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Borderline Beziehung

Mue

Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrung mit einem männlichen Partner, der eine Borderline-Erkrankung hat?
Mittlerweile bin ich mit meinen Kräften am Ende. Er ist für 12 Wochen in einer Klinik aus diesem Grund und ich wüßte gerne, ob sich diese Erkrankung dadurch wirklich bessern kann um eine stabile Beziehung führen zu können.
Leider habe ich erst spät von dieser Erkrankung erfahren und ich hatte zuvor noch keine Erfahrungen damit gemacht.
Gibt es Menschen hier die Erfahrung damit gemacht haben?
Gibt es hier langfristigere Beziehungserfahrungen damit? Ratschläge?

30.08.2019 23:27 • x 1 #1


Mosaik


Moin Mue,
Borderline gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. Es ist keine Erkrankung, sondern eine strukturelle Eigenart.
Dein Partner wird mit seinen Eigenheiten immer und ewig zu tun haben. Das ist die schlechte Nachricht.
Die gute ist, dass bei konsequenter Therapie und entsprechendem Willen ein BPSler durchaus ziemlich "normal" leben und Beziehungen führen kann. Doch sicher nicht nach 12 Wochen. Rechne mal - je nach Schweregrad - eher so mit 3-7 Jahren, bis der Therapeut sagt "jetzt ist gut".
Ratschlag: grenzwandler.org lesen.

30.08.2019 23:35 • x 5 #2


Puffeltierchen


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Hatte mehrere solcher Damen langjährig als Partnerinnen.

Mach Dir da bitte keine zu großen Hoffnungen.

In der Therapie lernen sie auch nicht Beziehungen zu führen oder dem Partner besser zu gefallen sondern sich selbst etwas besser zu stabilisieren. Und das schafft nur eine ganz geringe Minderheit, viele brechen div. Therapien auch einfach ab oder verfallen schnell in alte Verhaltensmuster.

Heilung gibt es da generell nicht da eben die Persönlichkeit. Und wenn Du jetzt schon am Boden bist, dann wäre es gesünder zu gehen. Man verbrennt an dieser Störung immer früher oder später leider.

30.08.2019 23:42 • x 1 #3


Spiegel

Spiegel


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Soweit ich weiß, und ich habe ein Seminar belegt und mit Erkrankten im Alltag zu tun gehabt, ist gerade die Beziehungsebene extrem schlimm mit diesen Menschen. Es macht dich schon kaputt, wie du schon angedeutet hast. In der Regel kannst du von keiner stabilen Beziehung ausgehen. Bzw. geh nicht davon aus.

Informiere dich über die Krankheit im Internet und zieh die Register und Notbremse, es sei denn du willst ein Leben mit Chaos und Krassitäten auf naher emotionaler Ebene.

30.08.2019 23:44 • x 2 #4


knut1973

knut1973


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Zitat von Mue:
Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrung mit einem männlichen Partner, der eine Borderline-Erkrankung hat?
Mittlerweile bin ich mit meinen Kräften am Ende. Er ist für 12 Wochen in einer Klinik aus diesem Grund und ich wüßte gerne, ob sich diese Erkrankung dadurch wirklich bessern kann um eine stabile Beziehung führen zu können.
Leider habe ich erst spät von dieser Erkrankung erfahren und ich hatte zuvor noch keine Erfahrungen damit gemacht.
Gibt es Menschen hier die Erfahrung damit gemacht haben?
Gibt es hier langfristigere Beziehungserfahrungen damit? Ratschläge?


ich nur mit weiblichen, aber abgesehen von der jeweiligen individualität sind die muster ja ähnlich.
interessant ist zunächst immer die frage wie es dir geht?
in der regel kann ich aber sagen, dass eine therapie nicht reicht und dass sich eine heilung/besserung, sofern die person sie annimmt und mitarbeitet, sehr lange hinziehen kann. und ja, dann sind auch stabile beziehungen möglich.

30.08.2019 23:50 • #5


williams

williams


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Zitat von Puffeltierchen:
Hatte mehrere solcher Damen langjährig als Partnerinnen.


