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Erste große Liebe vorbei

Marloni

Marloni
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Hallo liebe Community. Ich bin neu hier , angemeldet habe ich mich weil ich mich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig schlimmen Liebeskummer stellen muss. Ich hatte zwar schon Partnerschaften, sogar als Jugendlicher schon längere, aber so eine Krise wie jetzt habe ich noch nie erlebt. Mein ganzes Nervensystem ist völlig außer sich, mir geht's wirklich auch richtig körperlich schlecht. Mittlerweile geht es aber schon etwas besser, jede Woche geht's ein kleines Stück bergauf. Jetzt mal zu meiner Geschichte:

Ich bin mit meiner Ex zusammen gekommen als ich 21 war. Ich hatte eine schwierige Zeit hinter mir, eine OP, viele persönliche Unsicherheiten, und sie war viel für mich da. Ich wusste sie mochte mich, ich war damals aber nicht verliebt in sie, aber ich habe irgendwann das Gefühl bekommen sie würde mir gut tun, also gab ich der Sache eine Chance. Wir kamen zusammen, sind auch zwei Mal umgezogen, letztes Jahr in ihr Heimatdorf zurück, wo ich mich auch sehr wohl fühle und wollten uns weiter eine Zukunft aufbauen. Jetzt, nach 8,5 Jahren ist es vorbei. Ich bin vor einigen Wochen 30 geworden. Die Trennung ist 6 Wochen her.

Mir hat es wirklich den Boden unter den Füßen weggezogen und ich musste feststellen, das was fast noch mehr schmerzt als der Verlust des Menschen, ist das ganze drum herum, die Zukunftsvorstellungen und alles was damit verbunden war.

Tatsächlich kamen auch noch einige sehr unschöne Dinge ans Tageslicht, ich wurde nämlich von ihr in der frühen Phase unserer Beziehung mehrfach betrogen. Das war der zweite Schlag ins Gesicht. Mir ist klar geworden, ich hatte viele Themen und sie hatte vielen Themen, wir waren unsicher. Das rechtfertigt in keiner Weise den Betrug, aber es macht das Bild für mich etwas vollständiger. Während der Beziehung war meine Wahrnehmung eine ganz andere, ich dachte es sei alles perfekt, ehrlich gesagt habe ich ziemlich viel meines Sicherheitsgefühls und meines Selbstwerts aus der Beziehung genommen.

Obwohl ich wahnsinnig traurig bin, merke ich jetzt schon nach einigen Wochen, dass sich mein Leben irgendwie wieder mehr nach mir anfühlt. Denn was mir jetzt im Nachhinein erst auffällt ist, dass es da anscheinend eine Dynamik gab die mir gar nicht so gut getan hat. Ich habe mich sozial immer mehr zurück gezogen und hatte auch im Job zunehmend Probleme, jetzt erst wird mir klar, dass das auch viel mit meiner Unsicherheit innerhalb der Beziehung zu tun hatte, die ich ja gar nicht bewusst benennen konnte. Ich habe mich oft nicht wirklich gesehen gefühlt und gemerkt, dass ich keinen richtigen emotionalen Zugang zu ihr bekommen habe. Und für mich sind Kommunikation und Offenheit wirklich wichtig, generell im Leben auch was Freundschaften und so angeht. Und das hat mir natürlich sehr weh getan und ich wollte es nicht wahrhaben, denn die Beziehung war mir doch das wichtigste überhaupt, wie konnte es da Probleme geben? Das durfte nicht sein. Jetzt sehe ich ein deutlich vollständigeres realistischeres Bild.
Trotzdem hatte die Beziehung auch viele schöne Momente und ich möchte gar nicht so schwarz weiß darüber denken.

Was mich auch sehr quält sind Zukunftsängste, ich bin ein bindungsorientierter Mensch und wünsche mir eine langfristige Partnerschaft, am liebsten natürlich ein Leben lang. Ich denke so geht es vielen Menschen. Gerade kann sich mein Gehirn aber überhaupt nicht vorstellen wie sowas jemals wieder entstehen soll.

Also jetzt habt ihr einen langen Text bekommen mit meiner Geschichte, im Grunde schreibe ich hier, weil mich eure Geschichten, eure Lebensweg und euer Umgang mit ähnlichen Krisen, interessieren. Erzählt mir gern was euch geholfen hat und wir ihr wieder mehr Vertrauen in euer Leben gefunden habt. Lachendes Gesicht

x 6 #1


hotte
Lieber @Marloni , herzlich willkommen im Forum.

