Pippilotta77
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Ich glaube, ich werde langsam verrückt.
Ich bin jetzt 34 Jahre alt, lebe mit meinem Mann seit knapp 10 Jahren zusammen (wird sind seit 06 verheiratet) und wir haben eine 8-jährige Tochter.
Mein Mann und ich hatten einen ziemlich schweren Start damals.
Er wurde ein Jahr vorher von seiner Frau verlassen (brannte mit seinem 3 Monate alten Sohn mit seinem besten Kumpel durch) und ich wuchs in einer Familie auf, die von Hass, Gewalt und psychischer Grausamkeit geprägt war.
Wir waren also zwei "gebrannte" Kinder.
Mein Mann war schon immer dem Alk. sehr zugetan. Damals aktiver Fußballer und ständig prall und immer auf dem Fußballplatz.
Wir haben damals nicht zusammen gelebt und so empfand ich das zwar als lästig, aber es war nicht wirklich ein Problem für mich.
Auch, dass seine Ex ständig dazwischen geschossen hat, konnte ich noch einigermaßen so ertragen.
Als ich dann nach knapp einem Jahr mit meiner Tochter schwanger war und ich auch da die meiste Zeit auf mich allein gestellt war (er besoffen und ständig auf m Fußballplatz) gingen so langsam die Probleme los.
Und als dann im 5. Schwangerschaftsmonat festgestellt wurde, dass unsere Tochter schwer krank ist (Tumor am Steißbein) und uns gesagt wurde, dass wir nicht damit rechnen können, dass das Mädel lebend zur Welt kommt, wurde alles noch viel schlimmer.
Ich erhoffte mir ihn an meiner Seite zu haben. Er war "körperlich" anwesend, wenn Arzttermine anstanden begleitete er mich oft. Aber emotional konnte ich nicht auf ihn zählen.
Wir waren beide unendlich traurig über dieses schwere Schicksal und hofften nur, dass unser Baby den Weg in diese Welt findet.
Während ich tägliche Untersuchungen in sämtlichen Spezialkliniken über mich ergehen ließ, ertränkte er seinen Kummer weiterhin im Alk und war noch weniger zu Hause.
Wenn ich um mein Baby weinte, fing er Streit an, weil er es nicht ertragen konnte.
Schlußendlich schaffte unsere Maus es aber doch den schweren und steinigen Weg zu meistern.
Sie wollte mit Gewalt auf diese Welt - das sagen heute die Ärzte: "Sie ist eine Kämpfernatur".
Mittlerweile ist sie 8 Jahre alt. Zwar immernoch ständig in Behandlung (eine Lähmung am Fuß und eine riesige Narbe sind übriggeblieben).
Nichts zu der Prognose, die uns die Ärzte damals gaben.
Wir sind glücklich, dass wir sie haben. Aber diese ganze Geschichte und auch dieser ganze Alltag (ich bin ständig mit ihr bei Therapeuten, Ärzten und Krankenhäusern, immer wieder Operationen etc.) hat tiefe Spuren hinterlassen.
Meine Eltern konnten mit dem Gedanken nicht leben ein behindertes Enkelkind (nur eine Körperbehinderung, sie ist Klassenbeste, schreibt nur Einser und Zweier und ist bildhübsch) zu haben.
Sie geben mir die Schuld. Der O-Ton meiner Mutter war "Kind, das hättest Du nicht auf die Welt bringen dürfen. Sowas darf man nicht".
Meine Mum war immer der Auffassung, dass meine Tochter aufgrund der Lähmung nicht in eine normale Schule gehen sollte, weil man diesen Anblick den armen gesunden Kindern ersparen sollte.
Kurzum: Meine Familie hasst unsere Tochter.
Naja, zurück zur Geschichte:
Meinen Mann zog es von je her weg von uns.
Als unsere Tochter ca. 3 Monate alt war, bin ich gegangen und habe ihm damals gesagt, er soll sich erst melden, wenn er die Alk. im Griff hat.
Was darauf folgte war eine dreijährige Suchttherapie, die ich mit ihm durchstand.
Er hat bis heute keinen Tropfen Alk. mehr getrunken.
Die Therapeuten baten mich damals ihm zu helfen, ich hab es getan. Bin zu ihm zurückgegangen und war einfach für ihn da.
Die ganze Zeit. Ich hatte also zwei kranke Menschen, um die ich mich zu kümmern hatte.
Keine Familie, keine Freunde, niemanden, der mir mal auch nur irgendwie hätte geholfen.
Seine Familie tickt ähnlich wie meine. Da haben wir nichts zu erwarten.
Obwohl er keine Rückfälle hatte, war die Zeit unglaublich schwer für mich weil wir nur gestritten haben. Ständig und immer.
Klar, ich war ja schuld, dass er nicht mehr trinken durfte.
