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Emotionale Abhängigkeit

jm2014

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Hallo,
nachdem ich in letzter Zeit öfter in diesem Forum mitgelesen habe, suche ich nun selbst Rat.

Mein Problem ist, dass ich (32) immer wieder in emotionale Abhängigkeiten gerate. Die Ursache liegt schon in meiner Kindheit, da meine Mutter ein egoistischer und kaltherziger Mensch ist, der mir kein Urvertrauen mitgegeben hat. Sie findet alles schlecht, was ich tue und spricht mich meistens mit "blöde Kuh" an. Das einzig gute, das ich bisher zustande bekommen habe, war ein Kind zur Welt zu bringen.

Ich bin schon mein ganzes Leben lang auf der Suche nach der großen, wahren, tiefen und bedingungslosen Liebe. Ich habe mit 22 einen 10 Jahre älteren Mann geheiratet und mich nach 3 Jahren getrennt. Mit meinem zweiten Mann habe ich einen gemeinsamen Sohn (6 Jahre), wir leben aber leider auch getrennt. Ich gerate immer wieder in eine emotionale Abhängigkeit, indem ich meine Bedürfnisse unterordne bzw. als nicht wichtig ansehe, mich anders verhalte, um anderen (Lebenspartner oder Eltern) zu gefallen, stets Schuldgefühle in mir trage und mich und mein Verhalten ständig anzweifle.

Seit einem halben Jahr bin ich nun mit dem Mann meiner Träume zusammen. Ich habe das Gefühl, meinen Seelengefährten gefunden zu haben. Wir haben die gleichen Ansichten, oft die gleichen Gedanken und es ist meistens superharmonisch. Er versteht sich mit meinem Sohn gut, kümmert sich um ihn und um Haus und Garten. Je länger die Beziehung andauert und umso tiefer die Gefühle werden, umso größer wird meine Angst, etwas falsch zu machen und damit die Beziehung zu gefährden. Dieser Druck wird immer größer und ich habe immer wieder richtig depressive Tage. Mich aus diesem Phasen zu befreien wird immer schwieriger für mich und kostet mich enorme Kraft.

Derzeit befinde ich mich wieder in einer solchen Phase. Gestern haben wir uns gestritten. Eigentlich war es eine Lapalie: Wir waren mit meinem Sohn wandern und ich habe nur Obst eingepackt, obwohl ich weiß, dass mein Partner bei unzureichender Nahrungsaufnahme richtig unleidlich wird. Jedenfalls wurde seine Laune dadurch richtig schlecht, was er mich auch spüren ließ. Ich war dadurch ebenfalls genervt und habe in zwei Situationen anders reagiert, als ich es sonst tun würde. So habe ich meinen Hund nicht abgeleint, obwohl er es mir geraten hat und zum zweiten habe ich meinem Sohn abgeraten, ein unreifes Roggenkorn zu essen, was er ihm gezeigt hat. Dadurch wurde die Laune noch mieser und mein Partner warf mir vor, daran schuld zu sein. Er warf mir ebenfalls vor, dass mein Sohn das alles mitbekommen würde, wie wir gerade miteinander umgehen würden und er würde alles seinem Vater erzählen. Für den ist das natürlich ein gefundenes Fressen, wenn wir Zoff haben. Davon konnte er nicht ablassen und er ritt immer weiter darauf rum und immer wieder kam, dass er Hunger habe. Ich habe ihn mindestens fünf Mal in ruhigem Ton gebeten, damit aufzuhören, aber er tat es nicht. Irgendwann habe ich die Nerven verloren und ihn angeschrien, er solle heimgehen und sich was zu essen machen. Das tat mir sofort leid und ich habe mich entschuldigt. Er war jetzt aber richtig in Rage und drohte mir, wenn ich ihn noch einmal anschreien, würde, wäre er weg - für immer. Das war jetzt das siebte Mal in unserer Beziehung, dass er mir gedroht hat, weg zu sein. Zweimal wegen Anschreien und die anderen Male wegen irgendwas anderem. Er fühlt sich sehr leicht angegriffen und rastet dann ziemlich aus. Beim letzten Mal habe ich mir verboten, mit Trennung zu drohen, da ich irgendwann kein Vertrauen mehr habe oder ihn gar nicht mehr ernst nehme. Er hat mir versprochen, das nicht mehr zu machen und gestern passiert es schon wieder Klar hätte ich ihn nicht anschreien dürfen, das ist respektlos und gehört sich nicht. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber jedes Mal, wenn ich laut geworden bin, hat er mich ziemlich lange bis aufs Blut gereizt. Er stichelt und stänkert sehr gern und findet einfach kein Ende. Ich habe ihn gestern gefragt, wie ich denn reagieren soll, wenn er so sauer ist. Ich darf nicht laut werden und mich aber auch nicht zurückziehen, dann dreht er richtig auf. Er antwortete, dass ich ihm Recht geben soll, dann würde er runterkommen.

