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Es gibt nur seine Regeln

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Uli83
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Hallo, mein Mann ist ein ziemlich sachlicher Typ, der immer sagt: "Emotionen haben ihn noch nie weiter gebracht." Ich bin gefühlvoll und seit einiger Zeit haben wir große Probleme. Er möchte schon an unserer Beziehung arbeiten, ist aber mit "sich fein", wie er sagt. Und bei jedem Thema an dem wir arbeiten wollen beginnt die Diskussion, ob meine Bedürfnisse, Absichten, Werte überhaupt berechtigt sind und wie er das sieht, wie er vorgehen möchte. Es endet damit, dass ich total erschöpft und abgekämpft aufgebe und er denkt, das kriegen wir schon hin.
Nein, ich sehe das nicht so, bin betroffen, traurig und allein, während er glaubt, wir hätten etwas erreicht.
Er bleibt in seiner Welt, in seinen Regeln und versteht nicht, dass er sich durchgesetzt hat, aber die Beziehung einfach nur wieder ein Stück mehr kaputt gegangen ist.
Wir sind am Anfang einer Paartherapie und ich erlebe, wie die Therapeutin ihm versucht zu zeigen, dass er sehr bei sich, in seinen Räumen und Regeln ist. aber sie hat auch gesagt, jemand der da so fest drin ist, wird das nur sehr schwer ändern können.
Nun das macht mir überhaupt keine Hoffnung. Nachdem jetzt meine Mama gestorben ist und ich eigentlich Rücksicht, Liebe und Halt bräuchte, bin ich jetzt zusätzlich damit beschäftigt, ihm zu erklären warum ich überhaupt traurig sein darf. Er macht daraus, dass er sich jetzt um seinen Alltag kümmert, da ich das nicht kann und lässt mich aber völlig links liegen. Er kann es einfach nicht, er kann nicht für andere da sein. nur für sich.
Ich würde mich eigentlich gerne trennen, aber mit zwei Kindern, der Trauer habe ich gerade genug Energie das Nötigste aufrecht zu halten.
Was meint ihr, wer lebt auch in so einer Beziehung und was kann man tun, wenn man der Empath ist, neben dem Vermeider?

• x 5 #1


Heffalump
Zitat von Uli83:
wer lebt auch in so einer Beziehung

drin leben tu ich nicht, aber ich hatte schon auch einen, der gern Recht hatte, macht auf Dauer krank. du bist schon angeschlagen

• x 6 #2


A


Es gibt nur seine Regeln

x 3


U
Ja, so fühlt es sich auch an, es macht mich krank.

• x 6 #3


Heffalump
Zitat von Uli83:
ob meine Bedürfnisse, Absichten, Werte überhaupt berechtigt sind

du kannst ja mal, wenn er diskutieren möchte, und ich glaube, er hält lieber einen Vortrag oder einen Monolog, als das er zuhört was du sagst, also du könntest zuhören, dir Notizen machen, dir einen Tag Bedenkzeit nehmen und Morgen antworten.
Den ewigen Kreislauf durchbricht man nur, wenn man die Richtung ändert und aussteigt

• x 4 #4


Heffalump
Zitat von Uli83:
ob meine Bedürfnisse, Absichten, Werte

du bist doch Teil dieser Ehe? Warum solltest du keine Berechtigung haben?

• x 3 #5


HappyMike
@Uli83

Herzlich willkommen hier!

Du wirst hier einige Beiträge finden, hoffe es ist was Passendes für Dich dabei. Einige werden sehr kritisch sein. Bedenke immer eines: Wir können nur anhand Deiner Infos diese Situation beurteilen. Dabei können naturgemäß Fehler passieren.

So, my 2 cents:

Ich glaube, Euer eigentliches Problem ist nicht, dass Du emotional bist und Dein Mann sachlich ist. Das Problem scheint vielmehr darin zu liegen, dass Ihr auf völlig unterschiedlichen Ebenen miteinander kommuniziert.

Während Du Dir Verständnis, Nähe und emotionale Unterstützung wünschst, versucht er offenbar, Probleme durch Sachlichkeit, Argumente und Lösungen zu bewältigen. Nur kann man Gefühle nicht wegdiskutieren. Und vor allem müssen Bedürfnisse nicht erst sachlich begründet werden, damit sie ihre Berechtigung haben.

Vielleicht hat Dein Mann nie gelernt, mit den eigenen Gefühlen oder denen anderer Menschen umzugehen. Das würde sein Verhalten möglicherweise erklären, aber es entschuldigt nicht, dass Du Dich damit alleingelassen fühlst.

Was mich besonders nachdenklich macht, ist Deine Aussage, dass er nach Euren Gesprächen glaubt, Ihr hättet etwas erreicht, während Du emotional völlig erschöpft zurückbleibst. Denn eine Diskussion zu gewinnen bedeutet noch lange nicht, eine Beziehung zu stärken. Manchmal verliert man gerade dadurch den Menschen, den man eigentlich behalten möchte.

