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Eltern akzeptieren die Liebe nicht

Kaddi93

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Hallo zusammen,

ehrlich gesagt habe ich bis jetzt immer nur Beiträge in diesen Foren gelesen ohne mich selbst dazu zu äußern. Allerdings geht es mir mittlerweile seit zwei Monaten ziemlich schlecht.

Ich bin 26 Jahre alt (Christ) und er 22 Jahre (Moslem). Wir haben uns kennen gelernt im Auslandssemester auf Bali vor über zwei Jahren. Bis wir dann wirklich zusammen gekommen sind (uns haben 600 km voneinander getrennt) hat es ein paar Monate gedauert, da er sich ziemlich unsicher war was er wollte (ich denke es hatte damals schon was mit seiner Familie zu tun).

Schlussendlich hat er sich dazu entschieden mit mir in eine andere Stadt zu ziehen. Ich habe dort gearbeitet, er studiert bzw. ein Praktikum vor seiner Bachelorarbeit gemacht. Wir haben jetzt 1,5 Jahre zusammen gewohnt. Alles war super und harmonisch (ich konnte noch nie so ich selbst sein wie bei ihm). Trotz seiner konservativen Familie war er ein sehr offener Typ der abends gerne mal ein Bierchen getrunken und eine Zig. geraucht hat, deutsche Freunde hat und nie jemanden verurteilt hat. Meine Eltern haben ihn von der ersten Sekunde an akzeptiert und wie einen eigenen Sohn behandelt.

Vor zwei Monaten dann der Schock. Sein Vater hat ihn angerufen und gemeint er sollte sofort seine Sachen packen und nach Hause kommen. Er habe hier bei mir nichts verloren und solle sich zwischen der Familie und mir entscheiden. Die Eltern habe ich auch erst dieses Jahr im Juli kennen gelernt. Er hatte mich bis dahin immer verschwiegen weil er wahrscheinlich wusste, dass sie mich nicht gleich akzeptieren würden. Als ich sie kennen gelernt habe, waren sie echt super nett zu mir. Er meinte sein Vater hat noch nie so viel in seinem Leben mit ihm geredet wie in dieser einen Woche mit mir. Seine Mutter war auch super nett und war sogar mit uns Sachen für die Wohnung einkaufen.

Allerdings wusste sein Vater nicht dass wir zusammen leben. Wir mussten als ich bei ihm war auch in getrennten Zimmer schlafen (sein Vater ist sehr sehr konservativ). Man muss auch noch dazu sagen, dass er eine deutsche Tante hat die in die Familie eigeheiratet hat, deswegen habe ich mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht von den Eltern nicht akzeptiert zu werden.

Naja letzendlich ist es dann doch so gekommen wie er schon immer befürchtet hat. Er ist dann nach Hause gefahren (erstmal ohne seine Sachen zu packen). In der Woche hatte er auch noch seine aller letzte Prüfung an der Uni die er dann aufgrund dessen was passiert ist nicht geschafft hat und somit auch das Studium nicht geschafft hat.

Es war ein wochenlanges Hin und Her. Wir haben viel geredet und geweint zusammen. Er kam dann vor vier Wochen wieder in die gemeinsame Wohnung um seine Sachen zu holen und es entgültig zu machen. Wieder saßen wir beide da und haben geweint. Er meinte es tue ihm leid, er hat keine andere Wahl. Er fühlt sich verantwortlich für seine Familie und wollte das Vertrauen zu ihnen wieder aufbauen (da er sein Studium nicht geschafft hat, hatten Sie anscheinend kein Vertrauen mehr zu ihm weil er ja die 1,5 Jahre bei mir 600 km entfernt verschwendet hat).

