Satine
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nachdem ich nun seit einiger Zeit mich hier durchlese, will ich meine Geschichte auch mal loswerden …
Mein Mann (39) und ich (37) sind seit 16,5 Jahren ein Paar (und die besten Freunde). In zwei Wochen
haben wir unseren 7. Hochzeitstag. Wir haben einen Sohn, der 21 Monate alt ist.
Nach unserer kirchlichen Hochzeit 2008 wollten wir ein Kind bekommen. Drei Jahre lang haben wir es versucht.
Eine Fehlgeburt in der 7. SSW. Es hat einfach nicht geklappt. Irgendwann ging mein Mann zum Arzt.
Diagnose: zeugungsunfähig. Nach langem Überlegen hatten wir uns dann dazu entschlossen, uns bei einer Kinderwunschklinik helfen zu lassen. Ein halbes Jahr lang dauerte es „nur“. Es hat sofort beim 1. Mal geklappt. Ich war schwanger. Die Schwangerschaft war manchmal nicht leicht. Ich hatte Schwangerschaftsdiabetes und Wasser in den Beinen. Ich musste ständig zum Ultraschall. Trotzdem ging alles gut. Unser Sohn kam im Oktober 2012 nach „nur“ 7 Stunden zur Welt.
Im März 2014 zogen wir in eine neue tolle Wohnung. Im April kam unser Sohn in die Kita. Und im Mai fing
ich wieder mit dem Arbeiten an. Auf all diese Dinge habe ich mich gefreut, weil mir nur Mutter und Hausfrau sein, einfach zu wenig war. Ich war felsenfest der Meinung, dass jetzt alles schöner werden wird, weil ich schon festgestellt hatte, dass unsere Beziehung ziemlich gelitten hatte.
Leider wurde es nicht besser, denn dazu bekamen wir keine Chance mehr!
Am 31.05.2014 wollte mit meinem Mann reden, weil mir auffiel, dass irgendwas anders sei. Er hatte sich zurückgezogen. Dazu kam ich nicht mehr. Er eröffnete das Gespräch. Er sagte, wir würden nur noch nebeneinander herleben. Wir machen nichts mehr gemeinsam. Für ihn sei das keine richtige Beziehung mehr. Er liebt mich noch, aber nicht so wie es sein sollte. Er glaubt, wir wären schon längst nicht mehr zusammen, wenn es unseren Sohn nicht gäbe.
Und dann stand die Zeit für mich still!
Ich hatte die Worte gehört, konnte sie aber trotzdem nicht verstehen. Ich fragte ihn, ob es eine andere Frau gäbe. Er sagte, nein.
Ich stand unter Schock! Ich hatte zwar Tränen in den Augen, aber sie kamen nicht raus. Dann bin ich abgehauen. Ich musste einfach nur weg. Kaum saß ich im Auto, brach ich zusammen und weinte. Ich bekam keine Luft mehr. Ich fuhr los und rief meine beste Freundin an. Die war total irritiert, weil sie mich noch nie so erlebt hatte. Ich konnte nicht aufhören zu weinen. Bei ihr angekommen, tröstete sie mich natürlich. Erstmal abwarten. Es muss ja noch nicht heißen, dass es vorbei ist. Er hat es jetzt erstmal ausgesprochen. Nun sollen wir mal sehen. Ich wollte ihr glauben, hatte aber totale Angst.
Als ich nach Hause kam, lag er im Bett. Ich wollte mit ihm reden, habe ihn gefragt, ob wir nicht kämpfen wollen um unsere Ehe. Er sagte, dass er nichts mehr sehe, worum man kämpfen kann. Ich redete weiter auf ihn ein, aber er machte dicht. Dann ließ ich ihn erstmal allein und schlief im Wohnzimmer.
Am nächsten Tag bat ich ihn, unseren Sohn zu seiner Mutter zu bringen, weil ich nicht imstande war, mich um ihn zu kümmern. Dies tat er auch. Er teilte ihr auch gleich mit, was los sei. Ich wollte wieder reden, aber es brachte nicht wirklich etwas. Er war auch traurig. Er fing sogar doll an zu weinen. Er wolle ja kein Mitleid, aber für ihn sei es auch sehr schwer. Er verliert seinen Sohn und seine beste Freundin. Ich sagte ihm, dass er seinen Sohn niemals verlieren wird, das würde ich niemals zulassen. Wir sind beide Scheidungskinder! Ich wollte es besser machen. (bis jetzt klappt es auch).
