Mitglied seit:
Ich wende mich an euch, weil ich mir gerne etwas von der Seele schreiben möchte.
Im April dieses Jahres lernte ich (m/42) eine wundervolle Frau kennen. Sehr smart, bildschön und liebevoll im Umgang mit ihren Mitmenschen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Die Kennenlernphase lief über einige Wochen und wir verliebten uns ineinander.
Zum damaligen Zeitpunkt teilte sie mir bereits mit, dass sie bislang noch keine Beziehung geführt, sondern eher lockere Bekanntschaften gepflegt habe- sie ist Anfang 30.
Das hat mich nicht gestört und ich habe es auch nicht als Rote Flagge
wahrgenommen, da ich mich vorher noch nie mit dem Thema Bindungsangst auseinandersetzen musste.Nach einer mehrwöchigen intensiven Kennenlernphase, samt Überschüttung mit tollen Worten, Zärtlichkeiten, Zukunftsplänen, trennten sich unsere Wege wieder.
Sie musste für ein paar Wochen ins benachbarte Ausland. Sie hat dort eine Wohnung, die durch den Arbeitgeber gestellt wird und hält sich dort, berufsbedingt, regelmäßig auf.
In den nächsten drei Wochen meldete sie sich regelmäßig und wir führten sehr tiefgründige Telefonate, die auch hauptsächlich von ihr initiiert wurden.
Wir beide waren sehr verliebt und teilten uns dies auch mit. Auch wollten wir nunmehr eine Beziehung eingehen.
Nach ein paar Wochen der “Ländertrennung” entschied ich mich, da ich noch ein paar Urlaubstage hatte, zu ihr zu fahren. Wir freuten uns riesig aufeinander. Am Bahnhof empfing sie mich, zu meiner Verwunderung, mit den Worten “ich hätte nicht gedacht, dass ich dir direkt wieder so nah sein würde”. Es zeigte mir doch, dass sie durch die räumliche Trennung auch eine emotionale Trennung gespürt haben musste.
In der Zeit bei ihr lebten wir in einer kleinen Wohnung, sahen uns aber in der Woche erst am späten Nachmittag, da sie in beruflichen Projekten gebunden war.
Während der ersten Tage war es sehr intensiv. Wir waren uns so nah wie noch nie, gestanden einander die Liebe und genossen die Zeit zusammen. Dennoch spürte ich nach den ersten Tagen bereits, dass sie, immer mal wieder, auf Abstand ging. Sie war ständig auf Spannung, ständig unter Stress und machte durch ihre Art deutlich, dass sie das Gefühl habe dafür verantwortlich zu sein, dass ich eine gute Zeit bei ihr habe. Ich versuchte ihr diesen Druck zu nehmen, da ich mich tagsüber allein in der Stadt bewegen konnte
Alle Tage meines Aufenthalts wurden von ihr durchgeplant, sie übernahm die Kontrolle, nein eher auch Verantwortung und gab diese auch nur zu Teilen aus der Hand.
Hauptsächlich waren die Unternehmungen von Treffen mit Freunden und Arbeitskollegen geprägt, wir waren wortwörtlich in ständiger Bewegung. So hatte sie nach ein paar Tagen ihre erste Panikattacke.
Die Tage vergingen. Ich machte ihr viele Komplimente, sie mir zunächst auch. Doch es wurde weniger und auch machte sie klar, dass sie meine Komplimente schwer annehmen und glauben könne.
Von Nähe geprägte Momente wurden von Distanz gefolgt. Ich sprach sie darauf an. Sie sagte es läge nicht an mir und emotional sei sie bei mir.
Mit mir würde sie es verhältnismäßig schon lange in der Wohnung aushalten. Auch sei ich der Erste mit dem sie das alles wolle. Sie liebe mich. Ich riet ihr dazu sich Freiräume zu nehmen. Ab und zu tat sie das, aber nicht sehr oft.
Sie erzählte von ihrer letzten "Beziehung"/Bekanntschaft. Dort habe sie nie auf ihre Bedürfnisse gehört und diesen Fehler wolle sie nie wieder machen.
Aussagen wie “bleib für immer hier" spielten Bäumchen Wechsel dich mit “ich kann dir kein “für immer” geben”.
Nach weiteren Tagen nahm ihr Kontrollverhalten und freundliches Abändern kleinerer Fehler meinerseits weiter zu, sodass ich mich teilweise wie ein Kind fühlte, das durch die Mutter in der Spur gehalten wird. Man sah ihr die Anspannung deutlich an. Für sie bedeutete mein Aufenthalt bei ihr zunehmend Anspannung.
Einige Tage später ein erneutes Gespräch über ihre Distanz, gefolgt von einer weiteren Panikattacke und in einem Nebensatz “vielleicht habe ich etwas Bindungsangst” und “ich will dir nur dann Nähe zeigen, wenn ich es auch fühle, sonst bin ich ja nicht ehrlich”.
Danach reiste ich ab, in dem Glauben wir seien weiterhin ein Paar. Nichts Anderes hatte sie vermittelt.
Am Tag der Abreise ein zaghafter Kuss, kaum Kontakt. Am Folgetag ebenfalls. Auf mein ungutes Gefühl hin dann die Nachricht “ich beende es, unser Bedürfnis von Nähe und Distanz ist zu verschieden, außerdem muss ich an meinen Baustellen arbeiten, die Beziehung tut meinem Körper nicht gut.”
Jedes Betteln brachte nichts, sie blockte komplett ab, wich Fragen nach ihren Gefühlen für mich aus (erst ja, es sind Gefühle da, dann nein, ich spüre nur Leere).
Sie brauche keine Beziehung, sie habe Freunde und die hätten dieselbe Priorität wie eine Beziehung. Auch fiel der Klassiker “ich kann dir nicht geben, was du brauchst.”
Das Ganze ist nun zwei Wochen her. Seitdem herrscht im Grunde Funkstille. Es gab noch einen letzten Wortwechsel, bei dem sie sich etwas emotionaler zeigte.
Tja, jetzt sitze ich hier in meinem Liebeskummer und weiß nicht weiter. Mir stellen sich so viele Fragen wie “liebt sich mich noch?”, “vermisst sie mich?”. ich weiß, das sind Fragen, die nicht relevant sind und die nur meinen Selbstwert anheben, aber ich fühle mich nur noch verzweifelt.
Vielleicht habt ihr Gedanken dazu, die ihr teilen wollt. Denkt ihr sie meldet sich irgendwann? (Auch,wenn es vermutlich bescheuert wäre darauf einzugehen).
Ich vermisse diese Frau. Trotz der riesigen Macke liebe ich sie und bin dennoch erschrocken, dass ich ihr auf einmal nichts mehr bedeuten soll.
LG

