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Entliebt und frisch verliebt

Usagi

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Hallo zusammen,

nachdem ich bereits seit Wochen stille Mitleserin in diesem Forum bin, habe ich beschlossen, nun selbst ein Thema zu eröffnen.

Zu meiner Situation: mein Mann und ich sind bereits zu Schulzeiten zusammengekommen und mittlerweile seit fast 11 Jahren ein Paar. Vor 9 Jahren sind wir gemeinsam in eine neue Stadt zum Studieren gezogen und erst im vergangenen Juni haben wir uns das Ja-Wort gegeben. Kommunikation war nie das Problem In unserer Beziehung. Ganz im Gegenteil, wir haben immer offene und ehrliche GesprĂ€che gefĂŒhrt und uns auch immer mit unseren GefĂŒhlen, Sorgen und Ängsten auseinander gesetzt. Auch teilen wir schon immer dieselben Ansichten, kommen aus demselben Umfeld und haben dieselben Vorstellungen von der Zukunft. Nun kommt aber das große Aber: in den letzten Jahren habe ich bereits gemerkt, dass ich immer unglĂŒcklicher wurde und ich hĂ€ufig das GefĂŒhl habe, alles alleine managen zu mĂŒssen und fĂŒr viele Dinge die alleinige Verantwortung trage. Meine persönlichen BedĂŒrfnisse in der Beziehung wurden immer mehr vernachlĂ€ssigt. Auch hat mein Partner seit Jahren ein Problem damit, sich seinen eigenen Problemen zu stellen und verdrĂ€ngte diese meist durch stundenlanges Spielen am PC und betĂ€ubte sich zum Teil noch zusĂ€tzlich mit Gras und Alk.. Es gab diverse Situationen in den vergangenen 11 Jahren, in denen ich mich sehr nach etwas Halt und UnterstĂŒtzung gesehnt habe und sie nicht von meinem Partner bekommen habe. Hier diverse Beispiele aufzuzĂ€hlen, macht keinen Sinn, aber ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich mich in Krisensituationen nicht auf meinen Mann verlassen kann und fĂŒr mich selbst sorgen muss. Umgekehrt habe ich immer viel geben und VerstĂ€ndnis zeigen mĂŒssen. Er steckt seit Jahren in der Selbstfindung. Nach dem Studium (bzw. verschiedenen StudiengĂ€ngen) folgte eine Ausbildung und nach der Ausbildung wieder einer Weiterbildung. Das ist ja an sich ok, aber auf die Dauer auch sehr belastend fĂŒr eine Beziehung. Die Videospielsucht ging irgendwann so weit, dass ich ihn regelrecht anbetteln musste, mit mir Zeit zu verbringen und wenn er dies tat, hatte ich immer das GefĂŒhl, er wĂŒrde es nur als Pflicht sehen und könnte es kaum erwarten, sich wieder hinter den PC verkriechen zu können.
Vor zwei Jahren war ich dann das erste Mal an einem Breaking Point und kurz davor die Beziehung zu beenden. So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Auch hier haben wir viel geredet. Er versprach mir, einiges zu Ă€ndern, ich ließ mich breitschlagen und fĂŒr eine kurze Zeit wurde es auch besser. Allerdings wurde ich auch wieder blind durch die Sorgen des Alltags. Andere private Probleme und viel Stress auf meiner Arbeitsstelle haben die Aufmerksamkeit wieder weg von meinen Beziehungsproblemen gelenkt. Trotz all der Probleme haben wir uns dann im Februar 2019 verlobt. Den Antrag hatte er mir jahrelang angekĂŒndigt, ich war mittlerweile schon genervt, da ich mir dachte, sprich doch nicht darĂŒber, sondern mach es einfach! Zu dem Zeitpunkt hatte ich das GefĂŒhl durch seine ewige Selbstfindung zu stagnieren und habe mich sehr nach Fortschritt und VerĂ€nderung gesehnt. Dass eine Hochzeit mit diesen Problemen vielleicht nicht gerade der richtige Weg war, sehe ich heute ein. Wir waren dann also verlobt und wieder war ich allein mit der gesamten Organisation, sowie mit allen anderen Problemen. Anfang Mai dann, also ca 1 Monat vor der Trauung, hatte ich eine Panikattacke und habe meinem Mann erneut erzĂ€hlt, wie unglĂŒcklich ich in unserer Beziehung bin und dass ich nicht weiß, ob ich ihn so heiraten kann und möchte. Anstatt mich zu beruhigen und die Hochzeit einfach zu verschieben ist er selbst in Panik ausgebrochen und hat sofort unsere komplette Beziehung in Frage gestellt. Er machte mir VorwĂŒrfe, sagte mir, dass er nun das Urvertrauen in mich und unsere Beziehung verloren hĂ€tte. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt jedoch die Beziehung noch nicht beenden, sondern nur mit diesem ernsten und großen Schritt noch etwas warten, bis er und wir an unseren Problemen gearbeitet haben. Hier war ich dumm und habe mich breitschlagen lassen, ihn doch zu heiraten, da ich ihm diese Ängste nehmen wollte. Damals haben wir wohl beide einen großen Fehler gemacht.

