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Das Elternhaus

victim_reloaded

@Kerstin_2016

Egozentrisch-narzisstische Eltern:
Eltern, die ihre Kinder zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse missbrauchen.
Dabei zum Einsatz kommendes Instrumentarium ist der emotionaler Missbrauch im Sinne von:
- Austragen elterlicher Konflikte vor den Kindern
- Erniedrigung / Demütigung des Kindes (ggf. vor anderen)
- Lustig machen über das Kind
- Bedrohung und Einschüchterung
- Fehlende Zuwendung, Alleine lassen
- Bewusster Entzug von Liebe und Zuwendung
- Systematisches Lügen (e.g. "gas lightning"), um das Kind zu verwirren
- ungerechtfertigte / übertriebene Strafen
- widersprüchliches (e.g. ambivalentes) Verhalten dem Kind gegenüber
- Invalidierung von Gefühlen und Bedürfnissen
- Rollenumkehr (e.g. Parentifizierung)

Erfolglos-narzisstische Eltern:
Eltern, die glauben, dass sie selbst nicht mehr das erreichen können, was sie sich einst vorgenommen haben und dies dann auf die Kinder übertragen. Bedeutet: Die eigene Selbstwertregulation wird nicht mehr vom eigenen Erfolg, sondern vom dem des Kindes abhängig gemacht.

Der Tenor meines Plädoyers: Schlachtet die heilige Kuh, äh pardon, Familie.
Frühe Bindungs- und Beziehungsstörungen, insbesondere der emotionale Missbrauch, führen zu schwerwiegenden Problemen in der weiteren Entwicklung, nämlich mehr oder weniger ausgesprägten Beziehungsstörungen (e.g. Persönlichkeitsstörungen) sowie Traumafolgestörungen wie der komplexen PTBS (kein zeitnahes Mono-Trauma, sondern frühe Polytraumata).
Invalidierung von Emotionen des Kindes führt in der Folge zu mehr oder weniger ausgeprägten Problemen der emotionalen Regulationsfähigkeit. Dafür gibt es sogar neurobiologische Belege, d.h. bei Opfern von emotionalem Missbrauch findet man charakteristische Veränderungen im fronto-zentralen Bereich des Stirnlappens, der Amygdala und des Hippocampus.
Eine extreme Folgestörung ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Weiterhin sind Persönlichkeitsstörungen sowie komorbide Angststörungen, Depression, Schmerzstörungen, Essstörungen usw. verbreitete Folgeerkrankungen.

Die Täter/innen sind meist nahestende Personen, d.h. Eltern oder andere nahe Familienangehörige. Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung. Die gezielte Manipulation, mit dem Ziel, das Opfer zu verwirren, psychisch mürbe zu machen und für die eigenen Zwecke bzw. Bedürfnisse zu missbrauchen, wird meist schnell gelernt und angewandt.

Das Problem: Emotionaler Missbrauch ist kein Straftatbestand. Artikel 6 GG schützt die Täter/innen. Betroffene sprechen aus Angst / Schuld / Scham / Tabuisierung kaum und meistens erst zu spät über die Taten. Es wurde Ihnen ja viel zu lange von den Täter/innen ausgeredet, dass etwas falsch läuft (außer natürlich mit ihnen selbst).
Zu guter Letzt ist der Ankläger in der Beweislast. Das ist bei diesen Formen emotionalen Missbrauchs kaum bis gar nicht möglich (Situation Aussage gegen Aussage, Täter/innen sind geübt darin, Aussagen zu verdrehen und zu lügen).

06.01.2019 09:22 • x 1 #301


Kerstin_2016

Kerstin_2016

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@victim_reloaded
Meine Fragezeichen sollten eher meinen persönlich definierten Widerspruch zu der Begriffszusammensetzung andeuten.

Zum Beispiel:

Die Bezeichnung "Egozentrisch-narzisstische" ist für mich überflüssig.

Narzisten sind von Haus aus Menschen die sich generell im Mittelpunkt sehen, daher selbstbezogen agieren und die Neigung mitbringen, alles an sich und der eigenen Einstellung zu messen. Das bringe ich mit dem Begriff egozentrisch in Verbindung. In Kombination mit dem Begriff narzistisch daher für mich überfllüssig, denn im Gegenzug ist mir persönlich ist noch kein exentrischer Narzist begegnet, zudem ich das außerdem für ausgeschlossen halte, denn dann stelle ich die Behauptung auf, dass es dann keine Narzisten wären. Mit anderen Worten die Bezeichnung "Egozentrisch-narzisstische Eltern" gibt es für mich nicht.

"Erfolglos-narzisstische Eltern" kann ich wortwörtlich so auch nicht in meinen Wortschatz aufnehmen. Du sagst:
"[. . .], die den eigenen Selbstwert aus dem Erfolg des Kindes ziehen und dafür buchstäblich sogar über Leichen gehen würden. "
Die Wurzel dieses "Übels" in solch einer Verhaltensweise wird jedoch bereits im Begriff Narzissmus selbst gefunden/definiert/mitgeführt.

