Gato und Wursti:
Ihr seid so nah dran und stolpert immer wieder über die gleichen Phänomene. Nur fällt die Zuordnung so schwer, weil das patriarchale System für euch eben besser funktioniert als die Alternative. An eurer Stelle würde ich das auch verteidigen.
Zitat von ElGatoRojo: Das Männer sich in Gruppen zusammenschließen und innerhalb der Gruppe schauen, dass diese funktioniert, ist für die Entwicklung der Jungs sehr entscheidend.
Zitat von ElGatoRojo: Die Basis für Teamwork in der Arbeitswelt.
Ihr verwechselt da gerade Henne und Ei.
Das Patriarchat stellt Männer in einen Wettbewerb miteinander (und nicht in Wettbewerb mit Frauen). Daraus folgen Hierarchien und der Drang, der Beste und Experte zu sein und andere anzuführen.
Das bildet sich in Jungsgruppen genauso ab wie in der Arbeitswelt.
Mädchen organisieren sich unter der aktuellen Prägung, in der sie alle möglichst gleich bleiben sollen, nicht hierarchisch. Sie passen sich in der für uns von Männern geprägten Arbeitswelt genauso an die Hierarchie an, auch wenn sie es nicht von klein auf gelernt haben.
Und jetzt kommt die Fehlannahme, dass eine Arbeitswelt, die von uns für Frauen gemacht ist, zu Hunger führen muss.
Studien zeigen, dass die Beteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, besonders in der Führung, zu nachhaltigerem Erfolg führt, als rein männliche Teams und Führung.
Wirtschaftssysteme, die auf Wachstum und Verdrängung basieren und Monopole zum Ziel haben, profitieren von einer patriarchalen Struktur.
In Zeiten ökologischer Endlichkeit, in der nachhaltige, ressourcenschonende und kooperative Wirtschaftssysteme nötig sind, ist das Patriarchat hinderlich und die Frauen anerzogene Herangehensweise von Vorteil.
Zitat von Wurstmopped: Nun ja in der Vergangenheit haben ja überwiegend Frauen die bösen Patriarchen erzogen,
Und das ist wieder ein beliebter Denkfehler.
Nur weil jemand von einem patriarchalen System profitiert, ist er kein "böser Patriarch". Die Kritik am Patriarchat als "alle Männer sind böse" und "alle Männer sind schuld" fehl zu verstehen ist eine Diskussionsschleife, die Männer gerne aufmachen, um berechtigte Forderungen abzuwürgen.
Und ja, Wurstmopped, selbstverstäbdlich erziehen Frauen in einem patriarchalen System ihr Söhne zu "Helfen" und ihre Töchter zu "Dienerinnen". Alles andere wäre ja dämlich und den Kindern nicht dienlich. Frauen (und Männer) im Kapitalismus erziehen ihre Kinder auch nicht zu besitzlosen Kommunisten und umgekehrt.
Das Patriarchat war in dem Moment aufgebrochen und Frauen konnten Söhne und Töchter anders erziehen, als es Frauen ermöglicht wurde, allein mit guter Lebensqualität zu leben (Zugang zu höherer Bildung, gut bezahlter Arbeit, Kinderbetreuung, gesellschaftliche Teilhabe als ledige Frau und Alleinerziehende). Ab da war das Überleben einer Tochter nicht mehr von der Unterwerfung unter die Ansprüche ihres Vaters und Mannes abhängig und Frauen konnten eigene Ansprüche stellen.
Und da wären wir wieder bei Tinder und den (aus Sicht des Patriarchats) "überzogenen" Ansprüchen der Frauen und der Verwunderung der Männer, dass sie nicht mehr nur mit anderen Männern konkurrieren und der "Beste" sein müssen, sondern auch mit der Lebensqualität konkurrieren, die Frauen ohne einen Partner für sich schaffen können (Stichwort: Männerüberschuss).