@Uli83
Herzlich willkommen hier!
Du wirst hier einige Beiträge finden, hoffe es ist was Passendes für Dich dabei. Einige werden sehr kritisch sein. Bedenke immer eines: Wir können nur anhand Deiner Infos diese Situation beurteilen. Dabei können naturgemäß Fehler passieren.
So, my 2 cents:
Ich glaube, Euer eigentliches Problem ist nicht, dass Du emotional bist und Dein Mann sachlich ist. Das Problem scheint vielmehr darin zu liegen, dass Ihr auf völlig unterschiedlichen Ebenen miteinander kommuniziert.
Während Du Dir Verständnis, Nähe und emotionale Unterstützung wünschst, versucht er offenbar, Probleme durch Sachlichkeit, Argumente und Lösungen zu bewältigen. Nur kann man Gefühle nicht wegdiskutieren. Und vor allem müssen Bedürfnisse nicht erst sachlich begründet werden, damit sie ihre Berechtigung haben.
Vielleicht hat Dein Mann nie gelernt, mit den eigenen Gefühlen oder denen anderer Menschen umzugehen. Das würde sein Verhalten möglicherweise erklären, aber es entschuldigt nicht, dass Du Dich damit alleingelassen fühlst.
Was mich besonders nachdenklich macht, ist Deine Aussage, dass er nach Euren Gesprächen glaubt, Ihr hättet etwas erreicht, während Du emotional völlig erschöpft zurückbleibst. Denn eine Diskussion zu gewinnen bedeutet noch lange nicht, eine Beziehung zu stärken. Manchmal verliert man gerade dadurch den Menschen, den man eigentlich behalten möchte.
Ich würde die Paartherapie deshalb noch nicht abschreiben, sondern fortführen. Vielleicht muss Dein Mann zunächst verstehen, dass es in einer Partnerschaft nicht immer darum geht, wer recht hat, sondern darum, den anderen auch dann ernst zu nehmen, wenn man seine Gefühle nicht nachvollziehen kann.
Und noch etwas: Du hast gerade Deine Mutter verloren. Du solltest in dieser Situation nicht auch noch darum kämpfen müssen, dass Deine Trauer anerkannt wird. Du brauchst jetzt keinen Menschen, der Dir erklärt, wie Du funktionieren sollst, sondern jemanden, der Dich auch einmal auffängt.
Vielleicht ist deshalb momentan nicht die Frage entscheidend, ob Du Dich trennen sollst, sondern ob Dein Mann tatsächlich bereit ist, Deine Gefühlswelt als ebenso berechtigt anzuerkennen wie seine eigene.
Denn Empathie bedeutet nicht, immer alles zu verstehen. Manchmal reicht es schon, zuzuhören, nachzufragen, eine Hand zu halten und einfach da zu sein. Und das sollte in einer Partnerschaft eigentlich keine überzogene Erwartung sein.
Zusätzlich etwas Kritisches meinerseits:
Du beschreibst Deinen Mann als einen sehr sachlichen, rationalen Menschen, der mit Emotionen wenig anfangen kann. Ich vermute, dass er nicht erst seit Kurzem so ist, sondern diese Eigenschaften schon zu Beginn Eurer Beziehung hatte. Du hast Dich damals vermutlich auch in genau diesen Menschen verliebt, mit all seinen Stärken, Schwächen und Eigenheiten.
Deshalb finde ich eine Frage besonders wichtig: Hat er sich tatsächlich verändert, oder haben sich Deine Bedürfnisse und Erwartungen an ihn im Laufe der Jahre verändert?
Das ist keineswegs ein Vorwurf. Menschen entwickeln sich weiter, Lebensumstände verändern sich und gerade Schicksalsschläge können Bedürfnisse hervorrufen, die früher vielleicht weniger ausgeprägt waren.
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir uns unsere Partner nicht nach unseren Vorstellungen zurechtformen können. Wenn jemand schon immer Schwierigkeiten hatte, Gefühle zu zeigen oder emotionale Nähe herzustellen, können wir nicht selbstverständlich erwarten, dass er plötzlich zu einem völlig anderen Menschen wird.
Vielleicht zeigt Dein Mann seine Fürsorge tatsächlich dadurch, dass er den Alltag organisiert und dir praktische Aufgaben abnimmt. Für ihn könnte das sogar ein Ausdruck von Liebe sein, während Du Dir stattdessen emotionale Zuwendung wünschst. Beides kann seine Berechtigung haben, auch wenn es aneinander vorbeigeht.
Zusammenfassend:
Das bedeutet allerdings nicht, dass Du Deine Bedürfnisse zurückstellen oder dauerhaft auf Nähe verzichten musst. Ebenso wenig bedeutet es, dass er sich hinter seiner Sachlichkeit verstecken und jede Veränderung ablehnen darf.
Eine Beziehung verlangt schließlich von beiden Menschen die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.
Ich würde deshalb die Paartherapie unbedingt weiterführen (siehe oben). Nicht mit dem Ziel, aus Deinem Mann einen völlig anderen Menschen zu machen, sondern herauszufinden, ob Ihr trotz Eurer unterschiedlichen Persönlichkeiten einen gemeinsamen Weg finden könnt.
Und dabei gehört für mich auch eine ehrliche Selbstreflexion dazu: Wenn ich mich für einen Menschen entschieden habe, dessen emotionale Grenzen ich von Anfang an kannte, muss ich mich irgendwann auch fragen, ob ich mit diesen Grenzen langfristig leben kann, anstatt mein Glück ausschließlich von seiner Veränderung abhängig zu machen.
Denn Liebe bedeutet einerseits, den anderen nicht ständig verändern zu wollen. Andererseits bedeutet sie aber auch, sich nicht selbst aufgeben zu müssen, um zusammenbleiben zu können.
so long, alles Gute!