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Ehe ohne Sex Bin ich Partner oder nur der Butler?

Nick-Hall

Nick-Hall
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Hallo zusammen,

ich schreibe euch heute, weil ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich alleine nicht mehr weiterweiß.

(Kurzer Hinweis: Mein Deutsch ist nicht perfekt, da Englisch meine Muttersprache ist – ich hoffe, ihr versteht mich trotzdem gut.)

Die Ausgangslage:
Meine Frau und ich sind seit 10 Jahren zusammen und seit 3 Jahren verheiratet. Was vielleicht extrem klingt: Wir hatten von Beginn an, also seit 10 Jahren, keinerlei intime Beziehung. Anfangs schob ich es auf beruflichen Stress, doch die Situation hat sich über die Jahre massiv verfestigt.

Die gesundheitliche Belastung:
Vor einigen Jahren kamen zwei Diagnosen fast gleichzeitig:

Ich: PTSD (PTBS) aufgrund meines früheren Jobs. Ich lebe sehr zurückgezogen, meide Menschen und gehe kaum aus.

Sie: Multiple Sklerose (MS).

Ich habe ihr damals versprochen, sie niemals im Stich zu lassen. Dieses Versprechen lastet heute schwer auf mir.

Die Dynamik im Alltag:

Wichtig zu verstehen ist: Meine Frau ist körperlich bisher kaum eingeschränkt. Sie leidet ab und zu unter Schwindel oder lässt mal eine Flasche fallen, aber sie geht weiterhin ganz normal arbeiten. Dennoch hat sie sich zu Hause fast vollständig aufgegeben.
Sie bewegt sich kaum, beteiligt sich absolut nicht am Haushalt und lässt alles an mir hängen. Ich fühle mich nicht wie ein Ehemann, sondern wie ein Butler. Wenn ich versuche, das Thema anzusprechen oder meine Frustration äußere (weil die Wohnung völlig vernachlässigt ist), dreht sie den Spieß um: Meine Wut sei der Grund, warum sie nichts tun könne. Es fühlt sich an wie eine manipulative Blockade.

Der Druck von außen und meine Isolation:
Meine Freunde (die leider alle im Ausland leben) sagen mir mittlerweile alle das Gleiche: Ich sei "irre", mir das so lange gefallen zu lassen. Sie raten mir massiv zur Trennung oder dazu, mir für die Intimität jemand anderen zu suchen.
Doch für mich ist das nicht so einfach. Durch meine PTSD fällt es mir extrem schwer, auf Menschen zuzugehen oder mir überhaupt vorzustellen, wie ein "Neuanfang" aussehen soll. Ich fühle mich wie in einer Sackgasse: Zu Hause werde ich nur ausgenutzt, aber ein Ausbruch fühlt sich durch meine eigene psychische Verfassung fast unmöglich an. Ich fühle mich wie ein Gefangener meiner eigenen Loyalität und meiner Krankheit.
Meine Fragen an euch:
Gibt es hier Partner von MS-Erkrankten, bei denen die Krankheit zu einer psychischen Apathie führt, während im Job noch alles funktioniert?
Wie geht man mit dem Rat von Freunden um ("Such dir eine andere"), wenn man selbst durch PTSD kaum in der Lage ist, ein soziales Leben zu führen?
Wie schaffe ich es, mein Versprechen ("Ich verlasse dich nicht") zu überdenken, wenn die Beziehung eigentlich nur noch aus Pflege und Haushaltsarbeit besteht?
Ich danke euch für eure ehrlichen
Antworten.

Gruß,

Nick

x 2 #1


Vajana
Hallo Nick,
Es ist dein Leben und da sind wir auch schon beim Thema:

Du hast nur dieses eine Leben!

Hat deine Frau dir nichts versprochen was sie nicht hält?

Hast du sie mal gefragt wieso es keine Intimität gibt?

Was können wir dir hier sagen was dich bestärkt?

Ich hätte es 1-2 mal angesprochen, dass ich mir kein Leben ganz ohne Intimität (mehr) vorstellen kann. Und dass mir ein Mindestmass an Hilfe fehlt. Seih es auch nur 10% im Haushalt, kleine Tätigkeiten, die von Mühe und Wertschätzung zeugen.