Ich verstehe nicht wie sich Leute zwischen zwei Menschen, die sich lieben stellen können. Wie kann man so heuchlerisch nett sein und im nächsten Moment eine Beziehung kaputt machen. Ich weiß man könnte sagen, er ist ein Feigling weil er nicht zu mir steht. Er hat nur momentan auch noch diesen Stress mit der Uni, weil er jetzt ohne irgendwas dasteht. Ich würde die Eltern am liebsten zur Rede stellen aber ich bin mir unsicher, ob das überhaupt was bringt ? Ich habe nicht nur meinen Partner sondern auch meinen besten Freund verloren. Ich hatte auch schon eine langjärige Beziehung davor aber habe nicht ansatzweise das gefühlt, was ich für ihn gefühlt habe. Die letzten Wochen waren die Hölle für mich, ich hab versucht mich abzulenken (mit Freunden treffen, feiern gehen. ) aber ich denke nur an ihn. Habe durch den ganzen Stress 10 kg abgenommen und kann immer noch nicht viel essen. Vielleicht gibt es ja Leute hier die Ähnliches durchgemacht haben und mir Tipps oder Ratschläge mitgeben könnten.

02.12.2019 14:09 • #1


monchichi_82

monchichi_82


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Zitat von Kaddi93:
Er meinte es tue ihm leid, er hat keine andere Wahl.

Doch doch, er hat eine Wahl. Sein Vater hat ihn vor die Entscheidung gestellt, entweder du oder die Familie. Der Preis ist ihm offensichtlich zu hoch aus dem Grund die Trennung. Er hat eine klare Entscheidung für sich und für euch getroffen, nicht sein Vater.
Die Eltern haben andere Ansichten, es ist eine andere Kultur über die dein Partner ausreichend bescheid weiß. Er wird auch seine Eltern gut kennen und es wird für ihn keine absolute Neuigkeit sein, dass solche Konsequenzen aufkommen.

Es ist auch keine gute Idee die Eltern zur Rede zu stellen. Du kannst dir sicher sein, dass du dort keinen Fuß in die Tür bekommst und dir diese schneller vor der Nase zugeknallt wird als du was sagen kannst. Und eventuell bekommt er durch dein Erscheinen noch mehr Stress.

02.12.2019 14:34 • x 1 #2


T4U

T4U


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Zitat von Kaddi93:
Er meinte es tue ihm leid, er hat keine andere Wahl.

Hat er doch, und er hat sich eben für die Tradition und seine Familie entschieden. Leider trifft das Leben oft Entscheidungen, die uns sehr schmerzen, aber an denen wir auch wachsen können. Dein Freund ist nicht gewachsen, sondern geschrumpft

02.12.2019 14:38 • #3


Irrlicht


Zitat:
Ich weiß man könnte sagen, er ist ein Feigling weil er nicht zu mir steht.

Nein ist er nicht. Er ist 22 (!) Jahre alt. In diesem Alter trifft man normalerweise nicht die Entscheidung mit wem man sein Leben verbringen / eine Familie gründen möchte. Wenn er das aber tut müsste er wahrscheinlich für immer mit seiner Familie brechen. Das kann man mit 22 Jahren wohl kaum erwarten. Wenn wr das täte wäre er einfach naiv. Insofern hat er nur theoretisch eine Wahl.

Es ist natürlich bitter für euch. Aber in diesem Kulturkreis hat der Begriff Familie eine ganz andere Bedeutung als bei uns.

Dir bleibt nur seine Entscheidung zu akzeptieren. Versuchst du dich zwischen ihn und seine Familie zu stellen, wirst du wahrscheinlich auch ihn bald zum Feind haben.

Das ist die bittere Wahrheit. Leider...

02.12.2019 14:59 • x 3 #4


Chria

Chria


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Ich finde das auch irgendwie nachvollziehbar, obwohl das für dich jetzt sehr schlimm ist. Aber mit 22 und nach 2 Jahren Beziehung sich für einen Partner zu entscheiden und dafür mit der Familie zu brechen ist zu viel verlangt.
Das ist zwar extrem unromantisch aber doch rational eine logischere Entscheidung.

Die andere Sache ist natürlich, dass er überhaupt diese Entscheidung treffen musste. Das ist furchtbar traditionell, aber daran wirst du leider nichts ändern können

02.12.2019 15:08 • #5




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