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Depression und Partnerschaft

LostGirl1


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Zitat von Kleineschnecke0:
Es ist etwas passiert und er schrieb mit nur, dass er Ruhe braucht und sich für ein paar Stunden zurück zieht. Ich wollte ihn aber unbedingt sehen und dachte es sei eine gute Idee, einfach hinzufahren. War es natürlich nicht.

Es gibt Menschen, die Sorgen erstmal mit sich ausmachen. Ihre Gedanken allein sortieren wollen, bevor sie mit anderen darüber reden. Ja, auch bevor sie mit ihrem Partner darüber reden. Das würde ich nicht gleich depressiv nennen, ich bin da ähnlich gestrickt. Manche Themen möchte ich erstmal beiseite legen. Und / oder in Ruhe daran herumdenken. Und ich fühle mich da sehr unter Druck gesetzt wenn nicht gar überfordert, wenn jemand jetzt unbedingt darüber reden WILL. Ganz egal, was ich will.
Ja, in einer Beziehung haben beide Bedürfnisse. Er hatte das Bedürfnis nach Ruhe. Du nach Reden. Keines davon steht über dem anderen. Entweder, man findet als Paar eine Möglichkeit, damit umzugehen, oder eben leider nicht. Er kann sich nicht anders machen, als er ist. Du auch nicht.

Zitat von Kleineschnecke0:
Ich glaube dass er mitten in einer fetten Depression ist.

Ich bin mit solchen Diagnosen sehr sehr vorsichtig.
Wenn er gerade in einer schwierigen Phase steckt, und damit anders (deutlich introvertierter) umgeht, als Du es erwarten würdest, ist das nicht zwingend krankhaft. Und ja, natürlich kann man seinen Partner auf so etwas ansprechen. Allerdings sehe ich das nach der letzten Situation auch etwas kritischer. Denn er hat klar signalisiert, dass er Abstand braucht. Du hast es trotz der klaren Aussage für eine gute Idee gehalten, hin zu fahren. Damit hast Du evtl eine Grenze für ihn überschritten, auch wenn das nicht Deine Absicht war. Wenn Du ihn jetzt zu fordernd auf das andere Thema ansprichst, wird er sich vermutlich nur noch weiter einigeln. Was spricht dagegen, ihm einfach Zeit zu geben, und kurz angebunden Hilfe anzubieten, wenn er sie möchte?

Gestern 14:04 • x 1 #16


Karili


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Dagegen würde für mich sprechen, dass er bereits vor Beginn der Beziehung offenbar Belastungen hatte. Wer eine Beziehung eingeht, kann nicht hoffen, dass der Partner sich wie ein Puzzlestein in das eigene Leben einfügt. Wer sich auf eine Beziehung einlässt, muss bereit sein sich zu u.U. zu verändern und den anderen in seinen Eigenheiten anzunehmen. Partner lassen sich ja nicht einfach an und ausschalten.

Gestern 14:16 • x 1 #17



Depression und Partnerschaft

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LostGirl1


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Zitat von Karili:
Wer sich auf eine Beziehung einlässt, muss bereit sein sich zu u.U. zu verändern und den anderen in seinen Eigenheiten anzunehmen

und das gilt für beide - auch für unsere TE.
Wenn er jemand ist, der sich bei Problemen erstmal zurückziehen möchte, kann sie nicht den Anspruch haben, dass ihr Bedürfnis nach Reden wichtiger ist. das führt bei solchen Menschen nur dazu, dass sie noch weiter weg rücken.
Sie hat sich ja hier gemeldet, und sie kann nur ihr eigenes Verhalten beeinflussen. Ob sie das dann möchte, oder an der Beziehung festhalten möchte, ist eine andere Frage.
Meine Erfahrung (als selbst kleiner Einsiedlerkrebs) mit solchen Menschen ist: Verständnis und Zeit funktionieren. Dann kommen sie irgendwann auch von selbst schneller aus ihrer Höhle. Bedrängen, reden wollen jetzt, überfordern führt dazu, dass sie sich immer weiter entfernen.

Gestern 14:23 • x 1 #18


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von Kleineschnecke0:
Aber es gibt Momente, da brauche ich JETZT jemand


Hast Du da mal ein Beispiel?