Wenn diese Gespräche ins leere laufen und sich nichts ändert, hätte ich persönlich keine Hemmungen zu gehen. Du bist ja auch dir selbst gegenüber verantwortlich. Fremdgehen finde ich dagegen nicht okay. Ich sehe das auch nicht als Lösung für euer Problem.

Bist du denn aktuell in Behandlung? Kannst du mit einem Therapeuten über deine Leiden in der Beziehung sprechen. Und wäre eine Paartherapie denkbar ?


Ich wünsche dir, dass du für dich eine Lösung findest, mit der es dir (auch) gut geht.

Edit: irgendwie kam mir gerade der Film Norbit und Rasputia als Kopfkino wie ich mir deine ( eigentlich so garnicht lustige) Situation bildlich vorstelle 🙈🍫

x 3 #2


A


Ehe ohne Sex Bin ich Partner oder nur der Butler?

x 3


S
@Nick-Hall, es tut mir Leid für dich, aber ich glaube MS ist nicht das Problem. Evtl. hat sie noch ganz andere Probleme...
...was ich nicht ganz verstehe, warum habt ihr geheiratet?

Mein Rat ist, arbeite an deinen eigene Problemen - und dann trenne dich von ihr. Mehr kann ich dazu nicht sagen... ...nimm dich selbst in den Mittelpunkt.

x 8 #3


mokka_23
@Nick-Hall Hi Nick, ich finde, wenn jemand in einer Beziehung keinen Sex will, dann muss das akzeptiert werden. Es gibt Menschen, die haben weniger oder keine Lust. Und es gibt Menschen, die können nur, wenn es für sie auch emotional stimmt. Vielleicht belastet deine Frau deine Zurückgezogenheit und sie mag deshalb nicht.
Bei euch stimmt nicht nur die fehlende S exualität nicht, sondern auch das Zusammenleben. Ich würde an deiner Stelle Verantwortung für deine Unzufriedenheit übernehmen und mich trennen, auf das Risiko hin, dass du dann alleine bist und immer noch keinen S ex hast. Dann kannst du aber nicht mehr deine Frau dafür veranwortlich machen, sondern musst an deinen Problemen arbeiten, um das Leben zu führen, das du dir wünschst.

x 2 #4


Plague
Zitat von Nick-Hall:
Durch meine PTSD fällt es mir extrem schwer, auf Menschen zuzugehen oder mir überhaupt vorzustellen, wie ein "Neuanfang" aussehen soll.

Schon mal an sowas wie Therapie gedacht?

Wenn du wirklich gehen willst und deine eigene psychische Stabilität dafür die Voraussetzung ist, dann solltest du dich genau darum kümmern.

Zitat von Nick-Hall:
Wenn ich versuche, das Thema anzusprechen oder meine Frustration äußere (weil die Wohnung völlig vernachlässigt ist), dreht sie den Spieß um: Meine Wut sei der Grund, warum sie nichts tun könne. Es fühlt sich an wie eine manipulative Blockade.

Wie äußerst du denn deine Frustration?
Wieso spricht sie von Wut?

Du bist nicht verantwortlich für die Befindlichkeiten deiner Frau - selbst wenn sie krank ist. Das ist ihre Verantwortung und wenn sie meint, das an dir auslassen zu müssen (nennt man übrigens Schuldumkehr), ist das schon eine üble Dynamik.

Der fehlende Sex scheint mir in dieser Hinsicht nur die Spitze des Eisbergs zu sein - ihr scheint ein fettes generelles Kommunikationsproblem zu haben.

x 7 #5


Heffalump
Zitat von Nick-Hall:
Mein Deutsch ist nicht perfekt

Dich ganz passabel.

Das andere hingegen, schwierig. Ich kenne eine einzige Person mit MS und leider muss ich feststellen, das diese Person ihre ganz eigene Wahrnehmung hat, zu Dingen.
Ihr Haushalt, ja äh, könnte besser sein, ich würde mich da nicht wohl fühlen. Ihre Ehe, längst dahin geschieden. Ihr Mann lebt im zweiten Stick, sie logischerweise unten. Sex? Gab es nur, damit Kinder da sind.

Ich will nicht sagen, das alle MS Patienten so sind, aber scheinbar gibt es parallelen.

