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Erneute Trennung - Komme nicht damit klar

Enyu

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Hallo ihr Lieben.

Ich bin neu hier und derzeit völlig am Ende, dachte es wäre gut mir mal alles was passiert ist von der Seele zu schreiben, da es mich überfordert. Ich frage mich was ich falsch gemacht habe, ob noch eine Chance besteht und ob er eventuell Bindungsängste hat. Auch wenn es vermutlich nun für immer vorbei ist. Einfach mal alles loswerden.

Ich bin 25, mein Ex-Partner 8 Jahre älter und wir haben uns vor fast einem Jahr online kennen gelernt (die Beziehung ging mit Pausen nur etwa 10 Monate und wir wohnten etwas über 2h entfernt). Anfangs hatte ich erst gar kein Interesse aber er bemühte sich sehr um mich und es funkte. Wir waren beide Hals über Kopf verliebt und hatten eine schöne Zeit, überlegten sogar etwas voreilig schon nach 2 Monaten zusammen zu ziehen (laut ihm wünschte er sich dort wegzukommen da schwieriges Familienverhältnis). Ich wollte nicht zu ihm, sondern zu meiner Familie die etwa 3h von ihm weg wohnt und ihn sehr lieb behandelte von Anfang an. Zu dem Zeitpunkt sahen wir uns häufig, fast jedes Wochenende fuhr er zu mir (wir hatten ihm zusammen ein Auto geholt, ich selber habe keins und kann nicht fahren) und anfangs sogar mehrfach unter der Woche. Sein Hund war auch oftmals wochenlang bei mir da ich mehr Zeit für ihn hatte und den Kleinen liebte. Er brachte bereits seine Kartons zu mir und bezog meinen 2. Kleiderschrank (viel hat er nicht da er nach letzter Trennung bei seinen Eltern unterkam) und kündigte, zog damals aber plötzlich alles zurück, meinte er wolle doch nicht dort weg und trennte sich plötzlich nach 4 Monaten. Für mich brach eine Welt zusammen. Da ich eh schon Depressionen hatte und überfordert war, unternahm ich leider einen Selbstmordversuch und befand mich danach länger in einer Klinik.
Nach einigen Wochen besuchte er mich dort und wir kamen wieder zusammen.

Wieder lief es eine zeitlang gut, allerdings hatte ich seitdem echt Probleme ihm zu vertrauen nach allem was passiert war. Mit der Zeit besserte es sich, aber Verlustängste waren da. Wir hatten häufiger mal kleine Streits wegen oftmals unnötigen Dingen - ich rede oft sehr viel und bin wenn ich mir was wünsche auch gern mal direkt, arbeite aber auch an mir und bin in Therapie. Viele Sachen verstand ich aber auch gar nicht weshalb sie eskalierten, manchmal wirkte es auf mich als wurde er aus heiterem Himmel sauer. Oftmals zog er sich dann zurück und meldete sich ewig nicht. Für mich kaum auszuhalten
Zu der Zeit besuchte er mich immer seltener. Oft nur noch alle 3 Wochen, oft wusste ich erst wenn er vor der Tür stand dass er kommt, da er nie wirklich planen wollte. Da er vorher viel öfter da war, war ich entsprechend unglücklich damit. Aber alles was er dazu meinte war, die Fahrerei sei ihm zu viel.

Weitere Probleme gab es weil er Schulden hatte und mir dies lange gar nicht erst erzählt hatte bzw behauptete, das sei vorbei. Nun kamen aber neue Schulden dazu. Bis heute habe ich das nicht ganz verstanden, stellte ich Fragen dazu wurden diese nur halb beantwortet. Es ist, als seien die Schulden "verschwunden", er meinte die Schuldner waren nicht mehr zu erreichen und er müsse nix mehr zahlen. Fragte ich mehr dazu kam nur er regelt das schon und ich soll ihm mal vertrauen. Fand ich sehr seltsam.

Ein weiteres Problem war, dass sein Hund immer mehr Verhaltensprobleme an den Tag legte (er war wieder meist bei ihm). Als wir uns kennenlernten war er ein Welpe. Er hat ihn viel zu früh und lang alleine gelassen meiner Meinung nach. Heute ist er ein sehr hibbeliges, hyperaktives Tier und springt bei jeder Bewegung hoch wie ein Silvesterböller. Zieht wie verrückt an der Leine und springt jeden vor Freude an. Hört auf ihn oft nur auf das 3. oder 4. Kommando und er scheint das so ok zu finden. Ebenso zerfrisst der Hund alles mögliche, selbst sein eigenes Bett oder Geschirr.
Aber auch da hatte ich das Gefühl, sobald ich es anspreche war er genervt. Drohte sogar einmal ihn abzugeben. An manchen Sachen arbeitete er dann aber eher nicht konsequent und es wirkte mir als macht er das eher damit ich ruhig bleibe - das fand ich sehr schade, da der Hund wirklich selber darunter leidet.