Hinzu kommt, dass mir seit ca einem Jahr mein einer Arbeitskollege nicht mehr aus dem Kopf geht. Wir hatten privat eigentlich nie etwas miteinander zu tun. Es war eine unschuldige Verliebtheit und als diese habe ich meine GefĂŒhle auch lange Zeit abgestempelt. Allerdings haben mir diese Gedanken in Kombination mit den Zweifeln an meiner Partnerschaft bereits im Januar/Februar enorm den Kopf zerbrochen. Meine Branche ist enorm von der aktuellen COVID-19 Situation betroffen und dadurch ist fast meine komplette Firma seit MĂ€rz in Kurzarbeit. Dadurch hatte ich auch immer mehr privaten Kontakt mit meinem Kollegen. Wir haben uns ca 1-2 Mal die Woche getroffen - nie heimlich - und einfach nur geredet und gelacht. Meine GefĂŒhle wurden immer intensiver, was ich aber versucht habe zu verdrĂ€ngen. Ich habe mich selbst lange belogen und war mir unklar ĂŒber meine GefĂŒhle, sowohl zu meinem Partner, als auch zu meinem Kollegen. Anfang September kam es dann so weit, dass mein Kollege und ich uns gekĂŒsst haben und auch miteinander geschlafen haben. Zwei Wochen spĂ€ter habe ich meinem Mann alles gebeichtet und bin fĂŒr eine Woche ausgezogen, damit er und ich Klarheit finden können.

Nun bin ich seit zwei Wochen wieder zu Hause. Wir haben viel geredet. Er sagt, er liebt mich abgöttisch und will mir verzeihen und an der Beziehung arbeiten. Er sieht ein, dass er mich all die Jahre enorm vernachlĂ€ssigt und nicht wertgeschĂ€tzt hat und auch, dass er ernorm an sich selbst arbeiten muss. Seitdem verbringen wir Zeit gemeinsam und getrennt und fĂŒhren immer mal wieder intensive GesprĂ€che. Morgen haben wir unseren ersten Termin mit einem Paartherapeuten. Den Kontakt zu meiner AffĂ€re hatte ich erst vor zwei Wochen abgebrochen, jedoch wuchs die Sehnsucht in uns beiden tĂ€glich, so dass wir seit zwei Tagen wieder miteinander geschrieben haben. All unsere Freunde und Familie sind informiert.
Mir ist bewusst, dass ich meinen Kollegen durch eine rosarote Brille sehe, wĂ€hrend mein Mann in mir sehr viel Frustration weckt. Mein Mann gibt sich unglaublich viel MĂŒhe und ist wie ein neuer Mensch. Ich glaube ihm auch, dass er sich wirklich Ă€ndern kann und möchte und auch an seinen GefĂŒhlen zu mir habe ich nie gezweifelt. Auch weiß ich, dass ich den anderen Mann nicht so schnell vergessen kann, aber auch bei uns gibt es eine tiefe Verbundenheit und ich habe mich in ihn verliebt und ihm geht es genauso. Ich zweifle immer mehr daran, dass ich meinen Mann ĂŒberhaupt noch liebe und frage mich, ob ich nicht seit langem nur noch freundschaftliche GefĂŒhle fĂŒr ihn hege. GĂ€be es den anderen Mann nicht, hĂ€tte ich es wahrscheinlich noch lĂ€nger versucht, aber ich habe unglaubliche Angst, den anderen Mann zu verlieren, was total egoistisch ist. Ich hoffe enorm auf den morgigen Termin und möchte zusĂ€tzlich auch noch ein EinzelgesprĂ€ch mit dem Therapeuten suchen. Allerdings frage ich mich nach der Sinnhaftigkeit einer Therapie, wenn ich im Herzen nicht wirklich dabei bin und möchte die Situation mittlerweile einfach beenden und voran schreiten. Auch sehne ich mich danach den anderen Mann wiederzusehen. Mein Mann weiß ĂŒber meine aktuelle GefĂŒhlslage bescheid, allerdings weiß er nicht, dass ich wieder mit dem anderen Mann schreibe und ich fĂŒhle mich unendlich schuldig deswegen. Das hat mein Mann einfach nicht verdient.
Ich glaube mich hindert an diesem Schritt im Grunde nur die Angst vor dem Ungewissen und mein Sicherheitsnetz und mein komplettes Leben (inkl. Zwei Katzen) das wir uns gemeinsam aufgebaut haben, zu verlieren.