Das finde ich sehr hart, stets aufs Neue auf Bekanntes hereinzufallen.
Wozu passiert Dir das? Hast Du das aufarbeiten können?

30.08.2019 23:57 • x 2 #6


Benita

Benita


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Zitat von Mue:
. . . ich wüßte gerne, ob sich diese Erkrankung dadurch wirklich bessern kann um eine stabile Beziehung führen zu können.

Heute gibt es einige Möglichkeiten einem BL zu helfen und zu stabilisieren, für ihn ist es schwer seine Emotionen zu regulieren, oft hat ein BL dieses schon in frühster Kindheit nicht gelernt.

Es gibt Unterschiede wie ausgeprägt sich die Symptome zeigen, ein geeigneter Therapeut und die Mitarbeitsbereitschaft vom BL schaffen eine Basis, die für eine Besserung notwendig ist, deshalb kann dir keiner sagen wie es ausgehen mag und wie lange des dauern wird falls die Therapie anschlägt .

Wichtig ist, daß du lernst dich abzugrenzen, Manipulation erkennst und dich zu schützen weißt.

31.08.2019 00:22 • #7


KKKL


Zitat von Mue:
Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrung mit einem männlichen Partner, der eine Borderline-Erkrankung hat?
Mittlerweile bin ich mit meinen Kräften am Ende. Er ist für 12 Wochen in einer Klinik aus diesem Grund und ich wüßte gerne, ob sich diese Erkrankung dadurch wirklich bessern kann um eine stabile Beziehung führen zu können.
Leider habe ich erst spät von dieser Erkrankung erfahren und ich hatte zuvor noch keine Erfahrungen damit gemacht.
Gibt es Menschen hier die Erfahrung damit gemacht haben?
Gibt es hier langfristigere Beziehungserfahrungen damit? Ratschläge?


Nope, hab ich nicht , da ich ein Mann bin und ähnliches Vergnügen mit einer Frau hatte.

Kann nur sagen dass die Manipulation auf mehreren Ebenen so weit geht, dass Dir sogar suggeriert wird du wärst der Manipulator.

Man kann viel zerdenken, aber was du dich allein fragen solltest:
Tut es dir gut?
Ja oder nein ?

31.08.2019 01:05 • #8


meg


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Ich bin seit fast 5 Jahren mit einem männlichen Borderliner zusammen. Bei ihm ist die Ausprägung/Symptomatik mittlerweile - sagen wir mal - aushaltbar. Ich habe nach ca. 6 Monaten gemerkt, dass da etwas nicht stimmt, als er anfing, mich wegen Nichtigkeiten derbe zu beleidigen. Davor hatte ich aber auch schon bemerkt, dass er keinerlei Kritik (oder was auch nur im entferntesten danach roch) abkonnte. Er hatte auch starke Probleme mit Alk.. Er steht irgendwo am Rande einer Alk. Krankheit, war deswegen auch schon nach mehreren Führerscheinverlusten (lange vor meiner Zeit) in Therapie. Wegen des Alk. hatte ich ihm auch schon die Pistole auf die Brust gesetzt und er hat es seitdem tatsächlich geschafft, sich dort unter Kontrolle zu halten. Er arbeitet extrem hart an sich, weiß, dass er irgendwie Probleme hat, hatte während der Alk. Therapie auch die Diagnose Borderline bekommen, die er aber nicht voll akzeptiert, und will auch keine Therapie machen.

Ich kann ein paar Tipps basierend auf meinen Erfahrungen geben:

1. Such dir selbst auch therapeutische Hilfe (habe ich gemacht, hat mir sehr geholfen). Du brauchst Unterstützung!
2. Zieh bloß nicht mit ihm zusammen! Den Fehler habe ich gemacht, aber du brauchst dringend einen Rückzugsort.
3. Falls er dich betrügt, schlägt oder sonst no-gos für eine Beziehung zeigt (tut meiner Gottseidank nicht, seit der Alk. kein Thema mehr ist): Trenn dich bitte mit aller Hilfe, die du kriegen kannst! Diese Art von Beziehung verursacht Abhängigkeit.
4. Ich dulde bestimmte Verhaltensweisen wie Beleidigungen nicht und bin da gnadenlos. Sobald er damit anfängt gehe ich auf Distanz, reagiere nicht mehr darauf und verabschiede mich ohne Provokation aus der Situation. Er beruhigt sich dadurch mittlerweile meist sehr schnell wieder (wenige Minuten, am Anfang hat er häufig mehrere Tage gewütet). Lerne, dir hier eine dicke Haut anzulegen, lass dich nicht triggern. Denk dir innerlich blablabla.
5. Stell dich darauf ein, dass du keinen verlässlichen Partner hast. Er wird dir nie dauerhaft Rückhalt und Geborgenheit geben können. Das musst du dir selbst geben und bei Freunden und Familie finden (ich vermute aber mal, dass deine Familie dafür eventuell nicht geeignet ist. Borderliner im Elternhaus gehabt?)
6. Heile dich selbst. Warum bist du an ihn geraten? Das hat eine Bedeutung...

Insgesamt kann ich nur sagen: die Beziehung hinterlässt starke Narben. Egal wie stark du bist. Ich habe sehr vieles über mich selbst gelernt und lerne noch. Aber an sich will ich raus aus der Beziehung, da sie mir unterm Strich nicht gut tut, auch wenn ich ihn nicht allein lassen möchte und ihn immer noch sehr gern habe. Er kann auch sehr lieb sein und ist verletzlich. Ich habe meinen Borderliner soweit unter Kontrolle und er profitiert von der Stabilität, die ich ihm gebe. Aber eine gesunde Partnerschaft mit glücklicher Zukunftsprognose ist es nicht, zumindest nicht für mich...

Irgendetwas stimmt ja bei mir auch nicht, weswegen ich immer wieder in solche Beziehungen gerate. Daran arbeite ich und deswegen bin ich mittlerweile auch bereit, mich zu lösen oder zumindest stärker auf Abstand zu gehen.

Was ist denn bei deinem Kerl die Symptomatik. Womit kommst du nicht zurecht? Wie stark steckst du drin? Wie stark bist du?

31.08.2019 03:05 • x 2 #9


Puffeltierchen


601
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Zitat von williams:

Das finde ich sehr hart, stets aufs Neue auf Bekanntes hereinzufallen.
Wozu passiert Dir das? Hast Du das aufarbeiten können?


Na sie können sich am Anfang sehr gut verstellen, haben ja auch nicht alle sichtbare Anzeichen siehe Narben oder wohnen in betreuten Einrichtungen etc., die realen Lebensumstände auch nicht kennst gleich.

Dann wird man ja in der Verliebtheitsphase ja auch blind und sehr taub und gnädig was gewisse Ungereimtheiten betrifft.

Also Erfahrung schützt nicht davor wieder Jemanden kennenzulernen mit solch Problem. Es hilft aber etwas sich besser zu schützen usw.

Mein Fehler ist das ich offen und ehrlich bin, auch emotional, mich stark binde aber bei der Partnersuche eher passiv. Ich wurde immer gefunden und auserwählt, war bequem und hat mich auch gefreut und habe jetzt auch nicht das stärkste Selbstbewusstsein.

Das können diese Leute riechen, die Empathie zum eigenen Vorteil haben sie ja und meine Offenheit und Ehrlichkeit inkl. Urvertrauen konnten sie so super und leicht spiegeln/manipulieren.

Ist aber leider meine Persönlichkeit und kann ich auch nicht wirklich ändern.

Und ja, natürlich ist man am Ende dann ordentlich down und auch ausgepowert aber es wird anschließend mit jedem Tag besser. Daher jetzt auch nicht wirklich Angst vor ihnen habe und jede Dame bekommt auch wieder eine neue Chance usw.

Und mit meinem Ego macht das jetzt auch nichts, war immer anständig und Co, habe nicht verlassen und mir auch nichts vorzuwerfen. Von daher egal.

31.08.2019 03:50 • x 1 #10


Mue


Hallo und danke sehr für die vielen Antworten.