Nun war in der Zeit noch 2mal (? Bin nicht mal mehr sicher wie oft) seinerseits Schluss (einmal löschte er mich überall), aber er kam immer nach wenigen Tagen zurück und entschuldigte sich. Kurzzeitig beleidigte er mich sogar 2mal, woraufhin ich die Reißleine ziehen wollte, aber da wiederum fragte er mich was der Mist soll und irgendwie blieb ich dann doch weil ich mich schuldig fühlte - wie bei den meisten unserer Streits :/
Selbst Silvester ließ er mich ganz alleine obwohl er wusste, dass ich meine Familie wegen Corona nicht sehen konnt und mir viel daran liegt. Da reagierte er nur genervt, kam aber nicht. Meine Familie ist ihm gegenüber mittlerweile - verständlicherweise - auch eher skeptisch. Besonders meine Mutter hält nicht von ihm, aber er wird akzeptiert und hätte jederzeit eine Chance das Verhältnis wieder zum Guten zu wenden.

Interessanterweise lief es dann aber einige Monate besser, eigentlich wieder wie am Anfang. Er gab sich viel Mühe, alles war schön, wenig Streit und er kam mehr auf mich zu - hätte nicht gedacht dass ich meine Bedenken nochmal ablegen könnte aber es war so. Er kam sogar von sich aus auf mich zu und wollte nun doch mit mir zusammen ziehen. Fuhr tatsächlich spontan mit mir dahin um ums das anzusehen, rechnete Kosten durch etc.
Dann gab es während der Fahrt wieder einen Streit - er schnallt sich und den Hund nie an (hab ich bisher hingenommen aber sagte ihm bereits dass ichs nicht gut finde) und nahm auch einmal das Handy während des Fahrens in der Hand - da wurd ich sauer. Das führte erstmal wieder zu längerem Schweigen und als er dann mit mir darüber reden wollte, habe ihm auch gesagt das möchte ich so nicht in Zukunft. Dass ich dann nicht mehr einsteigen werde und ich mir schließlich auch mal ein Kind wünsche (er hat übrigens bereits eins was er zwar selten sieht macht es aber trotzdem!) und ich das unverantwortlich find.

Das Ende vom Lied, er packte all seine Sachen und ging, mit der Begründung er wolle sich nicht verändern lassen und wir haben nur noch Streit, er sei zu schlecht für mich. Ich bin seitdem völlig am Ende. Das ist nun etwa 10 Tage her. Noch vor 2 Wochen haben wir unsere Zukunft geplant und er sagte selber dass er sich eine Beziehung für immer wünsche und nun das. Er rief mich vor 2 Tagen auch einmal an und wollte mir (glaube ich?) noch einmal erklären, was seine Gründe waren. Aber für mich fühlte es sich eher an als schiebt er alle möglichen Gründe vor, als wolle er gar keine Lösung finden, ich weiß nicht. Am Ende legte er auf und meinte er sei zu schlecht für mich.
Ich schrieb ihm letztendlich nur noch eine Nachricht in der ich ihm für die schöne Zeit dankte, sagte was ich an ihm sehr schätzte und dass ich mir wünsche dass er glücklich wird aber eine Freundschaft für mich nicht möglich ist. Seitdem war kein Kontakt weiter.

Ich verstehe das alles nicht. Was ich dazu sagen sollte: Ich habe jetzt viel von seinen negativen Seiten erzählt, aber es gab natürlich auch viele gute. War er hier lief es meistens sehr harmonisch, mit viel Nähe und wir hatten auch einiges gemeinsam. Auch wenn er weg war schrieb er mir viel und oft, auch von sich aus. Über sein Leben redete er allerdings weniger (ich weiß aber definitiv dass er sowohl mit Familie als auch Exfreundinnen schlimmes durchgemacht haben muss) und über sich selbst redete er auch meist sehr schlecht.
Ich habe auch versucht dass es ihm gut geht, habe angefangen kochen zu lernen um ihm wenn er nach der Arbeit herfährt eine Freude zu bereiten. Habe alles getan damit er an sein Lieblingsauto herankommt (obwohl ich das absolut nicht mag eigentlich), ihm sogar beim rumwerkeln am Auto etwas geholfen.
Bin gerne mit ihm Motorrad gefahren (war vorher auch nicht meins) und war auch bemüht, ihm bei vielem entgegenzukommen.