Vielleicht kennt hier jemand meine Situation und hat ein paar tröstende und hilfreiche Worte fĂŒr mich.

Bitte seht von großen Schuldzuweisungen ab. Glaubt mir, ich fĂŒhle mich bereits unglaublich schlecht fĂŒr das, was ich getan habe und weiß, dass ich mich sowohl in der Vergangenheit, als auch jetzt mehr als inkorrekt verhalte.

Vielen Dank!

05.10.2020 14:25 • x 3 #1


unbel Leberwurs.


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Was ist mit dem Kollegen?
Will er Dich?

05.10.2020 14:47 • #2



Entliebt und frisch verliebt

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Bones


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Wenn du deinen Kollegen nicht aus dem Kopf bekommst,kÀmpft dein Mann doch jetzt auf verlorenem Posten.
Du hast sein Verhalten getragen, deine AffÀre rechtfertigt es nicht.
Trenn dich doch erstmal und finde dann heraus,was du eigentlich willst.Ihn im Moment kÀmpfen zu lassen ist doch auch unter den UmstÀnden Verschwendung von Lebenszeit.
Ich hoffe du planst nicht, mit dem Kollegen anzubandeln,ihn zu sichern und dann erst die Ehe zu beenden ( bei der ich mich eh frage,warum du es durchgezogen hast)

05.10.2020 15:15 • x 1 #3


Dasisaberuncool

Dasisaberuncool


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Hallo du.
Wenn du dich schon fragst, ob du seit lĂ€ngerem rein freundschaftliche GefĂŒhle fĂŒr deinen Mann hegst, dann ist das wohl auch so.
Egoistisch finde ich dich erst mal nicht. Dein Mann hatte die Chance sich zu Ă€ndern, die er zuvor nicht genutzt hat und deine nun freundschaftlichen GefĂŒhle sind das Resultat. Ich weiß nicht, ob man da ĂŒberhaupt bei einem von euch beiden von Schuld sprechen kann. Ich denke, du hast nun ein schlechtes Gewissen, weil dein Mann sich solche MĂŒhe macht. Aber das musst du nicht. NatĂŒrlich solltest du zeitnah zu einer endgĂŒltigen Entscheidung kommen, da du dann Recht hast, dass es dann tatsĂ€chlich egoistisch wĂ€re.
Ach Mensch, in deiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Also ich zumindest lese bereits deine Entscheidung raus. Du auch?
Liebe GrĂŒĂŸe.

05.10.2020 15:20 • #4


Usagi


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Ja, mein Kollege möchte auch unbedingt mit mir zusammen sein und geht ebenfalls tiefe GefĂŒhle fĂŒr mich. Allerdings möchte ich versuchen, mich davon nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen, denn in erster Linie geht es um die Beziehung und GefĂŒhle zwischen meinem Mann und mir. Gleichzeitig kann ich meine GefĂŒhle und den anderen Mann nicht ausblenden.

Das wir trotz allem geheiratet haben war ein Fehler auf beiden Seiten. Er hĂ€tte keinen Druck ausĂŒben dĂŒrfen und ich hĂ€tte standhaft bleiben mĂŒssen.

Auch ist mir bewusst, dass das Geschehene meinen Betrug nicht rechtfertigt und mein Mann das nicht verdient hat und ich fĂŒhle mich unendlich schlecht deswegen.