Das klingt für mich leider nämlich äußerst ungesund.

Gestern 14:30 • #19


Cienne

Cienne


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Naja, wenn zwei Leute so unterschiedlich ticken, dann überlegt man sich entweder, ob die Beziehung überhaupt passt. Oder man findet einen Kompromiss. Ich bin auch eher dagegen, dass er sich zurückziehen darf und sie muss das so hinnehmen. Aber man kann sich eventuell in der Mitte treffen. Wenn sie sich zusammenreissen muss, muss er es aber auch irgendwie. Wenn er die Tendenz dazu hat, sich z. B. eine Woche komplett zurückziehen zu müssen, sie aber gerne jeden Tag Kontakt haben will, dann kann man sich arrangieren, dass er sich in den schlechten Zeiten aber jeden 2. oder 3. Tag meldet und ihr das Gefühl gibt, dass sie trotzdem wichtig für ihn ist. Und wenn es ihm wieder besser geht, wird etwas Größeres zu zweit geplant.

Anders ist es nicht ganz so tragbar, wenn sie komplett im Dunkeln gelassen wird. Wenn sie wenigstens weiß, okay, übermorgen meldet er sich aber mal, dann kann sie sich drauf einstellen.

Gestern 14:32 • x 1 #20


LostGirl1


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Zitat von Cienne:
Wenn er die Tendenz dazu hat, sich z. B. eine Woche komplett zurückziehen zu müssen

das hab ich jetzt nicht so verstanden:
Zitat von Kleineschnecke0:
er schrieb mit nur, dass er Ruhe braucht und sich für ein paar Stunden zurück zieht.

Persönlich finde ich, das sollte auch in einer Partnerschaft möglich sein. Wenn man zB eine schlechte Nachricht übermittelt bekommen hat, die man erstmal verdauen möchte, dann finde ich es völlig ok, sich ein paar Stunden zurückzuziehen.

Zitat von Cienne:
Naja, wenn zwei Leute so unterschiedlich ticken, dann überlegt man sich entweder, ob die Beziehung überhaupt passt. Oder man findet einen Kompromiss.

Das sehe ich ganz genau so.

Gestern 14:36 • #21


Karili


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Es gibt das sogenannte Gummiband-Experiment. Steckt man den rechten und linken Zeigefinger in ein Gummiband und bewegt einen Zeigefinger stark nach hinten, dann spannt sich das Band. Baut also Spannung zwischen den beiden Pilen auf. Bewegt sich der andere Finger jetzt nicht mit dem anderen, gibt also der Bewegung nach, droht das Band zu zerreisen. Damit besteht vielleicht zwischen den Fingern keine Verbindung mehr.

Bewgt der andere Finger sich dauerhaft mit, ist er in erzwungener gebeugten Haltung. Das verhindert zwar das Zerreissen, zwingt ihm aber auf, wie er sich verhalten muss.

In Beziehungen sollte mal der eine, mal der andere die Bewgung vorgeben, sonst kommt es zum Bruch oder Unterdrückung eines Partners. Beides sollte im besten Fall von beiden nicht gewünscht und vermieden werden.

Gestern 14:44 • x 3 #22


Cienne

Cienne


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Hmm, also ein paar Stunden Ruhe finde ich jetzt sogar sehr wenig. Ich gönne meinem Partner manchmal ein Wochenende alleine bei Freunden oder seinen Eltern, ohne dass es mich belastet oder so. Meistens hört man eh zwischendurch mal was vom anderen. Wichtig finde ich immer, dass man weiß, woran man beim anderen ist. Wenn er sagt "Schatz, ich hätte gern einen Abend einfach für mich.", dann sollte das eigentlich reichen ...

Gestern 14:52 • x 2 #23


Lilli70

Lilli70


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Zitat von Cienne:
Hmm, also ein paar Stunden Ruhe finde ich jetzt sogar sehr wenig. Ich gönne meinem Partner manchmal ein Wochenende alleine bei Freunden oder seinen ...
...ich glaube nicht, dass es hier nur um einen Abend geht. Das ist schon tiefgehender. Ich denke wir wissen hier alle, dass sein Verhalten nicht der Norm entspricht. Entweder schluckt sie es oder sie muss es beenden. Ich denke nicht, dass ein gemeinsamer Konsens gefunden wird.