Zu Hause ist er dann wieder zur Tagesordnung übergegangen, aber das kann ich gar nicht. Ich bin wieder in so ein tiefes Loch gefallen und finde keinen Ausweg. Ich könnte dann nur heulen, was ihn auch wiederum total nervt. Ich zerfleische mich mit Selbstvorwürfen und Zweifeln.

Ich weiß, dass ich mich nicht so abhängig machen darf, aber mein Selbstbewusstsein ist total im Keller. Dafür gibt es eigentlich keinen Grund - ich bin Steuerberaterin, habe einen guten Job, einen gesunden, cleveren Sohn, ein eigenes Haus, bin selbst gesund, und sehe auch ganz gut aus.

Ich habe jetzt eine Therapie begonnen und hoffe, dass das langfristig hilft. Zur Unterstützung erhoffe ich mir ein paar Meinungen von den hier Anwesenden. Ist mein Verhalten grundlegend falsch?

29.06.2015 11:17 • #1


minna


es hilft an der eigenen inneren stärke zu arbeiten:

was auch heisst, niemandem zu erlauben,
respektlos mit dir umzugehen

eure kommunikation scheint nicht zu funktionieren,
du könntest ihn beim nächsten essen packen
zum beispiel mit einbeziehen
und fragen, was er er denn mitnehmen möchte

wenn er dich angreift, dann hör zu,
denke darüber nach

und bleibe freundlich und sachlich,
wenn er unhöflich wird,
dann sag ihm, er soll bitte ruhig bleiben
es bringt euch sonst nicht weiter
.....

und werde nie verletzend...

gut kommunizieren und streiten kann man lernen....

sprich doch mal in einem guten moment mit ihm,
was ihr beide verbessern könnt
zeig ihm,
daß er dir wichtig ist
und beziehe ihn mit ein......

29.06.2015 11:39 • x 2 #2



Hallo jm2014,

Emotionale Abhängigkeit

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jm2014


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Vielen Dank für deinen Rat, Minna. Ich werde es mir zu Herzen nehmen.

29.06.2015 11:56 • #3


Julchen123


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Liebe jm2014,

ich erkenne mich sehr gut in Deiner Geschichte wieder. Auch ich bin von einer emotinalen Abhängigkeit in die nächste gestolpert. Ich war nie glücklich in meinen Beziehungen, hatte immer extreme Verlustängste und habe dadurch bedingt immer ganz schwierige Typen angezogen.

Vor 1,5 Jahren hatte ich meinen Tiefpunkt. Unglücklich, Depressiv und mit meinen Kräften am Ende. Ich habe mit einer Therapie begonnen. Und ich habe geredet und geredet, Altlasten verarbeitet, Ängste verstanden und bin mit meiner Vergangenheit einigermaßen ins Reine gekommen. Ich habe sehr hart an mir gearbeitet, bin oft verzweifelt, aber bin dran geblieben.

Und seit ein paar Monaten bin ich in einer Beziehung ... auf Augenhöhe, mit Vertrauen und dem gemeinsamen Glauben, alles zusammen zu schaffen. Ich bin glücklich, dass erste mal in einer glücklichen Beziehung. Ich geniesse die Zeit mit ihm und kann auch loslassen und ihm sorgenfrei seine Freiheiten lassen und meine Freizeit ohne ihn geniessen.