Ich glaube auch, dass ich mich bereits entschieden habe. Gleichzeitig habe ich riesige Angst vor den nÀchsten Schritten und das macht mir Sorgen. Gleichzeitig ist es, denke ich, normal, dass man bei einer so schwerwiegenden Entscheidung immer ein paar Zweifel hat, das Richtige zu tun?!

05.10.2020 15:29 • x 1 #5


Dasisaberuncool

Dasisaberuncool


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Zitat von Usagi:
Ja, mein Kollege möchte auch unbedingt mit mir zusammen sein und geht ebenfalls tiefe GefĂŒhle fĂŒr mich. Allerdings möchte ich versuchen, mich davon nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen, denn in erster Linie geht es um die Beziehung und GefĂŒhle zwischen meinem Mann und mir. Gleichzeitig kann ich meine GefĂŒhle und den anderen Mann nicht ausblenden.

Das wir trotz allem geheiratet haben war ein Fehler auf beiden Seiten. Er hĂ€tte keinen Druck ausĂŒben dĂŒrfen und ich hĂ€tte standhaft bleiben mĂŒssen.

Auch ist mir bewusst, dass das Geschehene meinen Betrug nicht rechtfertigt und mein Mann das nicht verdient hat und ich fĂŒhle mich unendlich schlecht deswegen.

Ich glaube auch, dass ich mich bereits entschieden habe. Gleichzeitig habe ich riesige Angst vor den nÀchsten Schritten und das macht mir Sorgen. Gleichzeitig ist es, denke ich, normal, dass man bei einer so schwerwiegenden Entscheidung immer ein paar Zweifel hat, das Richtige zu tun?!

Hm. Nach diesem Text bin ich mir nun wieder unsicher, wie du dich entschieden hast. Sollte es fĂŒr deinen Mann sein, wĂŒnsche ich dir, dass er nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurĂŒck fĂ€llt. Aber da wird euch sicher die Paartherapie bei helfen. Viel GlĂŒck dir.

05.10.2020 15:36 • #6


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von Usagi:
Vielleicht kennt hier jemand meine Situation und hat ein paar tröstende und hilfreiche Worte fĂŒr mich.

Ganz ehrlich: Mit einigen vernachlĂ€ssigbaren Unterschieden ziemlich genau die Geschichte, die mir vor vier Jahren passiert ist. Allerdings war ich nie "richtig" mit der damaligen Kollegin zusammen - das scheiterte an zu unterschiedlichen Vorstellungen und auch an meinem schlechten Gewissen, weil ich noch verheiratet war. Was sie mir aber mitgegeben hat, war die Ansage, doch erstmal grĂŒndlich in meinem Leben aufzurĂ€umen. Hat dann zwar noch ein Jahr gedauert, aber Mitte 2017 hab ich mich aus dieser Ehe, die mich eigentlich nur noch runterzogen hat, verabschiedet und bin seit Ende 2018 geschieden. Indes gehen die AufrĂ€umarbeiten im OberstĂŒbchen immer noch weiter ...

Zitat von Usagi:
Ich hoffe enorm auf den morgigen Termin und möchte zusÀtzlich auch noch ein EinzelgesprÀch mit dem Therapeuten suchen. Allerdings frage ich mich nach der Sinnhaftigkeit einer Therapie, wenn ich im Herzen nicht wirklich dabei bin und möchte die Situation mittlerweile einfach beenden und voran schreiten.

Paartherapie ist immer ergebnisoffen und das kann bedeuten, dass es auch auf eine Trennung hinauslaufen kann.

05.10.2020 17:10 • #7


Usagi


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Ich denke, wie und ob die Therapie Sinn macht, wird sich morgen auch nach der ersten Sitzung zeigen, in der wir unsere Ziele festlegen wollen. Ich versuche da recht offen ran zu gehen.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die GefĂŒhle und auch unsere Beziehung eigentlich schon seit lĂ€ngerem vorbei ist und ich es nur nie wahrhaben wollte.

05.10.2020 19:11 • #8


Bones


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Wirst du dort auch offen ĂŒber deine GefĂŒhle fĂŒr den Kollegen reden?Ansonsten macht eine Therapie auch wenig Sinn,da der Therapeut sich so kein vollstĂ€ndiges Bild machen kann und dann eher im TrĂŒben fischt.