Mosaik, ich danke dir für deinen Link. Das hört sich sehr langwierig an, so lange werde ich das mit Sicherheit nicht aushalten können.

Puffeltierchen, ein Therapieabbruch wäre bei ihm auch nicht ganz abwegig, er übernimmt jetzt Verantwortung durch diesen Schritt aber generell ist er nicht jemand der Verantwortung übernimmt. Ausgebrannt fühle ich mich leider schon.

Spiegel, da ich sehr harmoniebedürftig bin, wünsche ich mir eine Beziehung in der Form nicht, obwohl ich denke, keiner wünscht sich das.

knut1973, mir geht es nicht gut damit, bin ständig angespannt, habe Schlafstörungen und andere Symptome.

Benita, die Emotionen hat er absolut nicht im Griff und das macht mich richtig fertig. Ich hab auch bevor ich von der Erkrankung wusste, versucht mit ihm zu reden, weil ich oft die Welt nicht mehr verstand, aber es war sinnlos.

KKKL, er übergab mir die volle Verantwortung für seine Wutausbrüche, es liege nur an mir. Wenn ich so nicht wäre, wie ich bin, dann hätte er diese nicht. Mittlerweile weiß ich, er hat dieses Verhalten nicht nur bei mir gezeigt.
Aber als ich das nicht wusste, versuchte ich mich zu ändern, weniger etwas zu sagen, damit die tickende Zeitbombe nicht hochgeht. Mein Verhalten versucht nach ihm auszurichten, auf jedes Wort achten. Angst haben, etwas falsch zu machen. Trotzdem wurde es schlimmer. Viele Auslöser habe ich nichteinmal verstehen können und kann es auch nicht. Dinge die ich angeblich über ihn dachte, negative Glaubenssätze, die nur in seinem Kopf existieren. Alles scheint friedlich und dann aus dem Nichts, tut sich die Erde auf. Vorwürfe, passiv und aktiv aggressiv über Tage, abhauen mit zweideutigen Nachrichten.

meg, danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich habe mich schon an meinen Arzt gewandt, da ich wohl in eine Depression gerutscht bin.
Er trinkt leider auch und ist dann noch aggressiver.
Hast du dir deinen Selbstwert erhalten können?
Meiner ist stetig gesunken, wie mir klar geworden ist.
Er ist der 2. Partner mit dem ich je zusammengezogen bin und der Erste bei dem ich es bitter bereut habe. Nach dem Unterschreiben des Mietvertrages schon, da es ab da richtig schlimm wurde.
In der Nacht vor dem Umzug habe ich geweint und hatte Angst gefangen zu sein in einem Albtraum.
Ein paar Tage bin ich in seinen Augen gut und die nächsten Tage bis zu einer Woche sein Feind.
Am Anfang dachte ich er ist anders, so hat er sich zumindest gegeben. Ich hätte nicht geahnt, was in ihm steckt. Wie mein Befinden damit war, ich kaputt gehe, war ihm recht egal oder er konnte es nicht verstehen? Ich weiß es nicht und verstehe das nicht so teuer. Ich bin sehr oft verwirrt, verstört, verängstigt.
Nach seinen Wutausbrüchen habe ich ihn oft getröstet und er tat mir leid. Aber zum Schluss habe ich gesagt ich kann das nicht mehr, entweder er holt sich Hilfe oder ich gehe. Ich weiß nicht, ob ich das noch so lange aushalten kann.
In vielen Situationen hätte ich sauer sein müssen zB. wegen dem angebrüllt werden, seinem Verhalten. Aber er war dann noch mehr wütend auf mich, obwohl ich das nach meinem Verständnis her hätte sein müssen. Er verdreht das so und ich fühle mich dann schlecht. Ich habe dann das Gefühl verrückt zu werden. Das ist total unlogisch. Ich kann das nicht gut erklären, wie das ist, es ist mit gesundem Menschenverstand nicht aufzulösen und zu verstehen.

31.08.2019 10:57 • x 3 #11


meg


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Auwei Mue! Du musst da raus...