Ich würde die Paartherapie deshalb noch nicht abschreiben, sondern fortführen. Vielleicht muss Dein Mann zunächst verstehen, dass es in einer Partnerschaft nicht immer darum geht, wer recht hat, sondern darum, den anderen auch dann ernst zu nehmen, wenn man seine Gefühle nicht nachvollziehen kann.

Und noch etwas: Du hast gerade Deine Mutter verloren. Du solltest in dieser Situation nicht auch noch darum kämpfen müssen, dass Deine Trauer anerkannt wird. Du brauchst jetzt keinen Menschen, der Dir erklärt, wie Du funktionieren sollst, sondern jemanden, der Dich auch einmal auffängt.

Vielleicht ist deshalb momentan nicht die Frage entscheidend, ob Du Dich trennen sollst, sondern ob Dein Mann tatsächlich bereit ist, Deine Gefühlswelt als ebenso berechtigt anzuerkennen wie seine eigene.

Denn Empathie bedeutet nicht, immer alles zu verstehen. Manchmal reicht es schon, zuzuhören, nachzufragen, eine Hand zu halten und einfach da zu sein. Und das sollte in einer Partnerschaft eigentlich keine überzogene Erwartung sein.

Zusätzlich etwas Kritisches meinerseits:

Du beschreibst Deinen Mann als einen sehr sachlichen, rationalen Menschen, der mit Emotionen wenig anfangen kann. Ich vermute, dass er nicht erst seit Kurzem so ist, sondern diese Eigenschaften schon zu Beginn Eurer Beziehung hatte. Du hast Dich damals vermutlich auch in genau diesen Menschen verliebt, mit all seinen Stärken, Schwächen und Eigenheiten.

Deshalb finde ich eine Frage besonders wichtig: Hat er sich tatsächlich verändert, oder haben sich Deine Bedürfnisse und Erwartungen an ihn im Laufe der Jahre verändert?

Das ist keineswegs ein Vorwurf. Menschen entwickeln sich weiter, Lebensumstände verändern sich und gerade Schicksalsschläge können Bedürfnisse hervorrufen, die früher vielleicht weniger ausgeprägt waren.

Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir uns unsere Partner nicht nach unseren Vorstellungen zurechtformen können. Wenn jemand schon immer Schwierigkeiten hatte, Gefühle zu zeigen oder emotionale Nähe herzustellen, können wir nicht selbstverständlich erwarten, dass er plötzlich zu einem völlig anderen Menschen wird.

Vielleicht zeigt Dein Mann seine Fürsorge tatsächlich dadurch, dass er den Alltag organisiert und dir praktische Aufgaben abnimmt. Für ihn könnte das sogar ein Ausdruck von Liebe sein, während Du Dir stattdessen emotionale Zuwendung wünschst. Beides kann seine Berechtigung haben, auch wenn es aneinander vorbeigeht.

Zusammenfassend:

Das bedeutet allerdings nicht, dass Du Deine Bedürfnisse zurückstellen oder dauerhaft auf Nähe verzichten musst. Ebenso wenig bedeutet es, dass er sich hinter seiner Sachlichkeit verstecken und jede Veränderung ablehnen darf.

Eine Beziehung verlangt schließlich von beiden Menschen die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Ich würde deshalb die Paartherapie unbedingt weiterführen (siehe oben). Nicht mit dem Ziel, aus Deinem Mann einen völlig anderen Menschen zu machen, sondern herauszufinden, ob Ihr trotz Eurer unterschiedlichen Persönlichkeiten einen gemeinsamen Weg finden könnt.

Und dabei gehört für mich auch eine ehrliche Selbstreflexion dazu: Wenn ich mich für einen Menschen entschieden habe, dessen emotionale Grenzen ich von Anfang an kannte, muss ich mich irgendwann auch fragen, ob ich mit diesen Grenzen langfristig leben kann, anstatt mein Glück ausschließlich von seiner Veränderung abhängig zu machen.

Denn Liebe bedeutet einerseits, den anderen nicht ständig verändern zu wollen. Andererseits bedeutet sie aber auch, sich nicht selbst aufgeben zu müssen, um zusammenbleiben zu können.

so long, alles Gute!

• x 15 #6


U
Ich würde es sofern manchmal gerne aufnehmen, denn wenn man nicht seinen genauen Wortlaut zur Verfügung hat, geht es mit Wortklauberei weiter und wir kommen dann in klein klein.

Ich merke, dass ich tatsächlich auch nichts mehr sagen möchte. Notizen machen, werde ich ausprobieren, danke dafür.

• x 3 #7


Igelfisch
Paartherapie macht mMn nur Sinn, wenn beide aufeinander zugehen, an sich selbst und an dem, was die Probleme in der Ehe verursacht arbeiten wollen. Wenn er noch nichtmal versteht, warum Du traurig bist, oweia! An dieser Stelle mein herzliches Mitgefühl 🌻

Wenn der Mann so garnicht gewillt ist, auch bei sich mal zu schauen dann gibt es nur 2 Optionen.
Du nimmst es hin und schluckst es oder Du überlegst Dir ob eine Trennung nicht doch besser wäre.
Überlege Dir in Ruhe, welche Option die bessere für Dich und die Kinder ist.