05.10.2020 19:29 • x 1 #9


Gast2000


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Zitat von Usagi:
Ja, mein Kollege möchte auch unbedingt mit mir zusammen sein und geht ebenfalls tiefe GefĂŒhle fĂŒr mich. Allerdings möchte ich versuchen, mich davon nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen, denn in erster Linie geht es um die Beziehung und GefĂŒhle zwischen meinem Mann und mir. Gleichzeitig kann ich meine GefĂŒhle und den anderen Mann nicht ausblenden.

Das wir trotz allem geheiratet haben war ein Fehler auf beiden Seiten. Er hĂ€tte keinen Druck ausĂŒben dĂŒrfen und ich hĂ€tte standhaft bleiben mĂŒssen.

Auch ist mir bewusst, dass das Geschehene meinen Betrug nicht rechtfertigt und mein Mann das nicht verdient hat und ich fĂŒhle mich unendlich schlecht deswegen.

Hallo @Usagi und erst einmal willkommen im Forum.

Deine Geschichte ist in gleicher oder Àhnlicher Form oft in den Foren nachlesbar. Eine besondere
Brisanz liegt darin, dass es sich um einen Kollegen handelt und das meist am Arbeitsplatz nicht
gerne gesehen wird mit möglicherweise Auswirkungen auf den Arbeitsplatz.

GefĂŒhle lassen sich nicht bewußt steuern, wie damit umgegangen wird jedoch sehr wohl. Sich auf
den Kollegen einzulassen waren bewußt getroffene Entscheidungen. Du hast schon viel zu viel
zugelassen und deinen Mann betrogen, hintergangen und sein Vertrauen mißbraucht. Eine Recht-
fertigung dafĂŒr gibt es nicht. Dir ist das zwar bewußt und fĂŒhlst dich unendlich schlecht deswegen,
aber offenbar hat das auf dein Verhalten wenig bis keinen wesentlichen Einfluß.

Wenn eine Ehe/Beziehung nicht gut lĂ€uft, sind beide LP dafĂŒr verantwortlich. Wer eine AffĂ€re eingeht
trĂ€gt dafĂŒr jedoch immer die alleinige Verantwortung.

Dein EM hat letztlich nicht die geringste Chance. Vertrauen kann er dir nicht mehr, aber zumindest
Ehrlichkeit und die Karten vollumfÀnglich ohne zu beschönigen auf den Tisch zu legen hÀtte er
verdient.

Du kennst keinen Alltag mit dem Kollegen. Auch eine neue Beziehung mit ihm wird dich voraussichtlich
wieder an den gleichen Punkt wie jetzt mit deinem EM bringen. Du nimmst dich ja selber mit. Und ja,
eine Trennung von deinem EM hat einige Auswirkungen auch im gesamten Umfeld. Alles was dir mal
viel Wert war hast du aufÂŽs Spiel gesetzt.

Deine Zweifel und Ängste sagen dir das ja bereits. Was wird sein wenn die Schmetterlinge nicht mehr
fliegen, kein Hormoncocktail mehr die Sinne benebelt, der Alltag eingekehrt ist und man wieder klar
denken und sehen kann? Dein Kollege weiß ja zu was du fĂ€hig bist, was ihm ja auch so passieren
könnte. Das sind alles keine guten Voraussetzungen fĂŒr eine gute, langfristige, Beziehung.

Ich empfehle dir, bei deinem EM alle Karten ehrlich und umfassend auf den Tisch zu legen und die
erneute Kontaktaufnahme zum AM dabei nicht zu verschweigen. Vielleicht nimmt er dir ja dann die
Entscheidung ab und trennt sich von dir mit einer Fahrkarte ohne RĂŒckfahrschein. Es macht keinen
Sinn noch Zeit, Energie und GefĂŒhle in einen LP zu investieren der nicht mehr loyal zu einem steht
und fĂŒr den Betrug, hintergehen, Egoismus, lĂŒgen und Vertrauensbruch die neuen, gelebten Werte
sind.

