Casdarius
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ich habe lange überlegt, wie ich das sortiert bekomme.
Ich bin im März 43 Jahre alt geworden. Vor genau drei Jahren hatte ich meine letzte Beziehung, die 6 Jahre dauerte. Meine damalige Freundin, so wie auch die Frauen zuvor, lernte ich im Alltag kennen. Irgendwie begegnete man sich, meist an den immer wiederkehrenden Orten, Fitness Studio, Arbeit, Verein, damals noch intakter Freundeskreis und ich war auch immer erfolgreich, was das Ansprechen, was das Timing angeht, also wie man sich vernünftig kennenlernt. Es war einfach immer passend.
Vor Corona schon veränderte sich vieles meiner Umgebung, zwei wichtige Freunde zogen weiter weg, der Kontakt wurde weniger, sehr schade, der Austausch fehlt mir. Heute telefonieren wir ab und zu wegen der großen Distanz, aber es wurde schon vor Jahren weniger. Ich habe zwei Geschwister mit gutem Draht, darum bin ich sehr froh, auch insgesamt die Familie an dem Ort, wo ich wohne, ist stabil. Selbst habe ich ja keine.
Während ich früher super locker, super leicht in Kontakt mit Leute, Männern wie Frauen gekommen bin, habe ich heute das Gefühl, dass sich die Gesellschaft und ihre Erwartungen (an mich) verändert haben oder ich mit meiner bisherigen Art nicht mehr ankomme. Meinem Gefühl nach sind viele Menschen introvertierter sind verschlossener, weniger offen.
Super oberflächliche Kontakte aufbauen mag noch gelingen, auch an besagten Orten, aber dieser Oberflächlichkeit Tiefe zu verleiehen ist mir nicht mehr möglich. Das betrifft natürlich Männer als auch Frauen.
Viele lassen sich zwar auf Small Talk, oberflächlichen Kontakt ein, auch Leute, die ich aus dem Vereinsumfeld kenne, aber ich merke, dass nahezu immer ich derjenige bin, der sich erkundigt, fragt wenn jemand nicht im Training war, fragt ob jemand ins Training kommt oder auch mal bei Festen nachfragt, wer so da ist, überhaupt, ich stelle nicht einmal fest, dass das umgekehrt erfolgt. Ab und zu, wenn ich beispielsweise krank bin, kommt allenfalls vom Trainer eine eher vorwurfsvolle Whatsapp, wo ich denn gewesen sei.
Auch was das Dating betrifft, möchte ich mal zwei Beispiele nennen. Das oberflächliche Kennenlernen gelingt mir in gewissem Rahmen durchaus, auch längere Gespräche, die man führt, meistens über mein Vereinsumfeld, da erlebe ich eine erheblich geringere Skepsis gegenüber dem "ansprechenden Mann", da man den zum einen ja kennt und zum anderen einfach ins Gespräch kommt, ohne Absicht. Während ich bis vor einigen Jahren durchaus das Gefühl hatte, dass viele Flirts möglich sind, lassen sich heute nur wenige noch darauf ein oder tauchen dann nach gewisser Zeit einfach wortlos ab. Ich glaube, das nennt man Ghosting.
Ich habe da so zwei Beispiele. Letztes Jahr wurde bei uns die Sporthalle renoviert und wir hatten eine Ausweichhalle weiter weg. Eine Frau, die ich aus dem Verein kannte, hatte somit den gleichen Weg zum Zug, so wie ich. Wir unterhielten uns in der Zeit nach dem Training stundenlang, sie wartete vor der Halle auf mich, damit wir da zusammen hinlaufen, organisierte sich auch meine Handynummer, schrieb mich mal an. Dann kam plötzlich garnichts mehr, also sie tauchte dann ab, antwortete auch irgendwann einfach nicht mehr im Gespräch. Wenn wir uns heute begegnen, wirkt das einfach komisch. Meine Vermutung ist, dass sie meine Begegnung für Zeitverschwendung hielt. Trotz Komplimenten und auch einer spürbaren Sympathie empfand ich es nicht den passenden Zeitpunkt, irgend einen Schritt zu wagen, also sei es sie zu fragen, ob wir mal privat was machen oder irgendwas in der Richtung.
Dass ich es besser machen will und weniger zögerlich sein möchte, war dann mein Vorsatz beim Nächsten Mal. Das "nächste Mal" bot sich durch Zufall an. Eine Frau, die neu in die Nachbarschaft zog, bat uns, die Autos für einen Tag, wo der Umzugswagen kommt, woanders zu parken. Dadurch kamen wir erstmals in Kontakt. Irgendwann kamen wir uns Gespräch und mein siebter Sinn sagte mir auch, dass sie Single ist. War bzw. ist sie auch. Wir trafen uns, waren ab und zu mal was trinken oder auch etwas unternehmen, nach einer guten Hand voller Treffen sagte ich ihr, dass ich Gefühle für sie entwickelt hätte. Obwohl auch hier Komplimente hin und her gingen zwischen uns und ich auch hier Zuneigung, Sympathie empfand, tauchte sie dann phasenweise ab, insbesondere dann, wenn das mit uns hätte "näher" werden können. Und sie teilte mit, dass ihr zu schnell ginge, . naja, nach einigen Treffen finde ich kann man schon entscheiden, ob grundsätzlich das Kennenlernen in diese Richtung sinnvoll ist oder nicht. Das ganze ging dann bestimmt so ein halbes Jahr, bis ich für mich die Reißleine zog. Sie fragte interessanterweise immer wieder mal nach Treffen, mal nach Unternehmungen zusammen, die ich auch bereit war mit zu machen, trotz des Korbes, der nichts daran änderte, dass sie mir ständig weiterhin Komplimente machte und schrieb, aber jedesmal, wenn es zu mehr Nähe hätte kommen können, tauchte sie mit Ausreden wieder ab. Irgendwann war mir das zu dumm und ich habe ihr auch mitgeteilt, dass ich mit so einer unverbindichen und auch unzuverlässigen Art nich zurecht komme. Fast als hätte sie ein schlechtes Gewissen, wollte sie dann wieder "alles gut machen" und schlug weitere Treffen vor, die ich aber ablehnte, weil ich hier keine Vertrauensbasis gesehen habe. Um es abzukürzen: Auch hier hat mich mein Gefühl offenbar getäuscht.Auch hier: Jedesmal, wenn wir uns heute draußen treffen schreibt sie mich kurz später darauf an, ob wir nicht doch noch mal unsere Treffen wiederholen wollen, was ich aber in einer gewissen Regelmäßigkeit mangels Zukunftsperspektive abgelehnt habe. Ob da künftig noch etwas kommt, wage ich zu bezweifeln, ich glaube mittlerweile hat sie das verstanden.
Das sind nun nur einmal zwei Beispiele, bei denen ich das Gefühl habe, mein "Timing", mein "Gefühl", wann also welcher Schritt der Richtige zum richtigen Zeitpunkt ist, . . das habe ich nicht mehr oder ich habe es verlernt. Was immer funktioniert hat, . da bin ich entweder zu zögerlich oder ich bin zu schnell.
Ich würde gerne den Reset-Knopf drücken und einfach mal bei mir selbst überlegen, wie ich das in den Griff bekomme. Vielleicht kann mir irgendjemand einen Denkansatz geben.