Zitat von Fenjal: Um was geht es denn da?
Hab ich doch oben schon geschrieben.
Mir ging es immer darum, in Familie zu leben, in einer Gemeinschaft, die Werte, Rituale und Geschichten weitergibt und mit 2 und 3 Generationen Gemeinsames erlebt.
Und mit genau diesem Ziel hab ich nach Studium und beruflicher Etablierung auch gedatet. Ich dachte, dass Familie zu zweit in jeder Generation (zwei Eltern, zwei Kinder, zwei mal zwei Großeltern) leichter ginge und schöner wäre und hab mich darum bemüht, das zu erreichen. Und musste dann doch erkennen, dass es manchmal mit einer Einzelbesetzung leichter und schöner ist und meine ursprüngliche Annahme falsch war. Von Einzelkinder als Ideal bin ich nach wie vor nicht überzeugt. Ich denke, die meisten gehen mit Geschwistern leichter und schöner durchs Leben. Wenn das andere aber anders sehen und erlebt haben, ficht mich das nicht an. Genauso freu ich mich über jeden (z.B. meine Eltern), die das Familienleben mit zwei Elternteilen als leichter und schöner empfunden haben. Daher rührte ja auch mein Ideal. Das ich jedoch nicht wie sie über 50 Jahre umsetzen konnte.
Worin da der Widerspruch sein soll bzw. wo die Weitergabe von Genen wichtig gewesen sein soll, kann ich weder bei mir noch bei irgendwem sonst, den ich kenne, erkennen.
Zitat von Fenjal: Frauen, die die Erzeuger ihrer Kinder abwerten, das schon bevor sie das Licht der Welt erblickten
Wo hab ich das denn gemacht?
Ganz im Gegenteil. Ich habe meinen Exmann sehr geschätzt, mehr als jeden anderen Mann, weshalb ich ihn auch geheiratet und ihm jeden Wunsch erfüllt habe. Dass ich seinen grundsätzlichen Kinderwunsch als eines meiner Auswahlkriterien bei der Partnerwahl vorausgesetzt habe, wertet ihn nicht ab. Es war eines von Hunderten Kriterien, die er alle (zumindest für einen Zeitraum) erfüllen konnte. Genauso wie ich die Hunderte seiner Kriterien erfüllt habe.
@PizzaPeperoni
Ich glaube, ich weiß genau, was Du meinst. Und dennoch mag ich Dich gerne zum Hinterfragen auffordern, ob Dein (jederzeit berechtigtes!) Gefühl auf eigenen Vorlieben beruht oder auf einer Mechanik, die Dir von der Gesellschaft beigebracht wurde.
Zitat von PizzaPeperoni: Ich möchte keine Frau, die zu leicht zu haben ist
Ist sie denn für jedermann leicht zu haben? Oder nur jetzt bei Dir? Woher weißt Du, dass sie sich an jeden schmeißt, weil sie ohne Mann nicht leben kann? Und sie Dich nur ausgewählt hat, weil Du gerade da warst. Du also jederzeit und gegen jeden ausgetauscht werden könnest?
Vielleicht bist Du ja etwas Besonderes, weil sie bei Dir sofort weiß, dass sie bleiben will? Wieso gibst Du vor, wann sie genug von Dir wissen kann, um eine dauerhafte Entscheidung für sich zu treffen?
Zitat von PizzaPeperoni: und das wenn ich sie dann „erobert“ habe, es etwas besonderes ist.
Und daraus entsteht dann der künstliche Tanz.
Der kapitalistische Gedanke, dass nur das wertig ist, was viel Mühe oder Geld kostet, ist in uns allen tief verankert. Sie muss ihren Wert hoch halten, damit Du Dich bei ihr wertvoll fühlst. Und weil Frauen wissen, dass viele Männer so denken, stehen Frauenzeitschriften voll davon, wie lange man eine Telefonnummer oder Kuss oder Sex herauszögern muss, um sich selbst aufzuwerten und das Interesse des Mannes hoch zu halten.
Das ist letztlich auch nur Manipulation, quasi die weibliche Form von PUA.
Und umgekehrt messen die Frauen dann daran, wie viel Geld der Mann für sie ausgibt und wie doll er sich um sie bemüht, ob sie etwas Besonderes für ihn sind.
Zwei Seiten der gleichen Gazelle-vs.-Löwe-Medaille.
Und wären wir nicht glücklicher, wenn wir uns im Privatleben von solchen kapitalistisch-transaktionalen Ansätzen frei machen könnten?
Worauf können wir uns denn, wenn alle systemischen Prognosen aus Hierarchie, Abhängigkeit und Verknappung in einer Beziehung wegfallen, wirklich verlassen?
