Zitat von satura:ich frage mich, arrangieren wir uns mit diesem Zustand oder warum sind wir nicht in der Lage wen zu finden?
Noch in den 1980ern wurde das Singletum regelrecht gefeiert. Damals standen die freie Entfaltung der Persönlichkeit bzw. das Individuum aber noch hoch im Kurs. Seit den 1990ern hat sich das geändert, ich hatte dazu vor einiger Zeit mal diesen Thread hier eröffnet und lasse mich daher an dieser Stelle hier jetzt nicht intensiv dazu aus:
singles-vom-leitbild-zum-sozialschmarotzer-t29591.htmlKurz gesagt: Singles werden seither von den Massenmedien gezielt als "defizitäre" Wesen präsentiert und mittlerweile auch in der Bevölkerung ernsthaft als solche wahrgenommen; immerhin ist inzwischen eine ganze Generation mit diesem Bild herangewachsen, die - anders als wir Fünfziger - das Lebensgefühl der 1980er
nicht selbst erlebt hat, insofern auch
keine Vergleiche ziehen kann und sich demzufolge auch eher
nicht kritisch positionieren wird dazu.
Schon aufgrund dieses gesellschaftlichen Konformitätsdrucks fällt es jungen Menschen deutlich schwerer als unserereinem, sich mit dem Singleleben zu arrangieren - vor allem natürlich für den Fall daß sie tatsächlich auch selbst lieber verpartnert wären. Die Partnerschaft ist heute ein Statussymbol, das man als "erfolgreicher" Mensch ebenso parat zum herzeigen haben meint zu müssen wie die eigene Immobilie. Das führt zu einem deutlich höheren Druck, sich gefälligst zu verpartnern, als er noch in den 1980ern auf uns gelastet hat, die wir allenfalls ab Mitte 30 allmählich die biologische Uhr ticken sahen - wobei auch das etliche von uns nicht wirklich kratzte, denn auch das Kinderkriegen war damals bei weitem nicht so angesagt wie aktuell.
Eben diesen Druck merkt man Menschen, die auf Partnersuche sind, mitunter dann allerdings auch an - je deutlicher, desto weniger werden sie in der Lage sein, einen Partner zu finden. Nichts ist abtörnender als der Gedanke, nur ein Mittel zum Zweck für den anderen, statt der bzw. die "Eine" zu sein. Was mich persönlich betrifft, so möchte ich auch niemand um mich herum, der so gruppenkonform ist - solche Leute öden mich an. Also schließt sich hier der Kreis, wenn auch nicht immer aus diesem einen und einzigen Grund.
Zitat von satura:Aber einen Partner zu finden gestaltet sich schwierig.
Alles eine Frage der Ansprüche und des
Glücks, am richtigen Ort zur richten Zeit dem passenden Menschen überhaupt erst mal zu begegnen und dann von diesem umgekehrt als genauso passend empfunden zu werden.
Zwar kann man diesem Glück nachhelfen, indem man für sich die richtigen Orte und Zeiten findet und sich dann auch dorthin bemüht, aber eine Garantie gibt es dafür natürlich trotzdem nie. Deshalb finde ich es auch so witzlos, eine Partnerschaft als "Erfolg" zu verkaufen - ganz abgesehen davon, daß ich viele Beziehungen schon bei äußerer Betrachtung nicht mal geschenkt haben möchte. Allein hier im Forum offenbaren sich schon genug Abgründe, in
was für Kloschüsseln man da alles greifen kann...
Zitat von satura:Es gibt wie Supermärkte ja Single Börsen, doch kenne ich im Prinzip niemanden der auf Dauer einen Partner gefunden hat....
Ich schon, allerdings ist das bereits ein paar Jahre her. Damals ging es dort vielleicht noch etwas ernsthafter zu als mittlerweile.
Zitat von satura:aber bitte, die Chance wen zu treffen, der zu einem passt ist eher gering. .
Wo auch immer man Menschen begegnet, wird man erst mal kräftig sieben müssen. Juwelen sind nun mal seltener zu finden als Edelsteine. Das galt früher für Kontaktannoncen in der Lokalzeitung ebenso wie heute eben für Singlebörsen.
Ich erinnere beispielsweise den TV-Auftritt einer Dame, die hatte über 200 Dates - über Zeitungsannoncen arrangiert - bis sie dann endlich ihren Ehemann gefunden hatte. Mit dem war sie dann aber auch noch zusammen, als sie in die Sendung kam.
Im Film "Die flambierte Frau" ist übrigens eine Szene, wo drei "Mädels" sich die Zeit damit vertreiben, solche Kontaktanzeigen zu lesen. Über die meisten lachen sie sich gemeinsam kaputt, so schräg sind die formuliert.... der Film stammt noch aus den 1970ern, heute würden die sich nicht minder über Elitepartner.de & Co. amüsieren.