Der zweite Teil bezog sich auf Rechenschaft . . .
vs.
"egozentrisch-narzisstische Eltern" bzw. "erfolglos-narzisstische Helikopter-Eltern".

Narzisten können nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Denn das würde bedeuten, dass jemand eine Anwort von einem Narzisten bekommt oder besser eine Auskunft über etwas (bei Fehlverhalten oder Kritik zum Beispiel), wofür dieser (der Narzist) sich verantwortlich sieht. Finde den Fehler

Und wie Du selbst beschreibst, ist emotionaler Missbrauch kein Straftatbestand. Und mit Einsicht oder gar Reflektion kann bei einem Narzisten nicht gerechnet werden, daher ist das zur Rechenschaft ziehen dieser "Täter" vergebene Lebensmüh und sollte vor allem gar nicht erst versucht werden . . . bei aller Ehre Deiner zusammengetragenen Zeilen.

Wo ich ein Stück "bei Dir bin" ist die Tatsache, dass das "ent-idealisieren" durchaus im Zusammenhang mit einem Narzisten Sinn macht, da die "Idealisierungs-Prägung" einem Mitglied ("nicht Narzist") solcher Beziehungskonstellationen (Narzisten + "nicht-Narzisten") bereits in die Wiege gelegt wird (oder besser gar nicht anders kennengelernt wird) als Maß aller Dinge.

"Der Tenor meines Plädoyers: Schlachtet die heilige Kuh, äh pardon, Familie."
Unterschreibe ich so absolut nicht. Mir persönlich geht es weder darum einen "Täter" zu verurteilen/ zu defenieren, noch darum, irgendwen "zu schlachten". Das ist der, für mich, vermeidlich einfache Weg, wird jedoch von wenig Erfolg gekrönt sein, denn damit werde ich meine eigenen persönlichen Konsequenzen aus solcher einer Konstellation (Narzist + "nicht-Narzist") nicht abarbeiten und vor allem nicht verarbeiten können. Das wird in einem endlos erscheindenen Machtkampf enden und kostet in erster Linie nur Energie und Nerven. Meintest Du damit Nullkontakt kann ich damit umgehen. Denn das wäre einer der ersten Schritte um sich mit den Konsequenzen einer solchen Bindung auseinandersetzen zu können.

Fussnote: Ich beziehe mich hier auf keine Person und stelle keine Diagnose, denn das überlasse ich den Fachkompetenzen. Es geht hier nur um meinen persönlichen Blickwinkel.

06.01.2019 13:17 • #302


victim_reloaded

Zitat:
Mit anderen Worten die Bezeichnung "Egozentrisch-narzisstische Eltern" gibt es für mich nicht.


Leider wird dabei immer nur ein Sub-Typus des Narzissmus gesehen und übersehen, dass es noch andere Formen gibt, bei denen der Egozentrismus lange nicht so ausgeprägt ist.

Gemeinhin wird Narzissmus immer nur mit dem Typus des "erfolgreichen" Narzissten gleichgesetzt, es gibt aber noch die "erfolglosen" sowie die "gescheiterten". Das ist definitorisch und im Hinblick auf die Therapie ein nicht unwesentlicher Unterschied. Weiterhin gibt es die Unterscheidung zwischen männlichem und weiblichem Narzissmus (der nicht zwangsläufig das biologische Geschlecht gebunden sein muss).

Zitat:
Die Wurzel dieses "Übels" in solch einer Verhaltensweise wird jedoch bereits im Begriff Narzissmus selbst gefunden/definiert/mitgeführt.


Siehe oben. Natürlich gibt es auch erfolgreiche Narzissten als Helikopter-Eltern. Allerdings zeigt die Praxis, dass es meistens der erfolglose Typus ist, der die eigene Selbstregulation fast völlig vom eigenen Nachwuchs abhängig macht.

Zitat:
Und mit Einsicht oder gar Reflektion kann bei einem Narzisten nicht gerechnet werden, daher ist das zur Rechenschaft ziehen dieser "Täter" vergebene Lebensmüh und sollte vor allem gar nicht erst versucht werden . . .


Kann ich so nicht stehen lassen. Dass Narzissmus "untherapierbar" ist, ist ein langläufiges Vorurteil. Es gibt sehr wohl therapeutische Ansätze, denen eine Wirksamkeit bescheinigt wird.

Zitat:
Das ist der, für mich, vermeidlich einfache Weg, wird jedoch von wenig Erfolg gekrönt sein, denn damit werde ich meine eigenen persönlichen Konsequenzen aus solcher einer Konstellation (Narzist + "nicht-Narzist") nicht abarbeiten und vor allem nicht verarbeiten können.


Da muss ich Dir teilweise Recht geben. Rache ist eine gute Vermeidung, um sich selbst mit der Thematik auseinanderzusetzen. Ich plädiere für beides - und zwar aus der Sicht eines Betroffenen, der nach über 40 Jahren endlich einmal das Gefühl hat, mit dieser Thematik nicht nur auf Unverständnis zu stoßen. Daher stelle ich mich einerseits den Dämonen meiner Vergangenheit, ziehe meine Konsequenzen, mache Therapie, distanziere mich von der Erzeugerfraktion und engagiere mich gleichzeitig dafür, dass die Täter/innen zumindest nicht ganz vergessen werden.