Ich hatte auch ein unheimlich schlechtes Bauchgefühl, als ich mit ihm zusammenzog. Das erste Jahr in der gemeinsamen Wohnung war auch tatsächlich die Hölle. Danach wurde es besser, weil ich mehrmals wirklich kurz davor war auszuziehen und er den Alk. aufgab. Das schuf Raum bei ihm zur Reflektion und er hielt seine Emotionen mal aus, statt sie mit Alk zu betäuben.

Mein Selbstwert ist noch intakt. Ich glaube, dass das aber an meinem relativ guten Selbstbewusstsein liegt. Ich sehe nicht schlecht aus und bin (bis auf in der Partnerwahl) auch nicht doof (und weiß das auch). Außerdem bin ich körperlich stärker als er, was psychologisch auch nochmal irgendwie hilft. Allerdings begreife ich selbst nicht, wieso ich mir die Beleidigungen gefallen lasse. Ich könnte einen viel besseren Typen haben.

Ich bin recht gutmütig und nehme seine Beleidigungen mittlerweile nicht mehr ernst bzw. habe gemerkt, dass er bei mir Dinge kritisiert, die eigentlich SEINE Schwächen sind. Daher kann ich sie mittlerweile (relativ) einfach abprallen lassen, verdrehe innerlich die Augen und lass ihn einfach kommentarlos wüten. Es kotzt mich aber jedes mal wieder an und ich denke innerlich immer Ja, aber du wirst trotzdem heulen, wenn diese dumme Kuh hier dich verlässt wegen deinem Rumgeekel.

Ich begreife die Zweiteilung seiner Persönlichkeit auch immer noch nicht: meist ist er der Traumprinz und überhäuft mich mit Komplimenten. Aber dann ist er ganz plötzlich das Riesenaloch mit irrem Blick und Donnerstimme und brüllt mich an, als ob ich taub wäre und zu blöd für diese Welt. Den 1. Typen liebe ich. Dem 2. Typen würde ich am liebsten kräftig eine Reinhauen, und zwar in die untere Etage.

Mich bringt jedesmal der 1. Typ dazu, dass ich bleibe. Aber ich habe jetzt den Plan, Anfang nächsten Jahres auszuziehen. Dann kann ich abhauen, wenn er wieder zum 2. Typen wird. Und ich kann mir in Ruhe überlegen, ob ich wirklich noch mit dem Gesamtpaket Typ 1+2 zusammenbleiben möchte.

Depression klingt gar nicht gut. Kannst du dir ein Zimmer irgendwo suchen? Die ganze Situation ist zum Verzweifeln, du brauchst eine Perspektive, die dich glücklich macht. Ich kann dich sooo gut verstehen. Du musst dich um dich selbst kümmern, ganz dringend! Nimm den Fokus von ihm und der Beziehung. Das ist nicht einfach, aber hilft. Glaub ihm kein Wort, wenn er der Widerling ist. Im Gegenteil: du bist das, was er dir vorwirft wahrscheinlich ganz und gar nicht, vermutlich eher das Gegenteil. Meist ist er das, was er dir andichtet.

Nimm vielleicht mal sein Getobe heimlich auf. Vielleicht sogar ein Video. Ich habe das mal gemacht und habe einen du schei..o.t.z.e- Film von ihm, den ich mir immer dann anschaue, wenn ich hart bleiben will (im Notfall auch bei einer Trennung), wenn er wieder ankommt und sich entschuldigt. Dann kann ich mir vor Augen halten, dass er das Ekelpaket halt AUCH ist, und nicht nur der zuckersüße Charmeur, der mich einlullen möchte.

Zur Depression: viel raus aus der Wohnung, weg von ihm, unter gut-tuende Leute gehen. Du brauchst die Perspektive anderer, normaler Menschen. Sport treiben, Natur. Hobbies. Bau dich langsam wieder auf. Du packst das. Aber nur du kannst dir selbst helfen. (Und ich packe das auch. Jawollja!)

