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Depression und Partnerschaft

Kleineschnecke0

Kleineschnecke0

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Mein Partner und ich sind seit 1,5 Jahren ein Paar. Wir leben nicht zusammen, aber sehen uns regelmäßig. Er ist chronisch krank. Hat viel mit Schmerzen zu tun und ist ein Mensch, der vieles mit sich ausmacht.

Nun ist es so, dass in der Zeit viel passiert ist in seinem Leben. Erwerbsfähigkeit, familiäre Probleme. Es passiert wenig Gutes, es geht viel um Probleme, Krankheit. Trotzdem war die Zeit, wenn wir zusammen waren immer schön. Wir reden viel, haben gemeinsame Hobbys. durch Corona ist man ja auch gezwungen viel in der Zweisamkeit zu bleiben.

Mein Problem ist, dass er zunehmend in den Rückzug geht. Immer wieder und ich damit nicht umgehen kann. Es triggert mich so, dass ich mich dann angelehnt fühle und dann auch Fehler mache, indem ich ihn bedränge. Sicherheit und Struktur einfordern, obwohl ich weiß, dass das kontraproduktiv ist.

Gestern ist es wieder eskaliert. Es ist etwas passiert und er schrieb mit nur, dass er Ruhe braucht und sich für ein paar Stunden zurück zieht. Ich wollte ihn aber unbedingt sehen und dachte es sei eine gute Idee, einfach hinzufahren. War es natürlich nicht.

Ich weiß nun absolut nicht damit umzugehen. Soll, muss ich mich zurück ziehen und warten bis er bereit ist, mich wieder zu sehen? Soll ich bewusst erstmal auf reden verzichten und es einfach laufen lassen? Eigentlich waren wir für heute verabredet.

Ich glaube dass er mitten in einer fetten Depression ist. Aber da alleine durch will ohne Hilfe. Und ich weiß nicht, ob es mir zusteht, ihn darauf anzusprechen.
Ich bin hilflos. Machtlos. und weiß nicht was richtig ist für ihn, für mich, für uns.

08.04.2021 12:17 • #1


will_hunting

will_hunting


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Du hast die anscheinend wichtigen Punkte schon selbst erkannt:
Zitat von Kleineschnecke0:
Immer wieder und ich damit nicht umgehen kann. Es triggert mich so, dass ich mich dann angelehnt fühle und dann auch Fehler mache, indem ich ihn bedränge. Sicherheit und Struktur einfordern, obwohl ich weiß, dass das kontraproduktiv ist.

Aus der Sicht der anderen Seite (die ich mir einbilde, aus eigener Erfahrung nachvollziehen zu können) kann ich Dir sagen, dass es definitiv nach hinten losgeht, wenn Du ihn weiter bedrängst.

Wenn Du Dich durch dieses Verhalten derart stark abgelehnt fühlst, dass es für Dich ein Problem wird, würde es sich auch mal lohnen, Deinerseits zu schauen, warum das so ist und womit das bei Dir zusammenhängt.

Meiner Erfahrung nach ist Nähe-Distanz-Regulierung in der Partnerschaft zum einen eine Frage der Kommunikation aber auch der jeweiligen Altlasten. Es betrifft damit definitiv beide Seiten.

Zitat von Kleineschnecke0:
Ich glaube dass er mitten in einer fetten Depression ist. Aber da alleine durch will ohne Hilfe. Und ich weiß nicht, ob es mir zusteht, ihn darauf anzusprechen.

Kommt darauf an, was Du unter "darauf ansprechen" verstehst.
Ist diese Ansprache zu forsch, zu fordernd oder zu bedrängend, wird er sich weiter zurückziehen.
Was sollte er denn Deiner Meinung nach mit der "fetten Depression" tun?
Es ist seine Entscheidung, ob er sich Hilfe sucht oder nicht. Es ist Deine Entscheidung, ob Du unter diesen Umständen die Beziehung weiterführen willst oder nicht.

08.04.2021 12:29 • x 1 #2



Depression und Partnerschaft

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Kerstin_2016


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Hallo,

Ich kann mir gut vorstellen, wie du dich fühlst.

Aber streng genommen: Du fühlst dich abgelehnt durch sein Verhalten. Anders herum könnte man argumentieren, dass du ihn durch dein Verhalten (einfach hinfahren) auch ablehnst, bzw. sein Bedürfnis nach Ruhe ablehnst.