Die Gespräche führten zu nichts. Er blieb dabei. Ich solle nicht kämpfen. Es sei endgültig. Also ließ ich es.
Da wir gerade umgezogen waren und kein Geld mehr hatten, weil wir alles für die neue Wohnung ausgegeben hatten, schlug ich vor, dass wir erstmal noch zusammen wohnen bleiben. Für unseren Sohn. Und um Geld anzusparen. Er war einverstanden. Wir schliefen sogar weiterhin in einem Bett. Aber ich hielt das nur ein paar Tage aus. Seine Tante bot ihm an, in ihrer Wohnung zu wohnen, bis er was eigenes gefunden hat. Sie lebte überwiegend bei ihrem Lebensgefährten. Erst wollte er das nicht. Ich sagte
ihm aber, dass das eine gute Idee wäre. Neun Tage nach unserer Trennung zog er aus. Als er ging, umarmten wir uns noch und wünschten uns alles Gute. Wir hatten beide Tränen in den Augen. Dann ging er. Ich brach wieder zusammen, als die Tür ins Schloss fiel.
Wir organisierten den Umgang zwischen ihm und unserem Sohn. Also sahen wir uns häufig. Ich schrieb ihm noch einen 11 Seiten langen Brief und teilte ihm meine Gedanken und Gefühle mit. Mir war bewusst geworden, seit wann es bei uns schief lief. Wir beiden hatten es einfach nicht geschafft, uns neu zu finden, seit dem unser Sohn auf der Welt war. Stattdessen haben wir uns immer mehr voneinander entfernt und wurden immer unsicherer. Wir haben nichts dagegen unternommen.
Mein Umfeld fragte mich jedes Mal, wenn ich von der Trennung erzählte, ob er eine andere hätte. Ich sagte, nein, und dass ich ihm das auch glaube. So sehr würde er mich ja nicht anlügen. Aber ich fing an zu zweifeln. Und ich sammelte Indizien. Ich setzte ihn unter Druck, in dem ich ihn immer wieder darauf ansprach. Der Druck wurde wohl irgendwann so groß, dass er mir dann doch beichtete, dass es jemand anderes gebe. Er konnte es mir nicht einmal ins Gesicht sagen, er schrieb mir einen Brief. Wieder brach
ich zusammen. Bis dahin hatte ich noch so große Hoffnung, dass alles gut werden würde. Er hatte etwas mit seiner Arbeitskollegin angefangen, die selbst verheiratet (mittlerweile hat sie sich auch getrennt) ist und zwei kleine Kinder hat.
Er hat mir in dem Brief auch gleich mitgeteilt, warum er es mir nicht gleich gesagt habe. Wegen unseres Sohnes. Mein Mann ist Erzieher und unser Sohn geht in seine Kita. Er betreut in nicht direkt, trotzdem. Er hatte Angst, dass ich nun unseren Sohn aus der Kita nehmen würde, was ihn tottraurig machen würde. Er könnte es akzeptieren und verstehen, dass ich die Kita jetzt nicht mehr betreten möchte, aber er bat mich, noch einmal darüber nachzudenken.
Meine erste Intuition war, ihn natürlich nicht in der Kita zu lassen. Wir stellt er sich das vor? Wenn ich sie treffe? Ich hätte nicht gewusst, was ich tun würde. Er schrieb auch, dass es in der Kita niemand weiß und es auch so bleiben soll, er wolle mir das Gerede ersparen.
Ich war sowas von wütend und verletzt!
Nach einiger Zeit beruhigte ich mich aber wieder.
Heute sind 4,5 Wochen vergangen.