Gestern 14:59 • x 1 #24


Kleineschnecke0

Kleineschnecke0


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Das ist auch kein Problem... Jeder von uns hat sehr viel Zeit für sich.
Wenn er wirklich Abstand braucht, dann sagt er das. Er hat auch schon Treffen abgesagt und das war okay. Ich drehe nicht immer so durch.
Aber ich brauche gefühlt nie Abstand... Ich kann ihn immer bei mir haben, egal wie es mir geht. Und das macht es für mich schräg... Weil ich sein Gefühl nur akzeptieren aber nicht nachvollziehen kann

Gestern 15:02 • x 1 #25


LostGirl1


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Zitat von Kleineschnecke0:
Aber ich brauche gefühlt nie Abstand... Ich kann ihn immer bei mir haben, egal wie es mir geht. Und das macht es für mich schräg... Weil ich sein Gefühl nur akzeptieren aber nicht nachvollziehen kann

Ihm wird es mit Deinem Verhalten genauso gehen.


Mitte 2020 hast Du das hier geschrieben:
Zitat von Kleineschnecke0:
Ich habe seit fünf Monaten eine neue Partnerschaft. Und eigentlich läuft es wirklich gut. aber er ist ein Mensch, der, wenn es Schwierigkeiten gibt (nicht in Bezug auf uns), alles mit sich selbst ausmacht.
Mein Kopf versteht das alles auch und eigentlich finde ich das auch gesund, aber ich kriege in dem Moment meine Verlustängste nicht in den Griff. Wenn ich machtlos bin und nichts tun kann als abwarten. Ich bin dann immer im Gefühl, dass ich nicht genug bin, dass er seine Sorgen mit mir teilt.
In dem Moment funktioniert dann nichts mehr, kein ablenken. meine Gedanken kreisen nur noch um ihn.
Ich weiß, dass ich das anstellen muss, weil ich sonst alles für uns beide schlimmer statt besser mache. aber wie?!

Was hat sich seitdem verändert, was habt Ihr versucht, was hast Du getan?

Gestern 15:07 • #26


Tin_

Tin_


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Teils erschreckend, was hier geraten wird, aber nicht überraschend, weil es von Frauen kommt.
Ja, das sage ich bewusst so provokant. Warum? Weil sich hier offenbar wenige Damen die Mühe machen, mal die Situation des Mannes einzunehmen und nachzuempfinden, wie die meisten Männer ticken.

Ein Mann wird in den meisten Fällen so erzogen, dass er stark zu sein hat, dass er nicht "weinerlich" ist und dass er für seine Herzensdame die Sterne vom Himmel holt. Das sind tief verankerte Glaubensgrundsätze, die in sehr vielen Männern "arbeiten". Hier treffen zumeist nun zwei Welten aufeinander im Umgang mit Konflikten und deren Lösung. Frau ist zumeist mit Gesprächen, Nähe und Verständnis an der Sache dran. Die meisten Männer gehen dort total konträr Ran.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich meine Probleme, vor allem wenn es wirklich belastende Probleme waren, nicht mit meiner Partnerin besprechen wollte. Warum? Weil ich sie damit schützen wollte (siehe oben) und es reicht, wenn einer belastet ist. Der Rückzug war in den meisten Fällen dann die "attraktivste" Variante, damit man zur Ruhe kommt oder das Problem mit etwas Zeit lösen kann.
Die meisten Frauen können damit aber schlecht umgehen, sie rutschen an den Partner ran, werden übergriffig (rede doch mir) oder überschreiten Grenzen, indem sie IHRE Art der "Hilfe" aufzwingen wollen. Auf sowas reagiere ich (und offensichtlich auch der Partner der TE) sehr allergisch.

Hilfe kann und soll man nicht aufzwingen. Sie kann angeboten werden, mehr aber auch nicht. Zumal ich die Arroganz in der Art und Weise zum brechen finde, wie das oft gemacht wird. Der Subtext dazu "ich weiss gerade besser als du, was du brauchst also dränge ich mich mit meinen Gedanken bzgl. Hilfe auf".