Was ich damit sagen will. Ich finde es klasse, dass Du Dich für diese Therapie entschieden hast. Es wird eine harte Zeit, oft wirst du vor dem Gedanken stehen, alles hinzuschmeissen. Aber bleib dran, es lohnt sich. Arbeite an Dir, auch ausserhalb der Therapiestunden. Ich habe sehr viel gelesen, über Verlustängste, wie man sein zerstörtes Selbstwertgefühl aufpeppeln kann - ich habe mich wirklich jeden Tag vor den Spiegel gestellt, mir tief in die Augen geschaut und mir anfänglich unter vielen vielen Tränen gesagt, dass ich mich gerne mag ... es wurde von Tag zu Tag einfacher. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich heute der selbstbewussteste Mensch bin, aber ich habe gelernt, mich lieb zu haben und zu akzeptieren, dass mein Schatz das auch tut.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die nächsten Monate - und lass dich nicht erpressen, dir nicht drohen oder dich schlecht behandeln. Sein Verhalten liest sich für mich nämlich auch nicht ganz normal. Pass auf dich auf

29.06.2015 12:43 • x 2 #4


jm2014


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Hallo Julchen,

es hilft mir, zu lesen, dass es auch andere Menschen gibt, denen es geht, wie mir. Besonders freut es mich und gibt es mir Auftrieb, dass du einen Ausweg aus deiner Situation gefunden hast.

Vielen Dank für deinen Zuspruch

29.06.2015 13:43 • #5


Katharina74


Liebe JM2014
so ganz verstehe ich nicht den Titel unter welchem du deine Frage gestellt hast. Das meine ich etwas rhetorisch weil euer Kommunikationsproblem mit der Trennungsdrohung einerseits und dem Gefühl deiner "Ausgeliefertseins" (du nennst es eben "Abhängigkeit") sich zwar aufschaukeln aber dennoch m.E. getrennt betrachtet werden müssen.

Dein geliebter Man wird aggressiv bei Hunger, das kann eine total normale, weil körperlich-hormonelle Reaktion der Unterzuckerung sein - kenne ich auch von dem Vater meines Sohnes und auch von klein auf bei meinem Sohn selbst. Nochmal, das ist normal, natürlich "lästig" und Selbsterhaltung wenngleich die Betroffenen - verdammt noch mal - selber lernen müssen damit umzugehen bzw Vorsorge zu betreiben 🙋. Wenn dein Man auch sonst aggressiv ist... hmm... sag mal was dazu.

Du sprichst aber deine emotionale Abhängigkeit an. Was heißt das im Klartext? Willst du stabil sein um deinen Freund "endlich" stärker gegenüber zu treten? Willst du dich etwa trennen? Oder willst du weniger Abhängigkeitssymtome wie etwa Verlustangst haben? Wohl letzteres, denn euer Streitverhalten zeigt ja, dass dein Freund genau deine Verlustängste benutzt um dich emotional zu erpressen. Du hast ihn gebeten er nicht zu tun, okay, aber warum hält er sich nicht daran? Weil du es vielleicht selber tust? Will sagen, weil du selber ihn mit seinen Ängsten im Konfliktfall ärgert?

Worauf ich hinaus will ist die Empfehlung euch einige Sitzungen gemeinsam zu nehmen und mal euch darüber auszutauschen. Dann wird es bei deiner Therapie auch nicht so ein Chaos der vielen Ebenen deiner jetzigen Beziehung, zu deinen Ex'en und Eltern geben, du kannst dich dann mehr auf dich konzentrieren um zu lernen mit dir selbst umzugehen

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, denn ein kleiner Hinweis deiner Geschichte ist ganz, ganz, ganz wesentlich: Dein Sohn und dein Freund mögen sich... Was für ein Glück für euch alle drei, und auch für den Vater des Jungen dass sein Junge und wohl auch er als Vater als Instanz und eigene persönlichkeit wahrgenommen wird, wie schön. K74

29.06.2015 14:02 • x 1 #6


jm2014


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Liebe K74,

vielen Dank für dein Feedback.