Deine Geschichte ist etwas das du hier häufiger finden kannst. Das soll es jetzt nicht abwerten aber einer der Punkte der mir geholfen hat, war das Bewusstsein "Ich bin nicht alleine". Ich war nicht der erste, ich war nie der einzige und ich werde mit Sicherheit nicht der Letzte sein der da durch muss.

Dazu kam der Zielgerichtete Austausch. Ich habe mir Selbsthilfegruppen gesucht um mich mit anderen Menschen auszutauschen. Eine Gruppe für Männer (allgemein) und eine weitere für das Thema Trennung. Auch da kam dann wieder der "Ich bin nicht alleine" Aspekt mit rein.

Ne Therapie hatte ich auch angefangen aber dann nach Rücksprache mit der Therapeutin beendet weil wir überein gekommen sind das eine andere Therapieform zielführender sein könnte.

Auch das mit dem sozialen Rückzug hatte ich durch, also stand ich nach der Trennung gefühlt ohne Freunde da. Bei mir war es zu allererst meine Familie die mir halt gegeben hat. Dann habe ich angefangen über Spontacs neue Kontakte zu knüpfen, bin zu einer Coaching Gruppe gegangen wo auch nochmal neue Kontakte rumkamen und, der wichtigste Tipp, habe Freunde aus meiner Vergangenheit gesucht und kontaktiert. Also Menschen zu denen der Kontakt eingeschlafen war mit denen ich als Jugendlicher aber viel Zeit verbracht hatte. Siehe da, da haben sich auch ein paar sehr nette Kontakte wieder ergeben.

Das alles hat mir geholfen aber ich sags dir direkt, der Weg ist steinig und nicht einfach aber andere haben es vor uns auch schon geschafft, also warum sollten wir es nicht schaffen? Zwinkerndes Gesicht

x 4 #2


A


Erste große Liebe vorbei

x 3


S
@Marloni
So eine Erfahrung ist sehr schwer. Es tut mir wirklich leid, dass du das erleben musstest. Ich denke, dass deine früheren Beziehungen viel kürzer und nicht so ernsthaft waren, wie diese. Auf diese hast du dein ganzes Leben und auch dein zukünftiges Leben aufgebaut und sie ist jetzt weg gefallen. Das könnte deine jetzige Intensität der Trauer erklären.
Wenn ich allerdings lese, dass du mit deinem Inneren gar nicht gesehen wurdest, dann erinnert mich das an meine Ex-Beziehung. Es würde mir deine Unruhe, die du hattest, erklären.

x 1 #3


Marloni
@hotte vielen dank für deine liebe Antwort. Ja tatsächlich lass ich gerade auch alte Freundschaften aus der Schulzeit wieder aufleben und das tut richtig gut.

x 2 #4


GreenTara
Hi @Marloni, im Leben gibt es immer wieder Phasen, in denen wir uns neu orientieren. Statt des gewohnten "Läuft doch" schauen wir ins Ungewisse. Dabei ist dieses Ungewisse stets präsent, wir kennen die Zukunft nicht. Bei dir hat eine Bewusstseinserweiterung stattgefunden, aber du kannst dies noch nicht richtig einsortieren. Aber ich habe schon den Eindruck, dass deine Gedanken und Handlungen in die richtige Richtung gehen, um das zu festigen, auf das du Einfluss hast.
Zitat von Marloni:
Erzählt mir gern was euch geholfen hat und wir ihr wieder mehr Vertrauen in euer Leben gefunden habt

Mein (Selbst)Vertrauen gründet auf meinen inneren Dialogen, was sich für mich stimmig anfühlt. Und auf der Akzeptanz, dass ich nicht alles steuern und lenken kann. Dass ich hinschaue, wo ich Gestaltungsmöglichkeiten habe.
Und diese dann nutze. Das stärkt das Ich.
Vor allem, wenn die Entscheidungen begleitet werden von der Frage, ob es sich stimmig anfühlt für mein Selbst, welches höher steht als das Ich.

x 1 #5


Ouabain
Hallo @Marloni ,

Du machst das schon ganz richtig. Ich habe damals ebenfalls alte Kontakte reaktiviert.

Außerdem geschaut, dass ich in meinem Kalender ein paar regelmäßige Freizeit -Termine habe plus kleine Highlights wie z.B. Wochenend-Kurs mit Übernachtung.

