Usagi
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nachdem ich bereits seit Wochen stille Mitleserin in diesem Forum bin, habe ich beschlossen, nun selbst ein Thema zu eröffnen.
Zu meiner Situation: mein Mann und ich sind bereits zu Schulzeiten zusammengekommen und mittlerweile seit fast 11 Jahren ein Paar. Vor 9 Jahren sind wir gemeinsam in eine neue Stadt zum Studieren gezogen und erst im vergangenen Juni haben wir uns das Ja-Wort gegeben. Kommunikation war nie das Problem In unserer Beziehung. Ganz im Gegenteil, wir haben immer offene und ehrliche Gespräche geführt und uns auch immer mit unseren Gefühlen, Sorgen und Ängsten auseinander gesetzt. Auch teilen wir schon immer dieselben Ansichten, kommen aus demselben Umfeld und haben dieselben Vorstellungen von der Zukunft. Nun kommt aber das große Aber: in den letzten Jahren habe ich bereits gemerkt, dass ich immer unglücklicher wurde und ich häufig das Gefühl habe, alles alleine managen zu müssen und für viele Dinge die alleinige Verantwortung trage. Meine persönlichen Bedürfnisse in der Beziehung wurden immer mehr vernachlässigt. Auch hat mein Partner seit Jahren ein Problem damit, sich seinen eigenen Problemen zu stellen und verdrängte diese meist durch stundenlanges Spielen am PC und betäubte sich zum Teil noch zusätzlich mit Gras und Alk.. Es gab diverse Situationen in den vergangenen 11 Jahren, in denen ich mich sehr nach etwas Halt und Unterstützung gesehnt habe und sie nicht von meinem Partner bekommen habe. Hier diverse Beispiele aufzuzählen, macht keinen Sinn, aber ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich mich in Krisensituationen nicht auf meinen Mann verlassen kann und für mich selbst sorgen muss. Umgekehrt habe ich immer viel geben und Verständnis zeigen müssen. Er steckt seit Jahren in der Selbstfindung. Nach dem Studium (bzw. verschiedenen Studiengängen) folgte eine Ausbildung und nach der Ausbildung wieder einer Weiterbildung. Das ist ja an sich ok, aber auf die Dauer auch sehr belastend für eine Beziehung. Die Videospielsucht ging irgendwann so weit, dass ich ihn regelrecht anbetteln musste, mit mir Zeit zu verbringen und wenn er dies tat, hatte ich immer das Gefühl, er würde es nur als Pflicht sehen und könnte es kaum erwarten, sich wieder hinter den PC verkriechen zu können.
Vor zwei Jahren war ich dann das erste Mal an einem Breaking Point und kurz davor die Beziehung zu beenden. So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Auch hier haben wir viel geredet. Er versprach mir, einiges zu ändern, ich ließ mich breitschlagen und für eine kurze Zeit wurde es auch besser. Allerdings wurde ich auch wieder blind durch die Sorgen des Alltags. Andere private Probleme und viel Stress auf meiner Arbeitsstelle haben die Aufmerksamkeit wieder weg von meinen Beziehungsproblemen gelenkt. Trotz all der Probleme haben wir uns dann im Februar 2019 verlobt. Den Antrag hatte er mir jahrelang angekündigt, ich war mittlerweile schon genervt, da ich mir dachte, sprich doch nicht darüber, sondern mach es einfach! Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl durch seine ewige Selbstfindung zu stagnieren und habe mich sehr nach Fortschritt und Veränderung gesehnt. Dass eine Hochzeit mit diesen Problemen vielleicht nicht gerade der richtige Weg war, sehe ich heute ein. Wir waren dann also verlobt und wieder war ich allein mit der gesamten Organisation, sowie mit allen anderen Problemen. Anfang Mai dann, also ca 1 Monat vor der Trauung, hatte ich eine Panikattacke und habe meinem Mann erneut erzählt, wie unglücklich ich in unserer Beziehung bin und dass ich nicht weiß, ob ich ihn so heiraten kann und möchte. Anstatt mich zu beruhigen und die Hochzeit einfach zu verschieben ist er selbst in Panik ausgebrochen und hat sofort unsere komplette Beziehung in Frage gestellt. Er machte mir Vorwürfe, sagte mir, dass er nun das Urvertrauen in mich und unsere Beziehung verloren hätte. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt jedoch die Beziehung noch nicht beenden, sondern nur mit diesem ernsten und großen Schritt noch etwas warten, bis er und wir an unseren Problemen gearbeitet haben. Hier war ich dumm und habe mich breitschlagen lassen, ihn doch zu heiraten, da ich ihm diese Ängste nehmen wollte. Damals haben wir wohl beide einen großen Fehler gemacht.