Mein Freund regt sich sehr schnell auf und Hunger verstärkt die Aufregung eben noch. Besonders schlimm ist es, wenn er etwas für selbstverständlich erachtet, es für andere - z. B. für mich - eben nicht selbstverständlich ist. Er kann sich dann total reinsteigern.

Mit emotionaler Abhängigkeit meine ich meine Schwäche und meine Verlustangst. Letztere macht mich wirklich wahnsinnig. Außerdem macht es mich fertig, dass er mir im Streitfall meine Schwächen vorwirft. So z. B. mein labiles Verhalten gegenüber meiner Mutter, meinem Ex-Mann, mein mangelndes Durchsetzungsvermögen gegenüber meinem Sohn und meinem Hund oder auch gezielt meine Verlustängste - ich wäre ihm schon hinterhergerannt und ich würde es im Trennungsfall wieder tun.

Ich bin mit Sicherheit nicht fehlerfrei, aber ich habe ihm im Streit noch niemals seine Schwächen vorgeworfen. Das ist meiner Meinung nach unsachlich und stellt einen Machtkampf dar - wer ist der Stärkere/Schwächere. Machtkämpfe sind eine ganz schlechte Grundlage für eine Beziehung auf Augenhöhe.

Ich werde die nächste Sitzung alleine wahrnehmen, aber darüber nachdenken, ob ich ihn bitten soll, einige Sitzungen gemeinsam durchzuführen.

Lieben Gruß

30.06.2015 07:31 • #7


Susann W.


Zitat von jm2014:
Hallo,
nachdem ich in letzter Zeit öfter in diesem Forum mitgelesen habe, suche ich nun selbst Rat.

Mein Problem ist, dass ich (32) immer wieder in emotionale Abhängigkeiten gerate. Die Ursache liegt schon in meiner Kindheit, da meine Mutter ein egoistischer und kaltherziger Mensch ist, der mir kein Urvertrauen mitgegeben hat. Sie findet alles schlecht, was ich tue und spricht mich meistens mit "blöde Kuh" an. Das einzig gute, das ich bisher zustande bekommen habe, war ein Kind zur Welt zu bringen.
Siehst du das so, dass Dein Kind das einzig gute ist? Oder sieht das Deine Mutter so?

Zitat von jm2014:
Ich bin schon mein ganzes Leben lang auf der Suche nach der großen, wahren, tiefen und bedingungslosen Liebe.

Ich finde, du suchst an der falschen Stelle. Denn die große, wahre, tiefe und bedingungslose Liebe solltest du zuerst in dir finden. Dann kommt auch der Mann, der das zu würdigen weiß und diese Liebe unterstützt.

Zitat von jm2014:
Ich gerate immer wieder in eine emotionale Abhängigkeit, indem ich meine Bedürfnisse unterordne bzw. als nicht wichtig ansehe, mich anders verhalte, um anderen (Lebenspartner oder Eltern) zu gefallen, stets Schuldgefühle in mir trage und mich und mein Verhalten ständig anzweifle.

Solange Du Dich nicht selbst schätzt, wirst Du immer wieder in eine emotionale Abhängigkeit geraten. Weil Du glaubst, dass ein anderer Mensch dir Glück schenken kann. Dem ist aber nicht so. Eine andere Person, sei es mal in Form eines Partners, kann dich nur unterstützen in dem was Du hast. Er kann dir niemals es dir komplett geben.

Zitat von jm2014:
Je länger die Beziehung andauert und umso tiefer die Gefühle werden, umso größer wird meine Angst, etwas falsch zu machen und damit die Beziehung zu gefährden.