Mir ist schon klar, es ist nicht das was du gerne hören möchtest. Dennoch kann es nicht verkehrt
sein mal inne zu halten, die rosarote Brille mal fĂŒr einen Moment abzusetzen und den Tunnelblick
verlassend zu sehen, was mache ich hier eigentlich, wo fĂŒhrt mich das hin und wo sehe ich mich
in 1 bis 2 Jahren und ist es das alles wirklich Wert?

05.10.2020 21:01 • x 2 #10


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von Usagi:
Ich denke, wie und ob die Therapie Sinn macht, wird sich morgen auch nach der ersten Sitzung zeigen, in der wir unsere Ziele festlegen wollen.

Therapie ist immer ein dynamischer Prozess und das bedeutet, dass sich auch Ziele verÀndern können. - Das muss ich meinen Supervisanden auch immer wieder sagen.

06.10.2020 09:24 • #11


Usagi


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Ja, ich kann sicher komplett offen in der Therapie ĂŒber meine GefĂŒhle reden, da ich das bereits jetzt mit meinem Mann so mache. Er weiß ĂŒber meine GefĂŒhlslage Bescheid und auch, wie sehr ich mich nach dem anderen Mann sehne und dass ich mir nicht sicher bin, ob ich fĂŒr ihn mehr als eine tiefe Freundschaft empfinde. Die erneute Kontaktaufnahme ist alles, was ich ihm verheimliche.

Gast2000 ich muss dir in vielem zustimmen und vieles, was du gesagt hast, ist mir bewusst. Allerdings muss ich dir in einem Punkt widersprechen: du kennst die Beziehung zwischen meinem Mann und mir nicht und auch die vielen Situationen in denen ich versucht habe, ihm meine GefĂŒhlslage zu vermitteln. Klar rechtfertigt das den Seitensprung nicht, denn ich hĂ€tte bereits viel frĂŒher konsequent handeln mĂŒssen. Allerdings glaube ich, dass man aus Fehlern lernen kann und nur weil es in einer 11 jĂ€hrigen Beziehung, die ich fĂŒhre seit ich 17 bin, so kam, finde ich nicht, dass all meine weiteren Beziehungen dazu verdammt sind. Ich hatte bereits vor meinem jetzigen Partner eine 3-jĂ€hrige Beziehung und ihn habe ich nicht betrogen. Klar kann ich mein Verhalten durch die Situation nicht rechtfertigen, aber ich finde auch, dass du das etwas einseitig betrachtest.
Die rote Brille absetzen fĂ€llt mir sehr schwer, ich versuche es dennoch regelmĂ€ĂŸig. Nichtsdestotrotz möchte ich versuchen, die GefĂŒhle zu meinem Mann unabhĂ€ngig zu betrachten und verspĂŒre hier aktuell nur Freundschaft. Dass ich den Schritt in 1-2 Jahren bereue kann mir mit oder ohne den anderen Mann passieren. Wissen kann man das doch vorher nie?!

06.10.2020 09:27 • #12


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von Usagi:
wie sehr ich mich nach dem anderen Mann sehne und dass ich mir nicht sicher bin, ob ich fĂŒr ihn mehr als eine tiefe Freundschaft empfinde

Da hÀtten wir doch gleich schon mal ein schönes Ziel.

Zitat von Usagi:
Die erneute Kontaktaufnahme ist alles, was ich ihm verheimliche.

Ethisch-moralisch verwerflich dem EM gegenĂŒber, aber als ehemaliger Betroffener mit Ă€hnlicher Problematik muss sich sagen, dass ich das durchaus verstehen kann.

Zitat von Usagi:
Nichtsdestotrotz möchte ich versuchen, die GefĂŒhle zu meinem Mann unabhĂ€ngig zu betrachten und verspĂŒre hier aktuell nur Freundschaft

Sorry, aber das ist ein Dreiersystem, in dem ihr da gerade steckt und aufgrund der wechselseitigen Dynamik macht es aus meiner Sicht wenig bis gar keinen Sinn, da irgendwas isoliert bzw. unabhĂ€ngig betrachten zu wollen. Da kommt dann leider/zum GlĂŒck auch immer der Systemiker durch.

