Kathja
Gast
Ich bin seit 14 Jahren mit einem Mann zusammen und seit 11 Jahren mit ihm verheiratet. Ich bin jetzt Mitte 40, er Anfang 50.
In der Anfangszeit haben wir ständig zusammen geklebt, nichts ohne den anderen unternommen. Eine so intensive Beziehung hatte ich vorher nicht erlebt.
Irgendwann änderte sich das, wie in den meisten Beziehungen. Wir lebten uns auseinander, wir fanden alleine neue Hobbys und machten immer weniger gemeinsam. Aber das war nicht schlimm, wir hatten einen festen Beziehungskern, habe uns immer gut verstanden und gerne gemeinsame Kuschelabende auf dem Sofa vor dem Fernseher verbracht oder zusammen gekocht.
Er war viel unterwegs, lernte viele neuen Leute kenne, vor allem auch jüngere. Ich habe mich in der Gruppe nicht so wohl gefühlt und daher meine eigenen Hobbys ausgebaut. Trotzdem hätte ich jederzeit gesagt, wir haben eine sehr gute und sehr stabile Beziehung.
Schon vor Jahren fing er mal an für eine andere Frau zu schwärmen. Ich bin eifersüchtig, in dieser Zeit habe ich ziemlich stark rumgezickt, aber auch gekämpft, dass er bei mir bleibt. Irgendwann hatte sich die Schwärmerei erledigt, und es war alles wieder wie vorher.
Das wiederholte sich mit einer etwas stärkeren Intensität 2010. Auch da war ich schon recht verweifelt, aber es ging immer irgendwie weiter und nach ein paar Monaten hat sich das Thema schleichend wieder erledigt gehabt. Knapp drei weitere Jahre war wieder alles normal.
Aber nun, vor ca. drei Monaten, fing er an, seine Freundschaft zu einer Frau auszubauen, die er schon fast so lange wie mich kennt. Ich kenne sie auch, mochte sie, wir hatten immer wieder mal zu dritt gegessen. Plötzlich sah er sie aber nicht mehr zweimal im Monat, sondern zweimal pro Woche. Er erklärte es damit, dass sie eine schwere Zeit hatte und sie viel reden würden.
Meine Eifersucht brach trotdzem wieder durch und ich zickte oft rum, wir stritten viel. Versöhnten und aber auch immer wieder. Er übernachtete dann auch öfter bei ihr, weil er sagte, er wolle bis tief in die Nacht reden und mich dann nicht stören, wenn er nach Hause kommt. Mein Rumzicken, dass er zu viel Zeit mit ihr verbracht hat, hat nur zum Streit geführt und brachte sonst nichts. Wie früher auch schon.
Als ich ihn mal fragte, ob er mit ihr auch über unsere Beziehung und die Streitereien reden würde, stritt er das vehement ab. Das hat sich als glatte Lüge herausgestellt, wie er in der Zwischenzeit zugegeben hat. Natürlich haben die beiden auch über uns geredet.
Letzten Freitag, genau an unserem Hochzeitstag beim Essen, rückte er damit raus, dass er sich in sie verliebt hätte. Er würde mich immer noch lieben, nicht weniger als sonst, aber er wäre gleichzeitig in sie verliebt und wolle Zeit mit ihr verbringen. Er wollte mich nicht verlassen, sondern er wollte halt einen Teil der Zeit, sie er sonst mit anderen Freunden verbracht hätte, mit ihr verbringen. Mir würde er nichts wegnehmen, bei uns würde alles wie immer bleiben. Das Konzept der offenen Ehe. Denn ein Mensch könne mehrere andere Menschen gleichermaßen lieben.
Ich war natürlich geschockt.
Am Samstag ist er dann zu ihr gefahren, aber nachts wieder zu mir nach Hause gekommen.
Sonntag haben wir wieder viel geredet. Dabei hat er zugegeben, dass auch sie in ihn verliebt wäre. Aber sie wäre ein so freiheitsliebender Mensch, sie würde keine feste Beziehung wollen, sie wäre vollkommen zufrieden, so wie es zur Zeit läuft. Er wäre weiterhin mein Mann, würde die meiste Zeit bei mir verbringen, nur würde er halt ab und zu zu ihr fahren und auch mal ein Wochenende mit ihr verbringen (es ist für diesen Monat schon ein Wochenende geplant).
Ich hatte ja schon damit gerechnet, dass er irgendwann wieder mit der Schwärmerei für eine andere Frau anfangen würde und die Erfahrung sagte mir ja, dass ich das nur aussitzen muss. Dass es sich irgendwann von alleine erledigt. Aber irgendwie hatte das hier ein andere Kaliber. Er war wirklich verliebt, er wurde wieder geliebt und die Frau war keine neue Bekanntschaft, sondern jemand, der ihm schon seit Jahren sehr viel bedeutete. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das nach ein paar Monaten wieder ändert, die Zeichen sind einfach anders. Er sagt selber, dass er sie schon seit Jahren so ein bisschen liebt, weil sie so gut reden können.
Am Montag, also gestern, hat er mir dann angeboten, dass er auszieht. Dabei sagte er, dass er sich auf sein Wochenendgrundstück zurückziehen will. Aber noch am gleichen Tag ist er zu ihr gefahren. Er wird nun einige Tag bei ihr verbringen. Wie lange und wie es überhaupt weiter geht, ist völlig ungeklärt.
Er will aber immer noch zu mir zurück. Er hofft, dass ich durch die Trennung meine Situation überdenke und mich damit einverstanden erkläre, dass es so läuft, wie er es gerne hätte. Und dass ich aufhöre, Druck auf ihn auszuüben und ihn zu kontrollieren, wie er mir schon lange vorwirfst. Das kommt natürlich aus meiner Eifersucht heraus. Natürlich habe ich in der Zeit, in der ich gespürt habe, dass etwas nicht in Orndung ist, versucht, Druck auf ihn auszuüben. Genutzt hat es nichts, das war mir eigentlich auch klar. Aber abstellen konnte ich es auch nicht. Ich bin so ein schlechter Schauspieler, dass ich auch nie in der Lage war, so zu tun, als würde mich das alles nicht weiter treffen.
Ich frage mich nun, ob ich wirklich so falsch denke. Ist es so falsch, einen Mann für sich alleine zu wollen? Nimmt er mir wirklich nichts weg, wenn er zu ihr geht?
Vetrauen, Geborgenheit. Kann ich das in so einer Beziehung finden? Ist so eine Beziehung besser als alleine sein?
Bin ich wirklich so ein Egoist, wenn ich es nicht ertragen kann, dass er eine andere liebt?
Verzweifelte Grüße