Der Trennungsschmerz ist nicht mehr so schlimm. Ich esse wieder, rauche weniger und lebe wieder. Ich habe Verabredungen gemacht und gebe mir trotzdem Zeit zum Trauern. Ich halte Abstand zu meinem Mann. Ich organisiere das Umgangsrecht und alles was nötig ist, um ihn nicht ständig sehen oder hören zu müssen. Ich habe aufgehört nachzusehen, wann er bei Whatsapp online ist und vor allem
habe ich sie wieder aus den Kontakten entfernt. Es bringt mich nicht weiter. Es verletzt mich immer nur mehr. Ich will nichts mehr von ihm oder ihr wissen oder hören oder sehen. Es zieht mich nur runter. Mein Fokus muss auf mir und meinem Sohn liegen, nicht auf ihn und seine Perle.
Offensichtlich war es so, dass er schon länger unglücklich war und der Umzug war eine letzte Chance. Nur schade, dass er mir das selbst nie gesagt hat. Es wurde für ihn nicht besser. Dann war seine Kollegin da. Er arbeitet schon länger mit ihr zusammen. Eigentlich ist sie gar nicht sein Typ. Sie schrieben sich mal Nachrichten und waren zusammen mit anderen Kollegen mal unterwegs. Und irgendwann
ist es passiert. Sie küssten sich. Und bei ihm hat es gefunkt. Bei ihr wohl auch. Da hat er wohl gemerkt, dass die Gefühle zu mir verloschen sind, sonst könnte er das für sie ja nicht empfinden. Das muss so im April/Mai passiert sein. Das alles habe ich von einem Freund erfahren. Nicht von meinem Mann.
Er hätte mir solche Details nie erzählt, um mich nicht noch mehr zu verletzen.
Nun muss ich dazu sagen, mein Mann ist kein Ar…! Er ist ein lieber Mensch, sonst hätte ich ihn niemals geheiratet. Ich weiß, dass es nie seine Absicht war, mich derart zu verletzen. Er hätte sowas nie geplant. Es ist einfach passiert.
Mittlerweile habe ich mein Leben langsam wieder einigermaßen im Griff. Ich halte ihn auf Abstand, bin auf Wohnungssuche und habe auch schon mit meiner Firma geklärt, dass ich meine Arbeitszeit verkürzen muss. Gestern saßen mein Mann und ich zusammen und haben die nächsten zwei Wochen organisiert. Es war das erste Mal relativ entspannt, trotzdem brauche ich noch Abstand. Aber hinterher bin ich jedenfalls schon mal nicht wieder zusammengebrochen. Jedenfalls habe ich ihm noch einiges gesagt, bevor er ging. Ich sagte ihm, dass ich anfange zu verstehen, warum das alles so passiert ist. Seine Neue sei nicht der Grund unserer Trennung, sondern nur der Auslöser. Wäre bei uns alles in Ordnung gewesen, hätte sie niemals eine Chance gehabt. Und ich muss zugeben, dass ich glaube, dass unsere Beziehung schon vor der Geburt unseres Sohnes im Argen lag. Wir haben zwar mal gesagt, dass uns was nicht gefällt und es kurzfristig geändert, aber halt nie für lange. Wir haben nie richtig geredet. Ich war auch unglücklich, konnte es ihm aber nie sagen, weil ich keine schlafenden Hunde wecken wollte. Ich dachte, ich vertreibe ihn dann, weil er auch so fühlt. Davor hatte ich Angst. Ich sagte ihm, dass ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen könnte, dass wenn sich die Gelegenheit für mich geboten hätte, mir nicht dasselbe wie ihm jetzt passiert wäre. Ich sagte ihm, dass ich glaube, dass es ganz gut ist, dass es jetzt vorbei ist. Wir können beide neu anfangen, auch wenn ich jetzt noch traurig bin. Das geht aber vorbei. Dann merkte ich, dass es mir zuviel wurde und beendete das Gespräch, indem ich sagte, dass wir darüber ja gern irgendwann einmal sprechen könnten, sofern wir noch Bedarf hätten.
Ich hatte fast das Gefühl, er war etwas irritiert.