Für die regelmäßigen Termine eignet sich im Grunde jedes Hobby, was hilft, dass man regelmäßig unter Menschen kommt.

Viele Grüße

x 1 #6


DieSeherin
Zitat von Marloni:
Erzählt mir gern was euch geholfen hat und wir ihr wieder mehr Vertrauen in euer Leben gefunden habt.

im rückblick kann ich dir nur mit auf den weg geben: ja, ihr wart eine lange und prägende zeit eures jungen erwachsenen-lebens zusammen, aber du hast noch ungefähr 50 jahre leben und liebe vor dir!

lass das mal auf der zunge zergehen und denk darüber nach, wie du diese zeit mit leben und liebe füllen kanns.

x 1 #7


S
Die Selbsthilfegruppe hat mir damals echt geholfen. Das könnte ich empfehlen.
Da kann man sich mit anderen Leidensgenossen*nnen treffen und austauschen 👍

#8


So-What
Vielleicht hilft es Dir, Deine eigenen Worte zu lesen:

Zitat von Marloni:
Ich wusste sie mochte mich, ich war damals aber nicht verliebt in sie, aber ich habe irgendwann das Gefühl bekommen sie würde mir gut tun, also gab ich der Sache eine Chance.

Zitat von Marloni:
Ich bin vor einigen Wochen 30 geworden.

Zitat von Marloni:
was fast noch mehr schmerzt als der Verlust des Menschen, ist das ganze drum herum, die Zukunftsvorstellungen und alles was damit verbunden war.

Zitat von Marloni:
ich wurde nämlich von ihr in der frühen Phase unserer Beziehung mehrfach betrogen.

Zitat von Marloni:
ehrlich gesagt habe ich ziemlich viel meines Sicherheitsgefühls und meines Selbstwerts aus der Beziehung genommen.

Zitat von Marloni:
Zukunftsängste

Zitat von Marloni:
bindungsorientierter Mensch


Es ist nicht sie. Du hast sie zum Sinnbild gemacht, was Du gerne hättest.

Du warst nicht verliebt und hast der Sache eine Chance gegeben, weil sie Dir gut tun würde. Keine optimale Voraussetzung, auch für sie nicht.
Dein Alter kommt nun noch dazu. Es ist die Zeit, in der viele heiraten und Familie gründen und Du wurdest mit einer Trennung konfrontiert. Das ist wahrscheinlich hart.
Sie hat Dich betrogen, was nicht für sie spricht, egal wie die Konstellation war.

Das tut mir sehr leid und ich finde Du machst das gut und wirkst reflektiert.
Du kannst etwas an Deinen Baustellen arbeiten. Bindungsorientiert klingt erst mal gut, aber auch verkrampft.
Du hast die Chance auf eine reifere Beziehung und die hast Du auch verdient.

x 1 #9


S
Kopf hoch @Marloni!
Fühl dich gedrückt und sei gegrüßt und willkommen.

Du klingst sehr reflektiert und ich finde es schön, dass du nicht alles schwarz-weiß siehst. Das man eine Partnerin sucht mit dem man alt werden will ist relativ normal - finde ich.

Ich denke jetzt geht es ans verarbeiten, das wird dauern und wiel sie richtig geliebt hast auch mit starken Schmerzen verbunden sein.

Es wird irgendwann besser werden, aber es braucht Zeit... ...die must du dir selbst auch geben. Aber es wird auch vorbei gehen - das ist die gute Nachricht.

x 2 #10


S
Zitat von So-What:
Es ist nicht sie. Du hast sie zum Sinnbild gemacht, was Du gerne hättest.


Zitat von So-What:
Du warst nicht verliebt und hast der Sache eine Chance gegeben, weil sie Dir gut tun würde.

Das sehe ich anders, er merkt ja den Schmerz.

Zitat von So-What:
Du hast die Chance auf eine reifere Beziehung und die hast Du auch verdient.

Da bin ich ganz bei dir, zumal er ja auch sehr jung war.

