Ben1988
Gast
Ich bin ehrlich mit meiner Situation etwas überfordert und hoffe, dass ich hier ein paar neue Denkanstöße bekomme.
Ich bin mit meiner Verlobten seit 2014 zusammen. Wir haben uns auf Arbeit, in Leipzig, kennen gelernt und nach ca 2 Monaten kamen wir dann zusammen. Nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, ging sie zurück zu ihrer Familie in ein ca. 1,5 h Autofahrt entferntes Dorf. Wir führten dann also von 2015 bis 2018 eine Fernbeziehung. Die ersten 2 Jahre lief es auch sehr gut aber irgendwann wollten wir dann beide mehr und zusammen ziehen.
Da begannen die Probleme . Wer zieht zu wem?
Nach anfangs ruhigen und gelassenen Diskussionen kamen wir leider nicht wirklich voran. Es wurde hitziger und endete dann mehrmals in deftigen Streitgesprächen. Jeder versuchte den anderen irgendwie zu überreden.
Nachdem meine Mutter 2018 verstorben war, hatte ich dann den Entschluss gefasst nachzugeben und zu ihr ziehen.
Eigentlich wollte ich sowieso schon immer von der Stadt aufs Land ziehen. Außerdem hatte ich Angst das ich sie bald verlieren würde, sollte die Fernbeziehung noch länger andauern. Ich dachte, ich brauche Abwechslung . Muss raus aus meinem Alltag hier . Immer, wenn ich durch die Stadt gegangen bin musste ich an meine Mutter denken, weil wir damals als ich klein war wirklich viel gemacht hatten. Das brachte sehr schöne Erinnerungen wieder ans Licht aber leider jedes Mal auch die Trauer um den Verlust. Also ergriff ich die Initiative und wagte den Schritt zu ihr zu ziehen um dieser Trauer zu entgehen. Ich kann nicht sagen, ob dies damals eine Kurzschluss Reaktion war oder dann doch gut überlegt.
Nun wohne ich seit ca 10 Monaten mit ihr zusammen auf dem Land in dem kleinen Dorf wo ihre Familie wohnt. Ich komme mit ihrer Familie gut aus was mich schon sehr beruhigt hat, dass ich ein nettes Schwiegermonster habe. Seitdem wir zusammen leben hat unsere Beziehung einen großen Satz nach vorne gemacht. Bis auf die kleinen alltäglichen Streitigkeiten wie, welchen Film wir schauen ( Action oder Liebe) =) läuft es wirklich gut.
Allerdings kamen mir vor ca 4 Wochen ein paar Gedanken und Gefühle die ich nicht erwartet hatte. Diese begannen als harmloser Funke und brennen nun Lichterloh wie ein Osterfeuer. Ich weiß nicht ob ich das nach so einer "kurzen Zeit" bereits sagen kann aber, ich möchte nicht mehr hier auf dem Land leben. Ich weiß auch nicht ob meine Probleme die ich gleich erzählen werde überall so sind aber hier ist es leider so.
Ich vermisse ich die Anonymität einer Großstadt extrem. Egal wo man lang geht . Viele der Leute verrenken sich ihren Hals um zu sehen wohin ich gehe, was ich da mache und dann wird das natürlich ausgewertet. Am Anfang dachte ich, ich spinne und bilde mir das nur ein. Aber neeeeeeeein . Nein nein . Ich wurde schon desöfteren Angesprochen was ich mir denn da und da schönes gekauft habe oder wie der Abend mit meiner Verlobten beim Griechen war. Ich dachte immer die Leute waren zufällig da und habe sie nur nicht gesehen aber wieder falsch. Habe dann irgendwann ein paar Mal nachgefragt, weil es mir irgendwann komisch vor kam. "Ja das hat mir Blablabla erzählt" "Ja Blabla hat dich gesehen"
Mich nervt das sehr, weil ich mich jetzt fast immer beobachtet fühle.
Mich stört mittlerweile auch wahnsinnig, dass man hier echt für fast jeden Furz ins Auto steigen muss und ewig erstmal in der Weltgeschichte rumfahren muss. Mir war das schon bewusst, dass man des öfteren das Auto benutzen muss und das es so auf dem Land halt so ist. Allerdings wusste ich nicht, dass mich das so extrem stört nach nur 10 Monaten.
Von meiner Arbeit will ich gar nicht erst anfangen. Bin von einem großen Krankenhaus in ein wirklich kleines gewechselt. Um es kurz zu halten . Die lieben Kollegen saugen jedes Wort auf und drehen es noch im Mund um und dann steht man da . Als Ar.. Weiß nicht ob sie neue Gesprächsthemen brauchten da ihre bereits erschöpft waren aber so schlimm und niederträchtig habe ich es noch nie erlebt. Alles was passiert wird ausgewertet und es wird tag ein tag aus auf untersten Niveau gelästert. Ich gehe jeden Tag mit einem Gefühl auf Arbeit, dass ich einfach nur weg laufen will.
Das waren so die 3 Wichtigsten Dinge die mich stören. Jetzt kommen die darausfolgenden Probleme mit meiner Verlobten.
Ich liebe meine Verlobte sehr ich meine ich habe einen guten Job, meine Familie und Freunde teilweise aufgegeben aber ich möchte unter keinen Umständen länger als nötig hier wohnen bleiben. Im Moment reizt mich am Landleben nur noch die Abfahrt zurück nach Hause in die Großstadt.
Ich habe dies auch mit meiner Verlobten besprochen. Ihre Antwort war, dass sie NIEMALS hier weg zieht. Falls ich wieder nach Leipzig ziehe wird sie Schluss machen, denn sie möchte keine Fernbeziehung mehr. Sie möchte Haus, Hof und Kind! Ihre Familie ist hier und sie lässt sie nicht im Stich und ja . ihre Familie ist ihr wirklich extrem wichtig. Sie ist meist so 3-7 Tage in der Woche für mehrere Stunden bei ihnen. Was okay ist . Anfangs hat mich auch das nicht gestört. Nur wollten wir ein Haus hier bauen und jetzt soll ich mit meiner Verlobten zu ihren Eltern mit auf das Grundstück ziehen und dort ein Doppelhaus bauen wo ich dann auf der einen Seite wohne und die Schwester meiner Verlobten auf der anderen. Also die ganze Familie auf einem Grundstück . Was ja unweigerlich bedeutet, dass man sich jeden Tag sieht bzw. hört. Das ist für mich wirklich viel zu viel für sie ist es ein Traum.
Jetzt weiß ich nicht mehr weiter . Ich liebe sie sehr . aber hasse es hier auf dem Land zu wohnen und diese echt schlechte Arbeitstelle zu haben. Mit ihrer Familie, so sehr ich sie auch mag, ziehe ich ebenfalls nicht auf ein Grundstück. Also war jetzt mein Kompromiss, dass ich mir woanders in der nächst größeren Stadt ein neues Krankenhaus suche zum arbeiten und dann erstmal schaue ob dies alles erträglicher macht oder nicht . denn dann ziehe ich wieder nach Leipzig.
Wir lieben uns sehr und wollen einander nicht verlieren. Aber ich will mich auch nicht mit allem abfinden müssen was mich unglücklich macht nur damit sie glücklich.
Jetzt seid ihr gefragt