Ich habe das nicht gesagt, um ihm weh zu tun oder irgendetwas zu erreichen damit bei ihm, sondern weil ich es wirklich so sehe. Was ich ihm allerdings nicht gesagt habe, weil das wieder nur Vorwürfe sind, die überflüssig sind, dass ich der festen Meinung bin, dass wir das wieder hinbekommen hätten. Aber nun ist sie im Spiel. Ich bin machtlos. Alles was ich tun würde, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen, würde ihn noch weiter von mir entfernen. Das will ich aber nicht. Auch wenn unsere Liebe vorbei ist und wir kein Paar mehr sind, so sind wir doch immer noch Eltern. Und ich möchte eine vernünftige Basis für unseren Sohn schaffen.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich will meinen Mann nicht zurück. Natürlich will ich das. Ich liebe ihn. Ich habe ihn geheiratet, weil ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen möchte. Immer noch! Ich will IHN. Ich habe keine Angst davor, allein zu sein. Das bin ich nicht. Ich habe auch keine Existenzängste. Ich kann ganz gut für mich alleine sorgen. Ich weiß auch, dass ich mich wieder verlieben
kann. Irgendwann. Trotzdem … ich will mit meinem Mann zusammen sein.
Aber er will nicht mit mir zusammen sein. Also muss ich ihn gehen lassen. Nicht, weil er es will, sondern weil ich sonst kaputt gehe.
Ich werde mein Leben jetzt ohne ihn weiterleben. Mit meinem Sohn. Ich werde eine neue Wohnung finden. Alles wird gut werden, das weiß ich. Ich bin traurig, natürlich. Ich habe meine Liebe verloren. Aber ich weiß, das geht vorbei. Ich bin stark und werde noch stärker. Und ich bin stolz auf mich. Darauf, wie ich damit umgehe. Ich hätte das selbst von mir nie gedacht. Natürlich habe ich ihm auch ein, zwei
Szenen unter Tränen gemacht. Aber das war es dann auch. Mehr nicht. Vor allem zeige ich ihm jetzt nicht mehr, wie es in mir aussieht.
Und ich muss feststellen, dass mir das gut tut. Es geht mir auch schon besser. Von Tag zu Tag.
Am schlimmsten ist es jedoch immer morgens, wenn ich aufwache. Ich träume immer von ihm. Und wenn ich aufwache, muss ich leider feststellen, dass alles immer noch so ist wie gestern. Es dauert dann ein paar Minuten, bis dieses üble Gefühl wieder einigermaßen verschwunden ist.
Ach ja, eins noch. Gestern teilte er mir mit, dass er ab 01.08. eine eigene Wohnung hat. Ich fragte ihn, ob er mit ihr zusammenzieht. Er sagte: Natürlich nicht. Ich fragte, warum nicht? Hallo? Na, sie hat doch zwei Kinder. Und ich sagte: Ach so, ja. Gedacht habe ich natürlich: Schade, ich dachte, wegen mir und weil Du doch nicht so sicher bist, was sie angeht.
Wobei ich glaube, soviel denkt er gerade auch nicht. Er lässt es wohl einfach nur auf sich zukommen und findet es nett. Er ist einfach frisch verliebt.
Heute Abend unterzeichnet er den Mietvertrag. Für mich fühlt es sich wieder an wie ein Ende. Ständig fühlt es sich so an, als würde es immer wieder neu enden. Ich hoffe, das ist bald vorbei und ich habe wirklich verstanden, dass es zu Ende ist. Warum macht man sich bloß immer soviel Hoffnung? Auch wenn man weiß, dass selbst wenn er zurückkäme, es nicht einfach weitergehen kann. Das wäre harte, harte
Arbeit. Es gibt schließlich einen Grund für die Trennung und wenn der nicht beseitigt wird, geht alles wieder von vorne los. Ich glaube, es wäre sogar noch zu früh. Und mich macht es traurig, dass es irgendwann aber auch zu spät sein wird. Ich merke nämlich gerade, wie ich mich auch von ihm immer weiter entferne. Ja, ich weiß, dass es gut ist so, um neu anzufangen. Trotzdem bin ich traurig darüber.
So, ich glaube, das reicht für’s Erste. Ich habe bestimmt ganz viele Details vergessen, ist jetzt aber auch egal. Kann nachgeholt werden.
Satine