Hinzu kommt, dass mir seit ca einem Jahr mein einer Arbeitskollege nicht mehr aus dem Kopf geht. Wir hatten privat eigentlich nie etwas miteinander zu tun. Es war eine unschuldige Verliebtheit und als diese habe ich meine Gefühle auch lange Zeit abgestempelt. Allerdings haben mir diese Gedanken in Kombination mit den Zweifeln an meiner Partnerschaft bereits im Januar/Februar enorm den Kopf zerbrochen. Meine Branche ist enorm von der aktuellen COVID-19 Situation betroffen und dadurch ist fast meine komplette Firma seit März in Kurzarbeit. Dadurch hatte ich auch immer mehr privaten Kontakt mit meinem Kollegen. Wir haben uns ca 1-2 Mal die Woche getroffen - nie heimlich - und einfach nur geredet und gelacht. Meine Gefühle wurden immer intensiver, was ich aber versucht habe zu verdrängen. Ich habe mich selbst lange belogen und war mir unklar über meine Gefühle, sowohl zu meinem Partner, als auch zu meinem Kollegen. Anfang September kam es dann so weit, dass mein Kollege und ich uns geküsst haben und auch miteinander geschlafen haben. Zwei Wochen später habe ich meinem Mann alles gebeichtet und bin für eine Woche ausgezogen, damit er und ich Klarheit finden können.
Nun bin ich seit zwei Wochen wieder zu Hause. Wir haben viel geredet. Er sagt, er liebt mich abgöttisch und will mir verzeihen und an der Beziehung arbeiten. Er sieht ein, dass er mich all die Jahre enorm vernachlässigt und nicht wertgeschätzt hat und auch, dass er ernorm an sich selbst arbeiten muss. Seitdem verbringen wir Zeit gemeinsam und getrennt und führen immer mal wieder intensive Gespräche. Morgen haben wir unseren ersten Termin mit einem Paartherapeuten. Den Kontakt zu meiner Affäre hatte ich erst vor zwei Wochen abgebrochen, jedoch wuchs die Sehnsucht in uns beiden täglich, so dass wir seit zwei Tagen wieder miteinander geschrieben haben. All unsere Freunde und Familie sind informiert.
Mir ist bewusst, dass ich meinen Kollegen durch eine rosarote Brille sehe, während mein Mann in mir sehr viel Frustration weckt. Mein Mann gibt sich unglaublich viel Mühe und ist wie ein neuer Mensch. Ich glaube ihm auch, dass er sich wirklich ändern kann und möchte und auch an seinen Gefühlen zu mir habe ich nie gezweifelt. Auch weiß ich, dass ich den anderen Mann nicht so schnell vergessen kann, aber auch bei uns gibt es eine tiefe Verbundenheit und ich habe mich in ihn verliebt und ihm geht es genauso. Ich zweifle immer mehr daran, dass ich meinen Mann überhaupt noch liebe und frage mich, ob ich nicht seit langem nur noch freundschaftliche Gefühle für ihn hege. Gäbe es den anderen Mann nicht, hätte ich es wahrscheinlich noch länger versucht, aber ich habe unglaubliche Angst, den anderen Mann zu verlieren, was total egoistisch ist. Ich hoffe enorm auf den morgigen Termin und möchte zusätzlich auch noch ein Einzelgespräch mit dem Therapeuten suchen. Allerdings frage ich mich nach der Sinnhaftigkeit einer Therapie, wenn ich im Herzen nicht wirklich dabei bin und möchte die Situation mittlerweile einfach beenden und voran schreiten. Auch sehne ich mich danach den anderen Mann wiederzusehen. Mein Mann weiß über meine aktuelle Gefühlslage bescheid, allerdings weiß er nicht, dass ich wieder mit dem anderen Mann schreibe und ich fühle mich unendlich schuldig deswegen. Das hat mein Mann einfach nicht verdient.
Ich glaube mich hindert an diesem Schritt im Grunde nur die Angst vor dem Ungewissen und mein Sicherheitsnetz und mein komplettes Leben (inkl. Zwei Katzen) das wir uns gemeinsam aufgebaut haben, zu verlieren.
Vielleicht kennt hier jemand meine Situation und hat ein paar tröstende und hilfreiche Worte für mich.
Bitte seht von großen Schuldzuweisungen ab. Glaubt mir, ich fühle mich bereits unglaublich schlecht für das, was ich getan habe und weiß, dass ich mich sowohl in der Vergangenheit, als auch jetzt mehr als inkorrekt verhalte.
Vielen Dank!
