lotusbluemchen
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lange habe ich überlegt, ob und wie ich diesen Beitrag schreibe. Bis heute weiß ich selbst nicht, warum mein Herz mich immer wieder dazu gedrängt hat all dies niederzuschreiben. Bei all den bewegenden und teilweise auch schockierenden Geschichten hatte ich das Bedürfnis einfach mal einige Dinge loszuwerden. Wenn ich es schaffe bei all dem Schmerz und bei all dem Kummer hier im Forum auch nur einem Einzigen etwas Mut und Hoffnung zu spenden, dann waren es alle Bemühungen wert und dann habe ich wohl auch mein Ziel erreicht.
Ich bin schon eine Weile hier im Forum. Auch ich kam damals voller Schmerzen und fand den Beistand und die Hilfe nach dem mein gebrochenes Herz damals geschrieen hat.
Wie oft lag ich nachts in meinem Bett und habe mir die Augen aus dem Kopf geweint. Wie oft stand ich morgens auf und fragte mich immer und immer wieder nach dem Sinn meines Lebens. Wie suchte ich den Schuldigen und fand keinen. Oft stellte ich mir Fragen, für die es keine Antworten gab. In mir war Schmerz, in mir war Wut, in mir war Hass, in mir war der Drang nach Rache. Ich hatte das Gefühl blutend und weinend am Boden zu liegen und keiner war da, der mich hört. Ich hatte das Gefühl, ich würde innerlich sterben. Ich hatte das Gefühl die Einsamkeit würde mich vollends verschlingen. Ich hatte das Gefühl, dass der Schmerz mich innerlich zerreißen würde. Niemals konnte ich mir nach einer Trennung vorstellen jemanden mehr zu lieben. Nie wieder wollte ich jemandem vertrauen, nie wieder wollte ich jemandem mein Herz schenken. Niemals wollte ich mich fallenlassen. Nie wieder wollte ich lieben.
Doch bei all dem Schmerz, bei allen geflossenen Tränen, bei all dem Kummer hatte ich DAS WICHTIGSTE vergessen:
MICH…
Irgendwann stützte ich mich mit meinen verheulten Augen, meiner roten Nase, meinen zerzausten Haaren und meinem vollkommen verknitterten Schlafanzug am Waschbecken ab und schaute in den Spiegel. Lange habe ich da reingeschaut. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf.
Ich sah den Schmerz, ich sah den Kummer, ich sah die Wut, ich sah den Hass, ich sah alles was „ER“ mir angetan hat. Ich sah die Verzweiflung, ich sah die Fassungslosigkeit, ich sah das blanke Entsetzen…
… aber mich sah ich nicht.
Irgendwann schaute ich in den Spiegel. Irgendwann… sah ich mich. Ich stellte mir nicht mehr die Frage: „Warum!“ Sondern ich stellte mir die Frage: „WAS WILLST DU?“
Die Erkenntnis kam…wenn auch nur schleppend… aber sie schlug ein wie eine Bombe. Dinge die passiert sind, konnte ich nicht verändern. Dinge die geschehen sind, konnte ich niemals ungeschehen machen.
Langsam erkannte ich, dass selbst wenn er zurückkehren würde, selbst wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich nicht mehr der Mensch bin, den ich einmal war und es auch niemals so sein würde, dass ich glücklich wäre.
Die Welt war für mich zusammengebrochen… aber trotzdem war mein Leben noch da. Die Welt existierte weiter… wenn auch in veränderter Form.
Ich fing an bei jedem auch noch so kleinen Schritt mich immer wieder zu fragen: „Macht Dich das glücklich? Tut Dir das gut?“… so bewegte ich mich Millimeter für Millimeter...
Täglich raffte ich mich auf… täglich stellte ich mir die Frage: „Was würde Dich jetzt glücklich machen?“… Ich fing an mich selbst zu belohnen, für jeden Schritt den ich geschafft habe… Mal ein heißes Bad…mal etwas leckeres zu Essen… mal ein Spaziergang im Freien. Plötzlich fing ich an Dinge wahrzunehmen, die ich nicht mehr gesehen habe… Ein Regenbogen… der Sternenhimmel… das Meer…
Und schließlich fand ich auch mich… und schließlich sah ich auch mich… klarer und deutlicher als ich es jemals tat…
Heute nach all den Trennungen kann ich nicht sagen, was einfacher ist… verlassen zu werden oder zu verlassen. Eines ist Gewiss… es ist jedes Mal schmerzhaft.
