EmmaPeel
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Ich hoffe, ihr seid etwas nachsichtig mit mir, weil es mir schwer fällt, eine vierzehnjährige Beziehung mit vielen Brüchen zusammen zu fassen und mir fehlt auch viel Schlaf, weil die letzten Wochen und Monate sehr hart waren.
Ich bin 31 und habe ihn mit 18 Jahren kennen gelernt, er ist zwei Jahre älter. Vom ersten Moment an war da wirkliche Verbundenheit und wirklich sowas wie Seelenverwandschaft. Da wir uns so jung kennen gelernt haben, waren wir wohl sehr unreif, nicht wirklich klar, was jeder von uns will und ich glaube, das war ein Grund für die Probleme, die später kamen. Irgendwann hatten wir so verschiedene Vorstellungen, dass ich fand, dass er wohl doch nicht der Richtige für mich war. Er hatte sich beispielsweise ein Dro.problem eingefangen, sah es mit Verabredungen einhalten (allgemein alles betreffend) und beruflichen Plänen nicht so eng. Führerschein hat er bis heute nicht gemacht.
Ein Loser, könnte man jetzt denken. Aber einer, mit dem ich eigentlich die schönsten Zeiten meines Lebens verbracht habe. Und einer, der in ganz wichtigen Momenten, wie nach einem für mich schrecklichen Todesfall, wirklich für mich da war. Ich bin mir bis heute klar darüber, dass ich ihm dafür sehr dankbar bin.
Dann wurde ich psychisch sehr krank, bekam eine generalisierte Angststörung und konnte fast fünf Jahre nicht mehr das Haus verlassen. Teilweise wurde diese Krankheit durch ein schreckliches Erlebnis mit ihm ausgelöst, aber ich möchte ihm nicht (mehr) wirklich die Schuld daran geben. Jedenfalls war er auch in dieser Zeit immer anstandslos für mich da. Auf seine Art. Er hat auf sein Leben in dieser Zeit nicht verzichtet, ist viel ausgegangen, zu Festivals gereist usw. Ich wollte das so, weil er meinetwegen nicht auf seinen Spass verzichten sollte. Aber trotz seines Beistandes hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich jetzt einfach wirklich was gegen meine Krankheit machen musste. Also habe ich eine Therapie begonnen und mich 2013 von ihm getrennt - es war gar nicht so überdacht, ich war einfach total überanstrengt mit der ganzen Situation und meine Therapeutin redete mir zu, mich erst auf mich zu konzentrieren und sie fand auch, er sei mir eigentlich gar keine Hilfe sondern eher eine Bremse.
Mit der Zeit liess ich den Kontakt also ab 2013 abkühlen, traf ihn nicht mehr und dachte, wo ich den Schnitt gemacht habe, gibt es jetzt auch kein Zurück mehr. Er hingegen hat nie locker gelassen und das akzeptiert. Über Monate und schliesslich Jahre schrieb er mir bei verschiedenen Messengern fast täglich oder versuchte anzurfen, dass er mich vermisse, dass er sich nichts mehr wünsche, als mich zurück in seinem Leben zu haben.
Wie gesagt, ich war erstmal mit mir beschäftigt. Ich musste ganz ins Leben zurückfinden und das war nicht einfach. Aber schon 2014 begann ich, ihn furchtbar zu vermissen. So vieles, was ich jetzt wieder leben konnte, so viele Erinnerungen an früher und er fehlte mir überall. Das ging einfach nicht mehr weg und so habe ich dann im November 2015 eingewilligt, ihm wieder ein Chance zu geben und ihn nach so langer Zeit wieder zu treffen. Ich war klar und habe ihm vieles gesagt - dass er mir als Mensch sehr wichtig sei und dass ich ihn wenigstens, wenn er das denn emotional schafft, als Freund behalten will. Ob es wieder mehr würde, das müsse man eben sehen. Ich wollte ihn nicht verletzen. Er stimmte zu - wir haben mehr als nur einmal darüber geredet.