Du könntest dich trennen und trotzdem für sie da sein, da sie ja noch keine größeren Beeinträchtigungen hat.

Unabhängig davon, ob es dir leicht fällt, neue Menschen kennen zu lernen

#6


Heloise
Zitat von Nick-Hall:
Wie schaffe ich es, mein Versprechen ("Ich verlasse dich nicht") zu überdenken,

Wo steht geschrieben, dass man sich selber aufgeben muss, um ein Versprechen zu halten?

Ihr zieht euch gegenseitig runter. Sie dich und Du dich selbst, indem du sie bedienst und dich in dem Versprechen gefangen fühlst.

Wurde schon geprüft, ob bei ihr zur MS eine Depression vorliegt? Danach sieht ihre Untätigkeit stark aus.

Wie ist sonst euer Leben? Urlaub?

Btw: Dein Deutsch ist besser als das mancher Deutscher und auch besser als das von AI. Die Menschen, die den Unterschied von „seid“ und „seit“ kennen, sind selten geworden.

x 4 #7


P
@Nick-Hall
Hi, gut, daß Du angefangen hast, Dich zu äußern, wie es Dir geht.

Und wie schon erwähnt wurde, scheinen sich einige Sachen aufgestaut zu haben, die für Dich gerade alle zusammenkommen.

Für Deine persönliche Unsicherheit solltest Du Dir persönliche fachliche Hilfe holen. Das dauert ja inzwischen ne Weile. Aber starten sich darum zu kümmern wäre gut.

Der Haushalt - ihr arbeitet beide? Wie wäre es mit einer Haushaltshilfe? Damit die Umgebung wieder angenehmer wird und der sowohl bewusste wie unbewusste Stressfaktor dadurch gesenkt wird.

Deine Frau mit ihren Erwartungshaltungen: weißt Du eigentlich, was Deine Frau wirklich denkt und fühlt? Es scheint bei Euch eine Dynamik reingekommen zu sein, die von mir beim Lesen nicht gerade als 'mit-einander' wahrgenommen wurde.

Du: Weißt Du eigentlich noch, was Du eigentlich denkst und fühlst? Jetzt? Was Deine Wünsche sind?
Oder bist Du nur noch im Hamsterrad des erfüllens von Aufgaben und möchtest aus Überforderung nur noch ausbrechen?

x 4 #8


CanisaWuff
Wenn ihr beide krank seid, steht Euch dann nicht eine Haushaltshilfe zu?

x 3 #9


C
Zitat von Nick-Hall:
Gibt es hier Partner von MS-Erkrankten, bei denen die Krankheit zu einer psychischen Apathie führt, während im Job noch alles funktioniert?


Umgekehrt wird oft ein Schuh draus. Es reicht für die Arbeit noch, aber dafür dann keinerlei Kraft mehr für Haushalt und Co.

Wäre das für dich nachvollziehbar? Es gibt viele, die mit chronischen, schweren Krankheiten noch arbeiten gehen, wo es für viel mehr jedoch einfach nicht mehr reicht. Ich gehe mal davon aus, dass sie einen Bürojob hat?

Aber klar, ihr müsstet da eine Regelung finden.

Alles auf "Psyche" zu schieben ist zu einfach. Widerspricht sich auch total.

Hätte sie so stark "Psyche" wäre sie nicht in der Lage arbeiten gehen zu können.

#10


A
Zitat von Heffalump:
Du könntest dich trennen und trotzdem für sie da sein, da sie ja noch keine größeren Beeinträchtigungen hat.

Ganz genau @Nick-Hall Aber Fakt ist ja auch, dass du von ihr profitierst. Ist es nicht so?