#11


Marloni
@So-What erstmal vielen Dank für deine Worte. Ja mir wird es langsam selbst klar, ich bin nicht mit der richtigen Haltung in die Beziehung gegangen und in der Beziehung geblieben. Ich hab Sicherheit und Bestätigung gesucht und verstehe langsam das Fundament dafür muss ich eigentlich selbst sein und darf nicht nur auf einer Partnerin ruhen. Trotzdem war auch echte Liebe dabei, natürlich sonst hätte es wohl so lange nicht gehalten. Aber meine Zukunftsangst kommt vermutlich auch daher, dass das immer meine Überzeugung war, man braucht jemanden um vollständig zu sein...

x 3 #12


Arnika
Zitat von Marloni:
Was mich auch sehr quält sind Zukunftsängste, ich bin ein bindungsorientierter Mensch und wünsche mir eine langfristige Partnerschaft, am liebsten natürlich ein Leben lang. Ich denke so geht es vielen Menschen.

Für mich wäre das mit 21 absolut nichts gewesen, dass ich da mit einem Partner in dessen Heimatort mein gesamtes Leben quasi schon vor mir sehe.

Und fast jeder, den ich kenne, der das so machte, war spätestens dann wieder geschieden, als die Kinder flügge wurden.

Und bei fast allen war es so: Die wirklich großen Lieben kamen erst später, vorher geht’s wohl eher um den „Bauspar-Werbung-Lebensentwurf“. Just my 2 cents.

Also freu dich doch auf die Zukunft, statt Angst vor ihr zu haben!

x 3 #13


So-What
Zitat von Schnuddel74:
Das sehe ich anders, er merkt ja den Schmerz.

Gewohnheiten aufzugeben, neu anzufangen löst Angst aus. Und sich aus Abhängigkeiten lösen tut auch weh. Und weil er schrieb, dass er seinen Selbstwert aus dieser Beziehung zog und sehr bindungsorientiert ist und Zukunftsängste hat, klingt das schon auch nach emotionaler Abhängigkeit. Nicht zu ihr als Person allein. Er sagt ja selbst, dass er das drumherum fast noch mehr vermisst.

x 2 #14


S
@Marloni Du sprichst mir aus der Seele, was diese Zukunftsängste nach dem Verlust der ersten großen Liebe angeht.
Ich wurde damals verlassen und fühlte mich ebenfalls meiner Lebensgrundlage entzogen und dachte, ich überlebe das nicht. Zum Glück hatte ich durch die Arbeit jeden Tag einen Grund, aufzustehen, aber an den Wochenenden lag ich fast ausnahmslos heulend im Bett. Es hörte einfach nicht auf weh zu tun. Dennoch wuchs da eine Stärke in mir, ohne dass ich es bemerkte. Nach einigen Monaten stand er wieder vor der Tür und wollte mich zurück, aber ich lehnte ab und da merkte ich, ich war bereits über ihn hinweg. Die Trauer und Verzweiflung, die ich noch spürte, galten mir selbst und meiner ungewissen Zukunft. Rückblickend war er ohnehin nicht der Mensch gewesen , mit dem ich hätte alt werden wollen, was uns zusammenhielt, war die Vorstellung vom Ideal einer Beziehung und dem „geraden Lebensweg“ mit Heirat, Haus und Kindern. Zum Glück kam es nicht soweit. Auch er war- wie Deine Ex- gefühlsmäßig nicht wirklich zu erreichen für mich und auch er stellte seine Familie über mich (ich meine, weil Ihr in die Heimat Deiner Ex zurückgezogen seid).
Ich war damals Mitte zwanzig und kann Dir sagen, danach habe ich die echte Liebe meines Lebens kennengelernt. Du wirst sehen, eines Tages wird Dir klar, wofür die Trennung gut war. Und nein, Deine Ex hat Dich nicht komplettiert, Du warst schon vor ihr vollständig, hast Dich in der Beziehung nur sozusagen etwas „aufgelöst“ und bist gerade dabei, Deine eigenen Teile wieder zusammenzuführen. Sowas dauert, manche Teile passen nicht mehr und müssen ersetzt werden. Du wächst gerade (wieder). Das ist doch schön! Und Wachstumsschmerzen gehören dazu, denn genau dann heißt es, in sich selbst hineinzuhören und dem nachzugehen, was man aktuell am meisten braucht und wie man es sich selbst geben kann, zum Beispiel Selbst - Sicherheit. Eines Tages wirst Du Selbstliebe und Unabhängigkeit ausstrahlen und damit eine passende, ebenfalls gereifte Partnerin anziehen. Wahrscheinlich genau dann, wenn Du am wenigsten damit rechnest, weil Du viel zu sehr in Dir ruhst, um auf der Suche zu sein.😉

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A


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