Talarios
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Zitat von VictoriaSiempre:Geht‘s auch noch ne Nummer kleiner? Nichts von dem, was geschrieben hat, rechtfertigt dieses Unwort!
Ich verstehe, dass das Wort „entmenschlicht“ hart klingen kann – das war aber nicht als persönlicher Angriff oder Vorwurf gemeint. Es war eine emotionale Formulierung, kein moralisches Urteil.
Was ich damit ausdrücken wollte:
Ich sehe, dass viele das Verhalten meiner Ex sehr kritisch betrachten – und das tue ich auch. Aber ich versuche trotzdem, sie nicht nur auf ihre Fehler zu reduzieren, sondern auch den Menschen dahinter zu sehen. Jemand, der gerade kämpft, überfordert ist und sich selbst vielleicht nicht wiedererkennt.
Für mich wäre es tatsächlich einfacher, sie schlicht als „falsch“, „grenzüberschreitend“ oder „verlogen“ abzustempeln. Aber genau das wollte ich nicht tun – weil ich sie besser kenne und weil ich glaube, dass sie gerade nicht klar bei sich ist.
Das meinte ich mit „entmenschlicht“ – wenn man nur noch das sieht, was schiefläuft, und vergisst, dass da auch jemand drinsteckt, der innerlich kaputtgeht.
Ich wollte damit niemanden angreifen, sondern einfach erklären, warum ich mit einer radikal negativen Sichtweise auf sie meine Schwierigkeiten habe.
Danke trotzdem für den Hinweis – ich hätte es wahrscheinlich einfach anders formulieren sollen.
Zitat von VictoriaSiempre:Mag alles sein. Aber vielleicht ist er auch verliebt in diese Frau und nutzt die Gunst der Stunde? Nett oder gar „freundschaftlich“ wär das natürlich nicht
In diese Situation hat Deine Exfreundin Euch alle 3 gebracht. Bei allem Verständnis für das große Paket, das sie aus der Kindheit mitschleppt: Aber in meiner Erwachsenen-Welt nistet man sich nicht bei jemanden ein, der noch nicht mal eine eigene Wohnung hat, sondern noch im Elternhaus wohnt.
Sie hätte von Eurer gemeinsamen Wohnung aus nach einer neuen, dauerhaften Unterkunft suchen können. Geht zig anderen Paaren, die sich trennen, auch so - ist blöd, aber manches muss ausgehalten werden.
Dass er sich in sie verliebt haben könnte oder mehr will – halte ich sogar für ziemlich wahrscheinlich.
Ich kenne ihn lang genug, um zu wissen, dass er sich gern als „emotionaler Retter“ positioniert – besonders, wenn jemand angeschlagen ist. Und in der Vergangenheit gab es immer mal Situationen, in denen er bei ihr über die Grenze des Normalen getreten ist, auch wenn sie das damals sofort blockiert hat.
Und ja – wenn das tatsächlich so ist, dann ist es alles andere als „nett“ oder „freundschaftlich“.
Ich habe auch mehrfach gesagt, dass ich sein Verhalten absolut unangemessen finde – gerade weil sie so instabil ist und nicht richtig merkt, was da vielleicht für Dynamiken entstehen.
Trotzdem sehe ich in ihr niemanden, der sich bewusst irgendwo „einnistet“. Ich weiß, wie schwer ihr die Entscheidung gefallen ist, überhaupt dorthin zu gehen. Es war keine „Bequemlichkeitslösung“, sondern das Ergebnis von Überforderung und Perspektivlosigkeit.
Sie ist nach dem Streit mit ihrer Familie emotional komplett eingebrochen. Und wie viel Kraft es kostet, in so einem Zustand rational Wohnungssuche zu betreiben oder auf eigene Faust eine Lösung zu finden, lässt sich leicht unterschätzen, wenn man nicht selbst mal psychisch am Boden lag.
Natürlich wäre der bessere Weg gewesen, von unserer gemeinsamen Wohnung aus etwas Eigenes zu suchen – logisch. Aber in der Realität war sie nicht stabil genug dafür. Und auch ich war nicht in der Lage, sie in unserer alten Wohnung zu halten.
Es war für uns beide zu viel.
Ich sage nicht, dass sie keine Verantwortung trägt – tut sie.
Aber ich sage: Sie ist gerade nicht in einem Zustand, in dem sie „normal erwachsen“ funktionieren kann. Und das ist tragisch – aber nicht automatisch bequem oder egoistisch.
Ich habe meinen Cut gemacht, weil ich gesehen habe, dass ich nichts mehr halten oder verändern kann. Aber ich kann trotzdem mit Mitgefühl zurückblicken – ohne das Ganze gleich als Berechnung oder Ausnutzung zu lesen.