Zitat von bero: Wieso hat sie sich überhaupt mit diesem Anliegen an dich gewendet, nach eurer Trennung, wenn sie deine Unterstützung im selben Atemzug ablehnt?
Sie hat informiert und lässt dich dann zuschauen, wie sie sich verändert:
Gute Frage. Soweit ich es weiß war der Grund, dass ich sie da ja am besten verstehe, die Situation mit ihrer Familie am besten kenne und sie einfach mein offenes Ohr wollte. Auch wenn es ihr schwer fiel auch mich zuzukommen und da auch mit gehadert hat, weil nachdem sie damals Schluss gemacht hatte, wollte sie ja auch eigentlich keinen Kontakt mehr zu ihrem Ex. Das sie das Angebot von mir ablehnt und stattdessen zu ihm geht ist auch im gesamten Freundeskreis und auch bei mir persönlich immer noch ein Mysterium. Auch wenn sie mir Gründe genannt hat, die ich nachvollziehen kann. Zu dem gemeinsamen Kumpel hatte sie übrigens auch die Monate über quasi keinen Kontakt, da sie komplett von mir und der Freundesgruppe Abstand genommen hat.
Zitat von bero: Merkst du nicht, dass all das, was du über ihre Grundprinzipien schreibst, sich hier schrittweise verändert?
Was glaubst du denn, was es bedeutet, wenn sie plötzlich neben einem Typen liegen kann wenn das doch vorher so unmöglich für sie war? Und dennoch rechtfertigst du es mit emotionalem Chaos ihrerseits.
Es gibt auch keinen Anlass dafür, dass die helfende Person eine Kombination aus körperliche Nähe und Ausflüge anbietet. Du verschließt die Augen.
Du magst Recht haben, dass sie sich nicht mit böser Absicht belügt oder total verliebt in ihn ist. Es liest sich aber so, als findet sie weitaus mehr in ihm als bloß eine Bleibe. Sie hatte ja auch die Möglichkeit zu dir zu kommen, stattdessen etabliert sie sich lieber in einer neuen, fremden Familie wochenlang. Das ist dir gegenüber nicht sehr comeback-mäßig angehaucht dich darüber in Kenntnis zu setzen.
Wenn deren Verhältnis wirklich rein freundschaftlich wäre, dann hätte es auch nie einen Anlass gegeben dich belügen zu müssen.
Genau an diesem Punkt bin ich selbst innerlich schon so oft hängengeblieben.
Natürlich sehe ich, dass sich ihre Prinzipien verschoben haben. Dass das, was früher für sie „unmöglich“ war – z. B. im selben Bett mit einem Kumpel zu schlafen – heute irgendwie „geht“. Und glaub mir: Das zerreißt mich innerlich.
Ich hab sie genau darauf angesprochen. Nicht nur einmal. Und ihre Antwort war:
„Ich weiß nicht genau, warum ich das auf einmal zulasse. Vielleicht einfach, weil ich gerade so kaputt bin und er mir in dem Moment Halt gibt. Aber ich will nichts von ihm. Ich kann mich gerade gar nicht auf jemand Neuen einlassen, auch weil ich noch an dir hänge.“
Klar – das klingt für viele wie eine Ausrede. Für mich nicht. Nicht, weil ich mir was vormache, sondern weil ich den Menschen dahinter kenne. Ich war zwei Jahre mit ihr zusammen. Ich hab erlebt, wie tief ihre Prinzipien sitzen – gerade in Bezug auf Körperkontakt.
Dass sie sie jetzt trotzdem überschreitet, ist für mich nicht das Zeichen, dass sie plötzlich jemand anderes ist, sondern das Zeichen, dass sie gerade nicht mehr in der Lage ist, sich selbst treu zu bleiben.
Und das ist für mich nicht verzeihlich – aber erklärbar.
Ich hab nie gesagt, dass das okay ist. Ich hab nur gesagt, dass ich glaube, dass sie nicht mit Absicht lügt oder mich ersetzt – sondern dass sie im Moment emotional so überfordert ist, dass sie in Grauzonen lebt, die sie sich früher selbst nie erlaubt hätte.
