Nara
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Und das hab ich auch gemacht. Mein Weg war nur nicht der der Mehrheit, sondern der meiner tiefsten Überzeugung. Ich konnte mich nicht selbst verraten und hielt ihr die Tür geöffnet - buchstäblich bis zur letzten Sekunde. Denn als ich soweit war das Ende zu akzeptieren kam alles ganz anders. "ER" bekam kalte Füße und stieß sie weg. Ich war treudoof zur Stelle, um sie aufzufangen. Mir war klar, dass ich mich komplett zum Affen machte, aber da war er plötzlich - dieser kleine Funke Hoffnung.
Es folgten zahllose Gespräche, Tränen, Streit, Zweifel - aber immer auch dieser eine kleine Funken auf der einen Schulter und das Verantwortungsgefühl gegenüber meiner Tochter auf der anderen Schulter. Also habe ich weiter gemacht, weiter gebissen und weiter gekämpft.
Heute - zwei Jahre später wohnen wir in einem anderen Ort. Sie hat ihre Arbeitsstelle gekündigt. "ER" spielt keine Rolle mehr. WIR stehen jetzt im Mittelpunkt. Meine Tochter wächst weiterhin glücklich auf und kann sich getrost auf die Familie verlassen.
Es ist bei weitem noch nicht gut. Zu oft noch quält mich der Schmerz des Verrats und absolut omnipräsent ist seitdem die Gewissheit, dass ich alleine auf dieser Welt bin und mich ausschließlich auch mich selbst verlassen kann.
Aber da ist auch dieses andere Gefühlt. Dieses "Zuhause". Dort bin ich gerne - ja sogar am liebsten. Ich verbringe gerne Zeit mit ihr. Wir reden viel über Gott und die Welt, wir "bewurschteln" uns, kraulen, streicheln uns. Wirkliche Intimitäten sind noch selten, aber das ist okay und ich kenne die Gründe dafür und ich weiß, dass es sich ändern wird.
Wichtig ist, dass sie mir immer wieder zeigt, dass es jetzt anders ist, dass unser gemeinsames Leben wieder auch ihr Ziel geworden ist. Sie bemüht sich sehr und ich glaube fest daran, dass sie nie aufgehört hat mich zu lieben. Und das ist es was zählt.
Mit jedem weiteren Jahr wird die Erinnerung an diese schlimme Zeit verblassen und wir werden weiter zusammen wachsen. Alles was da vorher war ist zerstört, aber wir haben uns etwas Neues erschaffen - tatsächlich mit Nichts aus dem alten Leben vergleichbar.
Meine Gewissheit bleibt:
Ich glaube daran, dass sich Kämpfen lohnen kann. Man weiß tief in sich drin aber auch, ob sich der Kampf wirklich lohnt, ob da wirklich noch Hoffnung ist.
Viel Glück und viel Kraft euch allen!
Nara