31.08.2019 17:29 • #12


Mue


"Den 1. Typen liebe ich. Dem 2. Typen würde ich am liebsten kräftig eine Reinhauen, und zwar in die untere Etage."

Genau so empfinde ich das auch. Es ist als wären es 2 unterschiedliche Personen in einer. Sehr verstörend ist das.
Und er ist 50% der Zeit die eine oder die andere Person.

Stark wie du das ausgehalten hast. Das ist bestimmt seltener der Fall.

Durch den Abstand kann ich zur Ruhe kommen. Es ist wie ein friedlicher Urlaub.

Das werde ich tun, den Fokus rausnehmen. Gut überlegen, was ich will. So eine Beziehung definitiv nicht mit dieser Instabilität. Es war wohl naiv zu denken, durch die Hilfe wird das schnell besser, geschieht eine "Heilung".

Deine Tipps werde ich beherzigen. Ich bin mit guten Freunden gesegnet, die mich auch schon angesprochen hatten, da ich mich vermehrt zurückgezogen habe, je schlechter es mir ging, desto mehr.
Sie hatten auch mitbekommen, wie er drauf ist. Er hat mir viele schöne Feiern mit meinen Freunden vermiest. Ich wurde deshalb auch schon angesprochen. Alle sind gut gelaunt und dann zieht er die Stimmung runter, weil er plötzlich wütend wird, mies gelaunt ist über Stunden oder wütend abhaut.
Das ist sehr unangenehm, wenn man dann auch noch angesprochen wird darauf was er hat und wie ein begossener Pudel dasteht, weil man die Welt wieder nicht versteht. Oder einfach draußen auf der Straße anbrüllt. Demütigend ist das alles.
Ich kann das nicht verstehen, wie man so schmerzfrei agiert.
Ich habe auch die Freude an meinen langjährigen Hobbies verloren.

31.08.2019 20:04 • x 1 #13


Ema

Ema


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Zitat von meg:
Aber ich habe jetzt den Plan, Anfang nächsten Jahres auszuziehen. Dann kann ich abhauen, wenn er wieder zum 2. Typen wird. Und ich kann mir in Ruhe überlegen, ob ich wirklich noch mit dem Gesamtpaket Typ 1+2 zusammenbleiben möchte.

Das ist für den Anfang -denke ich - kein so schlechter Plan.
Aber mach dir bewusst, dass du dann so eine Art On-Off-Beziehung haben wirst.
Du wirst Phasen haben, in denen du dich wegen seines Verhaltens zurückziehst und in denen die Beziehung dann sozusagen auf Eis liegt oder in der Schwebe ist. Gemeinsame Events (Urlaub, Weihnachtsfeste, Ausflüge) sind immer in der Schwebe, weil du nie weißt, wann er wieder in seine Schattenpersönlichkeit rutscht. Es ist übrigens auch bekannt, dass gerade solche Dinge besonders geeignet sind, die Schattenpersönlichkeit eines Borderliners zu wecken, da sie für ihn großen emotionalen Stress bedeuten.
Noch schlimmer ist diese Unplanbarkeit, wenn noch andere beteiligt sind (Familienfeste, Feste mit Freunden).

Das heißt, auch wenn ihr getrennt wohnt, ist die Instabilität einer solchen Beziehung stark belastend. Man muss sich gut überlegen, ob man das will oder kann.

Hinzu kommt, dass eine räumliche Trennung - wenn ihr jetzt schon zusammen wohnt - den Borderliner auch wieder belastet und neue Schübe auslösen kann, weil dies seine Verlustangst, unter der er ja ohnehin stark leidet, stark triggern wird.


Zitat von meg:
Glaub ihm kein Wort, wenn er der Widerling ist. Im Gegenteil: du bist das, was er dir vorwirft wahrscheinlich ganz und gar nicht, vermutlich eher das Gegenteil. Meist ist er das, was er dir andichtet.


