Zitat von meg:Aber ich habe jetzt den Plan, Anfang nächsten Jahres auszuziehen. Dann kann ich abhauen, wenn er wieder zum 2. Typen wird. Und ich kann mir in Ruhe überlegen, ob ich wirklich noch mit dem Gesamtpaket Typ 1+2 zusammenbleiben möchte.
Das ist für den Anfang -denke ich - kein so schlechter Plan.
Aber mach dir bewusst, dass du dann so eine Art On-Off-Beziehung haben wirst.
Du wirst Phasen haben, in denen du dich wegen seines Verhaltens zurückziehst und in denen die Beziehung dann sozusagen auf Eis liegt oder in der Schwebe ist. Gemeinsame Events (Urlaub, Weihnachtsfeste, Ausflüge) sind immer in der Schwebe, weil du nie weißt, wann er wieder in seine Schattenpersönlichkeit rutscht. Es ist übrigens auch bekannt, dass gerade solche Dinge besonders geeignet sind, die Schattenpersönlichkeit eines Borderliners zu wecken, da sie für ihn großen emotionalen Stress bedeuten.
Noch schlimmer ist diese Unplanbarkeit, wenn noch andere beteiligt sind (Familienfeste, Feste mit Freunden).
Das heißt, auch wenn ihr getrennt wohnt, ist die Instabilität einer solchen Beziehung stark belastend. Man muss sich gut überlegen, ob man das will oder kann.
Hinzu kommt, dass eine räumliche Trennung - wenn ihr jetzt schon zusammen wohnt - den Borderliner auch wieder belastet und neue Schübe auslösen kann, weil dies seine Verlustangst, unter der er ja ohnehin stark leidet, stark triggern wird.
Zitat von meg:Glaub ihm kein Wort, wenn er der Widerling ist. Im Gegenteil: du bist das, was er dir vorwirft wahrscheinlich ganz und gar nicht, vermutlich eher das Gegenteil. Meist ist er das, was er dir andichtet.
Das ist sehr richtig, was du da sagst.
Aber auch hier muss man sich klarmachen, wie sehr eine solche Haltung an die eigene Substanz geht. Im Grunde musst du immer mit einem Schutzschild um deine Psyche herumlaufen, damit dich die krassen Beleidigungen und die Wutausbrüche nicht so arg treffen.
Auch das geht fürchterlich an die Substanz. Und auch hier muss man sich gut überlegen, ob man das will und kann.
Ständig die eigene Psyche vor Angriffen schützen zu müssen, raubt nicht nur Energie, sondern macht auch etwas mit dir.
Zitat von Mue:Es war wohl naiv zu denken, durch die Hilfe wird das schnell besser, geschieht eine "Heilung".
Na, ja, was heißt naiv? Du wusstest es ja nicht besser. Normalerweise gehört das Wissen über Borderline ja nicht unbedingt zur Allgemeinbildung.
Aber nein: Es wird nicht schnell besser werden. Es dauert lange, bis die Beziehungsqualität sich durch die Therapie verbessern wird.
Und es wird auch nie ganz "heil" werden. Ein Borderliner kann in gewissem Maß seine übersprudelnden Emotionen in den Griff bekommen - vor allem die Angst und die daraus resultierende blinde Wut - aber er wird nie so sein, wie ein Mensch, der diese Persönlichkeitsstörung nicht hat.
Zitat von Mue:Ich kann das nicht verstehen, wie man so schmerzfrei agiert
Das kann man auch nur schwer verstehen. Ich empfehle dir, dich ein bisschen einzulesen. Es hilft, wenn man sich die Strukturen bewusst macht. Es ist ein erster Schritt.
Ich empfehle dir das Buch "Wenn Lieben wehtut" von Manuela Rösel.
Es richtet sich vor allem an Partner von Borderlinern, klärt diese gezielt auf und gibt auch Tipps für den Umgang oder Tipps dafür, wie sich eine Trennung am besten bewerkstelligen lässt.
Alles Gute!