Nun bin ich einfach traurig und wünsche ihn mir eigentlich am liebsten zurück, aber ich hab das Gefühl er steht sich da selbst sehr im Weg. Meine Vermutung war auch, dass er Bindungsängste hat. Das würde nämlich sowohl zu seiner Vergangenheit als auch zu vielen Verhaltensmustern passen. Leider ist er so gar nicht der Typ, der was von Therapie hält und ich fürchte auch dass er da nicht groß Fehler bei sich sucht.
Ich hab sicher auch ne Menge Fehler gemacht und geb immer mein bestes daran zu arbeiten. Aber oft fehlte mir auch einfach Feedback oder er erwartete beispielsweise, dass ich ihm nach sovielen Trennungen sofort wieder 100% vertraue was mir nun mal schwer fällt. Ich neige auch oft dazu bei Diskussionen das Thema totzureden, das ist schlecht ich weiß. Aber wenn ich ihm vorschlage zu sagen "Hey Schatz, gib mir Zeit lassen wir das erstmal ruhen und ich komme später nochmal auf dich zu" oder sowas, heißt es nur macht er ja immer (was definitiv nicht stimmt) oder er erwartet dass ich Gedanken lese . Da fühle ich mich einfach unverstanden

So das sind so die Gedanken, die mich derzeit ständig umkreisen. Fürchte zwar ich weiß, dass es vorbei ist und er sich nie ändern wird, aber irgendwie würde ich es gerne verstehen und die Hoffnung ist eben doch da Er fehlt mir so sehr.
Sorry für soviel Text und vielen Dank fürs Lesen und ich bin sehr gespannt wie eure Meinung dazu ist...

05.04.2021 17:27 • #1


Nomina


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Ob er eine Bindungsangst hat lässt sich ohne ihn zu kennen natürlich schwer beurteilen aber selbst wenn: es ist ja nicht so, als wäre dies das einzige Problem, an dem sich sicher arbeiten lassen würde, er hat Schulden, ist mit der Familie zerstritten, hat kaum Kontakt zum Kind. Der soll erstmal sein Leben ordnen, bevor er sich den Problemen auf Partnerschaftsebene widmen kann.

05.04.2021 17:43 • #2



Erneute Trennung - Komme nicht damit klar

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Sallys


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Hallo Enyu,
habe deine Story gelesen und es tut mir leid,dass es dir schlecht geht. Ich weiß genau wie du dich fühlst- so wie wahrscheinlich alle anderen hier- meine Trennung war vor ca.2 Monaten nach 11(!)Jahren. Aber jetzt wieder zu dir:
Für mich hört sich das ganze so an,als hättet ihr beide einige Baustellen.
Wenn du weißt, dass in seiner Vergangenheit einiges vorgefallen ist und er das aber anscheinend auch nicht irgendwie aufarbeiten möchte, kann ich dir sagen: lass die Finger davon und konzentriere dich lieber auf dein Leben und deine Gesundheit!
Man kann Menschen leider - oder Gott sei Dank- nicht ändern, wie man es nimmt. Vor allem kannst du seine Vergangenheit nicht ändern oder ihm damit helfen, wenn er sich selber nicht damit auseinander setzen möchte. Es ist auch unfair "Altlasten" in eine neue Beziehung zu nehmen und dann nicht alles Preis zu geben. Dann hätte er die Dinge vorher klären müssen.
Zumal ich auch das Gefühl habe, dass er für sein Alter etwas unreif ist,wenn ich an die Erziehungsmittel bzgl.seinem Hund oder an die Art des Auto fahrens denke, aber das ist meine persönliche Meinung.
Versuch dich mit allem möglichen abzulenken. Geh spazieren,schau dir lustige Videos auf Insta an, geh einem Hobby nach oder schau doch mal zu deiner Familie. Mir hilft das zumindest. Klar gibt es wieder Phasen, wo ich nur heulen könnte- und das mache ich dann auch, ist ja auch OK. Aber es wird Schritt für Schritt besser. Gib dir Zeit.

05.04.2021 17:59 • #3


will_hunting

will_hunting


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Ihr habt beide Eure eigenen Baustellen und das hat die Beziehung auf Dauer nicht verkraftet.

Thema "Bindungsangst":
Irgendwie lese ich diesen Begriff hier gefühlt in jedem zweiten Thread.
Meine Therapeutin meinte dazu, dass es so eine Diagnose nicht gibt, sondern dass so etwas häufiger bei Menschen auftritt, die meistens schon von frühester Kindheit an keine oder zu wenig sichere Bindungen erlebt haben. Bei einer Reihe dieser Menschen ist es Teil einer speziellen Traumafolgestörung. Das kriegt man aber in aller Regel erst durch umfangreichere Diagnostik raus.

Was Du über Deinen Ex-Partner schreibst, geht teilweise in diese Richtung. Abschließend kann das aber nur ein Fachmann klären. Wenn er dazu nicht bereit ist, dann ist das seine Entscheidung und er muss dann eben mit den entsprechenden Konsequenzen leben. That's life.

Immerhin bist Du selbst in Therapie und hast einige Deiner Anteile an der ganzen Entwicklung schon ganz gut reflektiert. Das wird Dir den Herrn nicht wieder zurückbringen, aber es wird längerfristig verhindern, dass Du diese Fehler nochmal machst. Daher würde ich sagen, dass es jetzt in erster Linie wichtig wäre, dass Du Dich um Dich selbst kümmerst.

05.04.2021 18:01 • x 1 #4




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