Schwierig. Gerade, wenn viel Mist passiert. Es gibt Männer (auch Frauen) die dann in ihre Männer-Höhle verschwinden und regelrecht abtauchen. Besonders dann, wenn diese viel mit sich allein ausmachen. Da gilt es zu schauen, ob man damit umgehen kann. Kann man es nicht, hilft oftmals nur eine Trennung, weil es einen aufreibt und (Selbst-) Zweifel die Tagesordnung bestimmen können oder es hilft Arbeit an sich selbst, um die eigenen Gedanken und Emotionen dann regulieren zu können.

Es wird helfen, nach zu sehen, warum man mit solch einer (vermeidlichen) Ablehnung nicht umgehen kann. Was steckt dahinter? Verlustangst? Angst vor Ablehnung? Angst vor Ignoranz?

Es gilt an sich zu akzeptieren, dass jemand sich zurück zieht und dies erst mal nicht persönlich zu nehmen. Klammern ist keine gute Idee, auch für einen selbst nicht. Was nicht heißen soll, dass man es stillschweigend über sich ergehen lassen soll. In einem passenden Moment kann es durchaus sinnvoll sein, anzusprechen, was solch ein Rückzug in einem auslöst. Es kommt auch, wie ich finde, darauf an, wie dieser Rückzug aussieht. Sind es mal ein paar Stunden, ist das nicht der Rede wert. Sind es Tage, lohnt sich ein Blick auf die Umstände die vorliegen. Ist es nur das Meldeverhalten? Ist es die Art wie dann kommuniziert wird?
Pauschal lässt sich das nicht immer in eine Schublade stecken. Das kann schon indivuell sein. Auch Charakterzüge beider Beteiligten sind da nicht unerheblich. Ebenso Werte, Bewältigungsstrategien ect.

Liebe Grüße
Kerstin

08.04.2021 12:40 • x 3 #3


Karili


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Ich finde es immer kritisch, wenn ein Partner die Lasten mitbringt und der andere verstehen und sich anpassen soll. Wer sich trotz Belastungen auf eine Beziehung einlässt muss sich darüber im Klaren sein, dass er trotzdem die Rolle des Parters eingegangen ist. Und das bedeutet, nicht nur auf sich zu gucken, sondern auch den anderen zu sehen und sich für den anderen auch mal zurückzunehmen.

Warum soll sein Bedürfnis nach Ruhe über deinem Bedürfnis nach Nähe stehen? In einer Partnerschaft sollen doch die Bedürfnisse beider gleichviel zählen. Oft lese ich in diesem Forum, dass ein Partner mit ach so vielen Baustellen in eine Beziehung geht und der andere Partner rücksichtsvoll, verständnisvoll, eigene Gefühle und Bedürfnisse unterdrückend, sich bitte an den so belasteten Partner anpassen soll. Warum? Sollte der belastete Partner nicht auch froh sein, dass da jemand an seiner Seite bleibt OBWOHL auf seiner Seite viel Ballast ist? Dass er jemand gefunden hat, der den ganzen Kram akzeptiert und nicht als Ausschlusskriterium gesehenen hat, weil für ihn ein freies und unbelastetes Leben im Vordergrund steht?

Ich würde ihm ganz klar sagen, dass trotz seiner Baustellen die Bedürfnisse beider gleichrangig sind und falls er als Partner nicht für dich da sein kann, sondern im Gegenteil, fordert, dass du deine Bedürfnisse unterdrückst und dich falls gewünscht wegräumst, er sich nicht partnerschaftlich verhält. Dann sagen, was du dir von ihm und der Partnerschaft wünschst. Es kann gut sein, dass er das als zu viel empfindet. Er mit dir handeln will oder sagt, entweder nach meinen Regeln, oder du kannst gehen. Du kannst natürlich auch weiterhin deine Bedürfnisse unterdrücken und dich wegräumen wenn er es will, es wird dich nur langfristig nicht glücklich machen. Du darfst tatsächlich auch Forderungen stellen.

08.04.2021 12:44 • x 5 #4


Lilli70

Lilli70


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Zitat von Kleineschnecke0:
Mein Partner und ich sind seit 1,5 Jahren ein Paar. Wir leben nicht zusammen, aber sehen uns regelmäßig. Er ist chronisch krank. Hat viel mit ...
was glaubst du denn, was richtig für dich ist?