Und genauso würde es auch kommen. Wenn Du an das "falsch" machen denkst und das noch gepaart mit Angst, werden deine Handlungen auch so sein. Wenn Du aber glaubst, dass die Beziehung funktioniert, dann wird es auch so sein. „Ganz gleich, ob sie denken sie können etwas oder sie können es nicht, sie haben recht.“ Henry Ford

Zitat von jm2014:
Derzeit befinde ich mich wieder in einer solchen Phase. Gestern haben wir uns gestritten. Eigentlich war es eine Lapalie: Wir waren mit meinem Sohn wandern und ich habe nur Obst eingepackt, obwohl ich weiß, dass mein Partner bei unzureichender Nahrungsaufnahme richtig unleidlich wird.

Wie alt ist Dein Partner, 3?
Zitat von jm2014:
Jedenfalls wurde seine Laune dadurch richtig schlecht, was er mich auch spüren ließ. Ich war dadurch ebenfalls genervt und habe in zwei Situationen anders reagiert, als ich es sonst tun würde. So habe ich meinen Hund nicht abgeleint, obwohl er es mir geraten hat und zum zweiten habe ich meinem Sohn abgeraten, ein unreifes Roggenkorn zu essen, was er ihm gezeigt hat. Dadurch wurde die Laune noch mieser und mein Partner warf mir vor, daran schuld zu sein.

Er machte dich verantwortlich, dass er sich nichts zum Essen mitgenommen hat. Ist für mich verständlich, dass du darüber nicht glücklich warst. Es ist Deine Entscheidung, wie du auf Situationen reagierst. Und wenn du mal sauer bist, hätte er mal auf dich zukommen sollen und Dir nicht noch die Schuld zuweisen müssen.

Zitat von jm2014:
Irgendwann habe ich die Nerven verloren und ihn angeschrien, er solle heimgehen und sich was zu essen machen. Das tat mir sofort leid und ich habe mich entschuldigt.
Er war jetzt aber richtig in Rage und drohte mir, wenn ich ihn noch einmal anschreien, würde, wäre er weg - für immer. Das war jetzt das siebte Mal in unserer Beziehung, dass er mir gedroht hat, weg zu sein. Zweimal wegen Anschreien und die anderen Male wegen irgendwas anderem. Er fühlt sich sehr leicht angegriffen und rastet dann ziemlich aus. Beim letzten Mal habe ich mir verboten, mit Trennung zu drohen, da ich irgendwann kein Vertrauen mehr habe oder ihn gar nicht mehr ernst nehme. Er hat mir versprochen, das nicht mehr zu machen und gestern passiert es schon wieder Klar hätte ich ihn nicht anschreien dürfen, das ist respektlos und gehört sich nicht. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber jedes Mal, wenn ich laut geworden bin, hat er mich ziemlich lange bis aufs Blut gereizt. Er stichelt und stänkert sehr gern und findet einfach kein Ende. Ich habe ihn gestern gefragt, wie ich denn reagieren soll, wenn er so sauer ist. Ich darf nicht laut werden und mich aber auch nicht zurückziehen, dann dreht er richtig auf. Er antwortete, dass ich ihm Recht geben soll, dann würde er runterkommen.

Wenn Du das machst, verliert er völlig den Respekt vor Dir. Und du erniedrigst Dich mit solchen Aktionen, ihn immer nur besänftigen zu wollen. Das ist keine gute Basis einer glücklichen Partnerschaft.

Zitat von jm2014:
Ich weiß, dass ich mich nicht so abhängig machen darf, aber mein Selbstbewusstsein ist total im Keller. Dafür gibt es eigentlich keinen Grund - ich bin Steuerberaterin, habe einen guten Job, einen gesunden, cleveren Sohn, ein eigenes Haus, bin selbst gesund, und sehe auch ganz gut aus.

Es ist nicht das Gleiche, wenn Du zwar beruflich erfolgreich bist, sagt es überhaupt nichts über private Erfolge aus. Das sind zwei komplett unterscheidliche Paar Schuhe. Das eine bedingt nicht dem anderen oder andersherum. Das sich dein Selbstbewusstsein im Keller befindet, liegt daran, dass wie du selbst schon geschrieben hast, dass dir auf der persönlichen Ebene nie dein Selbstbewusstsein gestärkt wurde, Ganz im Gegenteil sogar. Wenn Du Verlustängste hast, ist es gut möglich, dass du einen Menschen verloren hast, (sei er weggangen oder verstorben) bei dem Du dich wohlgefühlt hast und diese Person dich sozusagen alleine bei deiner Mutter zurückgelassen hat.