Zitat von satura:Oder bedienen wir uns Zeitweise an Nähe, laden unsere Batterien auf und stoßen dann die Person ab und leben weiter alleine, bis die Akkus wieder leer sind?
Sehr viele Menschen da draußen suchen im Grunde keinen Partner oder eine Partnerin, sondern schlicht jemand den sie als solche(n) herzeigen können, der ihre körperlichen Bedürfnisse bedient, keinen Stress macht und zugleich die Miete bzw. ihre Hypo mitzahlt. Hinzu kommt nach wie vor häufig der Gedanke, im Alter nicht allein und die Welt nicht verlassen zu wollen, ohne sich vorher nochmal fortgepflanzt zu haben.
Nichts gegen derlei Erwartungen, aber sie sind eben auch rein pragmatisch.
Könnten solche Leute es sich leisten, würden die sich wechselnde Freudenmädchen fürs Bett buchen, eine Haushälterin für den Putzkram engagieren und das mit dem Wohnen wäre gar kein Thema - eine Partnerschaft aber vielleicht eben auch nicht (mehr).
Eben drum suchen viele de facto nur eine Affaire oder F+, sprechen das aber nicht offen aus, weil das sonst ihre Auswahl merklich einschränken würde. Stattdessen bleiben sie vage in ihren Aussagen und spielen mit den latenten Hoffnungen des anderen ebenso wie mit dessen im Lauf der Zeit zunehmender emotionaler Bindung, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, auch ohne sich jemand fest ans Bein binden zu müssen dafür.
Wieder andere hatten eine traurige Kindheit oder sind aufgrund früherer Beziehungskatastrophen jetzt bindungsgestört - und verhalten sich deshalb so. Manch einem ist das klar bewußt; andere wiederum brauchen Jahre, dies überhaupt als ihr ureigenes Problem zu erkennen - auf der Strecke werden sie etliche Kandidaten enttäuschen.
Insgesamt denke ich nicht, daß die Menschen als Partner heute besser oder schlechter sind als vor dem Millenium noch. Früher gab es halt deutlich schlechtere Zeiten (Kriege, etc.), also konnte man bei neuen Begegnungen auch direkt feststellen, wie man handfeste Krisen konkret miteinander bewältigen kann. Heute geht es vielen von uns glücklicherweise (!) vergleichsweise gut; allerdings haben wir so deutlich weniger Gelegenheit dazu; echte Mankos zeigen sich also womöglich erst, wenn nach langer Zeit dann doch mal eine Lebenskrise kommt.
Zugleich geht die Gesellschaft wesentlich toleranter mit Beziehungsabbrüchen um als bis in die 1970er Jahre noch, wo Scheidung als Makel galt und zwar nicht rechtlich, aber gesellschaftlich ein Stigma blieb. Das führt auch zu weniger Verbindlichkeit beim Eingehen neuer Lebensgemeinschaften: in den letzten 10-15 Jahren sind mir zunehmend Sprüche untergekommen von wegen man sei jetzt "erst mal" zusammengezogen, aber natürlich könne man sich auch wieder trennen, "wenn es nicht mehr passt".
Will heißen: Man ist verpartnert, aber im Härtefall geht man eben doch wieder - auch wenn eine gemeinsame Wohnung natürlich schon ein deutliches Bekenntnis zum anderen war und ist. Das gab es früher so nicht - da haben die meisten Menschen vielmehr im Gedanken geheiratet: "Dies war meine Entscheidung und die muß jetzt gutgehen bis ans Lebensende".
Was auch noch hinzukommt ist der Umstand, daß Frauen sich nicht mehr alles bieten lassen müssen. Das hat früher jede Menge Ehen zusammengehalten - unter Bedingungen, die heute IMO zu Recht nicht mehr akzeptiert werden. Wenn Menschen (hier: Männer) "einsam" bleiben, so liegt es also vielleicht auch schlicht daran, daß sie sich nicht benehmen können.
Umgekehrt haben die letzten Scheidungsreformen wiederum dazu geführt, daß Männer im Trennungsfäll nicht mehr den Rest ihres Lebens als Melkkuh der Nation ausharren müssen. Sie
können erneut heiraten, wieder Kinder kriegen.... und deren Unterhalt
geht dann vor dem der Ex, Feierabend. Das macht Ehen zumindest für Hyänen natürlich weniger interessant... und leider gab es auch davon früher mehr als genug. Ergo streben viele Frauen jetzt tatsächlich mehr nach Erfolg im Beruf, als nach der Partner- und Mutterrolle... zumal die Kinder letztlich doch immer bei ihnen hängen bleiben werden, wenn die Beziehung auseinanderbricht.