Blouwtia
Gast
ich bin in einer Beziehung, die sich am Anfang wie die Erfüllung eines (vorher gar nicht gekannten) Traumes anfühlte. Wir waren so auf einer Wellenlänge, wir hatten die gleichen Bedürfnisse, wir haben uns super verstanden. Unsere Gefühle füreinander wurden in so kurzer Zeit so ernst, dass es schon fast unheimlich war - und genau das ist leider das Problem.
Mein Freund ist ein ziemlicher Bindungsphobiker. Er hat als Kind nie gelernt mit Gefühlen umzugehen bzw vor allem gelernt, sie zu verdrängen. Die ungewöhnlich starke emotionale Bindung, die er zu mir spürt, macht ihm Angst. Vor einem Monat hat er sich daher sehr überraschend von mir getrennt. Ich war am Boden zerstört und hab die Welt nicht mehr verstanden - der Trennungsgrund klang unglaubwürdig und erfunden... Nach einer Woche rief er an, und erklärte dass der Trennungsgrund wirklich nur vorgeschoben war, der eigentliche Grund wäre seine Angst.. Da hat er mir gegenüber dann das erste mal zugegeben, wie schwer er sich mit so viel Nähe tut. Mir war es vorher nicht bewusst, er war der aufmerksamste und liebste Freund den man sich wünschen kann und vor allem ging ganz viel unseres Kontaktes und unserer Nähe von IHM aus.
Er war sehr offen und ehrlich bereit mit mir zu reden. Er hat alle meine Fragen ehrlich beantwortet, auch wenn sie unangenehm waren. Ich habe ihm klar gemacht, dass er diese Probleme alleine nicht in den Griff bekommt. Daraufhin hat er (von sich aus, ohne Drängen meinerseits) eine Therapie angefangen.
Leider habe ich dann eine Veränderung in seinem Verhalten festgestellt - er wurde noch aufmerksamer und lieber. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass er sich dazu zwingt. Dass er ja ein guter Freund sein muss, und ein guter Freund ist rund um die Uhr für seine Partnerin da. Ich hatte das Gefühl dass er sich ein wenig selbst aufgibt, da er ein unrealistisches Bild davon hat, wie eine gute Partnerschaft funktioniert. Er hat es von seinen Eltern nie vorgelebt bekommen, da gab es nur eine Scheidung nach der nächsten. Manchmal glaube ich er hat das Bild: "Eine Beziehung ist 365 Tage im Jahr zu 100% perfekt - oder eh zum Scheitern verurteilt".
Letzte Woche hatte ich frei, er hat mich darum gebeten die Woche bei ihm zu verbringen (wir führen sonst eine Fernbeziehung, sehen uns nur am Wochenende). Nach 2 Tagen merkte ich, dass es ihm zu viel wurde. Es war wieder zu nah, er hat Angst bekommen. Als ich es ansprach, und sagte ich kann auch fahren wenn er gerade etwas Zeit für sich braucht, hat er mir widersprochen und gesagt alles wäre gut. Am dritten Tag kam er dann von der Arbeit und sagte er kann nicht mehr, die Beziehung mach ihm zu viel Angst, er will sich trennen. Es hat sich genauso angefühlt wie beim ersten Mal, das habe ich ihm auch gesagt.. Dass er dieses Gefühl doch erstmal erkunden soll, schauen soll, ob das in ein paar Tagen immer noch so ist. Er war nicht gesprächsbereit - die Beziehung ist vorbei, ich will dich nie wieder sehen.
Beim weg fahren habe ich etwas wichtiges bei ihm vergessen, also wieder umgedreht. Insgesamt war er 30 Minuten allein bis ich wieder vor der Tür stand. Ich wollte nur mein Medikament und wieder fahren. Er sagte ich soll mich doch kurz setzen, da ich so aufgelöst aussah. Dann sagte er, dass es vielleicht wirklich nicht so dramatisch ist wie er zu Beginn dachte. Dass eine Trennung vielleicht nicht nötig sei, dass er einfach nur mal "erfühlen" muss wie es ihm die nächsten Tage so geht. Er war wie ausgewechselt. Hat die Trennung zurück genommen, mir gesagt dass alles gut wird.
Als ich dann nach Hause gefahren bin, hat er mich abends noch 1-2 mal angeschrieben. Wieder sehr lieb und nett, hat mir süße Spitznamen gegeben und so gesprochen, als wäre unsere Beziehung nicht in Gefahr.