Aber er hats gepackt und ich bin unendlich stolz auf ihn (was ich ihm auch mehrmals gesagt habe).
Jedenfalls war die Bedingung der Therapeuten (die Therapie ging ambulant über knapp 3 Jahre), dass er sämtliche Orte, Menschen etc. die ihn zum Trinken verleiten könnten meiden musste.
So auch den Fußballplatz.
Er hat das gemacht und ich bin ihm dafür dankbar.
Er brauchte nun Ausgleich und den fand er in der Arbeit. Immer und ständig war er im Wald beim HOlz machen oder hat sich anderweitig beschäftigt.
Nur eben nie mit meiner Tochter oder mit mir.
Als die Kleine noch Baby war, empfand ich das nicht so dramatisch.
Aber seit ein paar Jahren tut mir das unglaublich weh, wenn ich sehe, dass er vor uns regelrecht wegläuft.
Und unsere Tochter fragt auch ständig, warum der Papa nicht da ist etc.
Er tut unglaublich viel für unsere Tiere.
Baut Koppeln für die Pferde etc.
Aber er macht halt auch einfach ständig irgendwelche sinnlosen Sachen, um beschäftigt zu sein.
Wir machen kaum etwas zu Dritt. Und wenn, dann ist ihm das alles innerhalb kürzester Zeit zu Wider.
Vor ein paar Wochen hab ich gedrängt, dass wir doch wenigstens eine Stunde zusammen radfahren.
Nach viel Theater ist er mit uns gefahren.
Unsere Tochter ist dann im Wald gefallen und er hat die Kleine dafür angeschrien und gemeint sie wär ja für alles zu blöd.
Als ich schlichten wollte hat er mit mir geschimpft und nur gemeint ich wär nicht zu ertragen, nahm sein Fahrrad und fuhr nach Hause (wir waren da grad mal 10 Minuten unterwegs).
Als wir dann heimkamen feilte er an seiner Kettensäge und seine Welt war in Ordnung.
Und so ist das ständig. Ich kann ihn doch nicht überreden mit uns was zu tun, wenn er im Grunde nicht will?
Es läuft jedes Mal darauf raus, dass wir streiten und er somit wieder einen Grund hat "zu gehen", weil man es mit mir nicht aushält.
Er macht nichts mit seiner Tochter. Bin ich krank, müssen ihre Physiotermine ausgesetzt werden. Er geht nicht mit ihr (die Termine sind oft abends - er wäre da zu Hause).
Er hat mit dem Kind nichts zu tun.
Und jetzt seit ein paar Wochen hat er sich vorgenommen eine Fußballmannschaft zu trainieren (die Kinder sind so zwischen 10 und 11 Jahre alt).
Sein O-Ton war "Ich muss was mit Kids und Fußball machen"...
Er muss mich sicherlich nicht um Erlaubnis fragen, aber er hat es einfach so beschlossen.
Ohne wenn und aber. Nachdem wir nur ein Auto haben und überhaupt niemanden, der ab und zu mal auf unsere Tochter schauen könnte, muss ich jetzt ständig sehen, dass sich nichts überschneidet.
Er steht auf dem Standpunkt, dass er das Sagen hat und tun und lassen kann was er will, weil er das Geld heimbringt.
Ich muss sagen, dass ich zwar händeringend nach einem Job suche, aber das mit einem kranken Kind und den ganzen Therapien unglaublich schwer ist, weil ich auch niemanden habe, der einspringt wenn s nötig ist.
Was halt am Schlimmsten ist, ist die Tatsache, dass er einfach nicht mit mir über gewisse Dinge spricht.
Ich erfahre alles über Ecken oder im Nachhinein.
Erst sagt er das Training ist einmal die Woche und einmal ein Spiel.
Jetzt muss er plötzlich zweimal die Woche Training machen, dann zu den Sitzungen und den Spielen.
Die Termine unsere Tochter betreffend stehen im Kalender seit Monaten und er schafft es nicht das zu planen, dass ich die wahrnehmen kann.
Ich muss zusehen wie ich dann klar komm oder die Termine einfach absagen.
Ich komm mir so schäbig vor.
Gestern hab ich nur versucht das Ganze mit ihm zu besprechen und habe ihn erinnert, dass ich am 12.6. einen Termin in der Schule habe abends und er da zu Hause sein muss wegen unserer Tochter.
Der Termin steht seit 4 Monaten im Kalender und er wußte ihn auch.
Aber leider ist da jetzt ein Fußballspiel, das ER (und das macht mich so wütend) auf den 12. gelegt hat, weil er es angeblich nicht wußte, dass ich ihn da brauche.
Warum macht er das?
So blöd ist doch keiner!
Wir haben deshalb gestern einen mega Krach gehabt, weil ich irgendwo doch auch zu recht sauer war.
Er hat mich dann beschimpft und gemeint ich wäre das größte A.... , das es auf der Welt gibt.