08.04.2021 12:48 • x 1 #5


Kleineschnecke0

Kleineschnecke0


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Für mich wäre es richtig, wenn er klar kommuniziert, was aktuell für ihn geht und was nicht. Dass er dann einfach mal das Telefon nimmt und mich anruft, wenn ich versuche ihn zu erreichen. Dass wir uns in der Mitte treffen... Vielleicht ganz kurz persönlich sprechen... Dann ist es für mich oft okay und ich kann seinen Rückzug annehmen und einordnen. Aber in der Luft hängen gelassen zu werden ist für mich schlimm... Und dann eskaliere ich wie gestern, weil ich mich nicht gesehen fühle.

08.04.2021 12:58 • x 1 #6


Pinkstar

Pinkstar


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Zitat von Kleineschnecke0:
Für mich wäre es richtig, wenn er klar kommuniziert, was aktuell für ihn geht und was nicht. Dass er dann einfach mal das Telefon nimmt und mich anruft, wenn ich versuche ihn zu erreichen. Dass wir uns in der Mitte treffen... Vielleicht ganz kurz persönlich sprechen... Dann ist es für mich oft okay und ich kann seinen Rückzug annehmen und einordnen. Aber in der Luft hängen gelassen zu werden ist für mich schlimm... Und dann eskaliere ich wie gestern, weil ich mich nicht gesehen fühle.


Hallo @ @Kleineschnecke0

Leider muss ich dir mitteilen, dass du seinen Rückzug akzeptieren musst, dich sogar aus dieser Beziehung erstmal lösen musst. weil er nicht beziehungsfähig ist.

Er hat zuviele Baustellen mit sich selber.

Du kannst ihm lediglich anbieten, dass er sich jederzeit bei dir melden kann, wenn er jemand zum reden oder Hilfe braucht.

Mehr geht leider nicht!

Tut mir Leid für dich, aber er kann dir nicht das geben, was du brauchst.

L G Pinkstar

08.04.2021 13:03 • x 2 #7


Clara_

Clara_


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Hallo Kleineschnecke,

deinen anderen Therads zufolge, lief es gelinde gesagt, noch nie wirklich rund. Ich sage es ungerne, aber meinst du nicht, dass du eher sein Coronahampelmann bist, als seine Partnerin?

Irgendwie hört das für mich nicht wirklich nach Liebe an und ich glaube, dass du genau das die ganze Zeit spürst.

08.04.2021 13:05 • x 1 #8


Lilli70

Lilli70


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Zitat von Kleineschnecke0:
Für mich wäre es richtig, wenn er klar kommuniziert, was aktuell für ihn geht und was nicht. Dass er dann einfach mal ...
aber genau das was du willst, kann er nicht oder will er nicht. Das müsstest du langsam wissen. Löse dich , glücklich wirst du mit ihm nicht mehr werden.

08.04.2021 13:14 • #9


Karili


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Zitat von Kleineschnecke0:
Für mich wäre es richtig, wenn er klar kommuniziert, was aktuell für ihn geht und was nicht. Dass er dann einfach mal das Telefon nimmt und mich anruft, wenn ich versuche ihn zu erreichen. Dass wir uns in der Mitte treffen... Vielleicht ganz kurz persö...


Auf all das hast du auch ein Recht. Menschen, die gesundheitlich und anderweitig längere Zeit belastet sind, haben oft abgespeichert, dass ihnen ein Hilfsnetz zur Verfügung steht, dass sie im Zentrum hat. Ärzte sehen auf den Hilfsbedürftigen, Apotheker, oft auch Freunde und Familienangehörige. Immer steht der Hilfsbedürftige als derjenige da, um den es sich zu kümmern gilt und der sich auch um sich selbst kümmern darf. Alle anderen haben sein Kommen und Gehen hinzunehmen und bitte keine eigenen Ansprüche formulieren. - Sein Arzt wird nicht einfordern, dass dein Partner ihm zuhört und sich Zeit für die Probleme des Arztes nimmt, genauso ist es beim Apotheker. Familie und Freunde sind oft an der Peripherie und nur hin und wieder mit dem Hilfsbedürftigen konfrontiert. Es fällt es leichter die volle Aufmerksamkeit auf jemanden zu richten, der das eigene Leben nicht beeinflusst und nach ein paar Stunden wieder nach Hause geht.