06.10.2020 10:45 • #13


Gast2000


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Zitat:
Zitat von Usagi:
Allerdings muss ich dir in einem Punkt widersprechen: du kennst die Beziehung zwischen meinem Mann und mir nicht und auch die vielen Situationen in denen ich versucht habe, ihm meine GefĂŒhlslage zu vermitteln. Klar rechtfertigt das den Seitensprung nicht, denn ich hĂ€tte bereits viel frĂŒher konsequent handeln mĂŒssen. Allerdings glaube ich, dass man aus Fehlern lernen kann und nur weil es in einer 11 jĂ€hrigen Beziehung, die ich fĂŒhre seit ich 17 bin, so kam, finde ich nicht, dass all meine weiteren Beziehungen dazu verdammt sind. Ich hatte bereits vor meinem jetzigen Partner eine 3-jĂ€hrige Beziehung und ihn habe ich nicht betrogen. Klar kann ich mein Verhalten durch die Situation nicht rechtfertigen, aber ich finde auch, dass du das etwas einseitig betrachtest.
Die rote Brille absetzen fĂ€llt mir sehr schwer, ich versuche es dennoch regelmĂ€ĂŸig. Nichtsdestotrotz möchte ich versuchen, die GefĂŒhle zu meinem Mann unabhĂ€ngig zu betrachten und verspĂŒre hier aktuell nur Freundschaft. Dass ich den Schritt in 1-2 Jahren bereue kann mir mit oder ohne den anderen Mann passieren. Wissen kann man das doch vorher nie?!

Hallo @usagi. Danke fĂŒr dein Feetback. Ja. es stimmt, mein Beitrag war im Blickwinkel nicht breit
angelegt und eine Schwerpunktbetrachtung.

Unbestritten dĂŒrfte sein, dass fĂŒr den Zustand einer Beziehung/Ehe beide LP gleichermaßen verant-
wortlich sind. Das beinhaltet auch, dein EM und du habt es nicht geschafft eine gute und fĂŒr beide
bereichernde Ehe zu fĂŒhren. Anstatt das Eheschiff wieder auf Kurs zu bringen und wenn das trotz
aller ehrlichen BemĂŒhungen nicht, oder nicht mehr, möglich ist, ist letztlich eine saubere, faire Tren-
nung - ohne das ein 3. im Spiel ist, bist du einen anderen Weg gegangen.

Wo sollen denn deine GefĂŒhle fĂŒr deinen EM noch herkommen. Du hast doch - liegt in der Natur der
Sache - kontinuierlich GefĂŒhle aus der Ehe hin zum AM abgezogen und dich in den AM verliebt. Alles
ist neu, spannend und aufregend und die Schmetterlinge fliegen (noch). Letztlich bist du bereits viel zu
weit gegangen. Leider gehört es oft dazu sich seinen LP schlecht oder schlechter zu reden um vor
sich selbst besser bestehen zu können und sein Verhalten zu rechtfertigen. Insgesamt also eine un-
gute Gemengenlage in der betrĂŒgen und hintergehen zur NormalitĂ€t gehört.

SelbstverstÀndlich kann man aus Fehlern lernen. Ich halte nichts von dem Spruch " Einmal Fremd-
gÀnger, immer FremdgÀnger ". Allerdings hat ein FremdgÀnger der in einer monogamen Beziehung
bzw. Ehe lebt, die geteilten Werte und Grenzen bewußt eingerissen und hat damit bewiesen wozu
er fÀhig ist. Ob eine neue Beziehung mit Warmwechsel der richtige Schritt ist, zeigt sich erst in der
Zukunft. NatĂŒrlich nimmt man sich mit einer gescheiterten Ehe und den in einer AffĂ€re typischem
Verhalten mit in die neue Beziehung.

Klar ist/war meine Sichtweise einseitig. Du sprichst zwar davon, dein Mann hat das alles nicht ver-
dient. Das hat dich dennoch nicht davon abgehalten. Vertrauensmißbrauch mit hintergehen ist mit
das schlimmste was man seinem LP antun kann

Nein, du hast dich nicht jetzt entschieden, sondern bereits gegen die Ehe und deinen EM mit dem
Beginn der AffĂ€re, entschieden. Bedenke, die Attribute fĂŒr eine Freundschaft mit deinem NM, sind
folgerichtig ebenfalls nicht mehr vorhanden.

Ich wĂŒnsche dir die Klugheit und Weitsicht in dieser Situation das richtige zu tun und dabei ehrlich
und fair zu bleiben. Alles Gute.

06.10.2020 20:06 • x 2 #14



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