• x 3 #8


Heffalump
es kann sich nur was ändern, wenn man was ändert. Und man kann nur sich selbst ändern.

Harmonie wird auch nicht erduldet, die wird erstritten, immer und immer wieder

• x 7 #9


Fenjal
@Uli83 dein Typ ist doch kein anderer Mensch geworden.
Du hast ihn genauso geheiratet, sachlich, wenig emotional, stark bei sich.
Jetzt, wo DU in einer Krise bist, stellst du fest, dass dir seine Art nicht genügt und du etwas anderes brauchst?

Das darfst du, mit der Konsequenz, dass ihr nicht zueinander passt - und nicht, dass ER plötzlich falsch ist, weil er nicht der Partner geworden ist, den du gern hättest.
Er war erwachsen als ihr euch kennenlerntet, seine, - in deinen Augen - Unzulänglichkeiten, hast du akzeptiert und toleriert, heute dramatisierst du sie, er ist und bleibt bei sich, erziehen konntest du ihn nicht.

Dass er zu dieser Therapie geht, zeigt seine Zugewandtheit, Lösungsanbietung.
Ich z.B. würde dir etwas husten, wenn man glaubt den anderen in seinen Charakterzügen verändern zu müssen, weil man mit sich selbst ringt, sollte man nach "innen" schauen, denn der andere ist nicht "falsch" geworden, er war und blieb immer bei sich 👉 korrekt.

• x 2 #10


U
@HappyMike
Bist du Therapeut? Das fasst ziemlich gut zusammen, was hier läuft. Ich verstehe das auch alles.
Natürlich verändert sich jeder im Laufe einer Beziehung. Ich fand meinen Mann früher auch nicht so kalt. Solange ich seine Bedürfnisse erfüllt habe, war er viel mehr bei mir, als jetzt.
Ich würde sagen, unser Verlauf ist klassisch, Heirat, Kinder, Haus gebaut und jetzt Anfang 40 und die Kinder sind größer, ich habe mich viel und gerne gekümmert...suche ich mich selbst neu. Ja, ich habe Bedürfnisse lauter geäußert, die ich schon immer hatte und habe seine nicht mehr priorisiert...seitdem ist er quasi auf Distanz gegangen.

Und ja, ich muss Geduld haben mit der Paartherapie, nur die habe ich ja schon immer. Er wurde als 5 Jähriger von seiner Mutter verlassen und hatte ein zumindest emotionsarmes Elternhaus. Seine Schwester ist auch wenig empathisch.
Wenn ich ihm sage, er kann es gar nicht anders, weil er es nicht kennen gelernt hat, weist er mich zurecht, ich hätte nicht über seine Kindheit zu urteilen.

Dass unsere Art zu reden so verfahren ist, liegt absolut an den Kommunikationsebenen. Aber ich kann nicht auf seine, er nicht auf meine.

Das ist so belastend, da ich quasi immer mit lehren Händen dastehe und nicht mehr weiß, was ich sagen soll.
Ich dachte, ich kann mit so jemandem leben, das war wirklich meine Überzeugung, aber heute fehlt mir die Energie dafür mich zurückzunehmen, damit es funktioniert.

• x 2 #11


U
@Fenjal wo habe ich jetzt gesagt, dass ich ihn ändern will? Die Paartherapeutin hat gesagt, dass er sich nur schwer ändern können wird.

• x 1 #12


Heffalump
Zitat von Uli83:
der immer sagt: "Emotionen haben ihn noch nie weiter gebracht.

warum hat er dann geheiratet?

• x 2 #13


U
@Igelfisch Danke dir.

• #14


Violettsloth
Zitat von Uli83:
wer lebt auch in so einer Beziehung und was kann man tun, wenn man der Empath ist, neben dem Vermeider?

Ich komme aus so einer Ehe. Aber gar nicht mal in der Form, dass er sich immer durchgesetzt hat und seine Regeln gelten für alle, sondern eher wie du schreibst, er nicht für andere da sein konnte. Er schaute mehr danach, was er so wollte, wie es für uns als Familie war, schien für ihn nicht wichtig. Als mein Opa starb, war ich gerade beim Arzt, als mich diese Info erreichte. Ich schrieb ihm das kurz, damit er Bescheid wusste. Als ich heim kam, ignorierte er das, setzte sich an den Tisch und begann zu essen. Da bin ich richtig ausgeflippt. Und ähnlich wie bei dir: Fiel ich für die alltäglichen Dinge aus, kümmerte er sich halbwegs darum, aber immer mit diesem Unterton "Immer muss ich alles machen".
Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mich vor 2,5 Jahren von ihm getrennt. Dieser Mensch hat mich mit seinem Verhalten krank gemacht, ich habe das nur lange nicht richtig gecheckt. Heute weiß ich: Er ist nicht in der Lage dazu, ein verständnisvoller Partner zu sein. Nun lebe ich mit meinem Sohn alleine und es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Und obwohl es alleinerziehend schon teilweise manchmal echt anstrengend sein kann, bereue ich es keine Sekunde und wünsche mir ihn keinesfalls zurück. Wie friedlich das Leben ohne einen solchen Menschen doch sein kann.

• x 8 #15


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