Als Partner/in ist man aber eher miteinander verwoben. Und der Hilfsbedürftige muss sich hier anders zeigen, als z.B. beim Arzt. Du hast Wünsche und es muss für ihn auch ein inneres Bedürfnis sein, dich glücklich und zufrieden zu sehen. Wenn er sich zurückziehen kann, obwohl er weiß, dass es dir mit seiner Reaktion nicht gut geht und er sich nicht zumindest erklären kann, dann fehlt ihm richtig viel Empathie. Ich finde deinen Wunsch von ihm zu wissen was los ist, total verständlich. Sich dem Partner kurz zu erklären sollte das Minimum sein.

Woher nimmt er denn die Gewissheit, dass du nach dieser Aktion noch da bist wenn er entscheidet seine Man Cave zu verlassen? Ist es ihm gleich, ob er dich dann noch vorfindet oder nicht? Denk mal darüber nach, ob du ihm eine klare Ansage machen möchtest.

08.04.2021 13:15 • x 2 #10


Kleineschnecke0

Kleineschnecke0


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Er sagt immer, dass er für mich da sein will... Das glaube ich ihm auch. Aber er kann es nicht.
Ich bin mit Sicherheit kein Stalker oder erwarte, dass man minütlich für mich springt. Aber es gibt Momente, da brauche ich JETZT jemand...nicht abends... Und wenn es nur kurz ein paar Minuten am Telefon ist. Das ging mal ne Zeit...gerade ist er aber dazu nicht bereit...und ich traue mich schon gar nicht mehr irgendwas einzufordern.
Dass ich gestern da war, ja das war MEIN Bedürfnis, dass ich mir ohne Rücksicht auf ihn genommen habe. Und bin damit in den Pool der Menschen gekommen, die Erwartungen an ihn haben und auf seine Bedürfnisse keine Rücksicht nehmen. Er sagte, "ich höre nur ich, ich, ich"... Das tat so unsagbar weh...

08.04.2021 13:29 • x 1 #11


Lilli70

Lilli70


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Du bist laut Profil 38 Jahre alt. Wie alt ist er? Warum lässt du so mit dir umgehen? Du bist unglücklich und veränderst deine Situation nicht. Warum? Er wird nichts ändern, du sollst ihn so hinnehmen. Wieso solltest du? Möchtest du leiden?

08.04.2021 13:32 • x 1 #12


Lilli70

Lilli70


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Außerdem wertet er dich ab, weil du auf deine Bedürfnisse hörst. Geht ja mal gar nicht. Wenn es mir schlecht geht, möchte ich einen Partner haben, der mich hält und unterstützt. Ich frage mich die ganze Zeit, wo das bei ihm der Fall ist? Du unterstützt doch nur ihn. Das heißt ,du hast die Rolle der Frau Mama eingenommen, und auf die ist man/n nicht scharf!

08.04.2021 13:38 • x 1 #13


Karili


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Er hört also "ich, ich, ich" ...als sein eigenes Echo vielleicht? Denn ganz offensichtlich ist sein "ich" ihm ja aktuell wichtiger als das "du und wir". Das gäbe mir zu Bedenken. Du bist im Übrigen seine selbstgewählte Partnerin und nicht Teil eines Forderungspools. Zieh dich mal zurück und schreib ihm vorher, dass du gerne für ihn da gewesen wärst aber er dir nicht sagen kann wie und du dich deshalb bis XY mal ganz zurückziehst um ihm die Ruhe zu geben, die er sich gewünscht hat. Dann ihn mal ne Woche auflaufen lassen. Heult er danach, du wärst in seinen dunklrn Stunden nicht für ihn da gewesen oder meldet sich nach der Woche nicht, weisst du wo du stehst.

08.04.2021 13:53 • x 2 #14


Lilli70

Lilli70


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Zitat von Karili:
Er hört also "ich, ich, ich" ...als sein eigenes Echo vielleicht? Denn ganz offensichtlich ist sein "ich" ihm ja aktuell ...
....gut gedacht, Karili, aber ich denke, dass er zu Ichzentriert ist. Der ändert nichts, nur für einen Moment und dann geht die ganze Schose von vorne los....

08.04.2021 13:56 • x 1 #15



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