Zitat von Uli83: wer lebt auch in so einer Beziehung und was kann man tun, wenn man der Empath ist, neben dem Vermeider?
Ich hatte auch so einen und bin froh dass er sich getrennt hat, auch wenn ich damals Rotz und Wasser heulte und mir dachte, ich würde ihn immer lieben.
Er hatte keinen Zugang zu seinen Gefühlen und ich glaube, sie störten ihn eher. Er kreiste um sich und seine Befindlichkeiten. Einen Tag war er gut drauf, alles gelang ihn, einen anderen Tag war er wieder sehr merkwürdig, in sich gekehrt und eher depressiv wirkend. Er hatte Gefühle die ihn steuerten, aber eigentlich merkte er es nicht oder er ließ die Erkenntnis nicht zu.
Sein Vater war nicht sehr alt geworden und war vor Jahren an einem Hirnntumor gestorben. Und der Sohn geht sehr nach dem Vater, nicht nur äußerlich. Denn der Vater war ein kalter Klotz, der seinen Sohn nicht liebte, sondern eher demontierte und sich in der Welt der Dinge aufhielt. Er baute ein Haus für die Familie und als das fertig war, fing er mit dem zweiten an. Hauptsache, keine Zeit für sich selbst, immer beschäftigt sein und vor allem keine Zeit zum Nachdenken. Keine Zeit für die Familie bzw. auch kein Bedürfnis nach Familienleben. Das wirkt sich später natürlich auf die Kinder aus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Ehefrau mit ihm glücklich war, aber damals trennte man sich nicht. Man hielt es aus und lebte damit.
Ich fragte ihn mal ob er überhaupt weinen kann. Ach, er habe schon lange nicht mehr geweint, meinte er. Er könne sich daran gar nicht erinnern. Ich bohrte nach und sagte, aber als dein Vater gestorben ist, wirst du doch geweint haben. Er erwiderte eher teilnahmslos, ja damals hätte er geweint. Ich glaubte ihm das nicht, aber beließ es dabei. Er muss nicht um seinen Vater trauern wenn ihn dieser nicht gut behandelt hat. Es hängt viel mit dem Elternhaus zusammen, wie man später lebt. Ich denke, er hat es nur gesagt, dass
Ich war das Gegenteil. Ich lebte meine Gefühle aus und zeigte sie auch. Von Begeisterung bis zu tiefster Traurigkeit, wenn er mich wieder mal kalt stellte und abweisend war. Ich bin froh dass ich seinen wechselnden Stimmungen nicht mehr ausgesetzt bin.
Manches Mal konnte er nicht nachvollziehen, warum ich über unsere Beziehung traurig war. Es fehlte ihm wohl an Empathie für andere Menschen. Dagegen kann man auch nichts machen. Wenn Männer schon im Elternhaus darauf getrimmt werden, dass ein echter Mann keine Gefühle zulässt, ist das sein inneres Programm. Und das rauszubringen, ist wohl eine Angelegenheit für Jahre und würde ja auch voraussetzen dass er dazu bereit wäre. Ist er aber nicht, denn ihm geht es ja gut. Also sieht er doch gar keinen Änderungsbedarf.
Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er mir beim Fühlen irgendwie zusah. Er sah vielleicht, dass ich traurig war und wieder mal weinte, aber er konnte nicht nachvollziehen, warum. Es war als ob er durch mich diese ihm fremde Welt wahrnahm, aber nicht viel damit anfangen konnte. Außer es ging um seine Befindlichkeiten.
Er war ein merkwürdiger Kautz und ich bin froh, dass er längst keine Rolle mehr in meinem Leben spielt. Für eine Liebesbeziehung eher ungeeignet, außer er gerät an eine stabile Frau, die darüber allenfalls die Achseln zuckt. Das war ich aber nicht. Was ich damals an ihm fand, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, denn im Grund genommen war er ein Trauerkloß, der mir meine Lebensfreude nehmen konnte.
Mein Mann versteht manches bei mir auch nicht und umgekehrt. Aber das stört mich nicht mehr, ich kann damit leben, dass wir nun mal zwei Individuen sind, die nicht perfekt matchen.
Einen Rat kann ich dir daher nicht geben. Bei dir hängen Kinder, also ein ganzes Familiengefüge dran, was eine Trennung deutlich erschwert. Vermutlich wirst du dich damit entweder arrangieren müssen oder aber du erträgst es nicht und leitest doch eine Trennung ein. Was aber jede Menge Stress für dich und die Kinder nach sich ziehen wird.
Es hat jeder seine Eigenheiten, die man bis zu einem gewissen Maß auch tolerieren muss. Dann muss man das eben sein lassen und sich sagen, er ist halt so, er kann nicht anders. Er hat es schlichtweg nicht "gelernt" und Empathie lässt sich kaum "nachlernen". Und ich habe ja auch meine Wesenszüge, die er nicht versteht. Eine langjährige Beziehung ist niemals perfekt. Man muss nur irgendwann wissen ob diese Diskrepanzen für eine Trennung stehen.
Und Menschen verändern sich im Lauf der Jahre weil die Jugendzeit als er noch unbeschwerter war, unwiederbringlich vorbei ist. Bei dir ja auch, auch du wirst dich über die Jahre verändert haben ohne dass du es merkst.