Das ist sehr richtig, was du da sagst.
Aber auch hier muss man sich klarmachen, wie sehr eine solche Haltung an die eigene Substanz geht. Im Grunde musst du immer mit einem Schutzschild um deine Psyche herumlaufen, damit dich die krassen Beleidigungen und die Wutausbrüche nicht so arg treffen.
Auch das geht fürchterlich an die Substanz. Und auch hier muss man sich gut überlegen, ob man das will und kann.
Ständig die eigene Psyche vor Angriffen schützen zu müssen, raubt nicht nur Energie, sondern macht auch etwas mit dir.

Zitat von Mue:
Es war wohl naiv zu denken, durch die Hilfe wird das schnell besser, geschieht eine "Heilung".


Na, ja, was heißt naiv? Du wusstest es ja nicht besser. Normalerweise gehört das Wissen über Borderline ja nicht unbedingt zur Allgemeinbildung.
Aber nein: Es wird nicht schnell besser werden. Es dauert lange, bis die Beziehungsqualität sich durch die Therapie verbessern wird.
Und es wird auch nie ganz "heil" werden. Ein Borderliner kann in gewissem Maß seine übersprudelnden Emotionen in den Griff bekommen - vor allem die Angst und die daraus resultierende blinde Wut - aber er wird nie so sein, wie ein Mensch, der diese Persönlichkeitsstörung nicht hat.

Zitat von Mue:
Ich kann das nicht verstehen, wie man so schmerzfrei agiert


Das kann man auch nur schwer verstehen. Ich empfehle dir, dich ein bisschen einzulesen. Es hilft, wenn man sich die Strukturen bewusst macht. Es ist ein erster Schritt.
Ich empfehle dir das Buch "Wenn Lieben wehtut" von Manuela Rösel.
Es richtet sich vor allem an Partner von Borderlinern, klärt diese gezielt auf und gibt auch Tipps für den Umgang oder Tipps dafür, wie sich eine Trennung am besten bewerkstelligen lässt.

Alles Gute!

31.08.2019 20:39 • x 2 #14


Ema

Ema


3758
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Zitat von meg:
Ich bin recht gutmütig und nehme seine Beleidigungen mittlerweile nicht mehr ernst bzw. habe gemerkt, dass er bei mir Dinge kritisiert, die eigentlich SEINE Schwächen sind. Daher kann ich sie mittlerweile (relativ) einfach abprallen lassen, verdrehe innerlich die Augen und lass ihn einfach kommentarlos wüten


Ein kleiner Nachtrag noch:

Dir ist bewusst, dass das nicht nur Gutmütigkeit ist?
Natürlich ist es gut, dass du dir klarmachst, dass seine Vorwürfe und Schuldzuweisungen vor allem damit zu tun haben, dass er seine Probleme auf dich projiziert.

Dass du das aber immer besser wegstecken kannst, ist nicht Gutmütigkeit. Es bedeutet, dass der Borderliner dich immer mehr in seine Strukturen und in seine Welt hineinzieht. Darin sind sie nämlich sehr, sehr gut.

Ein irrationaler Wutausbruch eines Borderliners würde einen "normalen" Menschen, der so etwas nicht gewohnt ist, gelinde gesagt ziemlich verschrecken und verstören.
Als Partner hingegen beginnt man in gewisser Weise abzustumpfen und dieses Verhalten als fast normal zu empfinden. Natürlich weiß man, dass es nicht normal ist. Man hat es aber so oft erlebt, dass man es - so wie du - nicht mehr als ganz so verschreckend und verstörend empfindet, wie das eigentlich gesund für einen selbst wäre.

Somit beginnen deine eigenen Wertmaßstäbe und deine Lebenswirklichkeit sich zu verändern. Es geht so weit, dass sogar deine eigene Hirnstruktur sich ein Stück weit verändert - und zwar in Richtung der verdrehten Welt des Borderliners.

Diese Fähigkeit, die du dir da erworben hasst, die Dinge von dir abprallen zu lassen, die schützt dich auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite ist das gar nicht gut für dich, wenn schleichend deine normalen Maßstäbe immer mehr in Richtung der Borderline-Welt verschoben werden.
Bitte, mach dir das immer wieder bewusst.

31.08.2019 21:12 • x 5 #15




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