Hätte ich ein Patentrezept für die Liebe… dann wären wir alle nicht mehr hier.
Jemand hat in diesem Forum mal geschrieben: „Liebe ist kein Kampf… Liebe ist ein Geschenk!“…
Ich selbst sehe die Liebe wie ein wunderschönes Glas. Schenkt man ihm keine Beachtung, dann verblasst es und gerät in Vergessenheit. Putzt man es zu stark… kann es zerkratzen oder gar zerbrechen. Doch wenn man sorgfältig und behutsam poliert und die Oberfläche immer und immer wieder sanft streichelt, fängt es an zu glänzen. Wie jedes Glas zerbrechlich und einzigartig ist, so ist es auch die Liebe.
Mein Vater sagte einmal: „Die Liebe ist wie das Wasser in einem großen Topf. Kocht man den Topf auf kleiner Flamme, läuft man Gefahr, dass die Flamme erlischt und so das Wasser erkalten kann und es nie wieder warm wird! Ist die Flamme zu groß und das Wasser im Topf brodelt, ist die Gefahr, dass das Wasser verkocht und der Topf leer ist… aber wenn man die Flamme immer wieder reguliert…dann kann das Wasser ewig halten und man kann sich daran schön erwärmen…
Langsam hatte ich angefangen die Schmerzen in meinem Spiegelbild wegzuwischen… langsam erinnerte und erfreute ich mich an den schönen Momenten und an den schönen Erinnerungen. Denn eines wusste ich ganz genau. Nichts und niemand konnte mir diese Erinnerungen und diese schönen Momente mehr nehmen.
Langsam fing ich wieder an zu leben… ich lernte mich selbst wieder kennen und fing an auf mein Herz zu hören.
Heute sitze ich hier und kann Eines mit Gewissheit sagen. Niemals kann ich sagen: „Er war der Beste, so jemanden werde ich niemals wieder finden!“. Denn mit diesem Satz würde ich mich selbst belügen. Ich kann diesen Satz vielleicht sagen, wenn ich in meinen letzten Atemzügen bin, aber NICHT JETZT.
Nach all den Trennungen in meinem Leben habe ich doch eine neue Liebe gefunden, ob es für die Ewigkeit ist, kann ich nicht sagen, aber ich arbeite jeden Tag daran, dass es besser wird.
Wenn immer wir Streit haben, wenn immer ich wütend oder verzweifelt bin, frage ich mich immer selbst, aber vor allem mein Herz: „Was willst Du? Was würde die Liebe an dieser Stelle tun?“
Eines kann ich mit Gewissheit sagen, wenn sich zwei Menschen lieben, gibt es keinen Moment in dem einer von beiden von ganzem Herzen sagen kann: „Ich will nicht mehr, es ist aus!“
Man findet immer einen Kompromiss. Wir glauben an Götter, wir glauben vielleicht an das Gute, also warum glauben wir nicht einfach an UNS SELBST?
Was ich Euch damit sagen will ist, dass ihr niemals vergessen sollt, ab und an mal in den Spiegel zu gucken und zu fragen, ob Ihr wirklich glücklich seid. Denn nur wenn man glücklich ist, kann man auch jemand anderen glücklich machen. Wenn man sich selber liebt, kann man jemanden anderen lieben. TUT EUCH SELBST WAS GUTES!!!
Ihr sagt Euch… „Er/Sie ist einzigartig… niemals werde ich jemanden mehr lieben können. Niemals werde ich jemals jemandem so vertrauen können!“… doch wer sagt Euch, dass es da draußen nicht noch einen Menschen gibt, der Einzigartiger ist als Alles was ihr jemals kennen und geliebt gelernt habt? Wer sagt das?
Hört mehr auf Euer Herz… lohnt es sich für den Menschen zu kämpfen… dann tut es…! Aber bedenkt eines: „Wenn sich alles nach Euren Wünschen ändert. Wenn alles so sein wird wie es mal früher war, als Ihr noch glücklich wart… würdet ihr noch Ihr selber sein?“ Selbst wenn der Mensch alles dafür tun würde, für Euch alles ändern würde, wäre er noch der Mensch, den ihr kennen und lieben gelernt habt.
… „Ich möchte Dich nicht verändern, um Dich zu lieben!“
Ich wollte nicht Besserwisserisch sein… Ich wollte das einfach alles einmal niederschreiben…
Ich wünsche Euch viel Kraft… viel Mut, aber vor allem wünsche ich Euch den Willen… den Willen… Euch selbst und Eure Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen.
Liebe Grüße
lotusbluemchen