1. Darauf, dass eine Person, die sich uns anbietet (ob rituell versteckt per "zufälligem" schüchternen Augenkontakt und Lächeln oder offensiv per "willst Du mit mir...") uns in diesem Moment begehrt. Und
2. dass keine noch so sorgsame Vorsortierung, kein Einhalten von Ritualen, Zeitdauern, Rollenverteilungen oder Hürden wie Heiratsversprechen ein Garant dafür sind, dass die Person Dich noch in einer halben Stunde, nächste Woche, in einem Jahr oder 10 Jahren noch begehrt. Beispiele gibt's hier im Forum zuhauf. Und
3. dass die Anziehung, Anbahnung von Beziehung und Sex und das Begehren wenig Auswirkung auf die Beziehungsqualität und -dauer insgesamt haben. Es gibt Paare, die sich auch nach Jahren noch zum Anbeißen finden, aber im Alltag völlig dysfunktional miteinander sind. Und es gibt langjährige Ehen, in denen der Sex noch nie gut war, die Beziehungsanbahnung mehr als holprig, die beiden aber einen ganz harmonischen Alltag gestaltet bekommen und in sich gegenseitig die besten Charakterzüge hervorrufen.
Mein persönliches Fazit aus 1. - 3. ist daher, dass unser subjektives Gefühl, wann aus einer rein biochemischen Anziehung eine Paarbeziehung wird, die uns durchs Leben trägt und dauerhaft Kraft spendet, offenbar auf tausend kleinen Bauernregeln beruht, die ihren Ursprung in kapitalistischen, religiösen oder patriarchalen Glaubenssätzen haben, aber dadurch genauso zuverlässig sind, wie die Wetter Bauernregeln.
Die erschreckende Wahrheit ist dann, dass das eigene Verhalten kein Garant für egal welche Reaktion des Partners ist. (Was einen natürlich nicht davon abhalten sollte, sich anständig zu verhalten. Aber vielleicht davon, sich manipulativ zu verhalten [Note to myself])
Und wenn es darum geht, dauerhaft mit jemandem glücklich zu werden und am gleichen Strang zu ziehen, man die passende Biochemie/Anziehung genauso als Grundlage nehmen kann wie gemeinsame Werte oder Ziele (oder alles 3 zusammen). Und man dennoch nicht umhin kommt, jeden Abend nachzufragen, ob man heute etwas getan oder gelassen hat, was den anderen dazu bringt, einen weniger zu lieben oder zu achten. Und man im Grunde jeden Morgen nachfragen müsste, ob der andere noch mit ganzer Kraft in dieser Beziehung sein möchte. Nur dann hat man (sofern der andere nicht lügt) eine Garantie für genau einen Tag.
Und wer jetzt denkt, dass dieses morgens und abends Rumgefrage nur für einen Tag Beziehungssicherheit albern ist, der darf sich nochmal die Tänze vor Augen führen, die wir jagdmäßig und vorsortierungstechnisch und anderweitig strategisch-gefühlsgetrieben aufführen, um sicherzustellen, dass die Person, die wir lieben, uns morgen auch noch liebt. Die soll eine 5 bis 7 von 10 sein, wenn man selbst eine 6 von 10 ist, soll aus einer intakten Familie kommen, die letzte Beziehung vor ca. 1 Jahr beendet haben, nicht zu viel daten, den Wert meiner Person frühzeitig erkennen, sich mir aber nicht zu schnell hingeben, etc. pp. Das ist genauso albern und umständlich. Und es schützt auch nicht davor, über Nacht verlassen zu werden.
Das einzige, was mal geschützt hat, war finanzielle, gesellschaftliche, religiöse oder emotionale Abhängigkeit beim anderen zu verursachen. Aber ist es wirklich erstrebenswert, mit jemandem das Leben zu teilen, der keine andere Wahl hat, als zu bleiben? Von allen Gefängniswärtern bin ich aber der, den sie wirklich liebt?
Ein anderer Schutz wäre, so zu leben, das der Weggang des Partners nie weh tut. Damit versagt man sich aber auch die Synergieeffekte.
Ein bisschen Schutz bietet auch, dem anderen sehr viel Anlass zu bieten, zu bleiben. So hab ich es immer gehalten. Das führt natürlich immer dann zu Problemen, wenn man mit dem, was der andere bietet, dauerhaft oder zunehmend unzufrieden ist.
Einen 100% wirksame Lösung für das, was mit den Dating-Bauernregeln erreicht werden soll, habe ich also nicht.
Und wenn Du weiterhin jagen willst, damit es sich für Dich richtig und stimmig anfühlt, ist dagegen nichts einzuwenden. Es gibt genügend Frauen, die darauf eingerichtet sind und Dir das Katz-und-Maus-Spiel aufführen, bevor sie Dich dann endgültig erlegen und sich auf gleiche Art Deinen Wert beweisen lassen, da sie ihren zuvor durch das Jagdspiel bewiesen haben.
