Zitat von MotA: Wenn ich vormittags Kontakt zu meinem Mann habe, ist er allein am arbeiten und oft freundlicher und zugänglicher als nachmittags/abends, wenn er bei der Neuen ist und sofort genervt/aggressiv reagiert.
Vergiss nicht, er lebt derzeit zwei Leben. Das eine am Vormittag ist für die Arbeit in der er sich sicher und wohl fühlt. Das ist für ihn berechenbar und gibt Stabilität und Wohlbefinden. Dann ist er logischerweise zugänglicher, ja manchmal vielleicht sogar freundlich.
Dann ist er bei der Neuen, wo er sein anderes, aufregendes Leben lebt, in dem Du keinen Platz hast. Da wirst Du dann als Störenfried empfunden, der ihn stresst und ihn in seinem neuen Glück stört.
Das ist leicht zu verstehen, wenn man es mal durchschaut hat. Ich glaube, er fühlt sich oft gestresster als ihm bewusst ist. Vergiss nicht, welchen Anforderungen er jetzt gegenüber steht. Fast könnte man Mitleid bekommen, aber wirklich nur fast.
Da ist die unglückliche, nervtötende und auch fordernde Ehefrau, die er am liebsten los wäre, aber nicht wird. Da ist die Neue, wo er der umgänglichste und zugewandteste Mann ist, den man sich nur vorstellen kann. Denn sein neues Glück kostet auch was und das ist anstrengend, auch wenn er es nicht merkt.
Und dann ist da noch das Kind, das nicht so spurt wie er glaubt und was ihm auch wieder Stress macht. Und ein schlechtes Gewissen und das zehrt und vergeht nicht. Es lässt sich beruhigen, aber nur auf Zeit und meldet sich unbequemerweise immer wieder. Man wird es einfach nicht los.
Er lebt jetzt ein bedauernswertes Leben, denn nichts ist für ihn richtig sicher. Weder das Verhalten der bösartigen Exfrau, der man alles zutrauen kann, noch das neue Glück, denn auch er weiß, dass eine neue Beziehung auch immer Risiken beinhaltet. Und dann ist da noch das hilflose Kind, das nicht weiß, was unten und oben ist und in einem inneren Zwiespalt leben muss. Kinder sollten so etwas nicht erleben müssen, aber der Egoismus der Erwachsenen ist größer.
Wenn er grantig und bockig wird, zeigt das nur seine Überforderung, aber klar, das hilft Dir liebe MotA auch nichts, denn Du bist dem ausgesetzt.
Ihr werdet in die neue Situation irgendwann irgendwie hinein wachsen weil der Mensch sich irgendwann mit Gegebenheiten arrangiert.
Aber eine Scheidung ist immer ein enormer Stressfaktor und rangiert in der Stressskala noch vor dem Tod des Partners, denn der ist unabänderlich und unverschuldet. Eine Trennung nicht, da bleibt immer ein Rest Schuldgefühl und eine Vorwurfshaltung hängen.
Du machst ihm, dem elenden Verräter, unausgesprochen Vorwürfe und konfrontierst ihn mit den orientierungslosen Gefühlen des Kindes. Glaube nicht, dass er das nicht merkt. Aber er schiebt es beiseite und bastelt sich seine eigene Welt. Ich musste ja gehen, denn dieses Unglück in meinem früheren Leben hätte ich auf Dauer nicht ertragen. Und an diesem Unglück bist Du Schuld, wer denn auch sonst? Du hast ihn so weit gebracht, dass er gehen musste. Also beklage Dich nicht und mache ihm keinen Stress, denn er braucht seine Energie jetzt für andere Dinge.Und dann muss er auch noch spüren, dass sein Kind
Und dennoch fühlt er wohl doch so etwas wie eine zaghafte Erinnerung daran, dass ihr mal an einem Strang gezogen habt und da können durchaus latente Schuldgefühle aufkeimen. Aber nicht auf Dauer, denn hey, da ist Nextie, wo alles glänzt und schön ist. Nein, er hatte Recht da einen Schlussstrich zu ziehen.
Ich denke, das Jugendamt ist die Endstation, wenn wirklich nichts mehr geht. Aber ich bewundere Dich sehr dafür, dass Du Dir schon Hilfe bei einer Beratungsstelle suchst. Ich hoffe, dass Du dort ein wenig Unterstützung und Hilfe erfährst.
Alles andere als eine leichte Zeit für Dich, wo du Dich am liebsten in einem Schneckenhaus einigeln möchtest und doch gefordert bist und aufmerksam und achtsam agieren musst.