Ja, sie hätte auch zu mir kommen können. Sie hat es nicht getan. Und das hat wehgetan – brutal. Aber sie war ehrlich genug zu sagen, dass es für sie emotional zu viel wäre, in unsere gemeinsame Wohnung zurückzukehren. Zu viele Flashbacks. Zu viel Druck.
Ich glaube nicht, dass sie sich in dieser neuen Umgebung „etabliert“, um mich zu ersetzen. Ich glaube, sie ist gerade einfach in einem Überlebensmodus – nimmt, was sie kriegen kann, um nicht zusammenzuklappen.
Das Problem war nicht, dass sie bei ihm war. Das Problem war, dass sie mir falsche Sicherheit gegeben hat. Dass sie nicht ehrlich genug war zu sagen: „Hey, ich bin so durcheinander, ich weiß nicht, wo meine Grenzen gerade liegen.“
Und genau deswegen hab ich den Cut gemacht. Nicht, weil ich denke, dass sie ein schlechter Mensch ist. Sondern weil ich nicht mehr mit ansehen konnte, wie sie sich selbst verliert – und ich mich gleich mit.
Ich sehe ihren Verfall. Ich leugne ihn nicht. Aber ich sehe auch den Menschen dahinter – und vielleicht macht das die Situation gerade so verdammt schwer für mich.
Zitat von bero: Was sollst du bitte tun, wenn sie:
1.deine Hilfe ablehnte
2.bei einem Freund einzieht
3.dich über deren Verhältnis belügt
Das fragte ich sie gestern auch. Was soll ich machen? Was erwartet sie von mir?
Ihre Antwort war ernüchternd. Ich spreche das Thema mit dem Kumpel ja immer wieder an, obwohl sie mir schon 10000 mal versicherte, dass sie nichts von ihm will. Und sie so einfach nicht zur Ruhe kommen kann.
Ich sagte dann, dass sie ihre Ruhe hätte. Wenn sie entweder direkt von Anfang an gesagt hätte, dass mich das alles nichts mehr angeht, da wir Ex-Partner sind, statt mir Sicherheit zu geben, oder sie einfach diese Sicherheit die sie mir gibt auch einhält. Für sich selbst und für mich. Und mir nicht jeden 2ten Tag wieder irgendeinen Grund gibt mich über Grenzüberschreitendes Verhalten aufzuregen, was in Widerspruch zu ihren Aussagen steht.
Zitat von bero: Heilung und Frieden ja, für euch beide, getrennt voneinander. Eine gemeinsame Zukunft erfordert viel Arbeit und ich sehe nicht, dass sie grade bereit ist diese zu investieren.
Und das macht mich so kirre. Auf der einen Seite so hoffnungsvolle Aussagen, wenn ich ihr dann aber wieder zu Nahe komme heißt es, dass ich ja "Ihr Ex bin" und sie nicht mehr zum Ex zurück geht. Einen Tag später heißt es wieder Kopf und Herz bei mir und es wird gar nichts mehr darüber gesagt, dass sie nicht mehr zu mir zurück gehen würde. Es ist so verwirrend. Sie investiert aktuell diese Zeit und Arbeit irgendwie immer an einem Tag, den nächsten wieder nicht und so weiter und so fort.
Zitat von bero: Von diesem Gedanken solltest du schleunigst wegkommen. Du kannst als Partner eine Stütze sein und ein sicherer Hafen, aber niemals in die Verantwortung gehen dass du sie heilen möchtest und sie mit dir/in dir zur Ruhe finden soll. Wenn sie das nicht alleine schafft gerät eine Beziehung schnell aus den Fugen.
Nicht heilen können. Aber die Stütze und Hilfe sein, dass sie heilen kann. Sie begleiten dabei
Zitat von bero: In meinen Augen redest du dir das alles schön. Du erkennst ihre Entscheidungen und Handlungen nicht an, nimmst es nicht für voll und rechtfertigst sie mit ihren psychischen Problemen.