Und dann ist letztes Jahr alles komplett schief gelaufen. Es ging in den Gesprächen vermehrt um das Thema Sex von seiner Seite aus und er verheimlichte mir eine Beziehung zu einer Frau, der er die Ehe versprochen hatte - wie ich herausfand, hatte er diese Beziehung bereits seit 2012 zumindest freundschaftlich aufgebaut. Im August schliesslich erklärte er mir bei einem Treffen, dass er sich jetzt für eine Sexbeziehung mit einer Dritten entschlossen hatte, für die er aber nichts empfinde, weil sein Herz an mir hängen würde.
Und von September an habe ich plötzlich nichts mehr gehört, nur noch Vertröstungen, keine Erklärungen. Er habe Stress, würde sich ja so gern um mich kümmern, aber "gerade" nicht, "bald" und so weiter. Die Frau, der er die Ehe versprochen hatte, meldete sich bei mir (wir kannten uns zuvor nicht) und war ebenfalls ziemlich entrüstet. Sie erzählte mir, dass seine "Sexbeziehung" inzwischen mit ihrem kleinen Kind bei ihm eingezogen war. Ich hatte das nicht gewusst und fiel aus allen Wolken.
Es waren extrem schmerzliche Monate, weil ich mir - es war sicher falsch - vorgemacht hatte, wir könnten irgendwie in einer guten Verbindung bleiben. Sicher wäre es für mich vielleicht nicht einfach, eine Beziehung zu akteptieren, das ist für mich ganz neu, aber ich müsste es. Am schlimmsten war diese ganze Unehrlichkeit und wie er plötzlich eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat, wo er mich ehrlich gesagt jahrelang vollgejammert hat, dass er mich unbedingt zurück haben will, dass ich der wichtigste Mensch für ihn sei und er mich nie verlieren möchte.
Und irgendwie habe ich ihm, auch, wenn ich in den schlechten Zeiten und nach den ganzen Downs, die wir hatten, manchmal Zweifel hatte, doch geglaubt. Ich habe ihm geglaubt, wenn er sagte, dass wir ewig füreinander da sein werden, auch, wenn wir uns mal trennen.
Im Januar dieses Jahr meldete er sich aus heiterem Himmel. Er habe seine Beziehung beendet und möchte mit mir reden und sich um mich kümmern, mir alles erklären. Wir hatten ein paar Tage Kontakt, dann brach er von seiner Seite wieder ab und ich dachte bereits, dass die andere wohl wieder zurück gekommen sein könnte. Was sich auch bewahrheitet hat - die Mutter meines Exfreundes postete ein Foto von der "Glücklichen Familie" auf Facebook.
Das war gestern und ich habe ihn ohne grosse Kommentare überall geblockt und gelöscht. Auch seine Nummer. Aber es tut so weh. Er hat so viel von meinem Leben und meiner Vergangenheit ausgemacht. Mir geht es momentan gesundheitlich nicht gut, was er auch weiss und ihn überhaupt nicht zu interessieren scheint. Manchmal kommt es mir vor, als ob er sich an mir hat rächen wollen.
Und als ob es nicht heftig genug wäre, ihn zu verlieren, bricht für mich damit auch ein Bekanntenkreis weg und durch meine Krankheit habe ich ohnehin ziemlich viele Kontakte verloren bzw. lange keine neuen Leute mehr kennen gelernt. Mein Leben erscheint mir gerade total leer und ich weiss nicht, wie ich wieder froh werden soll. Wobei ich ahne, dass es einfach so sein muss. Ich meine, er hat sich jetzt für die andere entschieden, dagegen kann ich nichts machen und ich will ihm auch nicht im Weg stehen. Aber ich fühle mich irgendwie "ersetzt" und kann nicht verstehen, wie man seine Gefühle nach so vielen Jahren praktisch abstellen kann... Beziehungsweise frage ich mich da, ob überhaupt je wirklich tiefe Liebe von seiner Seite da war...