Klar, würde ich anstelle des Partners der TE angefressen sein und noch mehr Distanz einbringen - sogar bis hin zur Trennung, wenn sie es nicht kapiert.

Das was die TE da treibt, ist Druck aufbauen. Massiver Druck durch Erwartungshaltung - das "beste" was man in der Situation machen kann... NICHT!
Genau diese Erwartungshaltung spürt er wie kalten Atem, der ihm im Nacken sitzt. Da verwette ich Einiges darauf. Konsequenz: weiterer Rückzug.

Ganz ehrlich? Lass ihn in Ruhe und warte ab, dass er auf dich zukommt. Teils erschlägt mich sogar deine Erwartungshaltung und die anderer Schreiberinnen schon beim lesen.

Wenn das alles so unaushaltbar für dich ist und du so grenzüberschreitend (zu ihm fahren, obwohl er alleine sein wollte) agierst, dann such dir jemand anderen. Ich kann dir gar nicht wirklich klarmachen, wie übel ich diese Aktion von dir finde. Ich hätte dir die Tür gezeigt und für mich wäre es das auch dann gewesen.

Ist es echt so schwer sich zurückzunehmen und vielleicht ein wenig eigenständiger zu leben? Er ist doch nicht deine Beschäftigungstherapie. Du hast Freunde? Du hast Familie? Nutze diese Verbindungen.

Ich finde es wirklich furchtbar, wie sehr hier das Bedürfnis nach Nähe und Kommunikation teils als Pflicht zur Befriedigung hingestellt wird. Er ist in einer Partnerschaft, ja. Aber das verpflichtet zu genau was?!

Der große Unterschied, liebe Damen, bei seinem Bedürfnis nach Distanz und ihrem nach Nähe ist: sein Bedürfnis ist ohne Invest erfüllbar, ihres bedarf Invest. Für jemanden, der eine schwere Phase durch macht, ist weglassen so viel einfacher als investieren. Da sollte sich auch mal die TE hinterfragen.

Gestern 15:11 • x 5 #27


LostGirl1


1787
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Tin, ich mag Deine direkte Art

Zitat von Tin_:
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich meine Probleme, vor allem wenn es wirklich belastende Probleme waren, nicht mit meiner Partnerin besprechen wollte. Warum? Weil ich sie damit schützen wollte (siehe oben) und es reicht, wenn einer belastet ist.

Das hier ist glaube ein bissel der Knackpunkt. Ich kenne solches Verhalten auch von Partnern, und ärger mich dann ein bißchen. Weil ich vor nichts beschützt werden möchte, sondern eine echte "partnerin in crime" sein will. Aber ja, ich hab mich auch schon so verhalten, deswegen mache ich meinem Partner bei so einem Verhalten keinen Druck. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht. Ich biete meine Hilfe an, unaufdringlich und unaufgeregt. Der Kerl ist erwachsen, er hat jahrelang ohne mich überlebt, er wird sich schon melden, wenn er was braucht. Wenn ich mir Sorgen um ihn mache, sage ich das einmal in einem ruhigen Gespräch. ohne Forderungen.

Zitat von Tin_:
Der große Unterschied, liebe Damen, bei seinem Bedürfnis nach Distanz und ihrem nach Nähe ist: sein Bedürfnis ist ohne Invest erfüllbar, ihres bedarf Invest. Für jemanden, der eine schwere Phase durch macht, ist weglassen so viel einfacher als investieren.

Sehr wahre Worte.

Gestern 15:28 • x 1 #28


Tin_

Tin_


1678
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Zitat von LostGirl1:
Tin, ich mag Deine direkte Art

Eine der Wenigen ^^

Gestern 15:30 • #29


Kleineschnecke0

Kleineschnecke0


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Zitat von LostGirl1:
Ihm wird es mit Deinem Verhalten genauso gehen. Mitte 2020 hast Du das hier geschrieben: Was hat sich seitdem verändert, was habt Ihr versucht, was hast Du getan?


Ich bin schon sehr sehr viel gelassener geworden. Wenn es ihm schlecht geht finde ich das schlimm, aber ich frage nicht mehr ständig.

Meistens klärt sich vieles später.

Umso ärgerlicher dass es nun wieder dieses Muster sein musste.

Gestern 15:34 • x 2 #30



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