Ich kann verstehen, dass es von außen so wirkt, als würde ich mir das alles schönreden. Aber das stimmt nicht.
Ich rede mir gar nichts schön. Ich hab alles gesehen – jeden Widerspruch, jede Verletzung, jedes Hin und Her. Ich hab nicht weggeschaut. Ich hab sie angesprochen, ich hab gekämpft, ich hab gelitten – und am Ende hab ich den Kontakt abgebrochen, obwohl ich’s emotional kaum verkraftet habe.
Ich erkenne ihre Entscheidungen sehr wohl an. Ich weiß, dass sie sich in bestimmten Momenten für Dinge entschieden hat, die mich zutiefst verletzt haben. Ich weiß, dass sie mir Sicherheit gegeben hat, die sie selbst nicht einhalten konnte.
Aber ich erkenne auch die Ursache dahinter. Nicht um sie reinzuwaschen – sondern weil ich weiß, wie viel in ihr gerade zusammenbricht.
Zwischen "Rechtfertigen" und "Verstehen wollen" liegt ein riesiger Unterschied.
Ich rechtfertige nichts. Ich finde es nicht okay, dass sie mir Dinge verschwiegen hat. Ich finde es nicht okay, dass sie ihre Grenzen mit Füßen tritt und mich dabei mit reinzieht.
Aber ich verstehe, dass sie das gerade nicht tut, weil sie mir weh tun will – sondern weil sie selbst nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.
Ist das bequem? Nein. Es wäre viel bequemer, sie abzuhaken, wütend zu sein, ihr jedes Wort auszulegen als Lüge.
Aber ich will nicht der werden, der jemanden emotional vernichtet, nur weil er gefallen ist.
Ich hab sie geliebt. Ich liebe sie immer noch. Und genau deswegen war das Aufgeben für mich das Schwerste.
Ich hab's nicht getan, weil ich ihre Handlungen nicht ernst nehme.
Sondern weil sie zu ernst waren – zu schwer, zu widersprüchlich, zu verletzend. Und weil ich es nicht mehr tragen konnte.
Zitat von bero: Das, was du gerade versuchst zu glauben IST das bequeme.
Unbequem wäre es, sie für das zu sehen, was sie grade ist und tut, wie sie sich dir gegenüber gerade verhält.
Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall:
Das, was ich gerade glaube – nämlich, dass sie überfordert ist, sich selbst nicht mehr im Griff hat, innerlich kämpft und nicht aus böser Absicht handelt – ist alles andere als bequem.
Bequem wäre, mir zu sagen: „Sie ist rücksichtslos. Sie hat mich belogen. Sie ist einfach nur falsch.“
Bequem wäre, den Kontakt abzubrechen und alles als Lüge abzutun.
Aber genau das will ich nicht.
Nicht, weil ich Angst vor der Wahrheit habe – sondern weil ich die Wahrheit nicht auf eine einzige verletzende Handlung reduzieren will.
Ich habe gesehen, wie sie liebt. Ich habe gesehen, wie schwer sie sich mit Nähe tut, wie sehr sie mit ihrer Vergangenheit kämpft, wie tief ihre Prinzipien mal waren – und ich sehe jetzt, wie sehr sie sich selbst gerade nicht mehr erkennt.
Das ist für mich nicht bequem zu glauben, sondern herzzerreißend.
Und ja: Ich habe den Kontakt beendet. Weil ich es nicht mehr konnte. Weil mich die Widersprüche innerlich zerstört haben.
Aber ich werde sie nicht entmenschlichen, nur um mir den Cut leichter zu machen.
Du sagst, unbequem wäre es, sie für das zu sehen, was sie gerade ist.
Ich sehe sie, wie sie gerade ist: Zerrissen, instabil, überfordert – und trotzdem jemand, der keine böse Absicht in sich trägt.
Und das auszuhalten, obwohl ich sie liebe und trotzdem loslassen musste – das ist nicht bequem. Das ist der schwerste Schritt meines Lebens.