Zitat von jm2014:
Ich habe jetzt eine Therapie begonnen und hoffe, dass das langfristig hilft. Zur Unterstützung erhoffe ich mir ein paar Meinungen von den hier Anwesenden. Ist mein Verhalten grundlegend falsch?
Es ist sehr gut, dass Du eine Therapie machst, so kannst du erkennen, wo solche Ängste herkommen und diese aufarbeiten und ob heute diese Ängste eigentlich noch bestand haben dürften.

30.06.2015 09:35 • x 2 #8


jm2014


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Hallo Susann,

meine Mutter ist der Meinung, dass mein Sohn das einzig gute ist, das ich bisher zustande gebracht habe.

Ich habe bereits erkannt, dass ich aufgrund mangelnder Selbstliebe immer wieder an den gleichen Punkt gerate und unter Verlustängsten und emotionaler Abhängigkeit leide. Deshalb habe ich mich auch zu einer Therapie entschlossen.

Mein Partner ist 39. Bei der oben genannten Wanderung hat er sich jedoch wie ein Kleinkind benommen - finde ich. Ich habe auch nicht gerne Hunger, aber ich denke, als Erwachsener sollte man das mal eine Stunde aushalten können.

Ich mache ja einiges mit, aber ihm Recht geben, nur damit er besänftigt ist - das sehe ich nicht ein, wenn ich anderer Meinung bin. Ich höre mir gern andere Meinungen an und lasse mich überzeugen, aber mit Argumenten, nicht mit Druck.

Vielen Dank

30.06.2015 15:52 • x 1 #9


Grace_99


Hi,
Teile deiner Geschichte könnten meine sein.

Wenn man mich sieht, erlebt, würde man niemals denken das ich ein zu kleines Selbstwertgefühl habe und sehr oft denke das ich es nicht "wert" bin. Ich bin selbstsicher im Auftreten, habe ne große "Klappe", ziehe 2 Kinder allein groß, jobbe neben meinem Hauptjob - und doch, gibt es immer noch die kleine bedürftige Grace, die auch wie du, in ihrer Kindheit nicht gestärkt wurde.

Ich mache auch eine Therapie, ich suche auch immer die Fehler zuerst bei mir und bin ganz unglücklich, wenn ich im zwischenmenschlichen (Mann/Frau-Ebene) meine Bedürfnisse anspreche und/oder Dinge nicht gut finde, wie der Partner mit einem umgeht etc.

Ich wünsche dir, dass die Therapie dir hilft zu dir zu finden. Diesen Weg gehe ich auch gerade und von daher weiß ich, wie schwer das ist. Aber - es ist für uns.

VG
Grace

30.06.2015 16:12 • x 1 #10


Susann W.


Es ist schon erstaunlich, einerseits ist man selbstbewusst und meistert sein Leben und andererseits traut man sich kaum seine Wünsche einem Partner gegenüber zusagen. Und wenn man es tut, bekommt man nur Ablehnung.
Als junge Frau war ich da auch nicht anders, da ich genauso wenig Unterstützung von meiner Familie bekam, wie viele Andere. Was ich dann für mich feststellte war, dass ich froh war, wenn ich geliebt wurde und ging dabei doch einige Kompromisse bei dem Partner meiner Wahl ein. Irgendwann begriff ich, der kann doch froh sein mit mir Zeit zu verbringen. Ich bin bereit dies oder jenes in meine Partnerschaft zu investieren, dann erwarte ich das Gleiche von ihm. Ich drehte also den Spieß rum. Nicht ich bin froh mit ihm Zeit zu verbringen, sondern er kann froh sein, in meiner Nähe sein zu dürfen. Und es war erstaunlich, plötzlich bekam ich alle Unterstützung, man schätze mich sehr als Partnerin. Ich war auf absoluter Augenhöhe mit ihm. Er war super stolz auf mich. Und so baute ich Stück für Stück mein Selbstvertrauen auf. Und ich muss sagen, es ist eine wundervolle Sache. Natürlich habe ich auch viel darüber nachgedacht, woher dieses vorherige Verhalten kam. Und wie es ja in fast allen Fällen so ist, sie kam aus meiner Kindheit und zwar von meiner Mutter.

