hallo estutweh,
dein gewählter nick zeigt wie du dich gerade fühlst, aber wie jeder Schmerz wird sich auch dieser verändern und irgendwann ganz ausbleiben, vermutlich bleibt eine Narbe zurück die du ab und zu noch spüren wirst ...
da du eine Tochter hast wirst du immer wieder in Kontakt treten müssen mit dem Mann der möglicherweise bald dein Exmann sein wird ... genau für diese Tochter solltest du jetzt handeln ... die Idee für die Tochter noch einige Zeit heile Welt zu spielen ist nicht sinnvoll, die hat schon lange gemerkt, dass in ihrer Welt etwas nicht mehr in Ordnung ist und es wäre besser ihr diese Unordnung 'kindgerecht' zu erklären, anstatt sie Ängste aufbauen zu lassen, weil sie die Situation nicht einschätzen kann ... für Kinder in diesem Alter gibt es sehr schöne und anschauliche Bilderbücher, die verdeutlichen was sich verändert hat und noch verändern wird ... sie helfen dem Kind zu begreifen, vor allem dass es selbst keine Schuld daran hat ...
ansonsten sehe ich dich in einer Situation die dein Selbstbewusstsein immer weiter abbauen wird, je länger du in ihr verharrst ... dein Mann nimmt sich vor deinen Augen und mit einem Lächeln im Gesicht sein neues Leben während er dich zusehen lässt und außerdem zu Stillschweigen wegen der Tochter verdammt, er nimmt sich auch seine Wäsche mit der du nichts mehr zu tun haben sollst und setzt damit Zeichen ... nein, es ist nicht fair was er tut, aber vermutlich denkt er darüber gar nicht nach ...
vielleicht gibt dir dein Mann noch eine Gelegenheit zu einem Gespräch in welchem du erfahren kannst WIE ernst es ihm ist ... versuche es ... und vor allem fange an DICH ZU SCHÜTZEN ...
dein Mann setzt deutliche Zeichen die du erkennen und auf die du reagieren kannst ... reagiere! ... setze dich mit einem Anwalt in Verbindung, man hat so viele Fragen und keine Antworten (ja, ich weiß, auch die an den Partner, aber von dem welche zu bekommen ist eher selten) und man hat Angst vor der Zukunft ... ein Anwalt kann dir sagen wieviel Unterhalt du für dich und deine Tochter bekommen kannst, danach wirst du wissen ob er oder du die gemeinsame Wohnung verlassen wird ... du schreibst du hast keine Familie die dir helfen kann und wird und auch keine Freunde ... überlege dir für dich wie du dir helfen kannst, vielleicht gibt es einen Ort wo du früher einmal gewohnt und dich wohl gefühlt hast, deine Tochter ist noch klein genug sich irgendwo neu einzugewöhnen ...
auch wenn es dir jetzt noch das Herz zerreißt bei dem Gedanken die Trennung könnte wirklich in all ihren Konsequenzen real werden ... schmiede Pläne, überlege dir wie du deine Zukunft gestalten könntest oder möchtest ... die Auseinandersetzung mit diesen Gedanken nimmt ein wenig den Schrecken vor ihnen

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du sagst du bist 4 Jahre aus dem Beruf, das Arbeitsamt bezahlt z.B. Umschulungen und mir hat man damals gleichzeitig Kinderbetreuungskosten in Aussicht gestellt sollte ich eine Umschulung machen (nebenbei, ich habe keine gemacht) ...
verschaffe dir in Gedanken ein bisschen Sicherheit, suche nach Möglichkeiten, finde vielleicht sogar ein bisschen Freude in diesem neuen Aufbruch ... eine Ehe zerbricht nicht von einem auf den anderen Tag, sie zerfällt eher langsam und schleichend ... vielleicht ging es dir auch damit schon länger nicht mehr wirklich gut ...
für mich war die Gewissheit des Endes vor etwas mehr als drei Jahren eine kleine Katastrophe und gleichzeitig befreiend - ich war nicht mehr zum Warten verdammt, denn ich selbst hatte keine Energie und keinerlei Selbstbewusstsein mehr mich zu bewegen und habe abgewartet und ausgehalten ... mit der Gewissheit um die Trennung war meine Lethargie vorbei ... ich fügte mich in die Tatsache, konnte sie als sinnvolle Konsequenz annehmen und fing an ein neues Leben aufzubauen ...
und das geht, 'estutweh' ... man hat immer die Kraft die man braucht, auch wenn man fast nicht daran glauben will ... vertraue auf dich! ... es gab auch ein Leben VOR deinem jetzigen und genauso wird es wieder eines DANACH geben ... besinne dich auf dich und deine Stärken und vor allem deinen Willen ... sieh nicht in die Vergangenheit, vergleiche die mögliche Zukunft mit dem Jetzt ... wie lange kannst du so weiterleben? ... wie lange hältst du das aus? ...
ich weiß, es ist schwer sich in all dem Schmerz mit der Realität auseinanderzusetzen und auf eine sachliche Ebene zu kommen, aber zeitweise ist es möglich ... nutze diese Zeiten und schaffe dir Mut ...
meine Tochter war damals 'schon' 12, ich war 13 Jahre Hausfrau gewesen, krank und mit zerschlagenem Selbstbewusstsein ... ich hatte keine familiäre Unterstützung und die Anzahl der 'wirklichen' Freunde zeigte sich in der damaligen Katastrophe ... ja, mein Ex ging auch immer wieder mit einem Grinsen aus dem Haus und kehrte mit einem Lächeln zurück, was bei ihm allerdings einen besonderen Grund hatte ... 2 Monate nach der Trennung hatte ich dann einen Job (meine frühere Firma stellte mich wieder ein, vermittelt durch eine ehemalige, ältere Kollegin zu welcher ich noch Kontakt hielt), 3 Monate nach der Trennung zog ich aus 'unserem' eigenen Häuschen (musste mit Verlust verkauft werden) in eine Mietwohnung ... das neue Leben fing an, es war völlig anders, aber es ging mir besser als vorher ... natürlich war es nicht leicht, natürlich waren da immer noch und immer wieder viele Tränen, die aber wurden im Laufe der Monate immer weniger ... es ist auch heute nicht leicht, aber man findet immer Wege auf denen man weitergehen kann ... im Nachhinein gesehen habe ich vor drei Jahren ungeahnte Kräfte und Ideen entwickelt die ich mir niemals zugetraut hätte, über manches staune ich noch heute

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was mir damals geholfen hat war der Austausch mit Menschen die in genau meiner Situation waren und ein paar habe ich hier gefunden, vielleicht hast du ja das Glück und findest auch jemanden der genau auf demselben Weg ist wie du ... es ist leichter nicht ganz alleine zu sein mit dem was man gerade erlebt und empfindet ...
ich wünsche dir viel Kraft und viel Glück, was immer auch passieren wird in den nächsten Monaten ...
lilac