Deshalb rate ich dir zuerst an dir zu arbeiten und mit deiner Störung. Dich bis an dein Lebensende daheim zu vergraben kann keine Lösung sein.

x 5 #11


B
Guten Morgen.
Wenn ich das so lese, dann dachte ich mir: man kann mit ms nicht alles entschuldigen. Wer hoch funktional seinem Job nachgeht, der kann auch im Haushalt tätig werden.
Da glaube ich eher an eine ausgeprägte Fauleritis.
Der Sex- nun ob das an ms liegt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Aber unterschiedliches Bedürfnis ist auf jeden Fall ein konfliktpunkt in der Beziehung.
Ich denke, wenn gesichert feststeht, dass du unter ptbs leidest sollte das dein Ansatzpunkt sein. Denn am allerwichtigsten finde ich ist die eigene Gesundheit. Du kannst so eingeschränkt gar nicht das leisten, was du gerade machst. Und somit ist es nur noch eine Frage der Zeit bis du zusammen klappst.lnsofern kümmere dich um dich und dann schaue weiter.

x 1 #12


Clumsy
Zitat von CanisaWuff:
Wenn ihr beide krank seid, steht Euch dann nicht eine Haushaltshilfe zu?


Hängt wohl vom Pflegegrad ab, und falls keiner von beiden bisher einen hat, dann wohl nicht.

@Nick-Hall

Du schreibst, dass Deine Frau sich zuhause fast vollständig aufgegeben habe. Es folgen sachlich gemeinte Fragen: Was sollte sie Deiner Meinung nach tun? Den Haushalt führen? Oder selbst auch mal unterwegs sein, Teilhabe leben?

Was ich aus Deiner Schilderung hier nicht verstehe, ist einerseits die Antwort auf die Frage, weshalb Ihr nach 7 Jahren "ohne jegliche Intimität", so oder so ähnlich sagtest Du es, geheiratet habt, wenn Dir das doch ein so großes Problem ist - was ich nicht verurteilen will, es wundert mich nur, dass man das 7 Jahre lang beiseite schieben kann.

Deine Frau geht also arbeiten, was macht sie sonst noch? Was machst Du sonst noch? Was macht Ihr überhaupt zusammen und wie war das vor 10 Jahren und vor 5 Jahren? Was hat sich jetzt so massiv verändert, dass es Dir erst nach 10 Jahren nicht mehr möglich ist, so weiterzuleben?

Was die Freunde angeht: Ich finde, es gibt Grenzen. Auch für Freunde. Und es liegt bei einem selbst, diese zu formulieren. Es muss möglich sein, Freunden zu sagen, dass das vermutlich nett gemeint ist, man solche Ratschläge aber nicht hören möchte.
Oder möchtest Du sie doch hören, um eine Erlaubnis für ein Verhalten zu haben, das Du hier bisher für Dich ausgeschlossen hast?

Wenn es für mich (aufgrund meiner Werte, aber sicher auch aufgrund der Liebe zum anderen) nicht infrage kommt, nebenbei was anzufangen oder was sonst noch geraten wird, dann ändert doch ein Rat von außen daran nichts, der genau darauf abzielt. Dieser Rat stresst mich doch eher. Und er sagt viel über denjenigen aus, von dem er kommt. Und da kann ich doch Grenzen formulieren, wenn ich sowas nicht hören möchte, weil es für mich nicht denkbar ist?

Und falls es doch für Dich denkbar ist, wäre mein Rat, soweit Du ihn hören willst: Mach das ehrlich, transparent und fair. Fang nicht irgendeinen Quatsch nebenbei an oder bereite jetzt schon irgendeine Trennung vor, sondern geh zu ihr und sprich mit ihr über Dein inneres Erleben. Sei klar und deutlich. Vielleicht bekommt das zwischen Euch eine neue Dynamik. Und wenn nicht, dann geh Deinen Weg. Sich fachliche Hilfe zu holen, wäre dabei sicherlich eine gute Idee, in der Psychiatrischen Institutsambulanz Deiner näheren größeren Stadt vielleicht. Die haben oft auch spontanere Termine frei, wenn man deutlich macht, worum es geht. Mit einer PTBS könntest Du gute Karten haben. Einen Versuch wäre es vielleicht wert.

x 3 #13


Heloise
Zitat von CanisaWuff:
Wenn ihr beide krank seid, steht Euch dann nicht eine Haushaltshilfe zu?

Wer gesteht einem bei Krankheit eine Haushaltshilfe zu?

#14


Worrior
@Nick-Hall
Das ist sehr traurig.
In Deinem Alter so zu Leben wäre für mich nicht vorstellbar.
Ihr geht es nicht besser und sie heilt auch nicht wenn Du Dich aufgibst.

x 1 #15


A


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