30.06.2015 16:38 • x 1 #11


Grace_99


Sich hinstellen und den "Spieß umdrehen" - wenn es so einfach ginge. Zumindest bei mir ist es nicht so. Meine Freunde (die, die mich wirklich kennen) sagen immer, ich bin so warmherzig, kann so viel geben, kann stolz auf mich sein und ich guck sie immer an wie ein Auto und denk mir "Iss klar".... Der Scheinwerfer muss per Handbetrieb umgestellt werden und es kommt immer drauf an wie schwer dieser Scheinwerfer ist; bei dem einen gehts schneller und einfacher, bei dem anderen hängt ganz viel dran, so dass es nicht einfach und schnell geht.

30.06.2015 16:49 • x 1 #12


Susann W.


Grace, natürlich geht es nicht so schnell, einfach mal so. Ich fing aber schon sehr früh an Bücher über Persönlichkeitsentwicklung zu lesen und habe viel dabei über mich gelernt. Und von heut auf morgen, geht schon gar nicht, denn so eine Veränderung setzt sehr viel Entwicklungszeit voraus, zumindest wenn man aus so einer Familie wie ich komme. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich mit einer Freundin, die mich verstanden hat und ich auch sie, viel philosophiert habe und wir viele Dinge dadurch verändern konnten. Und dieser Prozess läuft sogar heute noch. Und sobald Du wirklich und wahrhaftig annehmen kannst, was deine Freunde dir schon lange sagen, kann tatsächlich Deine Sichtweise auf die Dinge sich verändern. Eine Therapie ist da ein wundervoller Helfer, der dir hilft die Dinge wieder ins rechte Licht zurücken.

30.06.2015 17:03 • x 1 #13


Grace_99


Selbsthilfebücher (oder wie man es nennen mag) ist nicht so meins; gute Gespräche da eher. Ich muss Dinge "greifen" können um sie zu verinnerlichen.

Ich bin mir manchmal nicht so sicher ob der Punkt bei mir noch kommt wo es Klick macht. Zu viel Mist, zu viel Rückschläge etc.

Vieles weiß ich, aber die Theorie ist oft in der Praxis schwer auszuhalten - innere Leere, Ungeliebtheitsgefühl etc.

Bis heute denke ich z. B. noch, wenn ich mich so und so verhalte, dann werde ich doch geliebt. In der Theorie weiß ich das dass *beep* ist, aber in der praxis verhalte ich mich leider noch zu oft so; daher kann ich die TE auch so gut verstehen, weil es mir da echt wie ihr geht. Dann öffne Therapeutin/Freunde einem die Augen - und trotzdem, wieder Bähm und voll in die sch.e gegriffen.

30.06.2015 17:10 • x 1 #14


Jay da B


Ach Grace, ich habs geahnt

Ich hab auch als Bub einen abbekommen aber gewaltig.
Bei mir ist es Vertrauen und geliebt fühlen, was...."problematisch" ist.
Das Resultat ist nicht emotionale Abhängigkeit sondern das Gegenteil.
So kann man aber die wundervolle Nähe zu einem Menschen nicht standhalten.

Is so aber ich hab auch schon viele Menschen gehabt, die mir echt geholfen haben.
Durch Taten.

Und nun mein Geheimnis:
Ich glaube fest an Gott. Ich weiß, dass Jesus mich liebt und sich freut, wenn ich ein kleines Stück in SEINE Richtung gehe.

Das ist soooo hilfreich....ach was...viel mehr noch.

30.06.2015 17:25 • x 2 #15




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