Seitdem - Funkstille. 2 Tage lang. Es hat mich sehr unvorbereitet getroffen, weil er sich sonst eben wirklich ständig meldet. Zwar habe ich ihm vorgeschlagen, dass er sich Zeit nimmt und wir den Kontakt runter fahren. Aber ich dachte man hört trotzdem vll mal alle 1-2 Tage kurz voneinander. Abends 5 Minuten, nur wie der Tag so war und dass man sich eben nicht aus den Augen verliert. Deshalb habe ich ihm gestern Abend geschrieben. Er war furchtbar abweisend, als ich fragte ob er Lust hat kurz mit mir zu chatten fragte er was denn los sei. Als ich sagte nichts sei los, ich würde einfach nur gern von ihm hören sagte er, ihm wäre nicht so danach. "es ist doch noch nicht mal ein Tag rum"... Dabei waren schon 2 volle Tage rum. Das "hätte er gar nicht mitbekommen"...
Ich habe in der Zwischenzeit mit seiner besten Freundin geschrieben, die mir bestätigte dass er gerade einfach total verunsichert ist und vor seinen eigenen Gefühlen Angst hat. Dass er Zeit braucht, ihr gegenüber aber auch klar gemacht hätte dass er das mit mir hinkriegen will. Das er gestern auf meinen Kontaktversuch so abweisend reagierte, sieht für mich auch nach Vermeidungstaktik aus. Er merkt gar nicht wieviel Zeit seit unserem letzten Gespräch vergangen ist, weil er sich meisterhaft davon ablenkt über irgendetwas wichtiges nachzudenken. Im Gegensatz zur ersten Trennung hat er diesmal ja schnell eingesehen, dass wir noch eine Chance haben. Dass es klappen kann, er einfach nur mehr Zeit für sich braucht. Eigentlich, sagt mein Kopf mir, ist alles gut. Ich muss jetzt einfach nur Geduld haben muss. Aber genau das schaffe ich nicht. Mich quälen ständig die Gedanken, ob er noch an mich denkt. Ob er schon mit uns abgeschlossen hat. Ob ich gleich einen Anruf bekomme, dass es nun endgültig vorbei ist. Dabei stehen die Zeichen ja ganz anders. Er hat ja (ohne Druck meinerseits) die Trennung sehr schnell zurück genommen. Er hat seiner besten Freundin gesagt, er will es hin kriegen. Trotzdem geht es mir so furchtbar. Ich würde ihn am liebsten anrufen und mir versichern lassen, dass alles gut werden könnte. Dass er noch nicht aufgegeben hat. Dass er noch Gefühle für mich hat. Aber ich verstehe ja, dass ich ihn genau auf diese Art und Weise NICHT anschreiben darf, weil ich ja keinen Druck ausüben will. Das würde seine Angst ja nur größer machen. Ich verstehe auch nicht, wieso ich die permanente Bestätigung brauche. Er hat es ja eigentlich gesagt, als ich bei ihm war, und er die Trennung zurück genommen hat. Er hat gesagt wir kriegen das hin, ich brauche nur Zeit. Wieso muss ich das jetzt ständig wieder hören, um nicht zu verweifeln?
Ich weiß nicht, wie ich das Warten schaffen soll. Für mich fühlt es sich nach Jahren an,er merkt noch nicht mal wieviele Tage vergangen sind
Vielleicht braucht er noch Tage, vielleicht sogar Wochen, bis er wieder bereit ist sich mir anzunähern. Ich will das auf jeden Fall schaffen, weil mir die Beziehung viel bedeutet und abgesehen davon auch absolut toll ist. Aber gerade fehlt mir irgendwie die Strategie, um mich abzulenken.
Noch ein anderer Gedanke: Ich glaube seine Therapie ist hilfreich. Die ersten Sitzungen hat er positiv empfunden, leider ist die Sitzung diese Woche ausgefallen. 2 Tage danach trennt er sich.. Ich glaube es währe wirklich hilfreich wenn er mit seiner Therapeutin reden könnte, allerdings ist die nächste Sitzung erst in 2 Wochen
Ich würde mich freuen wenn ihr mir Zuspruch geben könnt, vielleicht kennt ihr ja Tricks wie man seine Gedanken ablenkt. Leider ist gerade nicht viel mit "mach was mit Freunde, mach was schönes, tue dir was gutes" weil ich dringend 2 Hausarbeiten fertig schreiben muss und für eine Klausur lerne. Und wenn man vorm PC sitzt und seine Texte vor sich hin tippt kommt man einfach so verdammt schnell ins grübeln
EDIT: Tut mr leid wenn das der falsche Forenteil ist. Er ist ja irgendwie nicht mein Ex-Partner, manchmal fühlt es sich aber so an :/