06.01.2019 13:52 • x 2 #303


Kerstin_2016

Kerstin_2016

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Zitat:
Leider wird dabei immer nur ein Sub-Typus des Narzissmus gesehen und übersehen, dass es noch andere Formen gibt, bei denen der Egozentrismus lange nicht so ausgeprägt ist.

Es ist mir bewusst, dass es Einstufungen/Grade gibt bei Krankheiten. Darum ging es mir jedoch nicht. (Siehe mein Post).

Zitat von victim_reloaded:
Kann ich so nicht stehen lassen. Dass Narzissmus "untherapierbar" ist, ist ein langläufiges Vorurteil. Es gibt sehr wohl therapeutische Ansätze, denen eine Wirksamkeit bescheinigt wird.

Ich habe geschrieben das Narzisten "untherapierbar" sind?!

Zitat:
Rache ist eine gute Vermeidung, um sich selbst mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Ich schrieb:
Zitat:
Mir persönlich geht es weder darum einen "Täter" zu verurteilen/ zu defenieren, noch darum, irgendwen "zu schlachten". Das ist der, für mich, vermeidlich einfache Weg,[. . .]

Ich schrieb nicht Rache, sondern es bezog sich auf das "schlachten" (Dein Zitat) und auf verurteilen/ definieren.
Wenn Deine Interpreation daraus "Rache" ist, ist das natürlich in Ordnung, gilt jedoch nicht für mich, denn Rache ist für mich persönlich Gift für die Seele.

Zitat:
Siehe oben. Natürlich gibt es auch erfolgreiche Narzissten als Helikopter-Eltern.

Auch hier: ich habe nie behauptet, dass es sowas nicht gibt.
Es ging mir einzig um die Begrifflichkeit und Wortkombinationen (also das wortwörtliche wie angemerkt von mir).

Bitte reiße meine Antworten nicht aus dem Zusammenhang.
Das würde ich schade finden, denn das ist die Basis für Missverständnisse.

Woher hast Du denn die Begriffe bzw. Begriffszusammensetzungen? Gern sehe ich mir das noch mal an.

06.01.2019 14:38 • #304


victim_reloaded

Die Begriffe stammen aus der gängigen Literatur zum Thema Narzissmus, Trauma und Persönlichkeitsstörungen.

Die Klassifikation in (männliche) erfolgreiche, erfolglose und gescheiterte Narzissten stammt aus dem reichen Fundus von Rainer Sachse. Über weiblichen Narzissmus hat Bärbel Wardetzki sehr viel geschrieben.

Zitat:
Ich habe geschrieben das Narzisten "untherapierbar" sind?!


Wenn sie nicht zur Reflektion oder Einsicht fähig sind, sind sie wohl auch nicht therapierbar.

06.01.2019 16:19 • #305


Kerstin_2016

Kerstin_2016

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Zitat von victim_reloaded:
Wenn sie nicht zur Reflektion oder Einsicht fähig sind, sind sie wohl auch nicht therapierbar.

Ich bin verantwortlich dafür was ich schreibe, nicht dafür wie Du es interpretierst.
Geschrieben hatte ich:
Zitat:
Und mit Einsicht oder gar Reflektion kann bei einem Narzisten nicht gerechnet werden, daher ist das zur Rechenschaft ziehen dieser "Täter" vergebene Lebensmüh und sollte vor allem gar nicht erst versucht werden . . .

Ich hüte mich davor über die Fähigkeiten anderer Menschen zu urteilen. Ich spreche lediglich davon, dass damit nicht gerechnet werden kann und das obliegt meiner Fähigkeit, nicht der meines Gegenübers.

Dann stelle ich meine Frage genauer:
Teile mir bitte genaue Angaben von Quellen mit wo ich die Begriffe "Egozentrisch-narzisstische Eltern" und "Erfolglos-narzisstische Eltern" (nicht ähnlich, sondern so wie sie auch verwendet wurden) nachschlagen kann. Ich habe einzig allein diese o.g. Begrisskombinationen für mich auseinander klabüstert und in Frage gestellt und bitte daher um genauere Angaben. Denn wie gesagt: ich sehe mir das sehr gerne näher an, da ich durchaus bereit bin, meine (persönliche) Meinung zu überdenken.
Die "gängige" Literatur bietet mir diese Begriffskombinationen bisher leider nicht an.

Zum Verständnis:
Einer meiner Wege war/ist es, Wörter die ich verwende (auch mir selbst gegenüber) zu überdenken, zu analysieren und zu schauen, ob diese einer festgesetzten Defintion im Gebrauch entsprechend verwendet werden. Das ist für mich sehr wichtig, auch im Zuge meiner persönlichen Weiterentwicklung. Für mache Haarspalterei, für mich nicht.
Seit einigen Monate ist das Thema "Narz. im Elternhaus" in meinem Leben präsent und ich sortiere und definiere (für mich) dahingend.

06.01.2019 16:55 • #306




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