Und wäre überhaupt nichts wert und ich sollte erstmal was leisten im Leben, bevor ich mich mit ihm anlege etc.
Ich wäre ein Niemand ohne ihn und es wäre ja klar, dass er keine Lust hätte zu Hause zu sein bei so einer Frau.
Ich bin einfach am Ende. Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Jetzt hab ich natürlich auch Angst, dass das mit der Trinkerei wieder losgeht.
Solange ich ihn gewähren lasse und ihm seine "Auszeiten" gönne, funktioniert unsere Ehe.
Aber ich halte das einfach nicht mehr aus.
An den "Fußballtagen" ist er aufgedreht wie noch was. Die anderen Tage fällt er abends um 8 tropfmüde auf die Couch und schläft.
Wir haben abends mit MÜhe und Not eine Stunde und selbst da sollen wir ihn nach Möglichkeit in Ruhe lassen.
Will die Kleine ihm was erzählen vom Tag reagiert er genervt.
Im Gegenzug muss ich mir aber ständig anhören wie toll "seine" Fußballjungs sind und dass für sie nur Fußball zählt und wie toll er das findet und dass er mit denen im Sommer zelten gehen wird und zum See zum Baden etc.
Als seine Tochter letzten Sommer mit ihm im Wald zelten wollte hat er gemeint, das braucht er nicht mehr, er wäre aus dem Alter raus.
Und am See war er mit uns nicht ein einziges Mal. Er mag ja den See überhaupt nicht.
Bei unserer Tochter sind viele Dinge, die sie tut nicht selbstverständlich.
Die Prognose war damals so, dass uns die Ärzte gesagt haben, sie wird niemals laufen können und wir sollten uns damit abfinden.
Heute ist sie bei den Einrad-Artisten und hantiert mit dem Einrad, als wäre sie damit zur Welt gekommen.
Gewinnt sämtliche Reiterwettbewerbe, fährt Fahrrad, schwimmt etc.
Aber das ist für ihn einfach nicht wichtig.
Wenn der Nachbarsjunge draußen aber mit m Fußball hantiert kann er sich nicht mehr satt sehen und ich muss mir ständig anhören wie toll die anderen KInder sind.
Ich kann doch nichts dafür, dass ich nicht geschafft einen Jungen auf die Welt zu bringen.
Sie ist nunmal ein Mädchen.
Ich denke pausenlos daran meine Sachen zu packen und zu gehen und ihm seine Freiheit zu schenken.
Ich bin sein HInderungsgrund und das möchte ich gar nicht.
Aber meine Tochter liebt ihren Papa über alles und außerdem haben wir uns das leider angetan n Haufen Tiere zu haben.
Pferde, Katzen Schaf...
Die Tiere halten mich immernoch ein bißchen bei Laune.
So weiß ich zwischendrin wenigstens immer, dass ich nicht ganz umsonst auf dieser Welt bin.
Ich hab vor zwei Jahren ein Rehkitz mit der Flasche aufgezogen, was nun mit einem Schaf und den Pferden zusammen wohnt, weil ich es nicht mehr auswildern konnte, da es auf einem Auge blind ist.
Ich liebe meine Tiere und ich liebe meine Tochter.
Ich liebe, glaub ich, auch meinen Mann, sonst würde mir diese ganze Sache wahrscheinlich nicht so weh tun.
Aber ich sehne mich einfach nach einem ganz normalen Leben.
Ich habe das Gefühl, dass ich einzigst und allein dafür auf der Welt bin, um zu sehen, dass es allen um mich rum gut geht.
Ich gehe mit meiner Tochter 3 bis 4 Mal zu den Therapien pro Woche. Ich ziehe verwaiste Findel-Tiere auf.... Momentan eine Eule...
Und ich bin stolz, dass ich die Viecher immer durchbring und stolz, dass ich die Kraft hatte für mein krankes Kind da zu sein.
Aber ich fühl mich so ausgebrannt.
Vielleicht bin ich ein Monster, mit dem man(n) wirklich nicht leben kann.
Ich habe jetzt mal gesagt, dass ich mir jetzt auch einen Ausgleich zur Familie suche, so wie er das macht.
Da ist sein KOmmentar lediglich dazu, dass ich ne Verpflichtung zu Hause hätte. Ich hätte ja schließlich ein Kind und die Tiere.
Ein gemeinsamer Bekannter (hat selbst Familie) hat mich neulich eingeladen mit ihm Klettern zu gehen.
Da war der O-Ton meines Mannes: "Wenn ich spitz krieg, dass Du das gemacht hast, schmeiss ich Dich mit Sack und pack raus."
Das gleiche krieg ich zu hören, wenn ich sage, ich geh mit meinem Schwager radfahren etc.
Sobald ich ihm dagegen rede, fängt er an mir zu drohen.
Ich weiß es einfach nicht.
Danke für s "Zuhören"
